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181

Samstag, 21. März 2020, 17:43

Anhand der aufgeklebten Papierstreifen sehe ich, wie ich die Leiste verjüngen muss.

Dazu lege ich die Leiste auf den Rumpf markiere die Position am Papierstreifen am Hauptspant und vorn am Bug. Übertrage an die Maße der jeweiligen Breite auf die Leiste und ziehe eine Linie. Zum Verjüngen selbst nutze ich einen sog. Leistenboy. Hier spanne ich die Leiste ein und richte sie nach der aufgezeichneten Linie aus. Mit einem kleinen Hobel ist die Arbeit dann recht schnell erledigt.



Zuerst klebe ich die Kielplanke auf, allerdings verjüngt sich diese am Bugbereich noch einmal zusätzlich und läuft recht spitz zu.

Um diesen Plankenverlauf auf die Leiste zu übertragen, nutze ich Malerkrepp und zeichne die Linien mit einem Perpmanentmarker auf das Klebeband. Dann klebe ich den Streifen auf die Leiste und kann so die Kontur entsprechend abschleifen. Die Methode ist sehr effiktiv und relativ genau. Danke Frank für den Tipp.



Um einen fließenden Kurvenverlauf zu erreichen werden beim Rumpfbau in einer echten Werft sog. Straklatten vorrübergehend auf dem Rumpf fixiert. Sie zeigen dem Schiffbauer nicht nur den Verlauf der späteren Planken, sondern teilen die Fläche auch in einzelne etwa gleich breite Abschnitte.

Dieses Prinzip übernehme ich und fixiere eine 1x1 mm Leiste an einigen wenige Stellen mit einem Tropfen Sekundenkleber oberhalb der Markierung des mittleren Plankengangs und teile die Rumpfläche so in zwei etwa gleich breite Streifen. Die mittlere Planke wird meine Referenz für die weitere Beplankung sein.



Im folgenden Schritt muss ich nun diese Planke seitlich biegen. Durch die Strakleiste habe ich ein gute Kontrolle und kann mich an die gewünschte Krümmung langsam heranarbeiten und immer wieder anlegen.

Mittig am Hauptspant hat die Leiste eine Breite von 7 mm. Vor dem Biegen wird die Leiste auf ca. 5 mm verjüngt, so wie schon weiter oben beschrieben.

Das Biegen über die hohe Kante, wie Matthias weiter oben so schön erwähnte, ist etwas mühevoll und verlangt viel Geduld. Ich verwende die Formspitze des Biegesystems im Lötkolben, den Plankenbiegeraufsatz klemme ich auf einem Holzbrett und nutze ihn als Form und Gegenstück. Die Leiste fixiere ich mit einer Klemme am Brett.



Die Leisten wurden auf jeder Seite als Ganzes aufgesetzt, die Plankenstöße dann erst mit einem dünnen Sägeblatt eingearbeitet. Nach dem Verkleben folgt auch gleich wieder das Setzen der Dübel.

Andreas

aktuell im Trockendock: Rumpfbeplankung bei der Fregatte Berlin

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182

Samstag, 21. März 2020, 18:22

Sehr instruktiv das Ganze, und daß es funktioniert sieht man auch gleich :D :ok:

183

Sonntag, 22. März 2020, 12:14

Hallo Ros Tocker,

deine/die Berlin interessiert mich auch. Habe einen Holzrumpf hier liegen den mir freundlicherweise ein Modellbaukollege geschickt hat.
Bezüglich der Beplankung : Soweit ich die Unterlagen kenne gibt es bei den Holländern der Zeit zwei Methoden der Beplankung unterhalb des Haupt-Barkholzes.

Amsterdam Methode: vom Kiel nach oben unters Haupt-Barkholz beplankt.
Und die
Rotterdam Methode: vom Haupt-Barkholz zum Kiel hin beplankt.

Ich vermute das es dadurch zu einem unterschiedlichen Plankenverlauf vor allem im Vorschiff kommt. Wie siehst Du das? Wonach richtest du dich?


Im Bau:
80-Kanonen Linienschiff Bucentaure 1:150
74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

184

Sonntag, 22. März 2020, 14:10

Danke euch beiden für das Feedback. Im letzteren Fall, ist es etwas schwierig sich mit jemanden zu "unterhalten" so ganz ohne Namen. ;)

Ich bin kein Historiker oder Schiffbauer im Allgemeinen und müsste mich jetzt erst belesen, wie die Technik der einzelnen Methoden zu handhaben wäre. Ich habe wir deshalb darüber auch keine weiteren Gedanken gemacht und mich mehr oder weniger nach Bildern vergleichbarer Modelle gerichtet.

Ich weiß allerdings, dass es grundsätzlich unterchiedliche Arten der Beplankung gibt, sofern man die Klinkerbeplankung außen vor läßt. Soweit mein Kenntnisstand ist dies der Rumpfform geschuldet. Aus dem Buch "Die Niederländische Jacht im 17. Jahrhundert", das passt zur Berlin, einmal in Hinsicht derZeitepoche und auch dahingehend, dass sie nach Überlieferungen auf einer holländische Werft gebaut wurde.

