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  • »archjofo« ist der Autor dieses Themas

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3 601

Montag, 18. März 2019, 19:09

Hallo Hans Juergen,

meine Darstellung soll den verstauten Zustand der Geschütze zeigen, wie es Ingo schon korrekt
beschrieben hat.

Die Stückpforten sind geschlossen. Die Halbpfortendeckel hatten eine runde Öffnung, durch die das Geschützrohr
durchgesteckt wurde.
Das Geschütz wurde mit den Seitentakeln gesichert und die Läufer an der Traube des Geschützes festgemacht und
zu Taurollen aufgewickelt, die dann seitlich aufgehängt worden sind.

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3 602

Montag, 18. März 2019, 20:56

Dann ist alles klar 8o , ich bin davon ausgegangen daß die Geschütze während der Fahrt ganz hinter den Pforten stehen

3 603

Montag, 18. März 2019, 21:59

Dann ist alles klar 8o , ich bin davon ausgegangen daß die Geschütze während der Fahrt ganz hinter den Pforten stehen
Klingt für mich auch logischer, weil ja sonst durch die Gischt das Rohr feucht werden kann, was bei Feuerbetrieb nicht ganz so dolle wäre. Aber ich muss auch sagen, ich habe keine Ahnung von der alten Sehfahrt... :pfeif:
Die Intelligenz auf einem Planeten ist eine Konstante. Nur die Zahl der Bevölkerung wächst!

Jean-Luc Picard

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3 604

Dienstag, 19. März 2019, 21:11

Da muss ich wohl ein bißchen oberschlaumeiermäßig Aufklärung betreiben … :D

Nee, im Ernst,
ich versuche es mal so zu erklären:

Wie bereits schon erwähnt hatte die La Creole sogenannte Halbpforten. Insofern wurden
durch die geteilten Pfortendeckel in einer mittigen Öffnung die Geschützrohre permanent
durchgeschoben.
Bei der La Creole besaßen ausschließlich die unteren Pfortendeckel Scharniere, wogegen die oberen Deckel
nur mit Haken im Drempelrahmen befestigt waren. Bei "Klar Gefecht" wurden die oberen Deckel
entfernt, verstaut und die Deckel mit den Scharnieren nach unten geschlagen. So konnte die Gefechtsbe-
reitschaft sehr rasch hergestellt werden, da auch das Geschütz schon in vorderster schussbereiter Position stand.

Die Löcher in den Halbpforten wurden mit rundum auf ihren Rand genagelten Segeltuchstreifen
gegen die Rohrwandung der Geschützrohre abgedichtet. In die Geschützmündung steckte man ein
sogenanntes Tompion (siehe Bild).
Mit den beiden vorgenannten Maßnahmen wurde das Eindringen von Seewasser verhindert.



Ich hoffe, dass damit der betreffende Sachverhalt soweit geklärt werden konnte.

3 605

Dienstag, 19. März 2019, 22:12

Soweit jetzt alles klar, nur warum der ganze Aufwand mit den Halbpforten? Um auf dem kleinen Schiff mehr Deckfläche freizuhalten?
Ein guter Rat des Vaters an den Sohn:
Halte stets mit allem Maß-mit dem Essen,dem Trinken und dem Arbeiten.Vor allem mit dem Arbeiten.
-Otto von Bismarck

3 606

Mittwoch, 20. März 2019, 07:15

Moin,

So konnte die Gefechtsbereitschaft sehr rasch hergestellt werden, da auch das Geschütz schon in vorderster schussbereiter Position stand.

Ich möchte jetzt keine unnötige Diskussion anfachen, aber waren die Geschütze dann immer geladen? Sonst hätte man sie aus der vorderen Position ja wieder nach achtern verholen, laden und dann wieder ausrennen müssen :nixweis:

Ingo
"Kein Kommandant geht fehl, wenn er sein Schiff neben das des Feindes legt"
Lord Nelson


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3 607

Mittwoch, 20. März 2019, 07:30

Super Erklärung ; man merkt wie intensiv du dich mit der Materie beschäftigt hast. :ok: :ok: :ok:

3 608

Mittwoch, 20. März 2019, 08:01

Soweit jetzt alles klar, nur warum der ganze Aufwand mit den Halbpforten? Um auf dem kleinen Schiff mehr Deckfläche freizuhalten?

