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Samstag, 20. Oktober 2018, 14:51

Polynesian Outrigger Canoe (Pyro)

Meine zarte Liebe zu den frühen Schiffsmodell-Bausätzen der Firma Pyro habe ich ja schon an anderer Stelle (holländische Staatenyacht) bekundet. Mittlerweile bin ich in der Welt (d.h. im Netz) unterwegs, um mir die ehemalige Produktpalette der seligen amerikanischen Firma ins Haus zu holen. Dank dramatisch steigender Transportkosten bei Käufen aus den USA ist das Unternehmen nicht gar so einfach, wenngleich immer noch preiswerter als Golfen oder Segeln in 1:1.

Pyro war damals offenbar unterwegs, eine Art dreidimensionaler Enzyklopädie des Welt-Schiffsbaus aufzulegen. Neben den bekannten Klassikern von Sandra Maria bis Cutty Sark gibt es auch ein burmesisches Fluss Piratenschiff, ein (gut gelungenes) römisches Handelsschiff (immer noch mein Desiderat), einen amerikanischen Austernfischer etc. etc. Die meisten Modelle sind doch recht spielzeughaft, es gibt aber Ausnahmen, so zum Beispiel eine kleine (ca 1:200) Revenge, die ich demnächst einmal vorstellen werde. Unlängst traf nun bei mir ein (aus England) das polynesische Ausleger Kanu im Maßstab von ca. 1:35. ich war so angetan davon, dass ich es gleich zusammengesetzt habe. Natürlich konnte ich meine Schmidt-Pfoten nicht von den Teilen lassen, habe deshalb eine Plastikmaserung herunter- und eine neue eingeschliffen. Das voluminöse Plastiksegel habe ich nicht verwendet, d.h. doch, in dem ich es als Form gebraucht habe, um darauf einen dünnen Stoff mit Leimwasser in Form zu bringen. Das Resultat habe ich in vier Bahnen geschnitten, die knapp überlappend wieder zurück auf die Form gelegt und neu verklebt.

Die Fotos unten zeigen das fast fertige Modell mit zwei verschiedenen Segeln, von denen das eine durch die Einwirkung von Kaffee stärker strukturiert ist. Ich weiß noch nicht, für welches ich mich entscheiden werde. Voten werden gerne entgegengenommen.





Ansonsten stellte der Zusammenbau keine besondere Herausforderung dar. Beim Bemalen galt es allerdings, die verwendeten Bambusstöcke realistisch darzustellen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.





Schließlich das Modell noch einmal mit den zwei verschiedenen Segeln in etwas polynesischerem Licht.






Zum Bausatz gehörten ursprünglich zwei Besatzungsmitglieder, die bei einer realistischen Darstellung nicht fehlen dürfen, zumal der eine das Ruder frei in der Hand hält und der andere unter ganzem Körpereinsatz seinen Job auf dem Ausleger macht. Ich fürchte, die beiden sind in einer englischen Hafenkneipe versackt. Sollte jemand den Bausatz besitzen, bitte ich hiermit herzlich, mir zwei Ersatzleute zum Abformen zur Verfügung zu stellen. Danke!

Wie gesagt, ist die Takelage noch nicht fertig. Ich werde den bescheidenen Hinweisen in der Bauanleitung folgen und mich nicht in die Geschichte des polynesischen Schiffsbaus einarbeiten. Nur so viel als Arbeitsgrundlage: ich vermute, dass mit Schiffen dieser Art nicht gewendet wurde, sondern der Ausleger immer auf der Luvseite blieb und nur das Segel gedreht wurde. Aber wie gesagt: eine Vermutung.

Vielen Dank für das Interesse an dieser Petitesse!

Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

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2

Samstag, 20. Oktober 2018, 15:46

Hallo Schmidt,

da hast Du ja wieder ein modellbauerisches Kleinod geschaffen.

Phantastische Farbgebung, und der Bambus sieht richtig realistisch aus.
Wenn man es nicht wüsste, würde man annehmen, dass es sich hier um ein
Holzmodell handelt.
OK, die Taue könnten etwas filigraner sein ... :D

Entschuldigung, ich bin derzeit nur auf Taue fixiert ... und insofern
nicht objektiv …. :ok:

Bei den Segeln gefallen mir eigentlich beide Varianten sehr gut, wobei ich tendenziel eher
zu dem etwas kräftigeren Ton neige.

