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Freitag, 24. September 2010, 23:21

"Wapen van Edam" 1644 - eine holländische Fregatte von 1644

Eigentlich wollte ich seit mehr als 3 Jahren die englische HMS "Royal Katherine" bauen. Die Pläne vom vth - Verlag hatte ich mir besorgt, ein paar Vorbereitungen waren getroffen.

https://www.arbeitskreis-historischer-sc…carolin999g.jpg

https://www.schifferlbauer.at/seite27.html

https://www.vth.de/shop/warenkorb/artike…3e34c14c2a.html



Dann erfuhr ich, daß ein Mitglied des Arbeitskreises Historischer Schiffbau an der Rekonstruktion des niederländischen Flaggschiffes "Eendracht" arbeitete.

https://www.arbeitskreis-historischer-sc…t01/lgb0403.htm

Ich kannte das Schiff von Abbildungen und es zählt schon lange zu meinen Lieblingen. Es reifte der Plan ein Gefechtsdiorama mit diesen beiden Schiffen zu bauen. Ich recherchierte, ob sich beide Schiffe getroffen haben könnten, und es gibt exakt eine einzige Gelegenheit. In der Seeschlacht von Lowestoft 1665 wurde die "Royal Katherine" zum ersten Mal eingesetzt, die Eendracht explodierte während des Gefechts und ging verloren. Das Thema war also gefunden.

Studiert man zeitgenössische Gemälde, wird das eigentliche Geschehen oft von kleinen Schiffen oder Wracks eingerahmt. Wie z.B. hier in einer Darstellung von Tromps Kampf mit der HMS Prince in der Seeschlacht von Texel 1673

https://www.sailingwarship.com/wp-conten…lde_ii_1707.jpg



So etwas wollte ich für mein Diorama auch haben. Es sollte eine der kleineren holländischen Fregatten werden. Diese Schiffe hatten zwei Decks, wovon aber nur das untere vollständig bewaffnet war. Bei den Nachforschungen bewährten sich vor allem die beiden Bücher von Frank Fox "The Great Ships - The Battlefleet of King Charles II" und "A Distant Storm - The Four Days Battle of 1666". In letzterem wird auch die Schlacht bei Lowestoft behandelt. Ein geeigneter Kandidat für mein drittes Schiff war eben die "Wapen van Edam", ein Schiff, das der Amsterdamer Admiralität gehörte und 1644 erbaut wurde. Von diesem Schiff gibt es Zeichnungen, so daßich mir ein gutes Bild machen konnte, wie das Modell aussehen soll.





Die Wapen van Edam von schräg achtern gesehen.





Eine Fregatte vom Typ der Edam von schräg vorn gesehen.



Die Suche nach geeignetem Planmaterial blieb erfolglos, allerdings lernte ich sehr viel über den holländischen Schiffbau. Länge über die Steven, Raumtiefe und größte Breite des Rumpfes bilden die Grundlage, alle übrigen Dimensionen lassen sich ableiten. Eine Beschreibung des Systems ist in den Büchern von van Yk und Witsen überliefert. Außerdem gibt es etliche "Bestecke", das sind zum Teil sehr detailiierte Spezifikationen für den Schiffbauer. Hilfreiche Sekundärliteratur sind H. Ketting "Prinz Willem", Dik "De Zeven Provincien", Hoving "Nicolaes Witsens Scheeps-Bouw-Konst open gestelt", Hoving / Emke "Die Schiffe Abel Tasmans", Logbuch - Artikel von W. Zimmermann über Seeländische Bestecke, W. Bruns über die Rekonstruktion der Eendracht und Hoving zum niederländischen Schiffbau.



Entsprechend präpariert begann ich nun damit meine eigene Rekonstruktion der "Wapen van Edam" zu zeichnen. Damit bin ich immer noch beschäftigt, baue aber zeitgleich am Modell.



Auf die Rekonstruktion an sich möchte ich hier nicht näher eingehen, ist vielleicht zu ermüdent.

Hier ein Überblick; dies ist der Hauptspant des Schiffes





Rißzeichnungen







Die Seitenansicht





Querschnitte - Bugbereich





Mittschiffs





und das Heck









Bei den Angaben zu den Abmessungen des Rumpfes gibt es widersprüchliche Angaben. Ichbeziehe mich auf folgende:



Länge über die Steven: 120 Fuß (33,96 m)

Tiefe im Raum: 11 Fuß (3,11 m)

Breite auf Spant: 28 Fuß (7,92 m)



es sins Amsterdamer Fuß gemeint; 1Fuß = 28,3 cm; 1Daumen = 25,4 mm; 11Daumen = 1Fuß



Das Schiff hatte 22 Geschütze in der Batterie undwar insgesamt für 40 Geschütze ausgelegt. In der Batterie standen 12 Pfünder, auf dem oberen Deck 6 Pfünder Kanonen. Bei Lowestoft war das Schiff mit 38 Kanonen bestückt, die Besatzungsstärke betrug 140 Mann, Kommando hatte Kapitän Cornelis Gerritz Burger.

Lowestoft wurde für die Niederländer zum Desaster, die "Wapen van Edam" wurde durch die Engländer erobert und als "Black Bull" in deren Flotte eingegliedert. Das Edamer stadtwappen zeigt einen schwarzen Bullen, daher der Name unter englischem Kommando.

1666 nahm die "Black Bull" in der Viertageschlacht Teil und wurde durch die Holländer zurückerobert. Die Englische Besatzung konnte das Schiff nochmals unter Kontrolle bringen, wurden dann aber endgültig durch ein niederländisches Schiff geentert. Die "Black Bull" muß in den Gefechten Leckagen davongetragen haben, die während der Eroberungen und Rückeroberungen unbemerkt geblieben sein mußten. Das Schiff sackte plötzlich weg und ging unter. Beim Untergang kamen etliche Engländer und Niederländer ums Leben.



Soviel zur Vorgeschichte, nun zum eigentlichen Modell...





