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Montag, 13. Januar 2020, 13:54

Eine Prince de Neufchatel soll entstehen

Einen wunderschönen guten Tag und vielen Dank für die Aufnahme in eure Runde!
Ein Bekannter hat mir zu Weihnachten das Spiel "Naval Action" geschenkt. Dort kann man mit Segelschiffen vom kleinen Navy Cutter bis zur Santissima Trinidad durch die komplett modellierte (wenn auch maßstäblich verkleinerte) Karibik schippern. Eines der Schiffe, die man relativ zügig bekommen kann und mit der ich inzwischen echt viel Spaß hatte (und noch habe), ist der US-amerikanische Toppsegelschoner "Prince de Neufchatel". Ich komme ursprünglich aus dem Panzer-Modellbau, habe jedoch in meiner Jugend schon einmal in den Schiffbau hineingeschnuppert (Constructo Santa Maria und die Anfängerbausätze Bounty und Schoner, ebenfalls von Constructo). Da ich gerne die Fahrzeuge, mit denen ich in der virtuellen Welt Spaß habe, auch gerne zu Hause stehen habe, keimte in mir die Idee, die Prince nachzubauen. Ich suchte und - siehe da - fand einen Plan für sie im Maßstab 1:50. Der gehörte wohl zu einem Bausatz der tschechoslowakischen (?) Firma Modela aus dem Jahr 1979.
Die Prince de Neufchatel wurde 1812 oder 1813 in New York in der Werft von Adam & Noah Brown nach einem Entwurf von Christian Bergh gebaut und am 28. Oktober 1813 als Privateer in den Dienst der USA zum Kampf gegen die Briten gestellt. Sie segelte unbewaffnet nach Cherbourg, lief dort am 27. Januar 1814 ein und wurde ausgerüstet. Es folgten erfolgreiche Kaperfahrten im Ärmelkanal ab März 1814, bis sie schließlich am 28. Dezember 1814 von den Schiffen HMS Leander, HMS Newcastle und HMS Acasta aufgebracht und zur Bewertung und eventuellen Übernahme in die Royal Navy in Deptford eingedockt wurde.

Die Briten waren beeindruckt von ihren Segeleigenschaften, jedoch wurde von einer Übernahme in die Flotte abgesehen, da die Hülle des Rumpfes mit 2 Zoll Stärke als zu gering für einen dauerhaften Einsatz im Ärmelkanal angesehen wurde. Ein Nachbau wurde allerdings empfohlen. Dazu kam es jedoch schließlich nicht mehr, da mit dem Sieg über Napoleon schlicht kein Bedarf mehr dafür bestand.

Ich stecke noch weit in der Planungsphase, doch ich bin mir bewusst, dass dieses Schiff zu bauen, ein langfristiges Unternehmen ist. Ein freundlicher Kleberschnüffelgenosse aus einer facebook-Modellbaugruppe verwies mich für die Suche nach den zahlreichen Kleinteilen (Blöcke, Holzleisten, Kanonen, etc) auf den Onlineshop von Krick Modellbau und nun habe ich einige Fragen, die ich hoffe, von euch freundlicherweise beantwortet zu bekommen.
1. Die Prince hat drei Beiboote, die sich im Maßstab heruntergerechnet folgendermaßen darstellen: ein Kutter mit 10cm Länge, ein weiterer mit 12cm Länge und eine Launch mit 16cm. im Krick-Shop habe ich Beiboote mit 10 bzw 12cm Länge gefunden, jedoch keines mit 16cm. Gibt es dafür möglicherweise andere Anbieter bzw separate vorgefertigte Bausätze oder wäre das ein Fall von "do it yourself"? Letzteres wäre kein unüberwindliches Problem, da die Launch im Auf- und Grundriss, sowie im Querschnitt mit dem Linienverlauf im Plan enthalten ist. Aber ich möchte die Komplexität nicht unnötig in die Höhe schrauben ;)