Hieraus zitiere ich mal drei Abbildungen:



Variante 1 und 2 fand Anwendung bei relativ scharfen Unterwasserschiffen, zu der auch der Rumpf der Berlin gezählt werden kann. Variante 2 bei den etwas fülligeren Typen. Variante 3 bei extrem bauchigen Rümpfen bei denen die Linien am Bug und Hauptspant nahezu eine 90° Krümmung aufweisen.

Vom Gefühl her finde ich mich bei Variante 2 wieder, weil es auch dem Spantenriss der Berlin sehr nahe kommt, wenn man den Riss (rot) über die Variante 2 legt.

Andreas

aktuell im Trockendock: Rumpfbeplankung bei der Fregatte Berlin

185

Sonntag, 22. März 2020, 15:44

Zitat

Im letzteren Fall, ist es etwas schwierig sich mit jemanden zu "unterhalten" so ganz ohne Namen. ;)
Och, das geht sogar im dunklen. Und unterhalten wir uns nicht jeden Tag mit Fremden? Aber ich verstehe was Du meinst. Ich hatte tatsächlich mal meinen Realnamen angegeben. Muss ich wohl gelöscht haben als ich hier kürzer getreten bin. Tach Andreas, ich bin der Joerg :hand:

Dein Modell wird schick so oder so. Kritisieren wollte ich nicht, deine Arbeit ist sehr sauber und die Vorgehensweise sehr gut erklärt.
Aber falls es für dich von Interesse ist, versuche doch mal probeweise die Planken vom Kiel her anzubringen. Die Informationen dazu findet man bei Nicolaes Witsen: Aeloude en Hedendaegsche Scheeps-bouw en Bestier. Amsterdam 1671
Gibt es als kostenlosen Download. Für den weiteren Bau könnte die Lektüre vielleicht noch nützlich sein. Ebenso Hoving/Emke Die Schiffe des Abel Tasman.
Da sind schöne Modellbilder drin die den Bau solcher Schiffe Schritt für Schritt zeigen.


Nachtrag: Ein Ausschnitt aus dem Witsen. Gezeigt wird eine Fregatte im Bau
Sorry für den weißen Rand. Ich weiß wie man das richtig macht. Nur klappt es halt auch nach dreimaligen Versuch nicht!
»AHR Waterline-Sail« hat folgendes Bild angehängt:
  • witsen frigate.JPG


Im Bau:
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74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

186

Sonntag, 22. März 2020, 16:05

Besten Dank ... Fremder Joerg ;)

Dein Beitrag passt schon, selbst wenn er kritischer gewesen wäre, es ist dieses Vieraugen-Prinzip, was mich/uns weiterbringt.

Vielen Dank auch die weiterführeden Quelle, kannst du mit bitte einen Link für das Download posten?
Andreas

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187

Sonntag, 22. März 2020, 16:18

Zitat

kannst du mit bitte einen Link für das Download posten?
Klopapier ist ausverkauft! :D
Mein Link ist von 2016, ne neuen sucht Mann selbst. :pc:


Im Bau:
80-Kanonen Linienschiff Bucentaure 1:150
74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

188

Montag, 23. März 2020, 20:21

Bin nach den letzten Posts etwas verunsichert, ob es bei mir in der richtige Richtung geht, aber weiß der Klabautermann. Ich hatte zu dem ja auch schon angefangen und, wie erwähnt, einen Plankengang als Referenz mittig auf das Unterwasserschiff gesetzt. Jetzt beplanke ich erst mal in Richtung Kiel. Es geht extrem langsam voran. Ich beplanke wechselseitig Bb und Stb und lasse pro Seite den Holzleim erst komplett aushärten. Die Papier-Markierungen unterstützen ungemein und helfen prima, auf jeder Seite spiegelbild an der gleichen Stelle zu beginnen und ebenso identisch zu enden. Kleinere Ungenauigkeiten gleiche ich dann noch mit dem minimal unterschiedlichen Verjüngen der Leisten aus.

Alter Falter, das ist trotzdem nicht mein Ding. Ich werde hier wohl völligen Mist produzieren. Mir der Krümmung am Bug komme ich nicht wirklich klar.

Die Stufenklötzer zum Anpressen der Leisten ....



... machen sich gut, nur die Schraubösen sind nicht die beste Idee. Trotz des weichen Balsaholzes muss recht ordentlich gedreht werden, mir tun die Fingerkuppen weh, als würde ich gerade das Gitarrespielen erlernen.

Erstaunlich dagegen, mir macht das Dübeln echt Spaß. Bekloppt, oder? Jeder fertige Plankengang wird immer gleich gebohrt und dann verdübelt. Mit etwas mehr als 60 pro Gang wurden bis dahin 1.000 Stück verarbeitet.




