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Samstag, 17. März 2018, 11:23

Zitat

Höchst interessant. Und was soll ich mal probieren? N oder Z?
Dazu wäre es wahrscheinlich gut, sich über den Maßstab des Modells im Klaren zu sein, damit am Ende aus der Bleiverglasung kein Fliegengitter wird ;)

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Montag, 19. März 2018, 16:31

RIchelieu wußte was er kaufte um die darniederliegende französische Flotte zu modernisieren ...

Die Saint Louis ( 1626 ) ist ein Schiff aus der Endzeit der Galeonen ... in gewisser Weise ein Hybride herkömmlicher Gestaltungsmerkmale mit Elementen späterer Schiffe.
Noch enthält sie typische Merkmale wie hohe burgartige Decks und Kastelle, die aus der Zeit unzureichender Kanonen und daraus resultierender Enter- bzw Deckskämpfe stammen .

Die Kuhl ist noch mit einem als Brücke genutzten, voll begehbaren Enterschutzgitter versehen ( gegen fallende Teile half es natürlich auch ).
DIe eingangs gezeigten Referenzbilder zeigen sehr schön wie gut begehbar dieses Enterschutzgitter war und das auch genutzt wurde.



In Längsrichtung auf dieses Deck wirkenden Kanonen unterstützen das noch.
Hier fand im Fall einer Enterung eine Art Landkrieg auf See statt.

Der gesamte Bug ist im Gegensatz zu der nur wenige Jahre jüngeren Vasa ( 1628 ) noch tief und gerade.
Gleichzeititg enthält sie aber im Heckbereich schon sämtliche Gestaltungsmermale zukünftiger Generationen holländischer Schiffe.
Dort wo frühere Galleonen oft noch einen offenen Balkon hatten ist bereits eine geschlossenen Seitentaschen- und Heckstruktur vorhanden.
Die so typische vielfach gestufte Geländerstruktur hoch zum Heck ist ablesbar.

Wenn man eine der eingangs gezeigten Referenzgraphiken in Gänze ansieht, dann sieht man, daß auch schon das kleine holländische Begleitschiff solch ein klassisches holländisches Heck hatte.



Noch ist an den hinteren Stückpforten der gestufte innere Aufbau ablesbar ... das sollte sich erst 1637, rund ein Jahrzehnt später, mit der englischen" Sovereign of the Seas" ändern, die als erstes großes Schiff durchlaufende Decks als bahnbrechende Neuerung hatte.


Ich habe hier alle drei Modelle vor mir liegen und gleiche ab hier den Rest der auffälligsten Eigenheiten der Kits untereinander und mit den historischen Graphiken ab .
Auch wenn ich versuche immer einen Kit als Bereich abzudecken sind dennoch die meisten Vergleichsphotos mit allen Kits und gehören deshalb immer zu allen drei Kits.

PYRO:
Über Pyros Saint Louis mag man, nein ... darf man ... muß man ... kann man getrost geteilter Meinung sein. Ganz sicher ist der Bausatz zu kurz.



Das macht sich inbesondere in der Länge der einzelnen Decks bemerkbar.
Die Plankenstruktur ist übertrieben und die charakteristischen Merkmale übergroß dargestellt.
Auffällig im Gegensatz zu den Mitbewerbern ist PYROs fast schon sklavische Wiedergabe aller relevanten Details ... liegt so tatsächlich sehr nah an den alten Graphiken.
Als einziger der drei Kits schafft es PYRO die Geländerstruktur nach der Kuhl tatsächlich mit der Anmutung der historischen Graphik auch im Modell wiederzugeben.

Als einziger der drei hat er ein Rundgatt .... ohne das weiter werten zu wollen.



(Hier sieht man was für ein fetter Brocken das HELLER Modell ist )

Die Holzstruktur ist zu stark ... die Stückpforten teils zu nah aneinander.
Die hinterste Pforte fehlt ... eine andere ist sehr flach ... und die vorderste ist nicht am vorgesehenen Platz.

Dennoch weist er, zum Teil besser als seine moderneren Konkurrenten, so ziemlich alle wesentlichen Details des historischen Schiffes auf.
Auch die Innenseite der Bordwand ist mit Details strukturiert.

Eine gut gemachte Gallionsfigur und feine durchbrochene Details im Bereich der Gallion.
Die Löwenkopf-Speigatts sind ein schönes Detail das bei Heller ganz fehlt und bei AIRFIX nur sehr rudimentär wiedergegeben ist.





Fazit:
Es erinnert einen an frühe Blechmodelle, die auf die wesentlichen Merkmale reduziert waren, und dennoch zweifelsfrei erkennen ließen welches Vorbild dargestellt werden sollte.
Will man ein Modell mit der Anmutung eines Votivschiffes, das eher impressionistisch alle wesentlichen Merkmale des Originals schön wiedergibt, so ist die PYRO Saint Louis eine gute Wahl .

AIRFIX:
In der Gesamterscheinung wirkt sie lang und schlank.
Mit ihren teils zu weit auseinander stehenden Stückpforten scheint sie in manchen Bereichen wenig mit der zugrunde liegenden Zeichnung gemein zu haben.
Trotzdem ist es insgesamt ein prachtvolles Stück Schiff !

Licht und Schatten sind nah beieinander:
Am Heckspiegel, für den es keinerlei historische Unterlagen gibt, hat der Formenbauer sein Können austoben dürfen.
Er ist das schönste Bauteil und zeigt was am Rest des Kits noch möglich gewesen wäre.

Die Decks sind gewölbt ... leider mit erhabenen Plankenstößen.
am Rumpf sind die Plankenstöße vertieft und die Planken weisen eine zurückhaltende Maserung auf ... paßt gut zum Maßstab.

Die Grätings unglaublich fein und sehr schön durchbrochen ... leider nicht mit ebener Oberfläche.
Die Türhöhen sind insgesamt nicht stimmig ... seine Kajüte kann der Kapitän auf diesem Schiff wirklich nur noch auf allen Vieren kriechend erreichen.