3

Dienstag, 23. Oktober 2018, 10:22

Neuigkeiten aus Polynesien.
Hier entsteht gerade das Demonstrationswasserbett. Ob das Wasser polynesisch genug ist, wird sich erst nach Abtrocknen des Glanzlacks zeigen.



Und nun zur Bemannungsfrage. Leider habe ich noch kein Angebot zum Abformen bekommen, was mich nicht allzu sehr wundert; das Modell ist hierzulande sicherlich nicht sehr verbreitet. Also habe ich selbst nach Personal Ausschau gehalten.
Der Maßstab des Modells wird gelegentlich mit 1:35 angegeben, aber wir wissen ja, dass verglichen mit den Maßstabangaben der Bausatzhersteller die Emissionsangaben der Autohersteller geradezu realistisch sind. Bei 1:35 wäre der Rumpf des Originals allerdings nicht einmal 8 Meter lang, was mir für ein hochseegängiges Schiff sehr unwahrscheinlich erscheint.
Tatsächlich ist eine menschliche Figur im Maßstab 1:32 (Adam/Eva von Preiser) auch grotesk überdimensioniert. Das sieht eher aus, als hätten die wackeren polynesischen Seeleute eine griechische Statue gemopst.



Der 1:72 Pirat von der Firma Germania (?) Kommt mir allerdings bei aller Ausdrucksstärke entschieden zu klein vor.



Besser ins Bild passt in jeder Beziehung der 1:60 Wikinger von Smer, den ich zusammen mit seinen Kumpanen ja schon zu bretonischen Fischern umgebaut habe. Leider sind er und die Seinen ein bisschen arg unpassend gekleidet.



Am besten scheint mir bis jetzt ein Preiser in 1:50 zu passen. In diesem Maßstab wäre das Kanu immerhin noch 11 Meter lang. Allerdings habe ich unter den entsprechenden Preisern bislang sehr wenig Polynesisches gefunden.



Hat jemand einen Tipp für mich? Danke!

Schmidt
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4

Dienstag, 23. Oktober 2018, 13:22

Wieder ein wunderbares, sehr realistisches Modell ! Gefällt mir richtig gut.

Wenigstens kommst Du dazu ... steht bei mir seit Jahren in der Warteliste.
Wenn's recht ist mache ich eine kurze Bausatzbeschreibung mit Historie dazu.

Die, sagen wir mal, ausgesprochen urwüchsig gestalteten Figuren aus den ersten Auflagen des Kits sind auf dem Postweg zu Dir.
Auf Deinen Kommentar zu denen freue ich mich schon.
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

5

Dienstag, 23. Oktober 2018, 14:34

:) :D :ok: ^^ :smilie: :wink: :thumbsup: :trost: :thumbup: :bussi: 8o :tanz: :five: :lieb: :party: :prost: :hand: :dafür:

Schmidtchen
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6

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 11:24

Die Bausatzvorstellung gibts ab sofort hier
Pyro: Fijian Outrigger aka Polynesian Outrigger Canoe
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

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7

Samstag, 3. November 2018, 14:31

Neues aus Polynesien.
Markus hat mir freundlicherweise die beiden Figuren aus dem Uralt-Bausatz des Kanus zur Verfügung gestellt. Seit geraumer Zeit musste ich das erste Mal wieder mit einer zweiteiligen Form arbeiten, denn die stehende Figur war anders nicht abzuformen. Für die sitzende Figur habe ich eine „Taschenform“ hergestellt. D.h., ich habe die Figur ganz in Silikon eingegossen und danach mit einem möglichst geraden Schnitt aus der Form herausgeholt. Durch diesen gespreizten Schnitt wird das Resin eingefüllt. Beim Gießen in der zweiteiligen Form gieße ich beide Teile separat aus und drücke sie zusammen, wenn das Resin abzubinden beginnt. Die dabei entstehenden Schwimmhäute müssen später entfernt werden. Der Abguss gelingt vielleicht nicht beim ersten Mal; aber wenn er beim dritten Mal gelingt, so reicht das aus. Ich will ja nicht ganz Polynesien bevölkern, sondern nur ein kleines Kanu.