Ja, auch. Platzmangel am Oberdeck war ein permanentes Problem - gerade bei kleinen Schiffen mit durchgehender Bewaffnung am Oberdeck.
Aber wie von Johann bereits beschrieben, standen die Geschütze schon feuerbereit "verstöpselt" in Position. Das bedeutet, der erste Schuss bzw. die erste Breitseite konnte sehr schnell mit sehr wenig Personal abgefeuert werden. Während selbst auf kleineren Schiffen je nach Geschütz 6-10 Mann alleine dafür nötig waren, dass Geschütz in Position zu ziehen (also zunächst nach Hinten zum Laden, dann nach Vorne zum Feuern), waren hier lediglich 3-4 Mann notwendig: einer zum Runterschlagen der unteren Halbpforte, einer (bzw. derselbe) zum Aushaken der oberen Halbpforte und schließlich einer, der mit Enterhaken über die Bordwand gebeugt, das Tompion entfernt (deshalb wohl auch die Schlaufe vorne an der Zurring des Tompions?).

Sollte ich da gröber danebenliegen, hoffe ich auf wortreiches Einschreiten seitens des Großmeisters :D
Liebe Grüße,
Mathias

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3 609

Donnerstag, 21. März 2019, 07:21

Variante 1 scheint mir logischer , bei Variante 2 läge das Tau häufig und lange auf nassen Planken außerdem stört es beim Hantieren am Geschütz

3 610

Donnerstag, 21. März 2019, 10:13

Schwer vorstellbar, daß die Geschütze dauerhaft geladen waren.
Das Verhältnis vieler Tage und Wochen reiner Fahrzeiten zu extrem wenigen Stunden tatsächlicher Gefechtsbereitschaft bzw Gefechte steht doch in keinem vernünftigen Verhältnis um die Geschütze in einem Zustand der permanenten Gefechtsbereitschaft zu lassen. Friedenszeiten waren praktisch immer sehr viel länger als Kriegszeiten ... manche Schiffe erlebten niemals ein echtes Gefecht. Ein geladenes Geschütz stellt einen dauerhaft hohen Gefahrenfaktor dar.

Die Tampions dienten vermutlich nur dazu die Rohre von zu viel Nässe und Verunreinigungen frei zu halten, auch der damit verbundenen Korrosion, und um bei der Herstellung der Gefechtsbereitschaft das Pulver in ein möglichst sauberes Rohr einzubringen zu können.
Dauerhaft im Rohr geladenes Pulver würde durch seine stark Feuchtigkeit anziehenden Eigenschaften sehr wahrscheinlich dennoch feucht werden ... egal ob Tampion oder nicht ... und damit unbrauchbar werden.
Auch die Abdeckung über dem Zündloch und dem Zündschloss diente mit hoher Wahrscheinlichkeit viel mehr dem Schutz der empfindlichen Mechanik gegen mechanische Beschädigung oder Korrosion durch Seewasser. Oben auf dem offenem Deck konnten so wenigstens die meisten Einwirkungen durch Wind und Wetter, überkommendes Seewasser, Gischt, kleinere Teile aus der Takelage oder auch Bewegungsrempler zwar nicht vollkommen ausgeschlossen, aber minimiert werden.

Die Situation schnellstmöglich feuern zu müssen gab es doch in der Wirklichkeit bei Segelschiffen so gut wie nie. Was sollte das denn bringen ?
Vergleichsweise langsame, klassische Segelschiffe mit Geschützen sehr begrenzter Reichweite darf man doch nicht mit modernen Konstruktionen hoher Geschwindigkeit und sehr hohen Waffenreichweiten vergleichen, die mal binnen weniger Minuten um die Ecke kommen ... früher war das doch vollkommen unnötig ... ständig bereit mußte nur der Ausguck sein.