Wirklich schade ist aber, daß Airfix bei der für die Saint Louis sehr charakteristischen Reling ziemlich daneben gelangt hat. Das machten Pyro und Heller deutlich besser.
Bei Airfix ist überall nur eine ausgesprochen vereinfachte Variante zu finden.
Wo die historischen Zeichnungen ein prunkvoll ausgestattetes Schiff auf dem halben Weg zur Prince oder Sovereign zeigen gibts bei Airfix nur dröge Holzklasse.
Andererseits läßt sich der Kit dadurch leichter supern.

Obendrein hat Airfix eine Stückpforte im Bereich der Reling einfach dazu erfunden.



Vorschlag die Stückpfortendeckel der REVELL Vasa zu kopieren

Die Speigatts sind eher primitiv ausgeführt und das letzte im hinteren Drittel fehlt ganz ... Vorschlag die Löwenkopfspeigatten aus dem Pyromodell zu kopieren

Die Innenseite der Bordwände sind Plain Jane ... nacktes Plastik ... keine Holzstruktur ... gar nichts ... .

Der Bugbereich ist hinsichtlich der Ornamente wirklich schwach ausgestaltet, die Gräting wiederum sehr fein gestaltet ... HELLER, PYRO (und REVELL) machen das deutlich näher am Original.
Fast schon möchte man den kompletten Bug durch eine Transplantation aus der Vasa ersetzen ... oder eventuell durch Teile aus HELLERs Bug.
Da REVELLs Vasa, AIRFIX St. Louis und auch HELLERs Saint Louis alle drei fast identisch groß sind könnte diverse Teileübernahmen recht leicht fallen.





PYRO hat hier übrigens als einziger der Drei den feinen Handlauf oberhalb der Galionsreling wiedergegeben ...
HELLER hat ihn nur gezeichnet aber nicht im Modell, AIRFIX hat gar nichts ... ( Als Referenz ist er auch bei der REVELL Vasa vorhanden )

Fazit: AIRFIX ist in vielen Bereichen puristisch detailliert. In anderen Bereichen wiederum mit wunderschönen superfeinen Details ... ein großer Zwiespalt.
Insgesamt klar der Beste der drei Kits, der mit einem beherzten Griff ins (Fremd)-Teilelager ohne großen Aufwand gesupert werden kann.

HELLER:
obwohl er im ersten Moment einen exzellenten Eindruck macht ist der Dritte im Bunde leider auf seine ganz eigene Art und Weise eine ebenso unglückliche Erscheinung wie der PYRO-Kit ... nur merkt man es nicht gleich.
Leider deshalb weil der HELLER-Kit von der Ausgestaltung der Bauteile bei weitem der schönste Kit ist ... einfach wundervoll, knackig scharfe Bauelemente bei denen es wirklich Spaß macht mit ihnen zu bauen.
Schon HELLERs falsche Maßstabsangabe von 1/200 würde aus der Saint Louis einen halben Fluzeugträger machen ... gut .. betrachten wir es als etwa 1/150 ... das kommt sehr viel besser hin.

Kommen wir zum Knackpunkt, eher den Knackpunkten des Kits:
Was hilft eine wundervolle Galionsfigur, die aber so riesig ist, daß man sie problemlos auch als Kleinwagen durchgehen lassen könnte ... ?



Eine genial durchbrochene Bugstruktur und Galionsgräting wenn sie zu breit scheint ... ?



Viele der beiliegenden Kanonen ( bis zu 30mm! ) wären in 1/200 satte 6 Meter lang!
Da können sie noch so schön gestaltet sein ...
Selbst in angenommenen 1/150 sind sie noch satte 4,5 Meter lang ...
In dem Zusammenhang sollte man dezent auf die überlieferte Gesamtbreite des Schiffes von etwa 9 Metern hinweisen.
Irgend jemand bei HELLER hatte sich bei diversen Bauteilen des Modells ganz massiv verrechnet !

Das HELLER-Modell ist in diesem Zusammenhang auch das fetteste ... um die Taille herum hat es in 1/150 satte 12m Überbreite ... im angegebenen Kitmaßstab von 1/200 wären es sogar fast 16m Breite !
AIRFIX liegt bei 9,5m, PYRO (und REVELL) bei rund 9m ... beide etwa maßstäblich passend

Die Verteilung der Stückpforten scheint mit den historischen Gemälden nur wenig gemein zu haben .... die Löwenkopf-Speigatts fehlen ganz.
Die Decksabstufungen von der Kuhl zum Heck sind zu wenig ... da schluckt Heller einfach ein komplettes Deck ... seltsam ?
Und warum die Stückpforte im Bereich der Reling einfach mal ein paar Meter nach hinten verschoben wurde ? auf der Grafik sieht man doch recht genau wo sie sitzen sollte.
Der deplazierte Balkon am Heck verursacht einen völlig falsch wirkenden Sprung am Heck.

Apropos Kuhl ... die Enterschutzabdeckung:
HELLERs feine Grätingstruktur gehört wohl zum schönsten was man so in Bausätzen zu sehen bekommt ... richtig toll !
Auch die von AIRFIX ist mit seiner feinen Längsbalkenstruktur ganz vorne dabei ... mit der realistisch hohen Anzahl von Querträgern für mich sogar die beste.
PYROs Oldtimer muß hier klar Federn lassen ... da stimmt die Struktur einfach nicht so recht.



Fazit: ein toller Kit mit unverständlichen Fehlern im Detail ... der dennoch ein schönes Modell ergibt .. oberflächlich betrachtet !
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

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Dienstag, 20. März 2018, 09:28

Markus, meinen herzlichen Dank für deinen wundervollen Bericht. Nachdem mir selbst alle drei Modelle vorliegen und ich sie einigermaßen gründlich betrachtet habe, kann ich dir in praktisch allen Details nur zustimmen!

Der Pyro-Kit läuft tatsächlich auf so etwas wie ein Votivschiff oder ein Seemannsmodell hinaus, d.h. erstaunlich genau in den Details aber recht unrealistisch in den Proportionen. Vielleicht sollte man das Modell oob bauen (natürlich ohne die grauenhaften Stahlbeton-Wanten) und in Elfenbein- oder Knochen-Weiß lackieren.