2. Die Prince war mit 20 12-Pfund- Karronaden in der Breitseite und je zwei langen 6-Pfünder-Kanonen als Heck- und Jagdgeschützen ausgerüstet. Im Krick-Shop habe ich Bausätze für beide Geschütztypen gefunden, jedoch sind diese im Maßstab 1:64. Die angegebene Rohrlänge würde jedoch zu meinen Zeichnungen passen (42 bzw 45mm für die Kanonen und 23mm für die Karronaden). Stimmen die übrigen Abmessungen der Geschütze soweit, dass ich ein Geschütz, das bei 1:64 eine 18-Pfünder-Kanone darstellt, ohne Bedenken als 6-Pfünder auf 1:50 verwenden kann? Gibt es möglicherweise andere Hersteller, die explizit die für mich passenden Kanonen anbieten? Eine laienhafte Google-Suche hat hierzu nichts ergeben.
3. Ich möchte gern das Unterdeck der Prince mit entsprechender Raumaufteilung bauen, sodass man beim Blick durch die Luken und Grätinge nicht ins Leere schaut. Gibt es möglicherweise Pläne von Schiffen vergleichbarer Bauart und Aufgabenstellung, in denen die Deckaufteilung erkennbar ist, sodass ich zumindest eine Idee habe, wie es gewesen sein könnte?
4. Ich komme zu dem Eindruck, dass 1:50 inzwischen ein recht untypischer Maßstab für Schiffsmodelle und deren Zubehörteile ist (Ich sehe häufiger 1:72, 1:64, 1:100), nichtsdestotrotz möchte ich - wenn das möglich ist - meine Prince mit ein paar Figuren aufhübschen. Gibt es Figuren oder Figurensets, mit denen man entsprechendes Personal darstellen könnte?
Ich danke euch schonmal im Voraus für eure Rückmeldungen :)
DaKea

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Montag, 13. Januar 2020, 14:59

Hallo DaKea,

herzlich willkommen hier im Forum.

Ein schönes Projekt, die Neufchatel interessierte mich vor einiger Zeit auch. Ich habe daher einige Unterlagen gesammelt. Darunter auch den Modellbauplan von Model Shipways 1:64.

Zu Punkt 1: Beiboote lieber nach Plan bauen, als teure Beiboot-Bausätze zu kaufen die nur so halbwegs passen.

Zu Punkt 2: Da die Neufchatel das erste Mal in Frankreich mit Kanonen ausgerüstet wurde. weiß man wohl auch nicht welcher Herkunft diese Waffen waren
Es könnten Beutewaffen aus den USA, England oder auch französische sein. 1815 hatte das Schiff bei den Langrohren auch bedeutend größere Kaliber an Bord als die oben genannten 6 Pfünder. Hier ein Auszug aus einem Bericht der kurz nach der Kaperung geschrieben wurde.

Zitat

to capture the celebrated privateer, Prince de Neufchatel, hermaphrodite - rigged, pierced for 22 guns, and having 18 mounted, six of which are long nine, and twelve pounders, and the rest twelve pounder carronades;

Quelle: Brief von Captain Sir George Collier, Kommandant HMS Leander
Die in dem Bericht aufgeführten 9 Pfünder sind allerdings eher englisch/amerikanischer Herkunft. Da die Franzosen keine 9 sondern 8 Pfünder verwendeten.

Zu Punkt 3. Bei einem Ausbau eines bzw. mehrerer Decks unterhalb dem Oberdeck würde man durch die geringe Größe der Decksöffnungen eigentlich nicht viel sehen können. Originalpläne des Schiffes sind zwar erhalten, zeigen aber nur andeutungsweise im Vor und Achterschiff einige Linien, insgesamt wenig verwertbares.


Im Bau:
80-Kanonen Linienschiff Bucentaure 1:150
74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

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Donnerstag, 16. Januar 2020, 20:49

Hallo,
danke für die Antworten. Die Launch werde ich dann tatsächlich selber bauen.
Hast du die Unterlagen noch? Also sowohl die Originaldokumente als auch den Bauplan? Ich bin für jedes bisschen Information dankbar!
12-Pfünder? Wow.. Na mal schauen, wie ich sie ausrüste. Ich habe noch einen Bauplan italienischer Herkunft für die französische Fregatte La Renommée (vllt ein späteres Projekt, gerade bzgl der Heckgalerie :D ) und da sind die Abmessungen für 12 Pfünder drin enthalten (wenn ich mich recht entsinne).
Dein Argument bzgl. der beschränkten Sicht ist natürlich auch richtig. Außerdem kommt durch dieses zusätzliche Deck, was man nicht wirklich sieht, ein zusätzliches Level an Komplexität hinzu (und ich hatte ja schon bei den Beibooten erkannt, dass beim ersten Projekt zu unnötige Komplexität zu vermeiden ist). Ich denke, ich werde mich an deiner - unausgesprochenen, aber erkennbaren - Empfehlung orientieren und das Deck nicht nachbilden.
Hast du die Prince denn noch gebaut oder hat sich das zerschlagen?

4

Sonntag, 19. Januar 2020, 13:01

Moin,

die Unterlagen habe ich noch irgendwo, falls Du also Fragen zu dem hättest könnte womöglich helfen.
Den angefangenen Rumpf aus Linde im Maßstab 1:160 habe ich noch. Mein bevorzugter Maßstab, damals u.a. durch Reed inspiriert ist ja N-Scale in seinen Varianten. Wäre jetzt eine gute Gelegenheit den Rumpf wieder hervorzukramen.


Im Bau:
80-Kanonen Linienschiff Bucentaure 1:150
74-Kanonen Linienschiff Redoutable 1:150

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