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Montag, 18. September 2017, 10:03

Schwerin am Mittelmeer?

Wer kann widerstehen, wenn er in einem Antiquitätengeschäft in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) ein Schiffsmodell mit ausgesprochen mediterraner Ausstrahlung findet?
Ich nicht.









Als Größenvergleich dient hier ausnahmsweise einmal nicht unser Cent, sondern eine handelsübliche Zahnpastatube. Das Modell ist ca. 1,20 m lang und ca. 80 cm hoch. Die Fotos oben zeigen den Zustand, in dem ich es gekauft habe. Später mehr zum Innenleben und den Details. Zunächst aber einmal meine (ersten) Fragen: Was für ein Schiffstyp ist das? Ich habe eine Vermutung, bin mir aber alles andere als sicher. Und: Kann jemand mit dem Namen etwas anfangen? Oder mit dem roten Flaggenlogo im Kreis?
Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

2

Dienstag, 19. September 2017, 01:03

Diesem Prachtstück zu widerstehen fiel bestimmt nicht leicht ... und wenn der Preis stimmte ...

Hmmmm .... lecker ... mal wieder ein Rätsel !
Ist es okay wenn ich zum Mittelmeer noch ein paar tausend Kilometer nach Süden in die Waagschale werfe ?
Dazu die Stichworte Kenia ... Dhow ...

Subira ... weiblicher Vorname aus dem afrikanischen Raum ...

Mal wieder zur Nacht ein wenig quer gedacht ... LOL
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus



"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

3

Dienstag, 19. September 2017, 15:47

Respekt!
Ich denke, du hast es getroffen. Referenzbilder habe ich ausgerechnet auf der Website unseres Forenkollegen wefalck gefunden.

http://www.maritima-et-mechanika.org/mar…a/tanzania.html

Es handelt sich also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine Handels-Dau (Trading Dhou) des Lamu Types von der ostafrikanischen Küste. Die Fotos auf der angegebenen Seite zeigen, dass das Schiff tatsächlich weitestgehend offen war, also ohne Decksplanken, um so Platz für die Ladung zu schaffen. Das von wefalck offenbar vor Ort fotografierte Schiff zeigt auch noch weitere Ähnlichkeiten mit meinem Modell, so zum Beispiel die farbliche Gestaltung, die hintere Ablage für die Rute und die Reling aus Stoff oder Flechtmaterial zum Schutz der Ladung. Da habe ich jetzt offenbar ein gutes Vorbild für die Restaurierung bzw. den Weiterbau.
Nochmals: Respekt. Ich hätte wahrscheinlich nicht über das Mittelmeer hinaus gedacht.
Eine Frage bleibt allerdings – wahrscheinlich unbeantwortet: wie kommt ein Schweriner Modellbauer ausgerechnet auf dieses Vorbild?

Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

4

Dienstag, 19. September 2017, 15:54

Hallo Schmidt,

wirst Du das Korbgeflecht so belassen oder neu machen?

Mir erscheint es am Modell fast etwas zu grobmaschig. Aber vielleicht macht gerade das das Flair des Bootes aus.
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

5

Dienstag, 19. September 2017, 16:12

Ich würde es gerne so erhalten, auch aus Respekt vor dem Modellbauer. Der war, wie ich eben festgestellt habe, offenbar so gut über das Vorbild informiert, dass er sogar die dort wohl üblichen runden "Abzeichen" am Bug nachgebaut hat. Außerdem ist ja schwer zu entscheiden, in welchem Maßstab das Boot eigentlich gebaut ist. Denn offenbar gibt es diesen Bootstyp (wie andere auch) in den verschiedensten Größen

Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

6

Dienstag, 19. September 2017, 17:23

Yipiiiiiiiie ! Zugegebenermaßen hatte ich zunächst keine Ahnung ... habe mich über den Namen sowie eine Idee Richtung Nordafrika bzw Naher Osten weiter vorangetastet.

Mal unterstellt, daß es sich um ein Originalmodell handelt würde ich es höchstens restaurieren und reparieren ... wie Du schon schriebst aus Respekt

Ich kann mich jetzt natürlich fürchterlich irren und lehne mich damit schon ein Stück aus dem Fenster ...
denn ich halte es nicht für das Modell eines Schweriner Modellbauers sondern für ein Originalmodell aus Kenia ...
und wie man an der sorgfältigen Verarbeitung und den Details sieht keinesfalls Touristen-Massenware .
So ein Modell war (vermutlich) nach lokalen Maßstäben niemals wirklich billig ... gehobene Preiskategorie ... das hat nicht einer in ein paar Stunden zusammengezimmert .... und bestimmt nicht aus China nach Kenia importiert.