Auch noch ein paar Worte zum Heller-Kit. Die Anstrengungen der Konstrukteure zielten ja ursprünglich auf die Couronne. Kein schlechtes Vorbild! 1636 als erstes Kriegsschiff neuerer Bauart in Frankreich gebaut und im marinehistorischen Werk des Admiral Paris dokumentiert und rekonstruiert. Die Saint Louis hockt bei Heller auf dem Couronne Rumpf auf, der Kit wurde, wie eine Gravur an der Innenseite des Rumpfes zeigt, offenbar direkt als Doppel-Kit konstruiert. Nun müsste man herausfinden, ob wenigstens die Couronne sich in den Proportionen am historischen Material bzw. an der Paris-Rekonstruktion orientiert. Sicher aber kann wohl sein, dass die jüngere Französin nicht die Grundlage für die ältere Holländerin bilden konnte, ohne dass es zu „Verwerfungen“ kam.
Ein „kritischer“ Bau der Couronne wäre ein Desiderat für dieses Forum. Das Modell ist im Handel!

Kritik am Airfix-Modell werde ich in meinen Baubericht einfließen lassen.

Und beginne gleich mit der Gestaltung der Seitengalerien. Dass die Türmchen eigentlich freistehend sein sollten, hatten wir schon geklärt, vor dieser Aufgabe scheue ich allerdings zurück. Ich hatte ja anfangs schon gesagt, dass diesmal das Fertigwerden ein deutlich ausgesprochenes Ziel sein soll!
Im mittleren Bereich der Galerien befindet sich eigentlich eine Lüftungsöffnung, sinnvollerweise. Beim Modell ist dieser Bereich geschlossen und fast nicht graviert. Die Vasa zeigt hier einfache Stützen, die Referenzbilder der Saint Louis allerdings ein aufwändigeres „Lüftungsgitter“. Ich habe versucht, das mit Polystyrol-Streifen und kleinen Gussteilen aus Resin nachzubilden.








Im oberen Bereich der hinteren Bordwand befindet sich oberhalb der Vertuining noch ein Bereich, der mit königlichen Insignien geschmückt ist. Pyro und Heller haben das richtig erkannt und versuchsweise nachgebildet, der Graveur bei Airfix scheint hier allerdings eine längere geistige Mittagspause eingelegt zu haben.



Ich habe die Bereiche zwischen den Schmuckfiguren mittlerweile plan geschliffen. Das hat nicht so ganz überzeugend funktioniert, allerdings sind die Bereiche ja auch wieder zu füllen. Leider weiß ich noch nicht genau, wie und womit.

Soviel für heute. Danke nochmal an Markus. Ich gäbe sonst was dafür, gäbe es ein Buch oder besser noch eine Webseite, auf der die interessanten Seglermodelle derart intensiv und plastisch vorgestellt würden!

Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

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Dienstag, 20. März 2018, 12:39

War mir eine Freude Deinen Bericht ein wenig zu unterstützen ... ein derart intensiver Vergleich über mehrere Hersteller hinweg dürfte in einer Webseite aber nur bei wenigen Modellen machbar sein.

Jetzt bin ich durch Deinen Hinweis auf die Couronne mit der Produktnummernfolge und den Jahreszahlen doch kräftig ins Zweifeln gekommen .
Gedanklich hatte ich die Couronne durch das noch unpassendere Heck immer zur Seite gestellt.

Gemäß Carbonel datiert die erste "Le Saint Louis" #837 von 1978 ... die erste "La Couronne" , #836 von 1977 ... beide boite jaune ... blau / fleur de lis ... und beide Modellnamen in den Rumpf eingraviert.
Wie Du schon richtig bemerkt hast ist es historisch Unsinn aus dem späteren Schiffsmodell das frühere abzuleiten.

1969 war folglich als Erstauflagejahr falsch ... in den vorigen Artikeln in diesem Thread habe ich in der Zwischenzeit die Jahreszahl auf 1978 korrigiert !
HELLER hatte nach der ersten Ölkriese 1973 schon Probleme gehabt, 1977 folgte die Kooperation mit AURORA ... vermutlich um die Formen auszulasten.
1979 die zweite Ölkriese und 1980 die Insolvenz HELLERs mit folgendem Verkauf/Integration in die HUMBROL-Gruppe.
Läßt sich aus diesem drohenden Untergangs-Szenario diese mangelhafte Recherche-Leistung ableiten ?

Gleichzeitig listet Carbonel die Couronne als rumpfgleich mit der der 1/200er "Le Galion" ... was offensichtlich völlig falsch ist weil beide Rümpfe sehr unterschiedlich groß sind.
Identische Rümfe haben aber " La Couronne" und " Le Saint Louis"

Interessanterweise hatte HELLER der Couronne tatsächlich historisch korrekte vollplastische, dreidimensionale Toilettentürmchen in Bug und Heck verpaßt ! Die hintere Seitentasche ist dennoch pure Phantasie.

In den historischen Graphiken ist es manchmal nicht so recht klar welches der beiden weitgehend ähnlichen Schiffe gerade dargestellt wird.
Die Couronne war bestimmt ein großer Nationalstolz ... hatte aber ein extrem kurzes Leben von 1636-41.
Die Saint Louis stand aber als Vorbild für Zeichner von 1626-1649/50 extrem viel länger zur Verfügung (laut holländischer Wikiseite).

