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Mittwoch, 25. März 2020, 18:34

Doppel-Baubericht: Fujimi Porsche 911 RS 3.0 / Tamiya Martini Porsche 935

Hallo zusammen,
hier kommt mal wieder ein nach-dem-Bau-Baubericht.


Es soll um den Bau von gleich zwei Modellen gehen. Warum das so ist, werdet Ihr im Verlauf des Berichtes noch herausfinden :).
Im ersten Teil des Berichtes soll es um den Fujimi Porsche 911 RS 3.0 gehen:


Eine Bausatz Vorstellung für den Fujimi gibt es schon hier im Forum (danke an Carlo82).


Später wird dann der Tamiya Martini Porsche 935 besprochen:


Also: Los geht's.
In den 80ern brachte Fujimi eine ganze Reihe von Porsche 911 Modellen auf den Markt, die Bandbreite reichte von 67er 911 R bis zum späte 80er Turbo Cabrio.
Die Serie erschien zunächst als "Enthusiast Models" mit Motor-Nachbildung und jeder Menge Details (=Teile), später dann auch in vereinfachter Form als Curbside Models ohne Motor und Schischi.
Das Prinzip hinter diesen Bausätzen war, dass man über die Reihe verteilt viele Gleichteile (z.B. Chassis) hatte und so rationell eine schöne Bandbreite an Modellen anbieten konnte.
Fujimi hat das dann später mit den Porsche 356, Lamborghini Countach, 6er BMWs und verschiedenen Ferraris ebenso gemacht.

In den 1990ern verschwanden die Fujimi 911 dann vom Markt, wurden aber Ende der Nuller Jahre mit neuen Boxen wieder aufgelegt.
Trotz dieser Tatsache sind die Dinger irgendwie schwer zu bekommen und auch die Neuauflagen sind nicht gerade billig (zwischen 40 und 50€).
Innerhalb der 911er Reihe gibt es häufigere und seltenere Modelle, meinem Empfinden nach sind die Turbos am häufigsten und der 67er 911R am seltensten.
Der 911 RS 3.0 gehört m.E. zu den eher seltenen Modellen.

Dementsprechend sind die beim bekannten Kleinanzeigenportal aufgerufenen Preise meistens irgendwo zwischen "stolz" und "astronomisch".
Umso begeisterter war ich, als ich auf ein Bausatz Konvolut stieß das auch den RS 3.0 enthielt.
Flugs den Verkäufer angerufen und nach dem Zustand gefragt: "Schon lackiert aber komplett." war die Antwort, also schlug ich zu.
Aufs gesammte Konvolut gerechnet hatte der Porsche grad mal 5 Euro gekostet. Hurra!

Es gibt ja diesen schönen Sinnspruch: "Wer billig kauft, kauft zweimal."
Als ich das Paket erhielt musste ich feststellen, dass dieser Sinnspruch leider viel Wahres hat.
Der Fairness halber: Die drei anderen Bausätze im Paket waren tiptop, aber der Porsche sah so aus:




Einmal tauchlackiert, kapitaler Dachschaden, Chassis total unbrauchbar und - am schlimmsten - die Stoßstangen fehlten.

  • »variantmann« ist der Autor dieses Themas

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2

Mittwoch, 25. März 2020, 20:50

Nachdem ich mit den gröbsten Flüchen durch war, packte mich dann aber doch der Ehrgeiz.
Ich wollte einfach sehen ob aus so einer Ruine noch was zu machen war.

Zunächst zu den fehlenden Teilen:
Eine passende Bodengruppe hatte ich noch in der Grabbelkiste, denn "damals" in den 80ern hatte ich schon mal einen Fujimi Porsche gebaut (69er 911 S) dessen Fragmente noch der Wiederverwendung harrten >> Check!
Die fehlenden Stoßfänger gedachte ich dem Revell 911 RS 3.0 - ein Flohmarktfund für 3€ - zu entnehmen >> Check! (Zu dem Revell Bausatz später mehr).
Blieb die Frage ob die Karosserie noch irgendwie zu retten war.

