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331

Samstag, 5. Januar 2019, 15:23

Der Gordinator erweist sich als Multitasking fähig. Hier hält er die Rah, während ich versuche, möglichst clever die hochgezogenen Gordings anzubringen. Die vierte Technik erwies sich als die richtige. Alle Gordinge sind ein einziger Faden, der nach einem Muster durch zwei Schlaufen gezogen wird, die vorerst die Verteilerblöcke imitieren. Dass es nur ein Faden ist, ermöglicht, ihn flexibel stramm zu ziehen. Alle Stellen, an denen die Gordinge das geborgene Segel berühren, werden verleimt. Als unabdingbar erwies es sich, an diesen Stellen Kerben in das Segel zuschneiden. Das Material erlaubt das.





Und hier sind Rah, Segel und Gordinge unterwegs an ihrem Platz. Kurz durchatmen. Das wird schon.





Angekommen. Einige Hilfstaue halten die Rah, sodass die Gordinge über Blöcke unterhalb des Marses stramm gezogen werden können. Etwas Farbe imitiert die Verteilerblöcke.





Das letzte Foto zeigt den Weg, den Schoten und Halsen gehen werden. Natürlich nicht auf direktem Wege, sondern realistisch durchhängend – eine weitere Baustelle.



Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

332

Samstag, 5. Januar 2019, 16:14

Hallo Schmidt, Klasse Vorstellung und ein Super Ergebnis.
Danke fürs zeigen und erklären.
LG Frank

333

Samstag, 5. Januar 2019, 20:56

Wird wieder echt schmittig!

Wurden damals die Unterrahen nicht sogar auf der Reling abgelegt?

XXXDAn
... keine Angst, der will doch nur spielen ...



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334

Montag, 7. Januar 2019, 09:37

Noch einmal die alte Fassung des Ankersegels:



Und hier die Neufassung. Der Teil an der Rah ist mit dem Gordinator gefertigt, die Bögen sind angeformt. Fortschritt?





Die Fallen der Marsrah führen über das Eselshaupt bis aufs Deck. Soviel ich weiß, gab es aber auch die Version, sie auf dem Untermars zu befestigen. In diesem Fall würde da bei abgesenkter Stenge eine Menge Tau anfallen, das immer noch eine Haltefunktion hätte. Grübel. Tipps?

Hier das Gesamtensemble. Die Taue werden durch Gewichte straff gehalten.



Und hier ein Ratebild. Wer bemerkt die locker durchhängenden Schoten und Halsen des aufgetuchten Focksegels? Kein Leim, kein Klebstoff! Sondern selbst hergestellter geschlagener Kupferdraht. Dazu später mehr.



Schmidt
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335

Montag, 7. Januar 2019, 18:27

Klasse! Vor allem die Farben! Habe zwar gelesen, was Du über das Arbeiten mit Ölfarben geschrieben hast, aber bis das mal wie hier bei diesem Modell aussieht, werde ich noch viel Übung benötigen. Und bis dahin erfreue ich mich an Deinen Baufortschritten!

336

Donnerstag, 10. Januar 2019, 09:43

Zunächst noch einmal der alte Zustand des Fockmastes:



Nun habe ich mich an einer Variante versucht: die Fockrah hängt nur wenig unterhalb ihrer Normalposition. Die Marsstenge ist also zwischen Untermast und Rah hindurch abgesenkt.



Das Segel ist bereits beschlagen, hängt also nicht mehr in den Gordings. Die sind etwas locker gelassen worden und hängen sehr barock und dekorativ durch, wie man es auf den zeitgenössischen Abbildungen immer wieder sieht.
Das ist natürlich gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Die folgenden Bilder zeigen das Verfahren. Die Gordinge werden mit einer Metallfeile nach unten gezogen, dann werden die Taue mit einem Weißleimgemisch gestrichen und so in Form gehalten. Letzten Endes aber wird man sie dezent mit wenig Klebstoff irgendwo befestigen können, damit das Barocke nicht wieder verloren geht.





Die Arbeit am Fockmast hat mich gelehrt, dass das ganze Teil aus Gründen der Stabilität besser vor der Montage fest zusammengeklebt und mit allen nötigen Halterungen versehen sein sollte (vorausgesetzt, man weiß, wie genau es später aussehen soll). Das will ich jetzt beim Hauptmast durchexerzieren. Nicht zu sehen ist, dass er auch zwei Löcher hat, in denen die Rahen mit entsprechenden Stiften befestigt werden können.



