Taukörbe für Fallen und Schoten - Baille à drisse
Derzeit belege ich das laufende Gut der Fockrah an den entsprechenden Punkten. In diesem Zusammenhang müssen auch die losen Enden der Fockschoten verstaut werden.
Auf französischen Schiffen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschah das in sogenannten
bailles à drisse – frei übersetzt also Taukörben, in denen die Leinen sauber aufgeschossen bereitlagen.
Im „
Allgemeinen nautischen Wörterbuch“ von Dr. Eduard Bobrik von 1858 werden sie so erwähnt:
Zeitgenössische Handbücher beschreiben die Funktion dieser Behälter eindeutig. Im
Manuel du Gabier (1827) heißt es:
«
Les drisses doivent être lovées proprement et déposées dans la baille, afin qu’elles puissent filer sans embarras. » („Die Fallen müssen sauber aufgeschossen und in den Behälter gelegt werden, damit sie ohne Verhaken laufen können.“)
Das
Manuel du Matelot (1811) ergänzt:
«
Les cordages de manœuvre sont rangés dans des bailles pour les préserver de l’humidité et du désordre. » („Die Manövrierleinen werden in Behältern verstaut, um sie vor Feuchtigkeit und Unordnung zu schützen.“)
Damit ist die Funktion klar umrissen:
Ordnung, Trockenheit und freies Fieren, ohne dass Leinen über Deck schleifen oder sich verheddern.
Das
Manuel du gréement – frégate de 44 canons (1828 ) beschreibt exemplarisch, dass diese Behälter situativ versetzt wurden, wenn beim Ausrauschen einer Leine ein freier Lauf gewährleistet werden musste. Dadurch wurde verhindert, dass sich Schlaufen bilden oder sich das Tauwerk an Deck verhakt. Diese Quelle belegt, dass die
baille à drisse ein aktives Arbeitsgerät war, dessen Position je nach Manöversituation angepasst wurde — nicht nur ein statischer Lagerort.
Die Form dieser Behälter wird in den Texten nicht näher beschrieben, doch der Atlas du génie maritime sowie mehrere Werftmodelle im Musée de la Marine (z. B. La Belle Poule) zeigen eindeutig zylindrische, offene Körbe mit senkrechten Streben.

Quelle: Atlas du Génie Maritime

Quelle: Musée national de la Marine
Vor längerer Zeit habe ich solche Taukörbe für meine La Créole im Maßstab 1:48 bereits angefertigt und im Baubericht vorgestellt.
Für die Herstellung meiner Körbe habe ich mich an einer entsprechenden Zeichnung aus dem Atlas du génie maritime orientiert. Wie beim historischen Werftmodell werde ich insgesamt fünf Stück aufstellen: zwei beim Fockmast, zwei beim Großmast und einer beim Kreuzmast.
In der französischen Marine des frühen 19. Jahrhunderts dienten die bailles à drisse als bewegliche Holzbehälter, die sowohl zur geordneten Aufnahme als auch zur trockenen Lagerung von laufendem Tauwerk verwendet wurden. Dazu gehörten insbesondere Fallen und Schoten.
1. Sichere, trockene Aufbewahrung des Tauwerks
Zwischen den Manövern wurden die Leinen sauber aufgeschossen in diesen Behältern verwahrt. Das schützte sie vor:
• Nässe auf dem Deck
• Verschmutzung
• Verknotungen
• Beschädigungen durch Scheuern
Die Behälter standen daher in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Takelage, meist am Mastfuß oder dort, wo die Leinen auf Deck geführt wurden.
2. Geordnete Aufnahme während des Manövers
Während eines Segelmanövers dienten die Behälter dazu, das ausrauschende oder eingezogene Tauwerk kontrolliert aufzunehmen. Sie verhinderten:
• dass Leinen über Deck schleifen
• dass sie sich um Beschläge oder Blöcke legen
• dass sich Schlaufen bilden
• dass die Mannschaft beim Arbeiten behindert wird
3. Situatives Umstellen während des Manövers
Das
Manuel du gréement (1828 ) beschreibt auf S. 234 einen konkreten Fall, in dem der Offizier die Behälter kurz beiseitestellen lässt, damit beim Ausrauschen einer Fallleine keine Schlaufe entsteht und sich nichts verhakt.
Dieser Hinweis zeigt:
• Die Behälter sind nicht fest montiert
• Sie werden je nach Manöversituation positioniert
• Sie sind ein aktives Arbeitsgerät, nicht nur ein Lagerort
Der beschriebene Fall ist ein Beispiel aus der Praxis, bestätigt aber die grundsätzliche Funktion dieser Behälter.

Mit der ersten provisorischen Aufstellung eines Taukorbes am Fockmast zeigt wohin die Reise geht. Die Konstruktion mit kleinen Füßen hebt den Behälter leicht vom Deck ab und entspricht damit der praktischen Logik, die auch im Manuel du gréement von 1828 anklingt. Die endgültige Platzierung aller fünf Taukörbe erfolgt jedoch erst nach Abschluss der Takelung des laufenden Gutes und der Bereinigung der Belegstellen. Diese erhalten später noch ihre Taubunsche, sodass das Gesamtbild erst im finalen Ausbau vollständig wirken wird.
Bis demnächst …