Erster Schritt: Entlacken.
Dowanol (Dipropylenglycol-phenylether) wirkt da wahre Wunder!
Das Zeug löst Lacke an, ohne das Polystyrol, aus dem die Karosse besteht, zu zerstören. Die Oberflache wird zwar angegriffen und die Karo wird etwas spröder, aber insgesamt habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

Man packt die zu entlackenden Teile in einen stabilen Gefrierbeutel, einen ordentlichen Schluck (ca. 0,1l) Dowanol dazu...



Dann ca. eine halbe Stunde einweichen lassen, zwischendurch immer etwas schütteln damit das Lösemittel überall hin kommt.
Schließlich kann man Lack ohne die Tüte zu öffnen von der Karo "runterreiben".
Das Ergebnis sieht dann etwa so aus:




Der Lack war runter aber mehr oder minder alle Fensterstege hatten aufgegeben, Stichwort: Sprödigkeit.
"Jetzt aber nicht aufgeben!" dachte ich und machte mich daran die weggebrochenen Teile wieder einzufügen bzw. mit sheet zu ersetzen.

Das Ergebnis war: Na ja...

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3

Donnerstag, 26. März 2020, 10:33

Das Ergebnis der Karosseriearbeiten war solala aber irgendwie noch akzeptabel.

Ich wandte mich also dem Thema "fehlende Stoßfänger" zu.

Wie schon erwähnt hatte ich den Revell Carrera 3.0 RS für kleines Geld auf dem Flohmarkt erstanden.

Zu diesem Revell Produkt gibts es eine interessante Geschichte (Quelle für alle Daten: www.scalemates.com):
Revell brachte diesen Bausatz 1970 auf den Markt:



1971 erschien dann ein update zur Racing Version mit zusätzlichen Teilen und Decals:



1976 wurde der Bausatz dann mittels neuer Karosserie zum Carrera RS renoviert, viele Teile des alten Kits wurden aber beibehalten:



In den 80er erschienen auch noch ein Targa und ein Cabrio, aber bin mir nicht sicher ob diese auch auf dem Bausatz aus den 70er basierten:


Seit 2011 wurde der Carrera RS dann wieder in regelmäßigen Abständen neu aufgelegt:


Leider ist der Revell Carrera RS, um es mal vorsichtig zu formulieren, kein besonders guter Bausatz, vor allem im Vergleich zu den Fujimi Produkten.
Ich habe sowohl die 1971er Racing Version als auch den aktuellen RS hier liegen, und wenn man den Kartoninhalt vergleicht, sieht man, dass die beiden sehr nah verwandt sind.
Dazu kommt, dass die Proportionen der Karosserie nicht besonders stimmig sind, vor allem der vordere Stoßfänger ist viel zu gerade. Dazu weiter unten mehr.
Die absolute Zumutung sind die zweiteiligen Reifen und die unstimmigen Felgen.
Sollte jemand von euch mit dem Carrera RS als Projekt liebäugeln, kann ich von diesem Bausatz nur abraten. Lieber den, freilich doppelt so teuren, Fujimi nehmen.

Auch im Vergleich zu anderen, aktuellen Revell Bausätzen, die sich vor der asiatischen Konkurenz wahrlich nicht mehr verstecken müssen, kann diese Wiederauflage absolut nicht mithalten.
Das einzige Hervorragende an dieser Wiederauflage ist der Decalsatz, da kann auch Fujimi nicht mithalten:

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4

Donnerstag, 26. März 2020, 14:00

Die Stoßfänger aus dem Revell Bausatz sollten also die fehlenden Teile meines Projektes ersetzen.

Eine erste Anprobe zeigte, dass der vordere Stoßfänger zu breit und zu gerade war, der hintere zu schmal und zu flach.



Hier kamen mir dann doch Zweifel ob es mir wirklich gelingen könnte aus der Ruine eine ansehnliches Modell zu machen.
Dennoch machte ich mich zunächst daran die Revell Stoßfänger mit Hilfe von Sheet und viel Spachtel anzupassen.




Vorsichtshalber begann ich bei Kleinanzeigen nach "Fujimi Porsche" zu filtern und dachte auch über den Neukauf einer Wiederauflage nach.


Um mich vom Spachteln und Schleifen abzulenken, wandte ich mich dem Motor zu.
Den hatte der Vorbesitzer, unter Verwendung von reichlich Klebstoff, begonnen zusammen zu bauen:


Schließlich konnte ich daraus ein ansehnliches Aggregat erzeugen.