Auch Admiral Paris bezieht sich in seinen Plänen offensichtlich auf die Pläne des 17. Jahrhunderts ... auf was denn auch sonst ?
Auch hinsichtlich der Gestaltung der Seitentaschen kommt er zu einem sehr ähnlichen Ergebnis ... zumindest im Seitenriß.
https://i.pinimg.com/originals/7d/0b/60/…79b28209664.jpg

Wie Paris damals aber zu den merkwürdigen Heckansichten und Aufbauten zum Heck kam ... waraus er sie ableitete ?
http://www.themodelshipwright.com/news/w…ouronne_123.jpg
(das Laden dauert ein wenig ... Geduld !)
Aus den historischen Graphiken ist das wenigstens nicht nachvollziehbar.
Vielleicht wollte er einfach aus Nationalstolz dem ersten eigenständigen Neubau damaliger Zeit eine ganz besondere Eigenheit geben und es möglichst unterschiedlich zum im Holland gebauten Original gestalten ?

HELLERs Couronne hat hinsichtlich der Seitentaschen und Heck mit dieser Zeichnung herzlich wenig gemeinsam ... von den Paris-Zeichnungen kann es jedenfalls nicht abgeleitet sein.
Der seltsame Balkon mit nur einem Turm und dem daraus resultierenden abgehackten Stufenheck setzt sich leider konstruktiv im Modell der Saint Louis fort.

Das Heck der Saint Louis entspricht sogar eher noch der Paris´schen Couronne ... aberwitzig !

Einen historisch brauchbares Modell der La Couronne aus HELLERs Bausatz kann ich mir nicht wirklich vorstellen.
Das wiederum müßte analog zur Saint Louis , nur umgekehrt, im Heck einen ganzen Haufen Teile aus REVELLs Vasa erhalten.

Im Moment bewundere ich Deine Feinstarbeit im Heck des AIRFIX-Modells ..
das muß man sich mal klar machen, daß all diese Teilchen gerade mal zwei bis drei Millimeter hoch sind !
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

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Dienstag, 20. März 2018, 13:24

Soweit ich mich erinnere, wurde bei der Rumpfform der Airfix Louis die gerade geborgene Vasa kopiert, was auch viele Details wie an den Geländern verraten.

XXXDAn
... keine Angst, der will doch nur spielen ...



Feinste Ätzteile für HMS Victory 1:100
http://www.dafinismus.de

36

Dienstag, 20. März 2018, 19:32

@Dafi ... interessante Argumentation ... wäre klasse wenn Du Dich erinnern könntest von wo Du diese Info hast.

denn, daß AIRFIX sich an der Vasa orientiert haben soll hatte ich in Beitrag 19 und 21 schon unterstellt ... ohne das beweisen zu können ...
lediglich die vielen Ähnlichkeiten sowohl der historischen Graphiken als auch des Modells fallen auf.

Ich hatte das mit der Linienführung auch schon im Finescale Modeler so gelesen ... allerdings ebenfalls ohne brauchbare Quellenhinweise .
Die große Ähnlichkeit, gleiche Schiffsbauschule, Ähnlichkeit der historischen Graphiken ... all das paßt im Grunde wie ein Puzzle zusammen.
Die Vasa ... ein Dreidecker der, auf Wunsch des schwedischen Königs, aus dem Zweidecker Saint Louis weiterentwickelt wurde ...

AIRFIX hatte seit der Bergung ein Jahrzehnt Zeit um den Rumpf der Vasa und die ersten Schritte des Wiederaufbaus zu studieren.
1961 Bergung Vasa ... 1962 Eröffnung Vasa Museum 1 ... ein Jahrzehnt Zeit ... 1973 AIRFIX Saint Louis

Bleiben wir doch bei AIRFIX:
Was mich in diesem Zusammenhang gerade etwas irritiert ist das Jahr der Erstauflage der AIRFIX-Vasa ...
nach jetzigem Stand liegen mir dafür Zahlen von 1971 / 1972 vor !
Warum irritiert mich das ? Nun es bedeutet, daß bereits ca 1970 bedeutende Informationen zur Vasa existiert haben müssen ...
zwar noch mit Fehlern und lange nicht so weitgehend wie heute ... aber dennoch bedeutend.

AIRFIX hatte 1971/72 all die Vasa-Infos, die auch deutlich am Vasa-Modell zu sehen sind ... und das war wirklich nicht wenig :
- AIRFIX war bereits über die freistehenden Türmchen der Seitentasche informiert ... schließlich sind sie im Modell auch tatsächlich freistehend !
- AIRFIX wußte klar und deutlich wie die Relings auf den Bordwänden auszuführen sind
- AIRFIX wußte mit welchem Detaillierungsgrad der gesamte Bugbereich auszuführen ist

Damit wäre jegliche Argumentation, AIRFIX hätte zum Zeitpunkt der Erstellung des "Saint Louis" Kits nicht auf entsprechende Informationen Zugriff gehabt, obsolet !

Da frage ich mich warum AIRFIX ein Jahr später ( 1973 ) bei der Saint Louis die gleichen Details wie bei der Vasa so deutlich schlichter ausführt ... denn offensichtlich standen schon 1971/72 alle notwendigen Information bereit um das deutlich besser machen zu können bzw das Heck korrekt auszuführen.

Das Gute daran, daß mit der maßstabsgleichen AIRFIX-Vasa nun noch ein weiterer möglicher Teilespender für die Saint Louis qualifiziert ... Stückpfortendeckel ... Bugfiguren/Galion ... Relingdetails
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

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Mittwoch, 21. März 2018, 08:55

Da frage ich mich, warum AIRFIX ein Jahr später ( 1973 ) bei der Saint Louis die gleichen Details wie bei der Vasa so deutlich schlichter ausführt ... denn offensichtlich standen schon 1971/72 alle notwendigen Information bereit, um das deutlich besser machen zu können bzw das Heck korrekt auszuführen.


Ich kann die Frage natürlich nicht mit historischen Dokumenten beantworten, aber ich werfe mal ein Argument in die Diskussion. Wir reden immer von Revell, Heller etc., als seien das unteilbare Einheiten. Ich halte es für durchaus möglich, dass in bestimmten Produktionszeiträumen verschiedene Menschen mit der Gestaltung der Bausätze betraut waren. Verschiedene Menschen – verschiedene Ergebnisse. Die Saint Louis ähnelt in ihrer „Handschrift“ meines Erachtens sehr der Prince, besonders deutlich zu erkennen an der Gestaltung der Plankenstruktur der Bordwand, aber auch an bestimmten Details. Die Vasa hingegen trägt eine andere Handschrift, das Modell wirkt erheblich „cleaner", so als seien bereits andere Techniken zur Verfügung gestanden, um Strukturen besser und ähnlicher reproduzieren zu können. Ich würde fast darauf wetten, dass die Vasa im ganzen von jemand anderem und vielleicht auch anderswo konstruiert wurde. Man müsste einmal alle Airfix Kits der Classic Serie nebeneinander legen, um die „Handschriften“ besser identifizieren zu können.

