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  • »BB76« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 255

Realname: Christian

Wohnort: Kevelaer

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1

Samstag, 20. Juli 2019, 23:38

Drehgeschwindigkeit Geschütztürme

Hallo zusammen.

Ich plane momentan an den Sonderfunktionen für meine Missouri und deren Umsetzung. Dabei ist mir aufgefallen, das sich die Türme der Hauptgeschütze der Iowa-Klasse im Original mit 4 Grad pro Sekunde drehen, also ganze 75 Sekunden für eine Drehung über den gesamten Bereich (300 Grad). Das kommt mir für ein Modell doch arg langsam vor. Auf diversen Videos im Netz drehen sich die Türme gefühlt in nicht mehr als 10 Sekunden.

Wie haltet ihr das mit der Rotationsgeschwindigkeit von Geschüttztürmen, sofern umgesetzt? Möglichst originalgetreu oder "zuschauerfreundlich" recht fix?

Grüße,
Christian

Beiträge: 348

Realname: Olaf

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2

Sonntag, 21. Juli 2019, 12:34

Hi Christian,

da ich deinen BB verfolge.

Meine Meinung ganz klar, originalgetreu!! mit Sound, kommt das sicher sehr gut rüber.

Skorpi1211

3

Sonntag, 15. September 2019, 16:27

Egal was man bezüglich originalgetreu macht so ist dennoch abgesehen von einer Änderungs des Größenverhältnisses niemals, never ever, eine Umrechnung welcher Art auch immer möglich. Es besteht aus anderen Materialien, anderen Wandstärken, Baustoffen, Motoren .. was auch immer.

Es hat ein völlig anderes Gewichts- und Stabilitätsverhältnis etc. und hat als größtes Problem, daß es zwar zum Beispiel um ein 90fach reduziert ist ... aber in einer 1:1 Umwelt mit unseren 1:1 physikalischen Größen wie Wasser- und Windwiderstand zurecht kommen muß ... egal ob es das nun will oder nicht.

Wollte man denn wirklich ein zeitlich maßstabsgetreues Auslaufen ? Eine in den Modellmaßstab transferierte Zeitrechnung ? Können wir das überhaupt ?
Sie ist schlicht und einfach unmöglich weil wir selbst uns immer in unserer 1:1 Jetztzeit befinden und sich die Vorgänge, wie auch immer, an dieser Jetztzeit orientieren müssen. Kann man das in Zahlen festmachen ?

Meiner Meinung sollte es eine zuschauerfreundliche Anpassung sein, die sich an Videos orientiert ... nachvollziehbar ist, daß es weder im Schneckentempo noch wie ein Brummkreisel dreht.
Die sonstigen Lenk- und Fahrbewegungen, Beschleunigen oder Bremsen orientieren sich in ihrem Zeitablauf doch auch nicht an einer maßstäblichen Reduzierung sondern an deinen Vorgaben an der Fernsteuerung, oder ?
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

Beiträge: 111

Realname: Martin

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4

Montag, 16. September 2019, 08:38

Christian, Du baust ein 57.000-Tonnen-Schlachtschiff ... sollte die Drehbewegung der Geschütztürme, diese "Majestätik" nicht auch widerspiegeln? Zumal eine Drehung der Türme über den vollen Bereich wohl nicht allzuoft vorkommen würde. Eher ist eine Drehung aus der Mittellinie in die Breitseite (45° plus/minus) wohl eher anzunehmen. Und da kämst Du mit rund elfeinhalb Sekunden hin. Wenn Du hier um ein bis zwei Sekunden "verkürzt" tut das dem majestätischen Eindruck bestimmt auch keinen großen Abbruch.
Nur meine bescheidene Meinung.
“I’ve seen things you people wouldn’t believe!
Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I’ve seen C-Beams. Sparkling in
the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time …
like tears in rain … time to die!”

Rutger Hauer alias Roy Batty in “Blade Runner”

Beiträge: 111

Realname: Martin

Wohnort: Oberhöchstadt

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5

Montag, 16. September 2019, 08:38

Christian, Du baust ein 57.000-Tonnen-Schlachtschiff ... sollte die Drehbewegung der Geschütztürme, diese "Majestätik" nicht auch widerspiegeln? Zumal eine Drehung der Türme über den vollen Bereich wohl nicht allzuoft vorkommen würde. Eher ist eine Drehung aus der Mittellinie in die Breitseite (45° plus/minus) wohl eher anzunehmen. Und da kämst Du mit rund elfeinhalb Sekunden hin. Wenn Du hier um ein bis zwei Sekunden "verkürzt" tut das dem majestätischen Eindruck bestimmt auch keinen großen Abbruch.
Nur meine bescheidene Meinung.
Cheers
Martin
“I’ve seen things you people wouldn’t believe!
Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I’ve seen C-Beams. Sparkling in
the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time …
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Rutger Hauer alias Roy Batty in “Blade Runner”

6

Montag, 16. September 2019, 17:40

Drehgeschwindigkeit in Grad / Sekunde ist eine Winkelgeschwindigkeit. Das heißt sie ist Maßstäblich unabhängig. Ob ich nun einen 1:800 Turm oder einen 1:16 oder 1:1 Turm schwenke, die Winkelgeschwindigkeit bleibt die Selbe.