Selbst wenn man sich heutzutage auf ein modernes Schiff, etwa eine Fähre, stellt ... nun, dann hat sicher jeder von uns die Erfahrung gemacht, daß es ab dem Zeitpunkt wo ich meinen Zielhafen oder ein anderes Schiff in der Ferne sehe eine halbe Ewigkeit dauert bis ich tatsächlich endlich auf ein paar hundert Meter an diesem imaginären "Ziel" dran bin ... was der wirksamen Kampfreichweite der hier angesprochenen Geschütze entspräche. Und auf nem Segler braucht das noch eine ganze Weile länger ... zudem noch sehr abhängig vom Wind.

Fast egal ob man Angreifer oder Angegriffener war hatte man doch ab dem Zeitpunkt an dem das Ziel bzw der Gegner überhaupt in Sicht kam fast immer viele zig Minuten oder gar mehrere Stunden Zeit um mit dem vergleichsweise langsamen Segelschiff überhaupt in eine wirksame Schußreichweite einiger hundert Meter zu kommen. Dasselbe gilt auch für stundenlange Verfolgungsfahrten a la Master and Commander .. wo man sich zuweilen sehr erfolgreich aus dem Weg fuhr.
( Und wer so verschlafen war, daß er total überrascht wurde ... nun, dem hätten auch geladene Waffen nichts mehr genutzt )

Egal wie hatte man praktisch immer sehr viel Zeit um das Schiff und die Geschütze in Gefechtsbereitschaft bringen. Völlig sinnlos vorher auf einem Schiff eine Vielzahl dauerhaft hochexplosiver Gefahrenpunkte zu schaffen.

Bei der Creole und ähnlichen Konstruktionen der Halb-Pfortendeckel mit durchgesteckten Rohren kann es sich im Grunde nur um eine platzsparende Anordnung für die Fahrt handeln um das Deck im Alltag frei von Stolperfallen zu halten. Sonst hätte man die empfindlichen Geschütze in noch besser geschützter Position innerhalb der Bordwände untergebracht ... im Grunde nichts anderes als eine Platzfrage.

Zur Herstellung der Gefechtsbereitschaft wurde in der "Stunde davor" wahrscheinlich erst das festgezurrte Geschütz "entknotet", in Ladeposition zurückgezogen und von den Schutzeinrichtungen an Mündung uns Zündschloß befreit. So konnte problemlos und sorgfältig gereinigt und mit frischem Pulver geladen werden.
Erst dadurch gab es doch ausreichend Platz um die obere und untere Hälfte der Stückpfortendeckel sinnvoll und auch sicher zu entfernen und mittschiffs zu verstauen. Ebenso um die Vielzahl der verschiedenen auf Deck gelagerten Gegenstände aus dem Rückstoßbereich zu entfernen.
Irgendwo weit, weit vorne in diesem Thread hatten wir doch schon Mal das Thema mit all den vielen Dingen auf Deck, die zur Herstellung der Gefechtsbereitschaft weggeräumt werden mußten .
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

3 611

Donnerstag, 21. März 2019, 10:30

Alles, was ich je darüber gelesen habe, bestätigt das.
Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

3 612

Donnerstag, 21. März 2019, 14:56

Moin,

ich kann mich den Gedankengängen von Markus nur anschließen. Sehr aufschlussreich und argumentatorisch schlüssig. Danke dafür.

Ingo
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3 613

Donnerstag, 21. März 2019, 17:37

Hallo Markus,

das klingt alles sehr plausibel.

Insofern erlaube ich mir zu meinen bisherigen Ausführungen auf folgende Quelle hinzuweisen:




Darin ist die Schiffsartillerie um 1850 beschrieben.

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3 614

Freitag, 22. März 2019, 07:30

HALLO;

Der Artikel wurde doch wahrscheinlich falsch übersetzt, die Geschütze waren vielleicht "gefechtsbereit", aber sicher nicht geladen, sonst wäre der zweite Schritt nicht nachvollziebar, den Pulvermann in die Pulverkammer zu schicken um das Pulver zu holen. Das wäre dann ja schon im Rohr drin für die erste Salve. Der Originalartikel im Englischen wäre interessant.

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3 615

Freitag, 22. März 2019, 13:16

Hallo Hans Juergen,

bevor man über einen mutmaßlichen Übersetzungsfehler in einem allgemein anerkanntem Fachbuch spekuliert, wäre es empfehlenswert sich mit dem
Thema näher zu befassen.
Im Internet gibt es unendlich viele Quellen dieser Frage nachzugehen.