:wink:

Holger
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2

Freitag, 24. September 2010, 23:38

Wie im Titel schon genannt wird das Modell im Maßstab 1/160 gebaut. Als Teil eines Dioramas wird es ein Wasserlinienmodell. Den Kern des Rumpfes baue ich dabei möglichst massiv. Die einzelnen Spanten werden auf Sperrholzbrettchen übertragen. Da ich die Risse selbst gezeichnet habe, kann ich mir sehr bequem die Spanten herausnehmen, die ich entsprechend der Stärke meine sbauholzes brauche. Die Brettchen sind auf einem 1 x 1 cm Holzstab gesetzt und ausgerichtet. Buchensperrholz bildet das Rückrat für die Rumpfform, weicheres Pappelsperrholz verwende ich als Füllmaterial. Ab dem unteren Betteriedeck ist der Schiffkörper ausgehöhlt. Unebenheiten werden mit Holzpaste ausgeglichen, der Rumpf wird sauber verschliffen.

Auf den soliden Rumpf kann ich dann Barkhölzer und Stückpforten aufzeichnen, das erleichtert den Bau ungemein.









Hier ist die Unterkonstruktion des Hecks zu sehen.





Als nächstes muß der Vorsteven angebaut und die Außenbeplankung begonnen werden.





Soviel für heute



:wink:

Holger
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3

Samstag, 25. September 2010, 09:22

Herrlich.

Ich denke auch nach ein Schiff ohne Bausatzgrundlage zu bauen, da die Bausatzqualität doch eher miserabel und man sehr eingeschränkt ist.

Ich könnte mir aber vorstellen, das Polystrol in diesem Maßstab der bessere "Baustoff" ist,da feiner zu bearbeiten.

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4

Samstag, 25. September 2010, 14:28

Besser würde ich nicht sagen, es ist aber auch eine Möglichkeit. Ich hatte Kontakt zu jemandem, der ein französisches Schiff in Polystyrol rekonstruiert hat. So im Stil der Artitec Modelle des Texeldioramas. Es sollte das Mastermodell für einen Bausatz werden, was draus geworden ist weiß ich allerdings nicht.

Kunststoff ist allerdings nicht "mein" Material, es liegt mir einfach nicht und ich setze es nur sehr sparsam ein. Die Holzverarbeitung liegt mir dagegen mehr.



Mit der Einschränkung durch Bausätze gebe ich dir völlig recht, bei Bauten nach Plan ist die Auswahl deutlich größer. Der Arbeitsaufwand steigt aber auch deutlich an. In meinem Fall reichte auch das Planangebot nicht aus und ich mußte bei Null anfangen. Wenn man auf den Geschmack gekommen ist, ist das aber auch kein Problem.
:wink:
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Samstag, 25. September 2010, 15:09

So nun kommen die Planken auf den Korpus. Den Anfang machten die Barkhölzer, hierfür verwendete ich Linden- und Nußbaumleisten aus dem Fachhandel. Breite und Tiefe variieren zwischen 1 und 2 mm, die unteren Barkhölzer sind am Schwersten, nach oben hin nimmt die Stärke ab. Die Planken sind aus Ahornfunier geschnitten, das Material ist ca. 0,5 mm stark, im Bereich der geklinkerten Aufbauten sind die Planken mit einer Feile dünner geschliffen. Die Plankenbreite beträgt 1,5 mm.



Am Original sind die Planken mit Holzdübeln befestigt. Ich wollte ausprobieren, ob solch eine Dübelung im Maßstab 1/160 ausgeführt werden kann, bzw. imitiert werden kann. Mit einem 0,35 mm Spiralbohrer habe ich die Planken angebohrt. Die Bohrlöcher kann man auf folgendem Foto gut erkennen.





In die Löcher habe ich mit einer Spritze und dünner Kanüle braune Farbe eingespritzt. Das war eine ziemliche Sauerei und der Kanülenverschleiß war sehr hoch. Ich hatte verdünnte Acrylfarbe verwendet. Eventuell funktioniert verdünnte Ölfarbe besse, da sollen die Pikmente kleiner sein, ergo sollte die Kanüle sich nicht so schnell zusetzen. Inzwischen habe ich auch von einer "Wachsmethode" gelesen, dazu fehlt mir aber die praktischer Erfahrung.

Nach dem Trocknen der Farbe und nachdem die überschüssige Farbe wieder vom Rumpf abgezogen war, sah der Rumpf wie folgt aus





Ich bemale meine Modelle grundsätzlich. Für die großen Flächen am Rumpf verwendete ich Holzbeizen. Hier eine Mischung aus Eiche dunkel und Nußbaum mittel. Die Barkhölzer sind ein wenig dunkler gehalten, damit sie sich etwas vom Rumpf abheben. Der geklinkerte Bereich ist grün mit einem Schuß blau gefärbt. Auf den Bildern sieht es aber wesentlich blauer aus als in Realität.

Die Wasserlinie liegt 5 mm oberhalb der Unterseite des Rumpfes. Der Streifen bis zur Wasserlinie ist in einem lichten Grau gehalten.







Im Inneren des Schiffsrumpfes gibt es Einbauten, die mit Bolzen fixiert sind. Diese Bolzen gehen konstruktionsbedingt bis auf die Außenhaut des Schiffes durch. Hier als Beispiel ein Schnitt durch die Vasa. Das Bild stammt ursprünglich aus dem Buch "The Royal Warship Vasa" von G. Lanitzki (?)





Diese Bolzenköpfe wollte ich ebenfalls am Modell realisieren. Durch einen Modellbaukolegen wurde ich auf Pflanzensamen aufmerksam. Kamillesamen hat die geeignete Größe um die Bolzen zu imitieren. Mit dem Bohrer wurden wieder Löcher gebohrt und die Samen eingesetzt. Auf dem folgenden Foto sind die Kamillesamen im Größenvergleich mit einem Centstück abgebildet.





Die sind die "Kamillebolzen" im Rohzustand. Die Barkhölzer sind damit fixiert. Die senkrechten Reihen sitzen an Stellen wo im Inneren Knie sitzen, die die Decksbalken stützen. Die waagrechte Reihe achtern markiert die Position der Knie, die den Heckspiegel stützen.





