Und hier mal ein echter Klassiker unter den Figurenbausätzen:
Der „Human Skull 1:1“ von Airfix, erstmals aufgelegt in den ganz späten Sechzigern. Hier noch ein Originalbausatz aus Plastik Marke „Glows in the Dark !“ – das magische Zauberwort damals.

Nun, ganz so morbide ist mein Charakter dann doch nicht. Mich reizte mehr die unübersehbare Tatsache, daß es nicht ganz einfach werden würde, das Teil einigermaßen nahtfrei zusammen zu bekommen, da ja die größeren Figurenbausätze von Airfix bezüglich der Paßgenauigkeit bekanntermaßen in die Kategorie „jenseits von Eden“ fallen...
...in diesem Bausatz steckt jedenfalls fast eine Drittelpackung Miliput, um die Paßungenauigkeiten auszugleichen.
Die Bemalung erwies sich aber als unerwartet einfach und läßt sich wohl – auch bedingt durch die Größe des Modelles - eher mit „Schminken“ umschreiben: Grundiert habe ich das Teil per Airbrush mit Humbrol Enamel „Eierschalenweiß“, damit die Phosphorfarbe des Kunststoffes nicht durchscheint, dann kam der eigentliche Grundanstrich in „Sandgelb“. Nach einer ausgiebigen Trockenphase nahm ich das Modell eines schönes Sommertages mit in den Garten und trug mit einem breiten Pinsel an exponierten Stellen Ölfarbe „Umbra“ und „Gebranntes Sienna“ auf, die ich anschließend mit einem Samtlappen ungleichmäßig verteilte und vor allem in die Vertiefungen wischte. Nach einer einstündige Trockenphase im Schatten ging ich dann mit einem sauberen und fusselfreien Baumwolltuch dabei und wischte die überschüssige Farbe von den erhabenen Stellen und bearbeitete die tieferliegenden Partien noch einmal nach. Obacht geben mußte ich dabei allerdings, daß ich die von der Ölfarbe angelösten Humbrolfarben nicht wieder mit abwischte. Anschließend steckte ich das Modell auf einen Bambusstab und stellte es in die pralle Sonne, damit die Ölfarben schneller aushärten konnten – am späten Nachmittag war das Modell bereits grabbelfest und erhielt sein Finish mit „Lukas Fixativ seidenmatt“.
Laut eines Bekannten bei der Kripo scheint das Modell aufgrund der etwas geringeren Gesamtgröße eher einem Frauenkopf nachempfunden zu sein, was auch zu dem etwas schmaleren Unterkiefer passen würde.
Bei einigen Details, wie z.B. den Schädelknochen-Nähten habe ich mir absichtlich ein paar künstlerische Freiheiten erlaubt, um das Modell nicht ZU realistisch wirken zu lassen – deswegen ist es z.B. auch von unten nicht bemalt. Laut jenes Kripobekannten sieht der Schädel nämlich wirklich so aus, als sei er irgendwo nach ein paar Jahren frisch aus dem Waldboden gebuddelt. Ehe da dann doch mal jemand Streß macht, auf einer Ausstellung...
Ein kleines, frugales Nachspiel hatte die Bemalaktion im Garten noch:
Irgendwann fiel das zum Trocknen aufgestellte Modell meinem Gartennachbarn ins Auge, der dann etwas irritiert an den Zaun trat und mich heranwinkte:
„Sag’ mal, was hast DU denn da im Beet stecken !?!?“
Ich konnte mir erfolgreich ein Grinsen verkneifen und antwortete im lockeren Plauderton:
„Hast Du hier auch schon mal tiefer als eins-achtzich gegraben ?“
Ihm hatte es die Sprache verschlagen und mit großen Augen trollte er sich Richtung Gartenlaube.
Abends dann kam er mit einem großen Korb frisch gepflückter Erdbeeren an den Zaun und frug, ob wir die haben wollten.
‚Gerne doch’ antwortete ich, ‚aber wie kommen wir zu der Ehre ?’
Mit einem düsteren Kopfnicken in Richtung meines Rabattenschmuckes grummelte er, daß ihm darauf heute irgendwie der Appetit vergangen sei und er möchte hier auch gar nicht so tief graben müssen.
Na, UNS hat’s dafür geschmeckt !
Greez, Arne.