Zurück zum Schiff. Nach den Eingriffen an der Bordwand habe ich die Rumpfhälften und das Heck zusammengeklebt. Es gibt hier verschiedene Philosophien. Ich persönlich scheue sehr davor zurück, bereits bemalte Teile zu verkleben. Außerdem braucht es für das Öldraken einen bereits weitgehend zusammen gebauten Rumpf, da der Effekt besonders an den Kanten und Übergängen von Bedeutung ist.
Es gehört zu den traumatischen Erfahrungen meiner frühen Bastlerphase, an besagtem Zusammenbau der Rumpfhälften oft genug gescheitert zu sein. Tatsächlich „passen“ die Teile in der Regel nach ein bisschen Nacharbeit zusammen, aber sie tun das nur, wenn man sie von allen Seiten aufeinander presst, lange genug, damit der Plastikkleber seine Wirkung tun kann. Aber wer will schon 3 Stunden den menschlichen Schraubstock spielen? Früher bin ich manchmal darauf verfallen, die Teile von innen mit einer heißen Stricknadel zu verschweißen, weil das schneller geht. Im Prinzip keine schlechte Idee, nur bin ich dabei oft genug durch die Bordwand gestoßen oder habe schließlich doch keine haltbaren Verbindungen zustande bekommen. Kein Wunder, eine glühend heiße Stricknadel ist nun mal schwer zu händeln.
So habe ich es jetzt gemacht. Geknebeltes Garn drückt die Rumpfhälften stundenlang zusammen, während der Bastler mit einem Bierchen vom Kamin sitzen kann:





Anschließend habe ich den Rumpf mit der Airbrush grundiert. Farbe: Humbrol 63. Dieser erste, ganz dünne Farbauftrag zeigt, wo gegebenenfalls noch zu spachteln und zu schleifen ist.





Das muss jetzt gut trocknen, dann geht es ans Abtrennen des Unterwasserrumpfes.

Schmidt
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Mittwoch, 21. März 2018, 10:50

Moin Schmidt,

Hast Du schon einmal die UV-härtenden Klebstoffe versucht? Die lassen sich beliebig lange korrigieren und werden mit einer beigefügten LED gehärtet. Besonders gut eignen sie sich zum Verkleben von transparentem Kunststoff, da sie sogar nahtlose Verklebungen transparenter Teile untereinander erlauben.

And Now for Something Completely Different:
Es gibt doch nichts, was es nicht gibt - sogar ein Forum, das sich ganz auf die Vasa konzentriert. Ihr findet es hier
Das Besondere ist, dass dort nicht nur Amateure, sondern mit Fred Hocker auch der Chef der Vasa-Forschungsgruppe des Nationalen Maritimen Museums ihre Beiträge leisten. Unter anderem wurde dort auch der siebenteilige Plansatz aus den Jahren 1969/70 in der teilweise überarbeiteten Form von 1974/77/79/80/81 als PDF eingestellt. Diese Pläne dienten Airfix wahrscheinlich als Grundlage, zeigen laut Hocker aber noch eine Reihe von vielen kleineren und einigen größeren Fehlern. Mit Veröffentlichung des zweiten Bandes der Vasa-Monographie wird es wohl auch einen neuen aktualisierten Plansatz geben.

Viele Grüße
Lars

P.S.: Seid ihr sicher mit der Funktion der Türmchen als Toiletten? Bei der Vasa dienten zwei Holzkästen auf der Gallions-Gräting als Mannschaftstoiletten. Die Galerien waren unten doch geschlossen und erlaubten den Hinterlassenschaften der Schiffsführung nach unten keinen freien Weg...

39

Mittwoch, 21. März 2018, 19:27

Danke für den Hinweis auf den Kleber. Dem werde ich nachgehen.

Der einzige authentische Beitrag, den ich zur Dixi-Debatte leisten kann, ist meine Erinnerung an meinen Aufenthalt in der Seitengalerie der Batavia. Das IST ein Klo.



Schmidt
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Donnerstag, 22. März 2018, 14:41

Nun ging es also daran, den Unterwasserrumpf abzutrennen. Am Beginn stand die Überlegung, ob die Konstrukteure des Modells berücksichtigt hatten, dass der Kiel achtern für gewöhnlich etwas tiefer liegt als vorne. Ich habe mal entschieden, dass das nicht der Fall ist, und habe also die Wasserlinie parallel zum Kiel angelegt. Darüber kann man sicher streiten. Die Wasserlinie ist mit einem ziemlich professionellen Höhenreißer bestimmt und mit Bleistift angezeichnet. Dann habe ich ein 3 mm breites Klebeband darunter geklebt und an der unteren Linie des Klebebandes den Rumpf abgetrennt. So habe ich immer noch ein bisschen Spielraum, bzw. kann ein bisschen vom weißen Unterwasserrumpf zeigen, wenn das Schiff auf einer Wasserplatte liegt.



Beim Abtrennen des Unterwasserrumpfes hat sich mein Proxxon Mikromot 50/E mit einem kleinen Funken, einem Pluff und einer kleinen Rauchwolke verabschiedet, nachdem er mir viele Jahre lang gute Dienste geleistet hat. Vielen Dank. So viel tatkräftige Unterstützung für 30 €. Der Nachfolger ist gestern angekommen.