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3 616

Freitag, 22. März 2019, 13:49

Danke für den Hinweis, leider lässt es meine Zeit nicht zu, tiefer in die Materie einzutauchen. Auch habe ich nicht Anspruch ein Studium der nautischen Kriegsführung betreiben . Es erschien mir und anderen halt unlogisch,.das ist alles . :nixweis:

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3 617

Freitag, 22. März 2019, 15:16

Vielleicht kann ich damit die letzten Zweifel ausschließen:







:ok:

3 618

Freitag, 22. März 2019, 16:03

Was da geschrieben steht, steht da geschrieben. Und sicher nicht von ungefähr. Aber ich kann es einfach nicht glauben!
99 % der Zeit standen die Geschütze binnenbords, die Rohre gegen die Bordwand gerichtet. In den Offizierskabinen waren sie zum Teil umgedreht und standen längs zum Schiffsrumpf. Und die sollen geladen gewesen sein?
Die Aufbewahrung von Schießpulver in einem hölzernen Schiff war eine äußerst heikle Angelegenheit. Die Pulverkammer war mit Metall ausgeschlagen, und die Matrosen, die dort arbeiteten, trugen Filzpantoffeln. Und dann sollen auf einem Dreidecker 100 geladene Kanonen wochenlang herumgestanden haben.
Ich bin viele Jahre meines Lebens mit Jack Aubrey und Stephen Maturin über alle Weltmeere gefahren. Viele Dutzende Male habe ich am Übungsschießen teilgenommen. Und kein einziges Mal habe ich dabei erlebt, dass erst eine erste Salbe rausgeschossen werden musste, bevor das Laden der Geschütze geübt werden konnte. Dutzende Male habe ich mir von Aubrey erklären lassen müssen, wie wichtig es ist, das Rohr frei von allen Rückständen zu bekommen. Und dann sollen dort wochenlang Ladung, Kugel und Wergstopfen sitzen? Damit man irgendwann einen ersten Schuss abgibt, ohne dass man kontrollieren konnte, ob das Geschütz ordnungsgemäß geladen ist?
Ich bin echt erschüttert. :S
Schmidt
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3 619

Freitag, 22. März 2019, 17:36

Auch wenn das so in der hier zitierten deutschen Quelle steht ... so kann das in dieser Form aber keineswegs eine allgemeingültige Handhabung gewesen sein.
Es irritiert mich ehrlich gesagt, daß es sich nur um diese deutsche Quelle handelt.

Auch das Beispiel mit den Salutschüssen beweist doch in keiner Weise, daß die Geschütze dauerhaft geladen waren.
Es beweist nur, daß zum Einlaufen ein oder mehrere Geschütze geladen waren ... sonst nichts.

Wenn der anzulaufende Hafen als ein feindliches Objekt betrachtet wurde, dann konnte doch problemlos erst innerhalb der letzten Stunde geladen worden sein ... also mit der Absicht eines verdeckten Angriffs.

Und um zu beweisen, daß man nicht mit geladenen Waffen einlief wurden durch den Salut sinngemäß die "leeren" Hände gezeigt. In späterer Zeit wurden sicherlich nur noch wenige Salutkanonen geladen.

Es wird auch in diversen zeitgenössischen, marinehistorischen Darstellungen mit Salutschüssen, etwa bei van de Velde, nirgendwo gezeigt, daß da quasi eine volle Breitseite in die Luft gepustet wurde ... allenfalls ein paar Geschütze ... mehr nicht.
Und was würde das schon für den Rest der Geschütze hinsichtlich des Ladezustands bedeuten ? Nichts !


Im Gegenteil
Im Buch "The Constitution Gun Deck", was ja vom Schiff her etwa denselben historischen Zeitraum abdeckt, wird das ganz anders beschrieben.
Im Grunde so, wie es angesichts weitestgehend verzurrter Geschütze sinnvoll erscheint. So wie das eben auch Schmidt beschrieben hat.

Ebenso wäre bei ständig geladenen Geschützen wohl kaum einer der vielen Geschützdrills möglich gewesen ohne absurde Mengen an Pulver und Kugeln zu verschwenden.