Die Metallhaken unter dem Fockmars haben sich als nicht besonders praktikabel erwiesen, die Taue rutschten immer wieder heraus. Für die Befestigungen unter dem Großmars habe ich Tauschlingen hergestellt, einfach in der Produktion, (hoffentlich) sicherer und sogar optisch ansprechender.



Schmidt
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Realname: Hans Juergen

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337

Donnerstag, 10. Januar 2019, 14:40

sehr fummelant das Ganze :ok: sozusagen " geordnetes Chaos"

338

Donnerstag, 10. Januar 2019, 20:50

Eine unglaubliche Detail-Arbeit. 8| :ok:
Ich habe stets mehrere Modelle im Bau, oft gibt es längere Pausen. Aktuell im Bau, bzw. in den letzten Monaten immer mal etwas dran gemacht: mehrere Duesenberg, Mercedes 540K, Cadillac Eldorado Caddy Racer, Rolls Royce Phantom II 1:16, Bugatti Royale-Umbau, diverse 1:32-Modelle usw ........ :wink:

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Realname: Christian

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339

Freitag, 11. Januar 2019, 15:24

Was nicht ganz passt sind die Wanten die hängen mir zu weit von den Maßen weg.
Die waren ja ziemlich schwer daher sollten sie straffer runterhängen.
Aber sonst wieder tolle Arbeit
mfg Christian
Der Nachbar hört AC/DC ob er will oder nicht :cracy:

340

Freitag, 11. Januar 2019, 15:29

Zum Durchhängen gibt es ja genügend zeitgenössische Bilder, die den Biegeradius zeigen und das Video der Götheburg, da sieht man evtl. auch was.

XXXDAn
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341

Freitag, 11. Januar 2019, 15:55

Ganz meine Meinung. Aber sag das denen mal! Die heben immer wieder selbstständig und unerlaubt ihre Schwingen.
Man wird Mittel und Wege finden! :!!
Schmidt
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342

Freitag, 11. Januar 2019, 17:43

"In die See, in die See, mit Gewichten an den Füßen!!!"

... oder so ähnlich hieß es doch in unserer Jugend ...

XXXDAn
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Realname: Christian

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343

Freitag, 11. Januar 2019, 18:57

Ich bin mir ziemlich sicher das du das hinbekommst
mfg Christian
Der Nachbar hört AC/DC ob er will oder nicht :cracy:

344

Freitag, 11. Januar 2019, 19:04

Hi Schmidt, :wink:

noch ein Tipp, der bei mir zumindest für "Durchhänger" gut geklappt hat. Statt Weißleim, der seinen Job allerdings auch gut macht, verwende ich Tapetenkleister. Damit kann man sich schön die Finger benetzen und Taue der Länge nach regelrecht zwischen Daumen und Zeigefinger "eincremen" und durchtränken. Ein Vorteil, der mir aufgefallen ist- nach dem Trocknen noch modellierbar, nachjustierbar, da wasserlöslich und optisch absolut unsichtbar. Speziell bei Schoten der Untersegel und allen voran bei Blinden hat sich das -bei mir zumindest- bewährt. Röler hatte mal die Idee dazu: Seine fast schon damals legendäre "unsägliche Ekelpampe" war keine Geheimrezeptur sondern ebendieser Tapetenkleister... ;) :thumbsup:

Schöne Grüße
Chris :ahoi:
"Go and tell Lord Grenville that the tide is on the turn. It's time to haul the anchor up and leave the land astern. We'll be gone before the dawn returns. Like voices on the wind..." (A. S.)

"Mayflower"

"La Santissima Madre"



345

Freitag, 11. Januar 2019, 19:50

Alles notiert!
Schnell noch drei Fotos vom Stand der Dinge. Die Gordinge wehen jetzt „frei“ im Wind. Man beachte auch die weitere Kosmetik an den Segeln selbst, die mit verdünnter Ölfarbe Schatten in den Falten bekommen haben. Auch einige der Taue sind schon mit verdünnter Ölfarbe in den Zustand „gebraucht“ versetzt worden.