Sämtliche Fahrwerkskomponenten waren noch unberührt, ein brauchbare Bodengruppe hatte ich noch in der Grabbelkiste, also konnte ich auch das Chassis komplettieren.



Gleiches galt für die Innenausstattung.
Die Gurte wurden aus Leukosilk und Photoätzteilen nachgerüstet.



Irgendwann waren dann auch die Karosserieteile "soweit" und lackiert, Decals drauf und klargelackt...


...und es kam natürlich wie es kommen musste:
Durch die innen in die Karrosserie eingeklebten Versteifungen wollten Chassis, Glasteile und Karosse ums verrecken nicht zusammenpassen. :bang:
Dies ist eine Erkenntnis welche ich schon weitaus früher hätte haben können.
Aber nur aus Fehlern kann man lernen. Aus den doofen Fehlern ganz besonders viel.

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5

Donnerstag, 26. März 2020, 15:15

Ich sah mich also der Situation gegenüber, dass ich einen gut gelungenen Porsche ohne passende Karosserie hatte.
Tatsächlich fand ich Chassis und Interior so gelungen, dass ich das Modell nicht in die Schrottkiste befördern wollte.
Also fasste ich den Entschluss in den sauren Apfel zu beißen, und doch einen neuen Bausatz nachzukaufen.

Just in time aber fand ich im bekannten Kleinanzeigenportal einen weiteren Fujimi Carrera RS!
Wieder nicht perfekt, weil angefangen, aber dafür sehr günstig 8)
(Ja ich gebs zu, ich bin ein Schnäppchenjäger.)


Der "neue" RS sollte mal ein Slotcar werden und daher waren Stoßfänger und hintere Haube SEHR stabil verklebt.

Leider sind die Klebekanten, vor allem hinten, unsauber, was man beim fertigen Modell auch sehen kann.
Also musste ich hier die Arbeitsschritte Lackierung, Decals und Klarlack zum zweiten mal machen.

Da die hintere Haube fest verklebt ist, entfernte ich den detaillierten Motor wieder aus dem Chassis und baute aus dem neuen Kit eine "Curbside-Variante".
Der so gerettete Motor steht jetzt solo in der Vitrine und wartet auf die Verwendung im nächsten Fujimi Porsche.

Dem folgte dann die finale Detaillierung, Fenstergummis und Spoilerlippe brushen, Glasteile, Scheinwerfer, Blinker, Heckleuchten.
Zum Schluß noch Türklinken, Spiegel und Kennzeichen (selbstgedruckt) dran: Geschafft!




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Freitag, 27. März 2020, 11:48

Nach Fertistellung des 911 Carrera RS 3.0 nahm ich den "935 Martini" in Angriff.


Zum Bausatz:
Das Kit erschien erstmals 1977 wird aber immer mal wieder aufgelegt.
Tamiya hat dabei die Angewohnheit den Wiederauflagen neue Bausatznummern zu verpassen, also gibts es den 935 Martini sowohl als Nr. 24001 als auch als Nr. 24311.
Für Sammler ist m.E. Fluch und Segen zugleich, denn einerseits kann man alte Bausätze einfacher identifizieren, andererseits macht es das Tamiya-Programm unübersichtlicher.

Der Bausatz selbst ist ein recht einfacher Curbsider mit Fahrerfigur und der Möglichkeit einen E-Motor einzubauen. Den alten Varianten liegt der Motor bei, den Wiederauflagen nicht.
Karrosseriedetsils und Decals sind, wie bei Tamiya üblich, sehr schön.
Die Inneneinrichting ist, da Raum für den E-Motor geschaffen werden musste nicht ganz vorbildgetreu.
Das Chassis ist, ebenfalls wegen der Verwendung als "Spielzeug", sehr grob.
Alles in allen ein typischer 1:24er Tamiya aus den 70er Jahren.