Die Navy Museum Foundation, project of the Naval Historical Foundation, Washington Navy Yard, halte ich in dem Zusammenhang für genauso glaubwürdig.

Für die USS Constitution wird hier als Geschützdrill und allgemeine Handhabung der Geschütze beschrieben, daß erst wenn der Feind in Sicht war die Maschinerie das Schiff vorzubereiten und die Geschütze laden begann ... beachte hierzu den letzten Absatz des Zitates.
Es geht daraus eindeutig hervor, daß die Geschütze zuvor nicht geladen waren, sondern das Pulver erst aus den sicheren Pulverkammern nach oben geholt wurde:

Zitat

"When an enemy was in sight, the crew was called to quarters, as “battle stations” were then called .... In a quick scramble of disciplined activity, everything not needed for battle was struck belowdecks. The galley fire was put out; furniture in the captain’s and commodore’s cabins was moved belowdecks to make room for the gun crews. ...

The gun crew first unfastened the lashings which held the gun secure at sea. This had to be done with care. Gun carriages were not fixed to the deck; if ...

The crew now removed the covers that kept dampness out of the bore, and took various gunnery implements from their racks. Guns of this period were equipped with firing locks, ...

Down below the frigate’s waterline, the gunner and his assistants opened the forward and after magazines and began to break out sausage-shaped flannel powder cartridges for the guns and carronades. Other men took stations along the lower decks to pass cartridges up to the gun crews"


Komplett findet es sich hier:
http://www.navyhistory.org/the-constitution-gun-deck/

Ich kann es mir auch bei den anderen großen seefahrenden Nationen angesichts des häufigen Geschützdrills nicht wirklich anders vorstellen.
Pulver war derart teuer und auch explosionsempfindlich, daß nicht selten nur Trockenübungen durchgeführt wurden ...

Bei den Briten wurde nur erlaubt ein Drittel des Pulvers während einer 6 Monats Tour für Übungszwecke abzufeuern ... der Rest mußte in Trockenübungen durchgeführt werden ... so knapp und teuer war das:

Zitat

The British Admiralty did not see fit to provide additional powder to captains to train their crews, generally only allowing ​1⁄3 of the powder loaded onto the ship to be fired in the first six months of a typical voyage,[citation needed] barring hostile action. Instead of live fire practice, most captains exercised their crews by "running" the guns in and out, performing all the steps associated with firing but without the actual discharge

https://en.wikipedia.org/wiki/Naval_artillery_in_the_Age_of_Sail
Wie schon oben argumentiert halte ich diese Praxis im Zusammenhang mit einer bereits scharf geladenen Kanone, die erst abgefeuert werden mußte, für wenig wahrscheinlich.
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

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3 620

Freitag, 22. März 2019, 19:22

Hallo Markus,

zum einen handelt es sich um eine englische Abhandlung, die ins deutsche übersetzt worden ist. Zum anderen um eine deutsche Abhandlung.
Also handelt es sich um zwei unabhängige Veröffentlichungen von zwei seefahrenden Nationen um 1850.

Nach meinem Verständnis steht in der von Dir zitierten Quelle nichts vom Laden, sondern, dass das Magazin geöffnet wird und die Flanellkartuschen für die Kanonen und Karronaden
bereit gelegt werden, .... zum Nachladen. Von Laden ist m. E. da keine Rede!

Zitat

"When an enemy was in sight, the crew was called to quarters, as “battle stations” were then called .... In a quick scramble of disciplined activity, everything not needed for battle was struck belowdecks. The galley fire was put out; furniture in the captain’s and commodore’s cabins was moved belowdecks to make room for the gun crews. ...

The gun crew first unfastened the lashings which held the gun secure at sea. This had to be done with care. Gun carriages were not fixed to the deck; if ...

The crew now removed the covers that kept dampness out of the bore, and took various gunnery implements from their racks. Guns of this period were equipped with firing locks, ...

Down below the frigate’s waterline, the gunner and his assistants opened the forward and after magazines and began to break out sausage-shaped flannel powder cartridges for the guns and carronades. Other men took stations along the lower decks to pass cartridges up to the gun crews"


Außerdem sollte man es nicht aus dem Zusammenhang reißen, sondern insgesamt lesen, denn dann liest es sich so:



Kein Laden, aber die Überprüfung der geladenen Kanonen!