@AHR Waterline-Sail Joerg ... habe eine Google-Leseprobe von dem Buch "Die Schiffe Abel Tasmans" überflogen, es ist vielversprechend und habe gleich heute bei einem niederländischen Buchhändler zugeschlagen. Besten Dank noch einmal für den Tipps. :ok:
Andreas

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189

Montag, 23. März 2020, 22:28

Hi Andreas

Zitat

@AHR Waterline-Sail Joerg ... habe eine Google-Leseprobe von dem Buch "Die Schiffe Abel Tasmans" überflogen, es ist vielversprechend und habe gleich heute bei einem niederländischen Buchhändler zugeschlagen. Besten Dank noch einmal für den Tipps. :ok:
Das Buch ist ein echter Gewinn. 2 volle beiliegende Plansätze im Maßstab 1:75 der Zeehaen und Heemskerk, Bilder vom Vorbildgerechten-Bau anhand eines Modells usw. Auf der beiliegenden CD sind die Pläne dann auch noch vorhanden und in verschiedenen Maßstäben ausdruckbar.
Diesen Buchtipp gebe ich immer gerne .


Im Bau:
80-Kanonen Linienschiff Bucentaure 1:150
74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

190

Sonntag, 29. März 2020, 22:42

Kimmung bis Kiel sind beplankt und verdübelt.

Andreas

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191

Montag, 30. März 2020, 15:45

Mal eine Farge an die Experten.

Bei Recherchen ist mir bei Takelplänen unterschiedlicher Quellen aufgefallen, dass es immer wieder Belegstellen gibt die doppelt belegt sind, hier ein typisches Beispiel:



Im Hoeckel-Plan und Plan des Bausatzes der Berlin sind an der Nagelbank am Großmast lediglich nur jeweils 4 Belegnägel gezeichnet. Ich habe mal ansatzweise versucht die Belegstellen der Nagelbank am Großmast nachzuvollziehen und müsste hier folgendes laufendes Gut belegen:
  • Großmarsschoten
  • Großbramschoten
  • Großbram-Geitaue
  • Großsegel-Toppnanten
  • Großmars-Toppnanten
Das sind jeweils 2 Taue, selbst bei Doppelbelegung wären das dann zumindest schon 5 Nägel. Ist das tatsächlich mit der Doppelbelung tatsächlich so gewesen?
Andreas

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192

Montag, 30. März 2020, 16:31

Hallo Andreas, Schau mal hier in meinem alten BB zur Wapen von Hamburg, dort hatte ich mal diese Frage gestellt und den Lösungsweg bekommen.https://www.segelschiffsmodellbau.com/t1…1.html#msg18028

Lieben Gruß Frank

193

Montag, 30. März 2020, 17:33

Danke dir, bin so schon ein paar Schritte weiter und kann meinen Takelplan dann entsprechend anpassen.
Andreas

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194

Donnerstag, 2. April 2020, 22:21

Endphase bei der Beplankung des Rumpfes.

Es fehlen an der Steuerbordseite noch 2 und an Backbord 3 Plankengänge. Für die bis zu diesem Zeitpunkt 2.000 Dübel wurden 20 laufenden Meter 1x1 mm Ahornleisten verarbeitet.

Andreas

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195

Gestern, 08:18

Schöne Fortschritte !
Viele Grüße
Johann

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Video - La Créole - Chaloupe

Video - La Créole - 2019

196

Gestern, 10:56

Danke Johann, für's Vorbeischauen.

Habe dem Modell schon mal ein nettes Ständerbett spendiert:



Ansonsten ist mittlerweile der Rumpf vom Schanzkleid bis Kiel komplett beplankt und kann jetzt verschliffen werden. Inklusive des Hecksdpiegels wurden bis dahin insgesamt 2.444 Dübel verarbeitet.





Die Beplankung als Solches gehört nicht zu meinen favorisierten Tätigkeiten, gerade bei Unterwasserschiff im Bugbereich ist das Endergebnis nur bedingt zufriedenstellend. Da mir eine spätere Präsentation im "Vollholzlook" wohl immer wieder Magenschmerzen bereiten würde, habe ich mich entschieden der Lady doch einen Unterrock zu verpassen. ;)

Hier mal ein wirklich grauenvolles Ergebnis ;(


Möglicherweise war die Variante mit dem Beginn der Kimmplanke nicht die richtige Entscheidung. Dann ist es halt so, Farbe drüber und gut ist's.

Ich habe noch ein Restaurationsprojekt hier, da wird's dann besser ;)
Andreas

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197

Gestern, 16:47

Die ersten Befürchtungen zu der verunglückten Beplankung am Bugbereich haben sich ein wenig relativiert. Nach dem Verschleifen der Backbordseite und Behandlung mit Firnis ist das Ergebnis ganz annehmbar, so dass ich mich vielleicht doch entschließen kann, auf einen Unterwasseranstrich zu verzichten.

Andreas

aktuell im Trockendock: Rumpfbeplankung bei der Fregatte Berlin

198

Gestern, 19:40

Gude Andreas,

sieht wirklich schön aus. Schönes kleines Schiff.
Im Bau: Royal Louis; Fletcher-Klasse (Platinum Edition); Jeep Willys

Fertig: Lamborghini Countach (Abo); La Montanes; Astrolabe; Bounty; Lanz-Bulldog D8506 (Abo); Bismarck (Platinum Edition)

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