Zum Original:
Das nachgebildete Fahrzeug wurde vom Porsche Werksteam in dieser Form nur bei einem Rennen eingesetzt, 1976 beim Gruppe 5 Markenweltmeisterschaftslauf in Mugello.
Beim zweiten Lauf in Vallelunga wurde das Fahrzeug mit herkömmlichen vorderen Kotflügeln (also ohne flat-nose) an den Start geschickt.
Beide Rennen gewann der 935 überlegen.
Danach bekam Porsche aber Ärger mit den technischen Kommissaren. Die Anbringung des Ladeluftkühlers über dem Motor, in den Flügel integriert, wurde für illegal befunden,
da laut Reglement die Serienmotorhaube auf das Fahrzeug passen musste.
Um den Regeln genüge zu tun, wurde danach die Ladeluftkühlung in die hinteren Kotflügel verlegt, was die Optik des Fahrzeuges stark veränderte.



Auf den Porsche 935 ohne flat-nose wurde ich das erste Mal bei der Lektüre des Buches "Gruppe 5" von Harold Schwarz aufmerksam.
Ein sehr lesenwertes und leibevoll bebildertes Buch! (petrolpics, ISBN 978-3-940306-05-0)

"Schade", dachte ich mir "dass es den nicht als Bausatz gibt." (Doch gibt's: Ein sehr schönes Transkit von Studio 27 für bescheidene 140€)

Wie es der Zufall wollte hatte ich aber eine 911 Karosserie übrig...


Könnte man da nicht?

Also startete ich das nächste Experiment:
Umbau 935 von flat-nose auf standard-nose, ansonsten aber OOB.

Zunächst wurde die Fujimi Karosse geschlachtet:



Dann wurde die Karosserie des 935 zerlegt...



und die Kotflügel angepasst.


Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich auf das Zerlegen der Karrosserie besser verzichtet hätte.
Ich hatte Angst, dass ich die senkrechten Übergänge der Kotflügel nicht sauber geschliffen bekomme wenn die Fronthaube noch drin ist, und um diese raus zu bekommen musste ich auch den Frontspoiler abtrennen.
Beim Original sind aber Kotflügel und Frontspoiler ein Teil (also die gesamte Front) und diese Optik ging mir beim Modell verloren.

Dann wollte ich mal ausprobieren meinen eigenen Spachtel aus Aceton und Gießastresten herzustellen.
Ein grandioser Fehlschlag!





Das einzige was die rosa Kaugummipampe gebracht hat, war dass die Kotflügel schön fest mit der Karosse verbunden sind.
Ansonsten wars doppelter Schleif- und Spachtelaufwand. Wieder was gelernt.



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Montag, 30. März 2020, 13:54

Nach fleißigem Spachteln und Schleifen konnte die Karosserie wieder zusammengefügt werden.
Die eingegossenen Tanköffnungen in der vorderen Haube habe ich geöffnet.






Nach der Grundierung, folgte noch ein wenig Spachteln und Schleifen...



Schleißlich konnte dann der Decklack aufgetragen werden: Tamiya X-2 weiß



Während der Lack durchtrocknete kümmerte ich mich um die Räder...





...die Fahrer Figur (Jochen Maas)....



...und die Komplettierung des Interiors.
Den vorderen, selbstgebauten, Teil des Käfigs habe ich vor der Endmontage wieder entfernt. Zu grob.



Die Heckscheibe habe ich mit Tamiya X-24 Clear Yellow getönt.
Die gelbe Heckscheibe hatte eigentlich erst der Porsche 935-78, aber mir gefiel die Optik.
Außerdem wollte ich das tönen von Glasteilen mittels Airbrush mal ausprobieren.



Die vordere Spoilerlippe und die Lufteinlässe in den Kotflügeln wurden rot lackiert.
Im Bild: Anprobe Fahrgestell und Scheinwerfer.



Nach dem anbringen der Decals wurde das Ganze mit Tamiya X-22 Clear versiegelt.



Von den letzten Arbeitsschritten habe ich leider versäumt Fotos zu machen:
• Polieren
• Scheibenrahmen schwarz gebrusht
• Drahtgitter Kühleinlass vorne zugefügt
• Endrohre aus Alurohr
• Türgriffe, Spiegel, Scheinwerfer

Das Endergebnis ist beileibe nicht perfekt, aber ich bin mit meinem "Fumiya" Porsche ganz zufrieden.
Immerhin habe ich jetzt ein Unikat in der Vitrine, welches es nicht an jeder Ecke gibt.
Außerdem ist die Fujimi Karosserie-Ruine noch einem sinnvollen Zweck zugeführt worden.

Auf zu neuen Projekten!














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