Ein herzhaftes Aloahe!

Schmidt
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8

Montag, 10. Dezember 2018, 09:26

Nachdem Markus mir dankenswerterweise auch noch das Namensschild des Kanus zum Abgießen zur Verfügung gestellt hat, konnte ich das kleine Pyro Modell endlich fertigstellen – auch als Beweis dafür, dass ein gewisser Schmidt gelegentlich überhaupt irgendwas zu Ende kriegt.
Ansonsten sollen jetzt Bilder sprechen.













Schmidt
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10

Montag, 10. Dezember 2018, 13:25

Tolles Modell, Ein Schmidt eben. :respekt:

LG Frank

11

Donnerstag, 3. Januar 2019, 21:40

Hallo Schmidt,
da ich einige Fragen zu Deinem Kanu habe kam heute meine Anmeldung im Forum. Anhand Deiner Bilder, Deiner geschätzten Länge von 10-11 m und der Bausatzbeschreibung von Showrodder habe ich das Modell in den geschätzten Maßstab 1:25 umgerechnet und gezeichnet. Das hat besser funktioniert als ursprünglich gedacht.
Nun zu meinen Fragen. Ist die Rumpfform von Kanu und Ausleger eher elliptisch oder mehr halbrund? Kannst Du mittlerweile schon Aussagen zur Takelung machen?. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass in Echt der Mast nur von dem gebogenen Bambusteil gehalten wird. Wäre es möglich von den Teilen die der Segelführung/-handhabung dienen (Seite Ausleger) und den beiden Streben (Stabilisierung der Plattform?) Detailfotos zu machen?
Die Verbindung zwischen Kanu und Ausleger verlängere ich bis auf die andere Kanuseite. Das erscheint mir als Auflage für das "Deck" praktikalber.
Alles Gute zum Neuen Jahr und einen schönen Gruß aus Bonn
Heinz

12

Samstag, 5. Januar 2019, 11:58

Ich will gerne versuchen, deine Fragen zu beantworten.
Du meinst sicher den Querschnitt des Rumpfes. Der ist elliptisch oder besser parabelförmig, das gilt für den Rumpf ebenso wie für den Ausleger.
Meines Erachtens wird der Mast im wesentlichen von den 4 Tauen gehalten, die von der Mastspitze zur äußeren Längslatte des Auslegers führen. Das sind gewissermaßen die Wanten. Dann gibt es noch zwei Taue, die von der Luvseite des Rumpfes zur Mastspitze führen, gewissermaßen die Stage. Ich bin mir mittlerweile sicher, die entsprechenden Beschreibungen im Internet dahingehend richtig verstanden zu haben, dass das Schiff eine feste Luvseite hatte, natürlich die Seite, an der der Ausleger befestigt ist. Es gibt also nicht Bug und Heck. Beim Wenden wurde nicht das Schiff, sondern das Segel gedreht. Deswegen sind es auch nur wenige Taue, die das Segel halten. An seiner spitzen Seite eines, das ist ja selbsterklärend. Ich vermute, dass auch die breite Seite nur mit einem Tau gehalten wurde.
Dass die Befestigung des Auslegers quer durch den Rumpf ging und auf der anderen Seite die Plattform abstützte, leuchtet mir unmittelbar ein. Wäre ich vorher auf die Idee gekommen, hätte ich versucht, das zu recherchieren und nachzubauen. Ich denke, dass man alles, was ich oben gesagt habe, den Fotos hier entnehmen kann. Sollte das nicht der Fall sein, mache ich gerne noch weitere Aufnahmen.
Schmidt
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13

Samstag, 5. Januar 2019, 16:07

Auslegerkanu

Hallo Schmidt,
vielen Dank für Deine Ausführungen zur Takelung und dem Querschnitt des Rumpfes, das hilft mir sehr weiter. Den Querschnitt des Rumpfes konnte ich aus den Gießästen nicht ersehen und bei Deinen Bildern war ich mir nicht ganz sicher. Ich denke, dass ich die anderen Sachen aus den Fotos des Bauberichtes ableiten kann.
Nochmals vielen Dank und ein schönes Wochende
Heinz

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