Hier ein Ausschnitt des Rumpfes. (A) ist ein Kamillebolzen, bei (B) kann man die Dübel in der Planke erkennen. Zum Größenvergleich, die Leiste (C) ist 1 mm breit.

:wink:
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Samstag, 25. September 2010, 15:42

Als nächstes folgte der Ausbau des unteren Decks, bei den Niederländern Overloop genannt.

Hier der Decksplan, in der Seitenansicht die wichtigsten Ausrüstungsteile auf dem Deck, in der Draufsicht die Lage von Luken und Niedergängen. Die blau gezeichneten Bereiche befinden sich unter der Decksbeplankung.





Am Modell sieht das dann so aus





Da die Geschütze später nicht mehr zu sehen sein werden, sind die Lafetten nur sehr einfach ausgeführt.

Die Geschützrohre hat mir ein Modellbaukollege gegossen, die Modelle für die Gußform hatte ich aus Holz, Draht und Papier hergestellt.

Auf folgendem Foto ist rechts mit dem grauen Überzug das Urmodell des 12 Pfünders zu sehen, links ist der Zinnabguß und in der Mitte ein fertiges Rohr.





Die Hauptartillerie der Edam sollte aus Bronzegeschützen bestehen. Die Bronze sollte nicht taufrisch, sondern mit Patina überzogen sein, daher die bräunliche Bemalung





Dieses Rohr diente mir als Farbvorlage





Die Rohre sind mit Email - Farbe bemalt. Im ersten Durchgang hatte ich ein dunkles Braun "Lederbraun" und Bronze gemischt, anschließend mit einer Mischung aus Bronze und Messing trocken gebürstet.







Über der Batterie lag das "Verdeck". Dieses Oberdeck ist später einsehbar, daher sind die Arbeiten hier aufwändiger und auch och nicht abgeschlossen. Hier wieder der Decksplan





Auf fogender Aufnahme sind die Decksbalken gut zu sehen. Lediglich die Decksbalken mittschiffs sind in maßstäblich korrekter Breite, da sie später unter Umständen noch einsehbar sind. Alle übrigen Balken sind breiter gehalten, um für das Deck eine größere Auflagefläche zu bekommen. Die grau schattierten Balken sind zusätzlich eingezogen, ebenfalls aus Gründen der Stabilität.





Ein Problem bei diesem Schiffstyp ist, daß es im Bereich der Aufbauten keine Innenbeplankung gibt, die Spantauflanger also sichtbar sind. Damit die Bordwand nicht zu dick wird, mußte ich die Bordwand auf eine Stärke von 1 - 1,5 mm herunterschleifen. Durch die Außenbeplankung ging dieser kritische Schritt überraschend gut, die Bordwand bleibt genügend stabil.

Die Spanzauflanger befinden sich in Position und die Decksschablone für das Verdeck ist ebenfalls eingeklebt. Die Schablone erleichtert das anbringen von Lukensüllen und der Decksplanken.





Hier sind die Auflanger eingekürzt und bemalt, die Planken sind drauf und die Lukensülle sind platziert

:wink:
Holger
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7

Samstag, 25. September 2010, 15:55

Hallo Holger,

schön dich und dein kleines Wunderwerk hier sehen zu dürfen!

Immer wieder eine Freude deine Kleine bestaunen zu können!

Lieber Gruß, Daniel
... keine Angst, der will doch nur spielen ...



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8

Samstag, 25. September 2010, 15:56

Wenden wir uns dem Bug des Modells zu.

Den vorderen Abschluß des Decks bildet das Bugschott. Der Bereich davor wird „Läuseplicht“ genannt,
die Decksplanken fallen hier zum Bug hin ab, um überkommendes Wasser ablaufen zu lassen.
Das Schott selbst ist S – förmig gebogen und besteht aus einem Ständerwerk aus Linden und
Nußbaumleisten, wie auf folgendem Bild zu sehen ist





Da das Modell kein Backdeck besitzt, wird die Konstruktion von der Rückseite sichtbar sein.
Von vorn erhält das Schott eine Klinkerbeplankung aus Funier.

Auf folgendem Bild sind die tragenden Teile des Galions zu sehen. Wobei (A) und (B) der untere
und obere Lieger sind mit dem Es (C) als vorderem Abschluß des oberen Liegers. (D) sind Knie,
die die Lieger nach oben bzw. unten stützen. Zwischen den Liegern fehlt nun noch der Kamm.
Allerdings werde ich alle mit Schnitzwerk versehenen Teile erst später einbauen, also wird auch
der Kamm erst später eingefügt.
Im unteren Lieger ist ein Schlitz zu sehen, durch den später die Bugsprietzurring geführt wird.
Durch das Loch im oberen Knie wird später der Kragen des Großstages geführt.
In beiden Liegern sind Zapfen aus Messingdraht eingebaut. Diese werden in entsprechende Bohrungen
im Vorsteven eingelassen. Dadurch ist die Position am Steven fixiert und eine stabile Verbindung
zwischen den Bauteilen hergestellt.





Anschließend wird das Galion weiter aufgebaut. Die Schloiknie (A) stabilisieren die Lieger zur Seite hin.
Die „Blasebalgen“ (B) sind Klötze, mit denen der Raum zwischen Bug und dem unteren Schloiknien
ausgefüllt wurde. Zum einen verminderte das in Fahrt die Angriffsfläche auf das Knie,
zum anderen gab es weniger Möglichkeiten zum Verhaken des Ankers beim Bergen.
(C) ist die Fütterung der Ankerklüssen.
(D) und (E) sind die Galionsspanten und Galionsregeln, die die Form des Galions maßgeblich bestimmen.





Nun folgte der Innenausbau des Galions. In Höhe der 2. Galionsregel befindet sich ein Boden,
den ich aus mit Kreiden gefärbter Pappe hergestellt habe. Ich habe die einzelnen Latten längs eingebaut,
es finden sich aber auch Vorbilder mit quer eingebauten Latten.
Durch das Modell der Faszant im Texel Diorama wurde ich zu den roten Handläufen inspiriert.
Niederländische Schiffe waren damals recht farbenfroh bemalt, als Vorbilder dienen mir
zeitgenössische Gemälde und Modelle. Letztendlich basieren die Farbdetails aber auf
persönlichem Geschmack.
Auf dem Galion befinden sich die Latrinen, dahinter sind die Ankerkranbalken zu erkennen.