Wenn man einem Plastikmodell den Unterwasserrumpf abgetrennt, beschädigt man massiv dessen Stabilität. Die galt es jetzt zurückzugewinnen. Erste Maßnahme war der Einbau des mittleren Decks, das später so gut wie gar nicht mehr zu sehen sein wird, da diese Mischkonstruktion aus Brücke und Gräting darüber liegt. Inzwischen sind alle vier Decks nachgraviert, lackiert und geöldrakt. Dabei habe ich übrigens ein weiteres Verfahren erprobt: nach dem Öldraken vorsichtig und nur in eine Richtung mit einem möglichst neuen Schleifschwamm (100er Körnung) über die Planken streichen. Aus der Elektromikroskopperspektive ergibt das eine noch authentischere Maserung. :ok: :verrückt:

Das Schanzkleid im Bereich dieses Decks ist von innen ebenso behandelt.



Doch damit nicht genug der Stabilisierung. Im unteren Bereich klaffte der Rumpf immer noch zu weit auseinander. Deswegen ist hier ein verstärkter Spant eingezogen, der das Ganze in Form hält.



Schmidt
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41

Samstag, 24. März 2018, 10:43

Ein Blick auf die hinteren Decks, die aus zwei Bauteilen bestehen. Obwohl jetzt der Heckspiegel und das unterste Deck fest eingeklebt sind, lassen sie sich widerstandslos und ohne jedes Klemmen und Spreizen einlegen und auch wieder herausnehmen. Auch die hier provisorisch angelegten Schotts passen einwandfrei. Wichtig, wenn man die Bauteile separat lackieren will.



Schmidt
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Realname: Dirk Wörner

Wohnort: Harsewinkel

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42

Samstag, 24. März 2018, 11:05

Dass das alles so gut passt, ist gut zu wissen. Da kann ich schön später einmal abspicken...... :thumbsup:

Gruß, Dirk. :ok:

43

Sonntag, 25. März 2018, 19:13

Über die Farbgebung des Modells bin ich mir mit mir selbst nur sehr schwer einig geworden. Deshalb habe ich eine Form der hinteren Bordwand abgenommen, mit der sich ein leidlich guter Abguss herstellen ließ, der Bordwand, Galerie, Vertuining und Geländer zeigt.





Meine erste Idee war, den Ludwig im Stil der Vasa mit realistisch kolorierte Figuren auszustatten. Das Ergebnis hat mir allerdings nicht gefallen. Meines Erachtens sind die Figuren zu flach und zu reliefartig, als dass sie eine solche Bemalung und ein anschließendes Öldraking „aushalten“ können. Ich habe den Versuch abgebrochen.



Die nächste Variante (nach Zwischenstufen, die ich hier nicht zeige) lief auf den Batavia-Stil hinaus, mit sehr viel Gelb an Schmuck und Leisten. Um es kurz zu machen: das hat mir auch nicht gefallen.



So ist es dann nun schließlich ziemlich „old school" geworden. Das Gold, hier noch nicht vollständig aufgebracht, wird unter dem Öldraking viel von seiner Leuchtkraft verlieren, aber hoffentlich den Figuren zu ausreichender Plastizität verhelfen. Auf dem Foto unten fehlt (unter anderem!) noch die Bemalung der Lilien sowie die Ausgestaltung des „Wappenbandes". Wie die genau aussehen soll, weiß ich noch nicht, kenne nur die Richtung, in der ich experimentieren werde



Noch ein Wort zum Blau. Ich bezweifle ja nach wie vor die Bemalung von Schiffsbordwänden im 17. Jahrhundert mit leuchtendem Blau. Ich sprach damals mit Herbert Tomesen von der Firma Artitec darüber, der für ein Blaugrau plädierte, das auch damals erschwinglich gewesen sein soll. Hier ein unfertiges Modell aus der Artitec- Produktion. Leider ist der deutliche Blauton im Original durch die Fotografie stark ins Grünliche gezogen worden. Ihr müsst euch auf meiner Erinnerung verlassen, es war blau.


So habe ich es nachgeahmt.


Ich habe als Grundfarbe Humbrol 157 (Azurblau) gewählt. Im Zusammenspiel mit dem Öldraking sollte sich ein Blaugrau ergeben.

Schönen Kurzsonntag noch: Schmidt
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44

Montag, 26. März 2018, 11:03

Während 500 Details am Rumpf des Ludwig angemalt werden müssen, habe ich endlich damit begonnen, wie seit letztem Jahr geplant, ein wesentlich größeres Wasserbett zum Fotografieren meiner Wasserlinienmodelle herzustellen. Es ist jetzt 60 cm mal 1,20 m und damit etwa viermal so groß wie sein Vorgänger. Ich hoffe, damit Horizontlinien fotografieren zu können, ohne sie später mit Photoshop ausrichten oder ergänzen zu müssen.

Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
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45

Freitag, 30. März 2018, 10:39

Ich habe ja schon einiges an vertrackten barocken Schiffen (an)gemalt, aber der heilige Ludwig schlägt alles. Leider haben die Konstrukteure des Modells die Farbtrennkanten nicht so eindeutig markiert, wie das der bemalende Bastler gerne hätte. An sehr vielen Stellen braucht es da (zumindest in meinem Fall): zwei Brillen, ganz feine, ganz neue Pinsel, spezielle Atemübungen und die dauernde Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen und dabei Kompromisse in Kauf zu nehmen.
Ich bin fast fertig. Kann mir einer sagen, warum ich bei dem Anblick immer an ein frischgestrichenes Kinderzimmer denken muss? Jetzt bleibt zu hoffen, dass das Öldraken dem Modell die Würde zurückgibt, die es eigentlich ausstrahlen sollte.







Und hier posiert der Ludwig bereits auf der neuen Groß-Wasserplatte. Bei der ist mir ein changierender Anstrich in Blau-Grün mit einem einzigen Farbauftrag gelungen. Möglicherweise hatte ich die Farben nicht ausreichend vermischt. Ein sehr schöner Effekt, den ich aber möglicherweise nicht gezielt werde wiederholen können.