Schmidt
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346

Freitag, 11. Januar 2019, 21:07

Schmidt, Du bist echt famos! :sabber: :sabber:
Im Bau: Royal Louis; Fletcher-Klasse (Platinum Edition); Jeep Willys

Fertig: Lamborghini Countach (Abo); La Montanes; Astrolabe; Bounty; Lanz-Bulldog D8506 (Abo); Bismarck (Platinum Edition)

347

Freitag, 11. Januar 2019, 21:11

Hallo Schmidt,
das Vorsegel ist Dir wirklich gut gelungen, die Taue hängen sehr realistisch durch und die Farbgebung ist zum Verlieben :love: .
Dagegen sieht das Bramsegel (Ankerform), ob nun historisch korrekt oder nicht, einfach nur s..... aus, aber das ist meine ganz persönliche Meinung und ist nicht als Kritik zu verstehen.
Das Modell gewinnt dadurch m.M.n. nicht.
Bin aber weiterhin absolut gespannt, wie Du den Rest takeln wirst, da kann ich mir ordentlich etwas abschauen. :D
Schönen Gruß, Steffen

Im Bau: Le Glorieux 1:150 von Heller
Fertig: HMS Beagle 1:96, Gorch Fock 1:253, HMS Victory 1:225, Cutty Sark 1:350
Nach dem Modell ist vor dem Modell: USS Constitution 1:96 von Revell, in Warteposition.


348

Freitag, 11. Januar 2019, 21:54

Ich kann Steffens Meinung nachvollziehen.
Auch für mich ist diese Form des Reffens sehr gewöhnungsbedürftig.

Aber es liegt wohl nur daran, dass ich diese Art noch nirgends so gesehen habe.
Handwerklich sind Deine Takelarbeiten ohne Fehl und Tadel und sehr sehr realistisch.
:schrei: "Kleine Schiffe zu bauen führt bloß zur Vergeudung von Jungholz"
(Gustav II. Adolf, König von Schweden; 1611 - 1632)

Eine großartige Modellbauzeit wünscht
Ray

349

Freitag, 11. Januar 2019, 23:44

Ob für uns ungewöhnlich oder nicht, diese "Ankerform" sieht man zeitgenössisch recht häufig.

Wobei ich persönlich noch nicht so ganz verstanden habe, wie es gemacht wurde. Wurden die Schothörner ausgehängt und die Segel dann verdrillt? Oder blieben die Schothörner dran und die Segel wurden in der Mitte gedreht, was aber zwei gegegnläufigen Spiralen der Wicklung enden würde ...

Fragen über Fragen ...

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350

Samstag, 12. Januar 2019, 10:28

Aha, das Ankersegel spaltet die Nation!
Ich gebe Daniel recht: Wenn man sich häufiger historische Abbildungen ansieht, begegnet man dem Ankersegel regelmäßig. Allerdings wüsste ich auch nicht sicher zu sagen, wo genau die Vorteile dieses Verfahrens liegen. Irgendwelche Vorteile aber muss es haben, sonst wäre es ja sicher nicht flächendeckend angewendet worden. Meine eigenen Überlegungen gehen in verschiedene Richtungen.

1. So geht das schneller. Die Rah wird abgesenkt, zwei Jungs bauschen das Segel zur Mitte und binden es an das Eselshaupt wie die Indianer einen bösen Feind an den Marterpfahl binden. Die unteren Ecken sind sowieso schon mit den Geitauen zur Rah hochgezogen. Also schlingt man das Tau, das das Segel in der Mitte hält, noch weiter um sie herum. (Kein Verdrillern!) Die Schoten hängen frei.
2. So bekommt man das Segel schneller wieder an den Wind. Ich durfte einmal beobachten, wie sich ein Liek des Marssegels der Halve Maen verfangen hatte. Holler! Bei starkem Wind entwickelt so noch sehr viel größeres Marssegel sicher einiges an Kraft. Besser ist es da, wenn die wichtigen Taue beim Beschlagen des Segels nicht irgendwo eingeschlagen oder verklemmt werden.
3. Sieht stylisch aus. Vielleicht nicht für heutige Augen, aber für solche des Barockzeitalters, das ja bekanntlich das Zeitalter des forcierten Faltenwurfs war. Häufig stellen wir auf Modellen Situationen nach (aufgeschossenes Tauwerk), die bei den Originalen nicht zur Alltagsroutine gehörten, sondern dem Schmuck der Fahrzeuge dienten. Es gab auch Doppelfunktionen wie zum Beispiel der Splitterschutz über der Reling in Form von Stoffbahnen. Hier diente ein gleichmäßiger Faltenwurf der besseren Abwehr von Geschossen ebenso wie der Abteilung Protz und Prunk.