Hier noch ein Größenvergleich mit einer 1 Cent Münze und die Gesamtansicht des Modells.
Das Galion beeinflußt das Erscheinungsbild recht stark. Anstelle des Kamms findet sich
derzeit noch der Platzhalter.





Demnächst geht es am Heck weiter....

:wink:

Holger
:wink:
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9

Samstag, 25. September 2010, 16:13

hallo,



habe mir mal Deinen baubericht zur brust genommen.ein beachtliches Bauwerk was Du da schaffst.



habe vor jahren mal mit der WASA angefangen.Durch umzug ist mir leider der Bauplan abhanden gekommen,wo ich damals 95 DM bezahlt hatte.nur das Spantengerüst liegt jetzt noch im Keller und wartet darrauf das irgendwann einmal ein Plan ins Haus flattert(als Kopie oder Geschenk) und ich wieder daran weiter arbeiten kann.

Aber dein Bau ist einfach super detailiert beschrieben.hatte schon vor Jahren mal die Absicht so einige holländische Schiffe nach zu bauen.Aber in anderen Maßstäben.

verfolge diesen bericht sehr gerne weiter bis zum Ende.



Gruß

Martin



im Bau: Mack(1:50);LILLA WENEDA(Kartonbau1:100)




Es gehört nur ein bisschen Mut dazu,nicht das zu tun,was alle anderen auch tun :ok:

10

Sonntag, 26. September 2010, 15:04

Hallo Holger

Mann oh Mann, ist ja verrückt was Du da in dem Massstab hinlegst, vorallem auch noch die Details :respekt: :respekt: :respekt: :respekt: . Bin gespannt auf die Fortsetzung Deines BB.

LG

Sergio
In der Werft : Revenge 1577
Fertig : Avalon

11

Sonntag, 26. September 2010, 20:43

Absolut faszinierend was Du da zeigst.

Hallo Holger,

sag mal, wie lange ist denn die Bauzeit bis hierher? Das sind ja wahnsinnige Details in diesem Maßstab.

Ich finde durch solche Wunderwerke das Schiffmodellbauen immer faszinierender und werde wohl nicht mehr davon abkommen. Auch wenns bei mir noch große,plumpe Plastekähne sind.

Danke für die Inspiration!

Gruß
Jürgen
Immer zu zweit sie sind
Keiner mehr
Keiner weniger
Ein Meister und ein Schüler


Im Bau: Golden Hind
Stapellauf: Santa Maria / Roman Warship

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12

Montag, 27. September 2010, 10:23

Vielen Dank für eure Beiträge.



@Daniel; deine Victory ist eine von den alten Bekanten, die mich dazu bewogen haben mich auch hier anzumelden, statt nur stiller Mitleser zu sein. Gratulation zu deinem Modell an dieser Stelle!



@Jürgen & Oldiebastler; laßt euch nicht vom Schiffebauen abhalten, ist doch ein tolles Hobby und Neuzugänge sind immer gerne gesehen. ;)

Das mit dem verlorenen Bauplan ist bitter, gerade bei dem stolzen Preis. Von wem war der Plan denn?



Mit der Planung hatte ich 2006 begonnen, die meisten Zeichnungen entstanden 2007 und Anfang 2008 hatte ich auch mit dem Bau begonnen. Wann ich diesen Zustand erreicht hatte weiß ich nicht mehr genau, müßte ich nachsehen. Aktuell ist das Modell ein gutes Stück weiter fortgeschritten. Die Teile stelle ich die Tage ein. Ab dann wird die Frequenz langsamer, bin kein besonders schneller Bauer. :schlaf:



@Davy Jones II; habe noch ein paar Bilder in der Hinterhand. Der Zierrat hält ziemlich auf, macht aber auch Spaß. Bei deiner Flying Dutchmen hast du ja auch ne Menge zu modellieren - auch wenn's eher ungewöhnlicher Zierrat ist :grins:





Holger
:wink:
Holger
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13

Montag, 27. September 2010, 11:09

Hallo Holger,

dank dir hab ich nun leider nie wieder die Ausrede, ein Detail sei zu klein, um es in 1:100 darzustellen! Vielen Dank!

;-)

Trotzdem lieber Gruß, Daniel
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14

Montag, 27. September 2010, 12:10

Servus Holger :wink:

Auch von mir ein herzliches Willkommen hier!!
Super Baubericht- toll geschrieben, sehr lehrreich und wenn man bedenkt in welcher "Größe" du dein Modell darstellst..SENSATIONELL!! ...wie Daniel schon schrieb, jetzt haben wir bei "unseren" 1/100 Maßstäben keine Ausrede mehr etwas nicht darzustellen...na super, was mache ich jetzt mit meinen Wurstfingern bei gewissen Minni-Details ??- Muss ich mir halt nen Neurochirurgen vom Spital um die Ecke ausborgen, wenn ich mal was spezielles bauen will :D :D ....

Bin gespannt wie es weitergeht...

glg, Sascha :ahoi:
tatooed by Günther @ www.body-dekor.at :D

15

Montag, 27. September 2010, 12:58

Hallo Holger

Da hast Du mich mit Davy Jones verwechselt, er baut die Flying Dutchman. Ich hingegen wurstle an einer Schuhschachtel herum ;( .

LG

Sergio
In der Werft : Revenge 1577
Fertig : Avalon

16

Montag, 27. September 2010, 13:00

Hallo Holger,

besonders deine Gallion ist eine Augenweide und das Cent-Stück unerlässlich zum Erfassen dessen, das du erschaffen hast!