Schmidt
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46

Freitag, 30. März 2018, 12:51

Kinderzimmeroptik .. da siehst Du mal wie konditioniert wir in unserem Denken und Empfinden sind
Wenn wir uns diverse Gemälde aus dem ausgehenden Mittelalter anschauen dann sind sie oft tatsächlich quietschbunt ... spätestens wenn mal 500 Jahre braune Patina vorsichtig entfernt werden und alles in altem Glanz strahlt.

( Was bei den Airfix-Kits immer wieder stiefmütterlich schlicht daherkommt sind die Rumpfinnenseiten ... )

Beeindruckend die Darstellungsstiefe auf der neuen Platte ... der andere Abstand der Kamera macht viel aus ... kommt näher an unsere Sehgewohnheiten.

Was mich sehr überrascht hat ist das Öffnen der vielen kleinen Fenster im Heck und den Gallerien ... was vorher fast platt wirkte hat jetzt eine sehr große dreidimensionale Qualität ... wirkt wie ein ganz anderes Modell ... jetzt merkt man was an der Stelle wirklich in dem Modell steckt .
Mit dem Öldraken wird das bestimmt wundervoll !

Ich denke ich werde demzufolge in Zukunft alle Fenster an Kits öffnen ... so es denn irgendwie vernünftig machbar ist.
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

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47

Freitag, 30. März 2018, 20:16

Nun ist es passiert, und mein Ludwig hat doch an einer ästhetischen Sollbruchstelle einen Knacks bekommen. Es geht um den Galionskamm. Am Bausatzteil ist es geschlossen und hat ein todschickes, nein, trutschiges Ornament.



Ich dachte, ich könnte das mit etwas goldener Farbe aufhübschen, aber das war nun so gar nicht der Fall. Gibt keine Fotos davon. Stattdessen habe ich sofort zu einer radikalen Maßnahme gegriffen und den falschen Kamm sowie das untere Scheg abgetrennt, (hoffentlich vertue ich mich nicht mit der Terminologie).



Das untere Teil ist dann neu aufgebaut.



Und hier mein erster Versuch, in Anlehnung an Meister Landströms Bild etwas passendes zu entwerfen.



Leider weiß ich überhaupt noch nicht, wie ich das jetzt in die dritte Dimension bekommen soll. Es sollte, wenn eben möglich, zum anderen Zierrat passen. Und es ist, nebenbei bemerkt, auch sehr klein.

Schmidt
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48

Freitag, 30. März 2018, 21:36

Mahlzeit!

Mit sehr dicker Farbe pinseln? Besonders mit den matten Revell-Enamels hat man doch schnell (unbeabsichtigt) einige Zehntel mm an Farbdicke erreicht...
Ein guter Rat des Vaters an den Sohn:
Halte stets mit allem Maß-mit dem Essen,dem Trinken und dem Arbeiten.Vor allem mit dem Arbeiten.
-Otto von Bismarck

49

Freitag, 30. März 2018, 22:52

Den Kamm selber als Ätzteil fertigen,
Oder fertigen lassen.
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

50

Samstag, 31. März 2018, 01:20

Eine Aufgabe für Ätzteile, 3D-Drucker oder einen Juwelier ...

Wäre es eine Option den entsprechenden Bereich der Revell-Vasa abzuformen und das Resineteil zu begradigen ?
nicht das erste Mal, daß Du Resineteile passend machst
Auch der Rumpfanschluß mit den Aussteifungen (Schloiknie) scheint wesentlich realistischer

An der Stelle fällt übrigens auf, daß sowohl HELLER als auch PYRO die Galionsspanten der historischen Gemälde ziemlich fehlinterpretiert hatten und als Bögen im Kit darstellten.
An der Stelle ist der AIRFIX-KIt deutlich besser

Da wäre es aber schöner wenn die Galionsspanten innen bis Oberkante Galionsreling nach oben fortgeführt wären ... analog zur Vasa ... kleine Andeutung mit aufgeklebten Streifen zum Beispiel
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Markus

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51

Samstag, 31. März 2018, 11:38

Danke für die vielen Vorschläge! Ich geh's mal kurz durch.

Dicke Farbe: im Prinzip guter Vorschlag, aber sehr dick wird das nicht.
Ätzteil: kann ich nicht. Wäre aber auch sehr flach, es sei denn man „spachtelt es hoch".
3D Drucker: habe ich nicht
Ornamente aus anderen Modellen rauskopieren: gesamten Bestand geprüft, geht nicht
Galionsspanten imitieren: ist notiert, dito Schloiknie

Ich habe mal versucht, meine unbeholfene Zeichnung mit Magic Slulp Richtung 3-D zu bringen. Vorlage Landström. Da müsste natürlich die andere Seite ergänzt werden.



kaum denke ich, ich bin auf dem richtigen Weg, da bemerke ich, dass die Zurring für den Bugspriet verdammt weit vorne sitzt. Ich werde mich also auch um die Gesamtarchitektur dieses Teiles kümmern müssen, bevor es ans Ergänzen geht. Der berühmte Dominostein-Effekt. Glücklicherweise wissen wir von Daniel, dass das Lackieren nicht das Ende der Bautätigkeiten ist, sondern irgendwo in der Mitte liegt.

Ach ja, ich habe in einem frühen Stadium schon überlegt, eine Nasentransplantation vorzunehmen, von der Vasa zum Ludwig. So richtig haut das meines Erachtens nicht hin. Man müsste ziemlich viel anpassen, und am Ende hätte man ein Modell, das den Hintern von einem Holsteiner und den Kopf von einem Araberpferd hätte. Das würde auffallen, unangenehm.

Schmidt
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52

Samstag, 31. März 2018, 15:46

Kann ich so nicht nachvollziehen ... beide im Grunde unübersehbar die gleiche Bauserie mit individuellen Anpassungen ... der jeweils größtmögliche Exportartikel für einen König ... nur, daß der eine partout während des Baus noch ein weiteres Deck haben wollte ... Größe, Länge, Breite weitgehend identisch ...
Daß der Airfix-Hintern einen Tick holländischer aussehen sollte ist im Grunde nicht Schuld der historischen Vorlage sondern des Entwicklerteams ...
dito für den Bug ... immer gemessen an den historischen Vorlagen kamen beide aus der gleichen Zucht.