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3 621

Freitag, 22. März 2019, 19:48

WOW , Vielleicht sollte man das Thema jetzt ruhen lassen. Sonst fühlt sich der Eine oder Andere am Ende noch gekränkt. Die Relevanz für den Modellnachbau ist ja auch sehr gering , da man nicht in das Geschütz hineinsehen kann . :prost:

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3 622

Freitag, 22. März 2019, 20:19

Servus Johann
Schöne Recherche... schwarz auf weiß... dem Modell wird es Wurst sein, ob geladen oder eben nicht...
Keine lebenden Zeitzeugen mehr da... die künstlerische Freiheit sei Dir gegönnt :hand:
Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der
Ausführung die Kunst! Wobei die
Schönheit liegt im Auge des Betrachters…


Im Bau: U-505 Revell 1:72

3 623

Freitag, 22. März 2019, 22:19

die künstlerische Freiheit sei Dir gegönnt


Find ich ziemlich überheblich von Dir, ausgerechnet Johann "künstlerische Freiheit" zu unterstellen.
Kaum ein anderer in diesem (oder einem anderen) Modellbauforum recherchiert derart penibel kleinste historische Details, um diese dann absolut akkurat an seinem Modell umzusetzen.
Nur weil es sich manche heute nicht mehr vorstellen können, bedeutet dass doch nicht, dass es nicht trotzdem der Wahrheit entspricht. Schon interessant, dass hier einige, die mit der hier behandelten Zeit scheinbar (gemäß ihrer Modelle) so gar nicht anzufangen wissen, eine fundierte, wissenschafttliche Quelle einfach negieren... Verdacht auf Aluhut?

Hat seit meinem letzten Posting ganz schön an Fahrt aufgenommen, die Diskussion hier...

3 624

Freitag, 22. März 2019, 22:41

Mein Infostand ist auch der, dass - zumindest bei den Engländern und in Kriegszeiten - die Geschütze immer geladen waren.

Als die Queen Charlotte am 17 März 1800, abbrannte, wurden die Rettungsarbeiten von den detonierenden Geschützen stark behindert.

wiki en
... keine Angst, der will doch nur spielen ...



Feinste Ätzteile für HMS Victory 1:100
http://www.dafinismus.de

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3 625

Freitag, 22. März 2019, 22:41

@ Mathias: Ähm... Überheblich? ... auch ich folge und schätze Johann‘ s Meisterstück... kommt ohnehin keiner an seine Klasse ran...
Dein Post mir gegenüber finde ich seltsam... Roger and over :thumbdown:
Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der
Ausführung die Kunst! Wobei die
Schönheit liegt im Auge des Betrachters…


Im Bau: U-505 Revell 1:72

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3 626

Samstag, 23. März 2019, 06:40

Bitte,
wir wollen uns doch wegen der Diskussion nicht in die Wolle kriegen?
Ich denke Gustav, hat es anders gemeint und hoffe, dass wir uns wieder alle vertragen … :hand: :prost:

3 627

Samstag, 23. März 2019, 09:08

Klar kriegen wir uns nicht in die Wolle. Ich muss nur noch ein bisschen dran kauen, dass ich mir das womöglich so falsch vorgestellt hatte.
Schmidt
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3 628

Samstag, 23. März 2019, 18:50

Forstsetzung: Aufstellung der 18-Pfünder
Nachdem ich nun weiß, wie die Aufstellung des 18-Pfünders auf dem Modell funktioniert, ging es beim zweiten schon wesentlich entspannter. Somit ist die steuerbordseitige Batterie vollständig.





Bis demnächst …

3 629

Samstag, 23. März 2019, 19:54

Beneidenswert!
:schrei: "Kleine Schiffe zu bauen führt bloß zur Vergeudung von Jungholz"
(Gustav II. Adolf, König von Schweden; 1611 - 1632)

Eine großartige Modellbauzeit wünscht
Ray

3 630

Samstag, 23. März 2019, 20:25

Wenn ich groß bin möchte ich das auch mal so sauber hinbekommen. Große Klasse Johann.
Lieben Gruß Frank

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