Lieber Gruß, Daniel

PS: Mein Lieblingsfrage: Wie hälst du´s mit den Köttelrutsdchen? Wär was neues in deinem Maßstab ;-)
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17

Montag, 27. September 2010, 14:19


Mit der Planung hatte ich 2006 begonnen, die meisten Zeichnungen entstanden 2007 und Anfang 2008 hatte ich auch mit dem Bau begonnen. Wann ich diesen Zustand erreicht hatte weiß ich nicht mehr genau, müßte ich nachsehen.
....hier z.B.
https://www.modellboard.net/index.php?topic=19169.120

18

Montag, 27. September 2010, 14:58

... ja, das ist das Schöne an den Foren, man braucht kein Tage- oder Werkstattbuch mehr führen :-)

Solange die Foren nicht untergehen, hat man immer Erinnerungen für seine Urenkel ...

Gruß, Daniel
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19

Montag, 27. September 2010, 18:46

Zitat

Da hast Du mich mit Davy Jones verwechselt

Ups, wie konnte das passieren, be den grundverschiendenen Namen? :grins:



Zitat

müßte ich nachsehen............hier z.B.


Ah, das Forum paßt auf :thumbsup: Es war also Anfang 2009



Zitat

Wie hälst du´s mit den Köttelrutsdchen?


Die Köttelkästen sind montiert, die Rutschen müßte ich noch anbauen :)

Hinten brauch' ich keine, die Seitengalerien sind nicht begehbar. Dazu später mehr...
:wink:
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20

Montag, 27. September 2010, 20:05

Dem Verdeck folgten die Kampanje und die Hütte, nach dem gleichen Prinzip wie das Verdeck aufgebaut. In der Kampanje ist eine Öffnung für den Rudergänger eingebaut.

Am Heck ist die Unterkonstruktion der Seitengalerie zu erkennen. Es handelt sich hirebei nicht um eine begehbare Galerie, sondern lediglich eine Konstruktion aus Leisten und Konsolen. In der Bordwand ist eine Fensterluke eingelassen.





Das zweite Halbjahr 2009 beschäftigte ich mit dem Zierrat des Schiffes. Entgegen der landläufigen Meinung, daß niederländische Schiffe nur sparsam verziert waren, gibt es hier doch einiges zu tun. Allerdings gibt es so gut wie keine vergoldungen. GElbe Farbe wurde reichlich verwendet, darüber hinaus wurden Personen überwiegend in natürlichen Farbtönen bemalt.

Hier eine Vergrößerung der Van der Velde Zeichnung. Barocker Schmuck ist überdeutlich, bleibt bloß die Frage, was man eigentlich sieht?





Mit der Ausschmückung hatte ich an der oberen Gillung, das ist der Bereich unterhalb der Fenster begonnen. Hier erkenne ich Büsten, vier Stück am Heck, zwei davon in den Ecken. An der Seitengalerie nochmals 3 Stück. Mittig zwischen den stückpforten sitzt ein Medallion mit dem holländischen Löwen. Die Büsten sind im unteren bereich stark ornamentiert. Es scheint sich auch eher um bärtige Männergesichter zu handeln statt um barbußige Damen, die an dieser Stelle gerne verwendet werden. Ich führte die Köpfe am Modell als "Wilde Männer" aus, jeder Kopf ist individuell.

Im Bereich überhalb der Büsten scheint Rankwerk angebracht zu sein. Der Bereich um die Luke der Seitengalerie ist schwer zu deuten. Es müßte wiederum Rankwerk vorhanden sein, eine flache Scheibe (Madallion?) ist zu sehen, einen Kopf kann man erahnen.





Der Zierrat ist aus Magic Sculp hergestellt, einer zwei Komponenten Epoxydharzknete. Das Material eignet sich vorzüglich um solche Skulpturen hrzustellen. Bemalt ist das ganze mit Acryl- und Ölfarben.

Die Huhkmannen (Eckfiguren des Oberspiegels) sind ebenfalls als Büste ausgeführt. Dies kann man in der Zeichnung gerade an der linken Figur esehr schön sehen. Der untere Teil ist wiederum stark ornamentiert, auf dem Kopf trägt der Huhkmann eher einen Hut als einen Helm. So habe ich dann auch diesen Bereich am Modell modelliert.





Im nächtsten Bild ist der Bereich der Fensterebene schon weiter fortgeschritten. Die Bekrönung des Spiegels befindet sich gerade im Aufbau. Dieses Ornament steht frei über dem Spiegel und ist durchbrochen. Als Modellierhilfe hatte ich mir eine Schablone angefertigt. Magic Sculp ist rechtklebrig, Ornament und Schablone durften sich nicht berühren, sonst klebt der Zierrat am Papier fest.





Hier die Bekrönung von der anderen Seite mit der hölzernen Stützkonstruktion und derHalterung des Flaggenstocks.





Hier noch zwei Aufnahmen nach der Bemalung

:wink:
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21

Montag, 27. September 2010, 20:35

Am Bug gibt es ebenfalls noch etwas zu tun.

Der Rumpf des Löwen wird aus einem Stück Magic Sculp geformt, die Rippen mit einr Nadel angedrückt. Ein MS Kügelchen bildet die GRundlage für den Kopf. Die Vorderbeine werden aus drei Teilen hergestellt, zwei Würste für Ober- und Unterarm, eine Kugel für die Pranke. Mit den Hinterläufen bin ich ähnlich verfahren. Oberschenkel , Unerschenkel, Fuß und Zehen sind separat hergestellt. Zwischen den einzelnen Bauschritten waren immer wieder Pausen nötig, um das Material härten zu lassen.





Für die Lefzen wurde eine MS Kugel platt gedrückt, eingeschalgen und an die Kopf - Kugel geklebt. Das Kinn wird durch eine weitere MS Kugel geformt. Die Ranken des Galionskammes sind eingebaut.





Die Nase wird aus einer MS Wurst modelliert, die oben auf die Lefzen aufgebracht wird, nachdem diese ausgehärtet sind. Die Augenhöhlen werden nach dem gleichen Prinzip wie die Lefzen hergestellt. Die Augäpfel werden in die Höhln eingesetzt. Die Mähne besteht aus vielen kleinen MS Kugeln, die in Position geklebt werden. Anschließend kann man mit einer Nadel ein wenig ausmodellieren.





Hier der Galionslöwe nach dem Bemalen. Magic Sculp läßt sich sehr dünn ausrollen. So entstanden die Reißzähne und die Krallen.