Wenn an der Stelle beim AIRFIX-Kit neben der spartanischen Innengestaltung etwas reichlich falsch ist dann ist es die Lage der Zurring ... viel zu weit vorne ...
ist so weit vorne bei keinem Schiff dieser Bauart zu sehen ... und auch auf keiner der historischen Vorlagen zur Saint Louis ... dort ist vorne aus gutem Grund überall alles frei .

Im Grunde ist es eine technische Einheit bei der die Verlängerung des Vorderstevens als Auflager für den Bugspriet von unten und räumlich möglichst nah die Sprietzurring einen Halt gegen eine Bewegung nach oben verhindern soll.
Ist der Abstand beider Elemente nach vorne zu groß kann der Bugspriet zu sehr in Schwingung geraten und die Funktion der Zurring wäre schnell dahin.

Die Zurring kann so gesehen nur exakt an dem Punkt sein wo sie auch bei der Vasa ist ... ob einzeln oder zweifach wäre ebenfalls in Frage zu stellen.
Da beide Schiffe aber mehr oder weniger identisch groß sind kann man von einer sehr ähnlichen Auslegung ausgehen.
Im Grunde wäre das bei einer so schönen Neugestaltung der Zeitpunkt diesen groben Fehler zu korrigieren.
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Markus

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53

Samstag, 31. März 2018, 16:33

Eine ganz besondere Disziplin, diese Farbgestaltungen!
Schaue dem Meister dabei immer wieder gerne über die Schulter.
Einfach eine Klasse für sich!

54

Samstag, 31. März 2018, 20:15

Markus, da habe ich mich wohl unverständlich ausgedrückt. Ich meinte nicht, dass der Vasa Schnabel historisch nicht zum Ludwig passe. Aber die beiden Airfix Modelle stammen nicht vom selben Konstrukteur, und man hätte dann gewissermaßen zwei Handschriften an einem Modell, wobei ich die Vasa für besser detailliert halte.

Hier jetzt erst mal die ölgedrakten Schotten. Sie lassen erkennen, in welche Richtung die Ölfarbe das Kinderzimmer verändern wird.





Und hier ein Sneak Preview auf den neuen Galionskamm. Die eine Seite habe ich abgegossen, aufgeklebt und dann mit MS dreidimensional ergänzt. Die Schlange ganz vorne ist ein Unikat, an Ort und Stelle modelliert



Da, wo die beiden Seemonster Schnauze an Schnauze einander gegenüberstehen, wird oben die neu platzierte Zurring des Bugspriets sitzen. Markus hat vollkommen recht. Sie muss viel weiter nach vorne. Da ist den Konstrukteuren ein Lapsus passiert. Tatsächlich sitzen an der Stelle, an der die Zurring über dem Bugspriet liegt, die entsprechenden Haltehölzer und gibt es sogar eine Tauimitation aus Plastik. Die Öffnung in der Gräting aber ist viel zu weit vorne. Ist schon in der Mache.

Schmidt
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55

Sonntag, 1. April 2018, 10:12

Outsch ...sorry, hatte ich tatsächlich nicht so verstanden ...

Nachdem bei der San Luigi ein Zwiespalt zwischen extremst fein detaillierten Teilen und anderen sehr spartanischen Bereichen ist wäre mir das gar nicht wirklich aufgefallen ... da habe ich sowieso immer den Eindruck als wäre dieser Kit eine Teamarbeit gewesen ...
im Endeffekt wird das Modell durch Deine Farbgebung eine gleichmäßige Optik haben bei der diese Unterschiede nicht mehr bemerkbar sind.

Die ölgedrakten Schotten sehen wirklich gut aus ...
und schon wurde aus dem Kinderzimmer fast schon die Ästhetik aztekischen Schmucks bzw Keramiken mit Goldapplikationen ... just gotta love it !

Der neue Galionskamm entwickelt sich Stück für Stück zu einem Kunstwerk ... schöner als auf den Originalgraphiken auf denen man nicht mehr als ein paar diffuse Ornamente erkennen kann. Bin schon gespannt ob Du da einen Holzton oder Vergoldung wählst.
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Markus

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56

Sonntag, 1. April 2018, 16:51

Servus Schmidt
Also Farblich hast du das ganze schon klasse hingebracht gefällt mir sehr gut und gedrakt kommt es bestimmt spitzenmäßig rüber.
Aber verdammte scheiße sieht der neue Kamm geil aus :cracy: :sabber: :respekt: Sorry für die Wortwahl aber was anderes fällt mir gerade nicht ein :thumbsup:
Mfg Christian
PS: muss das jetzt nochmal in ruhe durchlesen :ok:
Der Nachbar hört AC/DC ob er will oder nicht :cracy:

57

Dienstag, 3. April 2018, 13:50

Der neue Galionskamm. An der farblichen Angleichung der Teile darf noch gearbeitet werden, sagt der Makro.



Ich darf bei der Gelegenheit darauf aufmerksam machen, dass ich die obere Reling gemäß Vorbild Landström frei geschnitten habe.

Schmidt
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58

Dienstag, 3. April 2018, 13:55

Super gemacht, wirklich... :ok:
der Franz :abhau:


im Bau: Nao Victoria 1:50





59

Dienstag, 3. April 2018, 14:36

Der Galionskamm ist Dir gelungen :ok:, dagegen sieht der berittene Vogel richtig rundgelutscht aus :thumbsup: .
Schönen Gruß, Steffen

Im Bau: Le Glorieux 1:150 von Heller
Fertig: HMS Beagle 1:96, Gorch Fock 1:253, HMS Victory 1:225, Cutty Sark 1:350
Nach dem Modell ist vor dem Modell: USS Constitution 1:96 von Revell, in Warteposition.


60

Dienstag, 3. April 2018, 15:10

Stimmt. Schokohase statt Adler. Ich erwäge noch eine Kopftransplantation.

Schmidt
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