Hat jemand vielleicht weitere Vermutungen? Würde mich interessieren.

Schmidt wünscht ein schönes und wetterberuhigtes Wochenende
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Beiträge: 2 294

Realname: Hans Juergen

Wohnort: Bitburg

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351

Samstag, 12. Januar 2019, 10:42

HI

ich lese die ganze Zeit mit , diese "Ankersegel" finde auch ich merkwürdig. Kannst du mal ein Bild oder einen Link einstellen zu den Darstellungen, die Du meinst, ich habe leider im Netz dazu nichts gefunden. :wink:

352

Samstag, 12. Januar 2019, 11:14

HI

ich lese die ganze Zeit mit , diese "Ankersegel" finde auch ich merkwürdig. Kannst du mal ein Bild oder einen Link einstellen zu den Darstellungen, die Du meinst, ich habe leider im Netz dazu nichts gefunden. :wink:

guggst Du:



ist ein Bildausschnitt aus dem Buch "The Royal Warship Vasa" von Landström. Vermutlich das Bild der St Louis, nachdem Schmidt das Modell baut.
Grüße

353

Samstag, 12. Januar 2019, 11:23

Korrekt!

(Ich habe Landström ja schon mehrfach erwähnt, scheue mich aber immer, Ausschnitte aus diesem Bild zu zeigen, wegen des Copyrights.)

Hier ein weiteres Beispiel, meines Erachtens stark stilisiert, dafür aus einer sehr prominenten und authentischen Quelle: das Album Colbert, eine Art Leitfaden und Musterkatalog, nach dem im 17. Jahrhundert die französische Marine wieder aufgebaut werden sollte.



Weitere Beispiele willkommen.

Schmidt
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354

Samstag, 12. Januar 2019, 16:06

Zitat

begegnet man dem Ankersegel regelmäßig.
Ankersegel ist vielleicht irreführend, es handelt sich a.m.Sicht eher um ein temporär geborgenes Segel. Bei Sturm oder zu erwartenden plötzlichen Böen hielte das so wohl nicht lange. Obwohl, die Heckansicht der Resolution in der "im Sturm Darstellung" zeigt evtl auch so festgemachte Marssegel?!

Zitat

1. So geht das schneller. Die Rah wird abgesenkt, zwei Jungs bauschen das Segel zur Mitte und binden es an das Eselshaupt wie die Indianer einen bösen Feind an den Marterpfahl binden. Die unteren Ecken sind sowieso schon mit den Geitauen zur Rah hochgezogen. Also schlingt man das Tau, das das Segel in der Mitte hält, noch weiter um sie herum. (Kein Verdrillern!) Die Schoten hängen frei.
Sehe ich auch so.

Hier ein Ausschnitt aus einem Werk der v.d.Velde`s.

Quelle


Im Bau:
80-Kanonen Linienschiff Bucentaure 1:150
74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

355

Samstag, 12. Januar 2019, 16:26

Hier ein Ausschnitt aus Velde´s Resolution in a Gale


Quelle

Je nachdem wie sorgfältig das Segel gelascht wurde scheint diese Möglichkeit wohl auch Sturmtauglich gewesen zu sein.


Im Bau:
80-Kanonen Linienschiff Bucentaure 1:150
74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

356

Sonntag, 13. Januar 2019, 06:50

Das folgende ist ein weiterer prominenter Beleg. Van de Veldes "Der Windstoß", das Pendant zu "Der Kanonenschuss" (bei dem ein Schiff in absoluter Windstille liegt).

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c…%2C_1707%29.jpg

Das Schiff hier ist offenbar vom Sturm überrascht worden, leicht zu erkennen an der gebrochenen Großmarsstenge. Die Marsrahen wurden abgesenkt, die Segel ans Eselshaupt gebunden.
Auf Van de Veldes Bildern erkennt man allerdings, anders als bei Landström, immer wieder die Geitaue, die die "Ankerspitzen" an die Rah binden.Sollte ich vielleicht nachbilden, um die Sache deutlicher zu machen.
(Um ein Missverständnis zu klären: Ich habe die Segel so genannt, weil sie eine Ankerform bilden.) Übrigens steht auch im Begleittext des Landström-Buches, die Abbildung zeige die Saint Louis nach einem Sturm!