Hier noch Aufnahmen mit fertigem Zierrat. Weiterer Zierrat kommt später noch im Bereich der Kampanje- und Hüttenschotts hinzu.







Das Edamer Stadtwappen im Heck zeigt den schwarzen Bullen auf rotem Grund mit grünem Kranz. Oben in der bekrönung ist das Amsterdamer Wappen zu sehen, dies war der Heimathafen des Schiffes.

In der unteren Gillung ist der Doppelanker der Amsterdamer Admiralität zu sehen, daneben ist das Wappen der Oranjer. Das ist ungewöhnlich, da dort normalerweise das Wappen der Provinz Holland zu finden sein sollte. Allerdings wird das Wappen in der Literatur so beschrieben.
:wink:
Holger
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22

Montag, 27. September 2010, 20:55

Wie schon erwähnt hatte ich die Lafetten der Batterie recht flott gezimmert. Da die 6 - Pfünder des Oberdecks sichtbar sein werden, mußte hier mehr Arbeit investiert werden.

Dazu war erst mal etwas Schmökern angesagt. Demnach sollte die Dicke aller Bauteile (Bodenbrett, Seitenteile, Achsen und Räder) dem Kugeldurchmesser entsprechen.
Bei 1/160 sollten das gute 0,5 mm sein.
Der Durchmesser der Räder leitet sich wohl ebenfalls vom Kugeldurchmesser ab. Vorn 3x den Durchmesser, hinten etwa 1/10 weniger als vorn.
In 1/160 sollte der Durchmesser vorn 1,7 mm und hinten 1,5 mm sein.

Das Bodenbrett und die Räder sind aus Holz. Das Brett aus 0,5 mm dickem Sperrholz, die Räder aus einem Zahnstocher. Diesen hatte ich mit Feilen und Sandpapier auf den gewünschten Durchmesser gebracht. Die Räder habe ich dann mit einem scharfen Messer abgedreht.
Das Seitenteil ist 2 mm hoch. Im Prinzip mußte die Lafette so hoch sein, daß das Geschützrohr in der Mitte der Pforte lag. In den meisten Fällen scheint dabei eine Höhe des Seitenteiles von 3,5 – 4x den Kugeldurchmesser herauszukommen.

Ursprünglich sollten auch die Seitenteile aus Holz entstehen. Aber ich konnte die Treppenstufen am hinteren Ende nicht herausarbeiten. Deshalb habe ich die Seiten aus Papier und Pappe in Sandwichbauweise hergestellt. Die Ränder wurden mit Sekundenkleber versiegelt.
Die Löcher für das Brooktau und den Ringbolzen habe ich mit einem 0,5 mm und einem 0,35 mm Bohrer gebohrt.

Die Achsen und die Achsstücke auf den Rädern sind aus Styrolleisten.

Die Beschläge an der Lafette sind aus Magic Sculp, hatte sich schließlich bei dem Schnörkeln bewährt 8)





Bei der Bewmalung hatte ich etwas experimentiert und mich dann für ein dunkles rot mit hell abgesetzten Rädern entschieden. Das Brooktau geht auf kontinentale Art durch die Lafette und mußte eingefädelt werden, bevor das Rohr eingesetzt wird.





Hier ist das Rohr eingesetzt und die letzten MS Beschläge angebracht. Die Ringe in der Lafette sind aus 0,1 mm Kupferdraht, der über einen 0,5 mm Bohrer zusammengedreht wurde.

Das Rohr ist noch mit Farbe bemalt. Später änderte ich das in eine Patinierung mit Weißmetallpatiniermittel.





Patiniert sieht das dann so aus. Hinten patiniert, die beiden vorn sind zusätzlich mit Graphitstaub bstrichen. Ist ein wenig viel Graphit, bei den eingebauten Geschützen ist es etwas weniger.





Die Blöcke für die Geschütztakel habe ich aus Fimo hergestellt. Einfachblöcke sind simpel, die Doppelten sind allerdings knifflig. Eingebunden sind die Blöcke in Draht mit ausgeformten Haken. Hier habe ich vereinfacht, real hätten die Haken an die Blöcke gestroppt sein müssen. Das ist mir aber dann doch zu fitzelig.





Hier die Geschütze die im Backbereich des Modells aufgestellt sind. Rückholtakel habe ich nicht angebracht, da ich für mich der Meinung bin, daß diese mit den Ausholtakeln identisch waren. Die Beschläge an der Lafette deuten darauf hin. Bei van Yk habe ich gefunden, daß pro Geschütz drei Takel mitgeführt wurden. Das deutet auf den ersten Blick zwar auf ein einzelnes Rückholtakel hin, allerdings gibt es dafür an der Lafette keinen Anschlagspunkt. Ich vermute, daß zwei Takel im Einsatz und eines in Reserve war.

Die Ringe an Deck sind aus über einen 0,5 mm Bohrerschaft verzwirbeltem Draht hergestellt. Pro Geschütz ist es im Prinzip ein Paar. Die Ringe saßen allerdings in einem Decksbalken, so daß sie nicht zwangsläufig symmetrisch hinter der Kanone eingelassen sind.





Die Enden der Takel verschwinden später noch in aufgeschossenem Tauwerk.





So, das ist nun fast der aktuelle Stand. Im Moment arbeite ich an den Schotts. Das wird dann der nächste Abschnitt im Bericht.



:wink:

Holger
:wink:
Holger
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23

Mittwoch, 10. November 2010, 13:15

Moin Holger,

wen man hier nicht so alles wiedertrifft. Schön Deine kleines Wunderwerk auch hier zu sehen.
Gruß Christian

in der Werft: im Moment nichts


"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

24

Mittwoch, 10. November 2010, 18:26

Hi Holger! :wink:
Es ist mir unbegreiflich, wie Du in dieser Größe das alles so superdetailliert hinbekommst! :doof: Mein lieber Schwan! :ok: Ich werde mich nie wieder über meine Masstäbe beschweren! Die sind ja Großraumbüros dagegen! Bin schon sehr auf Deine Takelage gespannt!

Hammer!