Natürlich schon mit großer Wahrscheinlichkeit zum Verkauf gedacht und hergestellt ... aber bei den Abmessungen ist es nicht gerade etwas was der Normalurlauber mal schnell in einen normalen Koffer packen kann.
Das ist für jemanden, der ein Modell dieser Kategorie wert schätzt, genug Platz und angemessene Transportmöglichkeiten hat.
Wobei ich unterstelle, daß der nur von der Takelage gehaltene Mast für den Transport nicht eingesteckt sondern eingelegt war und so für einen praktischeren Transport sorgte ...
hierzulande war dann wieder einstecken und festzurren erforderlich ... auch dafür brauchte es entweder Grundkenntnisse oder eine vernünftige Anleitung.

Könnte alternativ auch ein repräsentatives, originalimportiertes Dekomodell für ein Reisebüro gewesen sein als Kenia und dortige Safaris groß in Mode kamen ....
ging das nicht in den 1980er und 90ern los ? Als Geheimtipp vielleicht auch schon früher ... Daktari und so ...
Auch hier meine vermutete Herstellung und Transport wie schon zuvor.

Ob Lamu weiß ich nicht ... aber alleine die Googelsuche nach Kenia und Dhow führt zu klaren Ergebnissen gerade aus Kenia ...
mit dem geraden Bug, dem kreisrunden Symbol (historisch eventuell mal ein Auge ?) , Bugschmuck mit nachfolgendem Namen in lateinischen Buchstaben ... und diversen Arten der Aufbauten.

https://www.picclickimg.com/00/s/MTA2M1g…T-MODEL-_57.jpg
http://l7.alamy.com/zooms/e4caad79e81540…rica-d1na12.jpg
und viele mehr.

Auch Modelle finden sich ... hier nur eine Auswahl:
https://picclick.co.uk/AFRICAN-DHOW-HAND…2141824717.html
https://i.pinimg.com/736x/5a/21/ab/5a21a…ps-the-east.jpg

Ichglaube auch auf einem der anderen kenianischen Originalmodelle das Fahnensymbol im Kreis erkannt zu haben ... eventuell gleicher Handwerker ?

Und hier behauptet der Verkäufer selbst in Ostafrika Safaris geleitet zu haben .. lebte dort und kaufte es dort ... leider die Rute gebrochen
https://picclick.co.uk/VINTAGE-AUTHENTIC…1498271010.html
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus



"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

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Dienstag, 19. September 2017, 20:55

Ich glaube, Marcus liegt da völlig richtig!!!
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

8

Mittwoch, 20. September 2017, 08:02

Das ist es, ohne Zweifel.
Markus, ich ernenne dich hiermit zu meinem Chef-Rechercheur. Herzlichen Dank für die Mühe.
Ich hatte erst heute Morgen Zeit, mir die Details des Modells aus dem letzten Link anzusehen. Gut möglich, dass mein Modell aus der gleichen Werkstatt oder dem gleichen Ort stammt. Die "Augen-Zeichen" stimmen überein. Allerdings ist das dort gezeigte Modell nicht Planke auf Spant gebaut, sondern aus dem Vollen geschnitzt. Etliche Details aber stimmen überein und dürften ein guter Anhaltspunkt für eine Überarbeitung insbesondere der Takelage sein.
Ich teile auch die Ansicht, dass die Modelle für den Transport zerlegt und wahrscheinlich später oftmals schlampig und aus Unkenntnis falsch wiederaufgebaut wurden. Hier muss ich überlegen, ob ich nicht alle Strippen neu machen sollte, natürlich mit einem passenden Material.
Ich werde darüber berichten.
Schmidt
PS: Markus, ich selbst habe weitere Fotos von Modellen nicht gefunden und bin für jeden weiteren Link dankbar.
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

9

Mittwoch, 20. September 2017, 17:18

Moin ...
daß Du zuerst nach historischen Vorbildern aus dem Mittelmeerraum gesucht hast wundert mich nicht denn sie waren wohl tatsächlich vor langer Zeit die Vorbilder dieser Schiffe.
Nur mit dem Unterschied, daß das was bei uns schon lange im Museum ist dort noch immer bis heute gebaut wird ... die Bilder der aktuellen Neubauten dürften doch Eingangs des 21.Jahrhunderts liegen ...
Ist ein wenig so wie wir uns hier um die Bandbreiten unseres DSL-Anschlusses Sorgen machen und gleichzeitig der halbe Restplanet schon froh ist überhaupt ein Telefon zu haben.