Ein gutes Beispiel aus dem Realen Leben:
Der Minutenzeiger vom Kirchturm dreht sich mit 1 Umdrehung / Stunde, der von der Armbanduhr auch.
Der Kirchturmuhrzeiger legt an der Spitze zwar ein paar Meter die Stunde zurück, und der Minutenzeiger von der Armbanduhr hingegen legt an der Spitze nur ein paar Zentimeter zurück.

Was man gut umsetzen kann ist der Faktor der Geschwindigkeit: Als Beispiel dient ein Kreuzer mit 50kmh (27-28 Knoten) In 1:800 würde der gerade mal 0,0625 Kmh = 62,5 Meter die Stunde (!) schaffen.
in 1:200 wären das 250 Meter / Stunde, in 1:87 wären wir bei 574 Meter die Stunde. In 1:16 könnten wir sogar 3,1kmh fahren.

Das sind reine Modellumrechnungen aus. Die Praxis aber besagt, dass das Wasser wo ein RC Schiff sich drin befindet trotz allem 1:1 zu ist. Das bedeutet, dass Strömungen 1:1 und nicht 1:87 sind. eine leichte Strömung von 0,2m die Sekunde würde maßstäblich umgerechnet über 17 Meter die Sekunde entsprechen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wenn man ein Modellschiff ins Wasser setzt sich schlagartig die Strömung erhöht :lol: sondern das im Verhältnis zum Maßstab rein rechnerrisch 17 Meter die Sekunde entsprechen würde, das wären 61 kmh was bedeutet, dass bei voller Fahrt das Schiff rückwärts fahren würde.

Was bedeutet das für die Praxis? Man muss Fingerspitzengefühl bewahren. Ein Schlachtschiff von 57.000 Tonnen sollte natürlich nicht wie das letzte Speedboat den See zerflügen, aber er sollte auch nicht so langsam sein, dass man von einem Stück Treibgut nicht unterscheiden kann.

- Nächster Punkt: Zeitumrechnungen: Zeit lässt sich quasi nicht einfach so umrechnen im Modellmaßstab.
Würde man hier knallhart vorgehen: Würde aus der 406mm Bewaffnung der Missouri mit einer Feuerrate von 2/Schuss die Minute in 1:87 unglaubliche 174 Schuss die Minute werden. Mit entsprechend fixen Geschütztürmen, würde das ganze wie eine SciFi Kampfschiff aussehen. Auch hier gilt - die Nachladezeit verändert sich nicht durch den Maßstab. Wobei hier kann natürlich auch eine Anpassung an den Zuschauer und dem Spaß gemacht werden, es sollte natürlich stimmig bleiben.

Modellgeschwindigkeit ist vor allem im Modellbahnbereich ein beliebtes Thema: Es macht schon einen Unterschied ob ein kleiner Rangierdiesel oder eine Tante Emma Lok bei aufgedrehtem Trafo / Fahrregler auf einmal zum ICE Mutiert :D Aber auch hier gibt es natürlich Einschränkungen. in 1:87 hätte ein ICE3 eine maßstäbliche Höchstgeschwindigkeit von um einem Meter die Sekunde. Diesen Platz müsste man erstmal haben, inkl der Strecke zur Beschleunigung, Abbremsung und das möglichst ohne Kurven oder sehr großzügigen Kurven. Übrigens maßstäbliche Kurven für Geschwindigkeiten bis 120kmh bräuchten so um die 15 Meter Radius (Vorbild um die 1300 Meter, je nach Epoche / Land)

Maßstäblich sieht man nun, dass man nicht alle Faktoren einfach umrechnen kann.

Es gibt aber noch das Konzept der Modellzeit - Dies kommt auch aus der Modellbahn. Wenn man einen Fahrplan simulieren möchte, mit früh und Schülerverkehr, Schülerrückverkehr, Feierabendverkehr (sprich, morgens mittags, abends) und zwei, drei Güterverkehrsfahrten, fällt man auf, dass man mit sagen wir mal großzügen 15 Fahrten ) man ziemlich wenig zu tun hat, so alle halbe Stunde ein Zug. Das ist natürlich für fast jeden nicht befriedigend. Hierfür gibt es das Konzept der Modellzeit: dabei wird eine Uhr einfach entsprechend beschleunigt. Die Beschleunigung wählt man dann nach den eigenen Anforderungen und Bedürfnissen aus. Im Miniatur Wunderland in Hamburg ist übrigens ein Modelltag 15 Minuten lang.

Eine Verlangsamung kann auch manchmal Sinnvoll sein, wenn man Maschinenmodelle erstellt, aus denen an die Funktion erkennen kann.

Mein persönliches Fazit:
Es sollte alles stimmig zusammen passen und dennoch Spaß machen.

Wenn man eine Missouri zum Speedboat mit automatischen Schnellfeuerkanonentürmen macht, wird es wie ein Spielzeug wirken, statt wie ein Modell, wenn alles 100% exakt ist, kann es den betrachter langweilen.

  • »BB76« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 255

Realname: Christian

Wohnort: Kevelaer

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7

Samstag, 7. Dezember 2019, 18:32

Danke für die ausführlichen Kommentare und interessanten Einsichten hierzu. Ich finde auch, das hier eine zu schnelle Drehgeschwindigkeit einen zu spielzeughaften Eindruck machen würde. Immerhin geht es ja um einen im original etwas über 2000 Tonnen schweren Turm.
Ich habe mittlerweile einen Getriebemotor mit 3 U/min. dazu verbaut, die knapp 20 Sekunden für eine volle Drehung finde ich nach einem ersten Test durchaus angemessen für die Größe des Modells.

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