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Mittwoch, 6. Oktober 2021, 12:01

Autos: Herstellung von Scheinwerferlinsen Teil 1 + 2

Hallo zusammen

Gerade bei älteren Automodellen haben wir immer die Herausforderung, dass die Scheinwerferlinsen verchromt sind. Dies wirkt nicht sehr authentisch. Dabei hat dies durchaus seinen Charme und es ist jedem persönlich überlassen, ob er aus der Box baut oder modifiziert.
Gerne teile ich mit euch meine Technik zur Herstellung von Scheinwerferlinsen.

1. Die verchromten Scheinwerferlinsen werden mit einem geeigneten Trennmittel, Bsp. Vaseline behandelt.

2. Für den Abguss verwende ich einen "3D" Lack aus dem Bastelgeschäft. Mit UHU Flinke Flasche könnte es vielleicht auch funktionieren. Dabei ist zu beachten, dass UHU sehr hart austrocknet und daher beim Ablösen einreissen kann.

3. Der Lack trage ich mit einem Zahnstocher auf, dabei achte ich auf eine flächendeckende, bis zum Rand gehende Füllung. Danach die Trockenzeit einhalten.

4. Diesen Vorgang wiederhole ich bei allen Scheinwerfer mit meinem verwendeten Lack drei Mal. Bei anderen Materialien testet bitte selber. Es soll eine sinnvolle Schichtdicke erreicht werden. (Bei Verwendung von UHU reichen möglicherweise zwei Schichten.)

5. Nach der Trockenzeit löse ich die Linsen mit dem Bastelmesser aus der "Form"


6. Nun werden die Scheinwerfer ausgebohrt. Dabei achte ich auf mittige Bohrung.
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Mittwoch, 6. Oktober 2021, 12:20

Herstellen von Scheinwerferlinsen, Teil 2

7. Danach erweitere ich mit einer Rundfeile die Löcher bis zum Rand. Wer mag, kann auch den Fräser verwenden, mir persönlich ist dies jedoch zu heikel.

8. Die Löcher werden mit einem Acrylspachtel von der hinteren Seite her gefüllt. Der Vorteil von Acrylspachtels ist, dass er auch nach dem Härten wasserlöslich bleibt und die Verchromung nicht angegriffen wird.


9. Mit Wattestäbchen geglättet. Dabei muss es noch nicht perfekt aussehen. Dann lasse ich das ganze Trocknen.
10. Zweite Füllung mit dem Spachtel von der vorderen Seite her. Wieder Trocknen lassen und danach die Ränder mit Wasser säubern. Auch hier gilt das Pareto Prinzip, 20% Aufwand führt zu 80% Erfolg. Kleine Ungenauigkeiten werden durch den Nachfolgeprozess kaschiert.


11. Die Scheinwerfermulden werden mit einer hochglanz Acrylfarbe, schwarz, mit dem Pinsel bemalt. Trocknen lassen.

12. Danach mit Molotow Chrom verchromt. Trocknen lassen.

13. Die Linsen werden mit dem "3D" Lack verklebt.



Fertig :tanz:

Ich hoffe, der Beitrag ist für euch zielführend :D

Viel Erfolg.

Beste Grüsse Peter

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Mittwoch, 6. Oktober 2021, 12:54

Hallo Peter,

dankesehr, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, Deinen Prozess zu beschreiben! Ich denke, der kritischste Teil ist das exakte Ausbohren der Chromteile. Du erwähnst die Einhaltung der Trockenzeit für den 3D-Lack. Welche Zeit setzt Du dafür bei dem von Dir verwendeten Lack an? Härtet der Lack dann auch wirklich "hart" aus, oder bleibt er "mittelhart"? Bei Acryl istz das ja manchmal so eine Sache... :nixweis:
Gruß
Thomas

Eine Übersicht meiner fertigen Bauten gibt es hier:
Modelle von Tommy124

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4

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 13:10

Hallo,

ich habe beide Teil 1 und Teil 2 zu einem Thread zusammengeführt.

Gruß Stefan

5

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 13:25

Hallo Stefan

Vielen Dank fürs schnelle Zusammenführen. :hand:

@Thomas

Bohren: Ich bohre immer etwa 4 mm und feile dann mit der Rundfeile. Da habe ich die volle Kontrolle und das geht gut. Credo ist, besser ein wenig mehr stehen lassen. Einfach zwischendurch mit einer Zahnbürste oder Schweinehaarpinsel säubern und kontrollieren, damit man nicht zu nah an den Rand kommt. Da nacher gespachtelt und übermalt wird, fallen kleine Ungenauigkeiten nicht auf. Ich bin zugegebenermassen faul, wenn ich es einfacher haben kann.

Lack: Der Acryllack benötigt ca. 2-3 h, je nach Schichtdicke. Dieser Lack darf jedoch bis zu 3 mm dick aufgetragen werden. Beim Trocknen schrumpft er heftig. Er ist mittelhart, heisst, er bleibt Formstabil und die Ränder können mit einer Nagelfeile versäubert werden. Der UHU Flinke Flasche ist härter und spröder. Daher kann er schnell mal einreissen. Ich kann dir nicht sagen, ob es mit deinem UV Kleber auch funktionieren würde. Wenn du jedoch ein geeignetes Formtrennmittel verwendest, sollte es gehen...also soweit er dann auch schön fliesst. Ich kenne das Zeug aus der Werbung, habe jedoch keine Erfahrung damit.

Übrigens sieht es gem. dem Bericht nach viel Arbeit aus, ist es aber nicht. Die meiste Zeit verbringt man mit Warten, bis die verschiedenen Materialien getrocknet sind. Daher habe ich auch 2 Tage gebraucht, um den Bericht zu erstellen.
Also, ich war immer dran. Für euch gebe ich alles :ok:

Beste Grüsse

Peter

6

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 13:36

Hallo Peter, danke für den tollen Bericht !
Das sieht nach einer soliden Lösung aus.

Gruß

Markus

7

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 14:30

Hallo Markus

Vielen Dank. Aufgrund der zeitweisen schlechten Verfügbarkeit von vorgefertigten Linsen, kam ich auf die Idee, einfach ein 1:1 Abguss zu erstellen. Zuerst hatte ich einen Formabguss aus Silikon erstellt, das führte jedoch nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Dann habe ich einfach direkt abgegoen und das sah überzeugend aus. Dabei habe ich auch gleich den Acrylspachtel und Motolow getestet. Am Schluss ist es das Zusammenwirken von allem.

Beste Grüsse

Peter

8

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 15:35

Vielen Dank für die gut erklärende und bebilderte Anleitung, Peter :hand: . Zeitlich etwas Aufwand, aber das lohnt sich denn richtiges Glas sieht einfach besser aus als vollverchromte Scheinwerfer :)

Bernd

9

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 18:48

Hallo Bernd

Gerne, ja der Aufwand lohnt sich definitiv, soweit man nicht aus der Box bauen möchte.

Beste Grüsse

Peter

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