Chris :ahoi:
"Go and tell Lord Grenville that the tide is on the turn. It's time to haul the anchor up and leave the land astern. We'll be gone before the dawn returns. Like voices on the wind..." (A. S.)

"Mayflower"

"La Santissima Madre"



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25

Mittwoch, 10. November 2010, 20:40

@Christian, nach dem Untergang von Bolitho hatte ich noch Luft für einen weiteren Bericht. Inzwischen gibt es aber das Rettungsboot, da werde ich mich nicht drücken können. Und sehr schöne BBs gibt es hier auch, wie du selbst schon angemerkt hast.

@Drake, man gewöhnt sich an den Maßstab, ist reine Übungssache.

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26

Mittwoch, 10. November 2010, 20:45

Dann mache ich hier gleich mal weiter

Ich habe mich mit den Kampanje- und Hüttenschotts der Edam beschäftigt. Da diese auf den Abbildungen nicht zu sehen sind, ist hier auch etwas Fantasie eingeflossen. Einen roten Faden habe ich aber trotzdem gesucht.
Im Grunde kommen drei Varianten in Frage. Gar keine Reling, zwei Relings in identischer Ausführung oder Relings in unterschiedlicher Ausführung. Für Variante 1 ist die Edam eher zu groß. Variante 2 kommt sehr häufig vor, allerdings gefiel mir Variante drei besser. Daß die Abbildung der Faszant zwei unterschiedliche Relingvarianten zeigt, kam mir dann gelegen. Faszant ist der Edam sehr ähnlich. Bei den Türen zu Kampanje und Hütte hatte ich mich auch daran orientiert.

Die Ornamente sind wieder aus Magic Sculp hergestellt, ich mach schließlich seit einem Jahr nichts anderes mehr ;)
Anobium Punctatum fragte neulich, weshalb ich französische Lilien an die Kampanjereling modelliert habe. Es ähnelt tatsächlich, war aber nicht beabsichtigt. Zum Ändern ist es nun auch zu spät, wird es halt so bleiben.
Die Ornamente werden durch Pfosten gestützt (1x1 mm Lindeleiste, mit der Nagelfeile dünner gefeilt). Die Handläufe bestehen aus zwei Lagen Ahorn Furnier. Bemalt ist alles mit Öl- und Acrylfarben.

Hier die Figurengruppen in der Herstellung. Doppelseitiges Klebeband eignet sich wunderbar zum Fixieren während der Herstellung.



Während des Aufbaus



Und so sieht es nun aus



Die Stufen habe ich von der Zeichnung der Jaarsvelt abgekupfert, das hatte gut gefallen.
Die Lafetten auf der Kampanje sind ein kleiner zweirädriger Typ, der in einem zeitgenössischen Manuskript abgebildet ist. Für die 3 Pfünder fand ich das ganz reizvoll.
Die Lafetten auf der Backbordseite sind beschädigt. Da ich das Schiff mit Gefechtsschäden darstellen will, war es an der Zeit damit anzufangen.



Zitat

Bin schon sehr auf Deine Takelage gespannt!

Da es ein Gefechtsdio wird, wird es eine "reduzierte" Takelage werden - Arbeit gespart

:whistling:
Holger

27

Donnerstag, 11. November 2010, 11:13

Hallo Holger

Ich staune immer wieder über die Details die Du in dem Masstab hinzauberst, mein Kompliment :ok: :ok: . Willst Du die Reling bei den Niedergängen nicht noch um die Treppenbreite einkürzen, sieht bisschen gewöhnungsbedürftig aus, wenn die Mannschaft noch über die Reling klettern muss. :whistling:

LG

Sergio
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28

Donnerstag, 11. November 2010, 17:46

Zitat

Willst Du die Reling bei den Niedergängen nicht noch um die Treppenbreite einkürzen, sieht bisschen gewöhnungsbedürftig aus, wenn die Mannschaft noch über die Reling klettern muss.

Auf Abbildungen sind die tatsächlich durchgängig, allerdings ist das Geränder auch nur ca. kniehoch, da kann man bequem drübersteigen. Ist wohl mehr zierde als von praktischem Nutzen.

29

Freitag, 12. November 2010, 07:42

Hallo Holger

Na ja, ich weiss nicht so recht, ob die Abbildungen der Marinemaler der Realität entsprachen, oder viel mehr der künstlerischen Phantasie derjenigen.

Was man nicht wegdiskutieren kann, ist die Tatsache, dass es verdammt Gut aussieht :ok: .

LG

Sergio
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30

Donnerstag, 27. Januar 2011, 21:35

Nach einer längeren Modellbauphase möchte ich euch den aktuellen Stand des Modells zeigen, und was in der Zwischenzeit geschah



Grätings

die Grätings waren bei meinen Modellen immer eine Schwachstelle. Ich hatte keine gescheite Technik diese zu bauen. Bei den älteren Modellen hatte ich zwei gegeneinander versetzte Lagen Vorhangstoff auf eine schwarz bemalte Pappe geklebt.
Das sieht dann so aus und ist nicht befriedigend.



Motiviert durch einen Vicotry Karton-BB versuchte ich eine neue Variante. Allerdings nicht mit Papier, sondern mit Kunststoffstäben, die es in vielen Varianten gibt. Ich habe 0,3 mm und 0,5 mm Varianten verwendet.


Auf ein doppelseitiges Klebenband habe ich die Querhölzer der Gräting aufgeklebt.


Rechtwinklig dazu wurden die Längshölzer aufgebracht. Jede zweite Leiste liegt nur lose auf und dient als Abstandhalter.


Nachdem die Füllstücke entfernt wurden, sieht das dann so aus.


Die Lücken wurden dann noch aufgefüllt, daß sich eine ebene Oberfläche ergibt.
Diese Gräting ist komplett aus 0,5 mm Leisten aufgebaut.


Die Oberfläche läßt sich gut schleifen. Mit Füllspachtel kam ich nicht zurecht, da mir das Material in die Löcher lief und es "runde Ecken" gab.

Bei den Niederländern waren die Querhölzer vierkant und schmaler als die Längslatten. Dafür waren diese aber wesentlich dünner.
Eine Versuchsgräting, die dies berücksichtig sieht dann so aus.