Schmidt
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357

Sonntag, 13. Januar 2019, 08:47

hier noch ein van de Velde:
Im Text wird noch erwähnt, das er bei der Schlacht anwesend war und die Skize vor Ort angefertigt hat. Jede Menge Ankersegel :D

Grüße
Michael

358

Sonntag, 13. Januar 2019, 10:16

Wobei es sich hier tatsächlich insofern um „Ankersegel“ handelt, als die holländischen Schiffe im Hafen von den Engländern angegriffen werden. Womöglich hatten die Ankersegel also auch eine Art Alarmfunktion.
Ebenfalls dürften hiermit ihre Existenz und ihre Verbreitung bewiesen sein.
Also ab an den Gordinator!
Schmidt
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359

Sonntag, 13. Januar 2019, 11:45

Meine Vermutung in Bezug auf diese Form der Segelbergung: Sie könnte in Zeiten, in der es noch keine Fußpeerde gab, einfach praktischer umsetzbar gewesen sein: Wenn Seeleute nicht in den Peerden hinter der Rah stehen konnten (da es keine gab) und über die Rah gebeugt das Segeltuch hinauf zur Rah einsammeln konnten, war es möglicherweise leichter, das Tuch mittig auf der Mars und am Eselshaupt zu stauen. Denn wenn sie nur auf der Rah hängen/ sitzen konnten, konnten sie vielleicht gerade mal Beschlagzeisinge/ Reffbändsel um Rah und Segel binden zum Bergen. Der Rest wurde dann halbwegs sicher stehend eben in der Mars geborgen und danach wurden die Schothörner mit den Geitauen nach oben an die Rah gezogen. Wenn die Schoten geknebelt angebracht waren an den Schothörnern konnten sie abgenommen und an Stropps mit Augen an den Eselshäuptern mithilfe der Knebel wieder befestigt werden. Dies war auch nicht sonderlich ungewöhnlich, da laut Andersson z. B. die Schoten oft gleichzeitig Toppnantenfunktion für die eine Etage tiefer befindliche Rah darstellten, vor allem bei geborgenen Segeln. Ein Verdrillen der "Schothörnerzipfel" ohne angeschlagene Schoten wäre somit auch leichter denkbar, zumal dann, wenn die Geitaue lediglich einzügig waren und nicht einen Block an den Schothörnern durchliefen sondern ebenfalls einfach an Schothörneraugen befestigt waren.
Aber: Das sind nur meine theoretischen Überlegungen und keinesfalls von mir belegbar...
Schöne Grüße
Chris :ahoi:
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360

Sonntag, 13. Januar 2019, 12:13

Mir leuchtet insbesondere der Hinweis auf die Fußpeerde ein. Meine 4 Stunden auf der Halve Maen letzten Sommer haben wir ein ganz anderes Gefühl für den Umgang mit so einer antiquarischen Takelage gegeben, obwohl es sich hier ja um ein eher kleines Schiff handelte. (Immerhin aber um einen Rahsegler mit drei Masten. Wir kennen alle die filmischen und literarischen Darstellungen dieses berühmten: „Sturm! Sturm! Alle Mann in die Takelage und Segel wegnehmen!" (Wobei es in den entsprechenden Darstellung ja meistens fälschlicherweise „Reffen“ heißt.) Viel eher bekommt man wohl den Wind aus diesem riesigen Marssegeln, indem man sie von Deck aus abfiert und auf den Marsen das Tuch so schnell wie möglich unter Kontrolle bringt, ohne Schoten und Halsen loszuwerfen, was zu einem gefährlichen Schlagen der Segel führt.
Die vielen Modelldarstellungen, an denen wir uns in den allermeisten Fällen orientieren, zeigen nicht Schiffe im Alltagsgebrauch, sondern in speziellen Positionen; meistens: Wind von achtern mit Vollzeug (was eigentlich nicht gut für eine Rahsegler ist, da die hinteren Segel den vorderen den Wind wegnehmen). Oder alles tippi toppi festgemacht im Hafen, bereit für den Besuch des Admirals. Im Pariser Marinemuseum habe ich das Modell eines Dreideckers gesehen, bei dem gerade die Segel getrocknet die Wäsche der Seeleute aufgehängt wird. Sowas baut keiner nach! Aber ich fand, es sah großartig aus, weil es einen Eindruck vom Leben an Bord dieser Schiffe gab.
Schmidt
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