( Weiter oben Richtung der ebenfalls bis heute gebauten arabischen Luxus-Daus könnte ich mir sowas sogar als Werftmodell vorstellen ... gibt irgendwo ein Bild wo ein paar Araber um so ein großes Modell drumrum sitzen )

Hier noch ein paar Links:
Generell hilft schon die Suche nach "Kenya dhow model ship"
http://www.gettyimages.de/detail/nachric…ture-id90745957
http://l7.alamy.com/zooms/9e7e0ebda5fa41…each-cb97yf.jpg
http://l450s.alamy.com/450s/b8x6mn/stone…rica-b8x6mn.jpg

Die Suche nach mehr Modellphotos wird sich zusehend schwierig gestalten ... aus folgenden Überlegungen:
Auch hierzulande ist die Anzahl derer die sich, als Schiffsliebhaber oder auch als Modellbauer, Modelle dieser Größenordnung hinstellen (können) so ziemlich überschaubar
Großmodelle findet man auch hier nicht im Antiquariat oder Fachgeschäft an jeder Ecke.
Dein Fund war ja auch für Dich ohne jeden Zweifel einzigartig ... würde mich nicht wundern wenn Dein Modell tatsächlich ein Einzelstück wäre.

Deine Überlegung mit der Manufaktur oder gar eines Ortes wo solche Großmodelle hergestellt werden halte ich für sehr wahrscheinlich.
Der Käufermarkt für so große Modelle ist sehr klein, das verkauft man nicht jeden Tag und der Handwerker muß davon leben können und obendrein sein Handwerk beherrschen. Das heißt für mich, daß die Anzahl der Handwerker die solche Großmodelle bauen sehr klein sein muß.

- längst nicht jeder Keniaurlauber ist/war aber auch zugleich ein Liebhaber von großen Schiffsmodellen ...

- vermutlich gibt es weltweit über die letzten Jahrzehnte schon einige hundert dieser Großmodelle ... aber die wurden nicht übers Internet verkauft sondern direkt vor Ort ... also auch keine Verkaufs-Photos ...
- ich kenne keine Geschäfte oder Internetanbieter die sich auf einen Markt mit ostafrikanischen Dhow-Modellen spezialisiert hätten ( was nicht heißt, daß es die nicht doch geben könnte )
- wenn es denn je einen Markt dafür gab so ist er durch die Unruhen in Ostafrika bestimmt nicht gefördert worden
- im vergangenen Jahrzehnt, als das Internet groß wurde, wurden vermutlich aufgrund der dortigen Unruhen kaum noch solche Modelle gebaut weil der Absatzmarkt weitgehend eingebrochen ist

- so wie auch die Originalschiffe in Größe und Ausstattung sehr individuell sind halte ich auch die Modelle immer für Einzelstücke ... bisher waren alle Photos unterschiedlich
- diese wenigen Großmodelle stehen in Privathaushalten ... wurden deshalb sehr selten oder nie mit Photos dokumentiert und obendrein ins Internet gestellt

- die wenigen jetzt angebotenen Modelle kommen offensichtlich aus oben angenommenen Privathaushalten ... sind oft schon Jahrzehnte alt ... aus Altersgründen und/oder Hinterlassenschaften
- Die angenommenen Altersgründe gemischt mit der Seltenheit und der Annahme, daß nur ein Teil dieser Modelle je im Internet angeboten wird, führen mich zu der Vermutung, daß in den kommenden Jahren vielleicht ein oder zwei dieser Modelle pro Jahr "neu" Online erscheinen werden ... der Rest naja ... in einer Vitrine oder auf dem Dachboden und wird mit Glück in 500 Jahren wie das Mataromodell gefunden ( ich glaub das war jetzt ein Schuß zuviel Ironie)

Achso ... die Photos aus den angegebenen Links würde ich sofort zur Sicherung auf die Festplatte runterladen ... die Links die über Ebay führen funktionieren immer nur ein paar Wochen lang ... dann ist die Info bzw die Photos futsch.
Und seit der Photobucketgeschichte weiß man ja auch nicht wann sich das nächste Drama aus den normalen Links anbahnt.
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus



"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

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