Auf diese Art habe ich dann die Grätings angefertigt. An anderer Stelle bekam ich schon den Tip diese Bauteile zu ätzen. Allerdings machte für mich das Zusammensetzen der Grätings auch den Reiz an der Sache aus.

Am Modell sehen die eingebauten Grätings dann so aus. Bemalt sind sie mit Ölfarben. Ich bin ganz glücklich damit und mit der Weiterentwicklung gegenüber der Vorhangstoffmethode.





Knechte, Betinge, Klampen, Belegnägel & Kreuzhölzer

Zur Herstellung der Knechte habe ich die "Laminiermethode" eines Modellbaukollegen übernommen.
Als Material habe ich wieder auf die Kunststoffstäbe zurückgegriffen. 0,3 mm und 0,5 mm breit, in der Tiefe 1, 1.5 und 2 mm. Rundstäbe von 0.9 mm Durchmesser aufwärts kamen auch zum Einsatz.

Hier ein Betingunterleil im Rohbau. Die Seitenteile sind 0,3mm Leisten, der Mittelteil ist 0,5 mm breit. Die Scheibe ist ein eingepaßter Rundstab. Ich hatte auch mit 0,3 mm Stärke im Bereich der Scheiben experimentiert. Beim Schleifen setzt sich dieser Bereich aber gerne zu. Um später beim Einfädeln keine Probleme zu bekommen, bin ich bei allen Gats bei 0,5 mm geblieben. Geschliffen sieht es dann so aus wie auf dem Bild rechts


Zwei Knechte bilden dann die Grundlage einer Beting. Das Querholz und der Kopf des Knechts sind aus Holz gefertigt. Da ich den Verklebungen zwischen Plastik und Holz nicht ganz traue, wird alles mit Kupferdraht verbolzt. Hier eine Beting im Rohbau, die Drähte für die Knechköpfe sind schon eingeklebt.


Der größte sichtbare Knecht am Modell ist der Fockknecht, der auf dem nächsten Bild zu sehen ist. Der Großknecht ist zwar noch größer, befindet sich aber unter Deck. Den Großknecht habe ich noch nicht gebaut.
Nach dem Vorbild des "Prinz Willem" Modells habe ich mich entschlossen, sämtlichen Einzelknechten einen individuellen Magic Sculp Kopf zu verpassen. Auch im Inneren des Fockknechts ist ein Draht verborgen. Der sichtbare Draht dient der Befestigung im Deck.


Hier nun ein Blick auf das Vorschiff, Überblick und Zoom.
Der Fockknecht ist hinter der Beting zu erkennen. Noch weiter hinten stehen zwei kleinere Knechte für die Vormarsschoten & Focktoppnanten. An der Reling und am Bugschott sind Nagelbänke zu sehen. Die Bank ist ein einfacher Streifen Furnier, die Belegnägel sind einfach Rundstäbe von 0.4mm Durchmesser. In der Nähe des Bugschotts sind an Deck Belegklampen zu erkennen, ebenfalls aus Kunststoffstab hergestellt. Links vom vorderen Geschütz ist ein Kreuzholz zum Belegen der Fockhalse zu sehen. Zum Größenvergleich steht die Spur N Figur an Deck. Sie ist relativ groß, inklusive Bodenplättchen sind es 12 mm.
Direkt hinter der Figur kann man gerade noch einen kleinen Relingsknecht erahnen.


Hier nun die Decksausrüstung mittschiffs



Hier noch ein Blick nach achtern, mit dem Besanfall-Knecht.

Die Reling zur Kampanje habe ich nochmals überarbeitet. Ich habe sie ein paar mm nach hinten versetzt und in der Höhe weiter reduziert. Nun klappt das auch mit den Treppen gleich viel besser. Die Bohrlöcher vorn im Deck habe ich gestopft, muß sie aber farblich noch anpassen.
Im Grunde müßte ich das an der Hüttenreling auch machen. Aber die reiße ich nicht mehr weg, ist mir zu knifflig.







Speigats

Speigats und die Scheibgats habe ich nachträglich in die Bordwand eingesetzt. Die Scheibgats sind nach dem gleichen Schema wie die Knechte hergestellt, nur eben quer. Zum Einbau mußte ich dann ein Stück aus der Bordwand wieder raussägen.
Beidseitig der Großrüste kann man die Scheibgats erkennen. Das doppelte für die Blinde- und Fockschoten, das einfache für die Großschot.
Die "Kondome" oberhalb der Wasserlinie sind Stoffhülsen, die über die unteren Speigats gestülpt wurden. Die Herstellung ist denkbar einfach. Ein 4 x 4 mm großes stück Tempo bis auf die nletzte Lage auseinander zupfen. Eine Holzleiste von 1 mm Kantenlänge nehmen und das Tempo 1mm weit drauf kleben, also 3mm stehenn über. So das Tempo an allen vie Seiten festkleben, zum Schluß den noch offenen Temposchlitz zukleben. Das Holz auf ca. 0,5mm ablängen, an die Bordwand kleben fertig. In Form bringen und bemalen geht nach dem Trocknen.
Für was diese Schläuche gut waren weiß ich nicht - evtl. "Ventil"? Wasserdruck von außen preßt den Stoff zusammen und das Gat ist zu.
Vor dem hintersten Speigat ist ein runder Fleck zu erkennen, dies ist der Ausgang einer Pumpe im Schiffsinneren.
Die Stufen an der Bordwand bestehen wiederum aus Kunststoffleisten unterschiedlicher Dicke und Breite.


Hier ein solcher Schlauch an der Batavia Replik



Hier noch ein Blick auf den Bugbereich. Unterhalb der Latrine ist das Ende einer "Köttelrutsche" zu erkennen. Der runde Fleck am Bug zwischen den Schloikinien ist die Entwässerung der Pißback.



Zur Orientierung diente mir auch hier wieder die Batavia



Dies ist der aktuelle Zustand des Modells. Heute ist eine Lieferung Kupferlitze angekommen. Jetzt kann es mit den Besanjungfern weitergehen ;)



:wink:

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