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Maßstab 1:72 Berijew/Bartini WWA-14

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Mittwoch, 4. Januar 2017, 13:43

Berijew/Bartini WWA-14



Hallo liebe Mitbastler,

zunächst einmal auch von mir alles Gute für Euch zum neuen Jahr und immer eine Handbreit Modellbausätze im Regal!

Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich mal wieder ein neues Modell fertiggestellt. Irgendwie ein komischer Vogel, das muss ich zugeben, aber gerade das fand ich reizvoll. Es handelt sich hierbei um die Berijew/Bartini WWA-14. Vielleicht an dieser Stelle noch in aller Kürze ein paar Hintergrundinformationen:

Roberto Oros di Bartini (1897-1974) war ein Flugzeugkonstrukteur, der als gebürtiger Italiener und Mitglied der dortigen kommunistischen Partei vor dem Mussolini-Regime in die Sowjetunion floh und sich dem Flugzeugbau verschrieb. Unter seiner Leitung entstanden u.a. die STAL-6, ein einmotoriges Experimentalflugzeug, und die STAL-7, ein zweimotoriges Passagierflugzeug, das von Jermolajew zu einem Bomber, der Jer-2, weiterentwickelt und in fast 450 Exemplaren gebaut wurde. 1938 wurde Bartini, wie so viele, inhaftiert und kam erst 1946 wieder frei. Danach ging er zum Konstruktionsbüro von Berijew und entwickelte die „Theorie des interkontinentalen Transports auf der Erde“. Eine erste resultierende Konstruktion war die MVA-62.

Georgi Michailowitsch Berijew (1903-1979) war und ist ein namhafter sowjetischer Konstrukteur, der sich mit seinem 1939 gegründeten Experimental-Konstruktionsbüro auf die Entwicklung von Wasser- und Amphibienflugzeuge spezialisiert hat (MBR-2, Be-6, Be-12 usw.).

Bartini konstruierte nun mit der WWA-14 ein wahrlich ungewöhnliches Gefährt. Die Typbezeichung lässt schon auf einiges schließen - WWA: Вертикально-Взлётная Амфибия (kyrillisch also ВВА), d.h. vertikal startendes Amphibium. Und die 14 stand nicht für den vierzehnten Entwurf einer Typenreihe, sondern für die Anzahl der Triebwerke. 2 davon sind leicht zu erkennen, 12 weitere sollten im Rumpf in Schwerpunktnähe eingebaut werden. Bemerkenswert ist, dass der Flieger mit 52t maximaler Startmasse mehr als doppelt so schwer wie die Dornier Do 31 war! Durch die besondere Form des Fahrzeugs sollte auch der Bodeneffekt genutzt werden können, aber insgesamt war es immer noch ein Flugzeug, kein klassischer Ekranoplan. Der erste Prototyp mit Pilot J. M. Kuprijanow und Navigator L. F. Kusnetzow hatte seinen Erstflug am 04.09.1972, der zweite wurde bei einem Brand zerstört und der dritte nicht fertiggestellt. Die 12 Hubtriebwerke wurden nie eingebaut, dafür aber der Rumpf hinter dem Cockpit verlängert, um 2 zusätzliche Triebwerke installieren zu können, die beim Wasserstart "Luft unter die Flügel blasen" konnten (vgl. 14M1P). Die Anschlüsse dieser Turbinen sind auch heute noch an den traurigen Resten des ersten Prototyps in Monino zu sehen: klick hier und klick hier. Die Entwicklung wurde noch in den 70er Jahren eingestellt, das eigentliche Ziel, ein senkrecht startendes Anti-U-Boot-Flugzeug, das auch zur Seenotrettung dienen konnte, wurde nicht weiter verfolgt.

Aber genug davon, nun zum Bausatz. Er stammt von Modelsvit und wurde hier bereits vorgestellt. Es handelt sich um einen typischen, wenn auch recht großen, Short-Run-Kit. Der Hersteller hat offensichtlich Probleme mit dickeren Gussteilen, hier gibt es viele und sehr starke Sinkstellen,



und zwar nicht nur an den Angüssen, sondern bspw. auch am Fahrwerk (habe ich aber keine Bilder), größere Teile müssen unnötigerweise erst aus kleineren zusammengebaut werden (22 graue plus ein durchsichtiger Gussast wollen gefüllt werden), die Gravuren könnten etwas stärker sein, die Passgenauigkeit ist allenfalls mittelmäßig und erfordert sehr viel Spachtel- und Schleifarbeit,







die beigelegten gut gemeinten Fenster-Maskiermasken passen nicht richtig und die Decals sind ein wahrer Alptraum - zwar dünn, aber extrem brüchig, steif und störrisch, so dass sie sich nur sehr schwer anbringen und -legen lassen. All das führte dazu, dass aus dem ursprünglich geplanten schnellen Zwischendurchprojekt doch wieder ein Vierteljahresvorhaben wurde. Naja, und ich konnte es wieder nicht lassen und habe bewegliche Klappen und Steckfahrwerke eingebaut













Fahrwerk dran



und ab





sowie Piloten spendiert. Kann halt auch nicht aus meiner Haut...





Der Navigator zeigt übrigens nicht den Stinkefinger, sondern weist mit dem Zeigefinger auf seinen schönen neuen Navigationstisch. ;)

Niedlich fand ich auch das Bild mit dem "rosa Tutu", bereit zum zweiten Lackiergang



So, und jetzt habe ich noch ein paar Fotos vom fertigen Modell. Hoffe, es gefällt Euch.







P.s.: Mal sehen, im Frühjahr, wenn's draußen schöner ist, reiche ich vielleicht noch Bilder nach...
Liebe Grüße von nochsonBastler.

"Das erinnert mich an den Mann, der sich splitternackt auszog und in einen Kaktus sprang."
"Warum hat er das getan?"
"Er hielt das damals für eine blendende Idee!"

("Die glorreichen Sieben", Mirisch/Alpha, 1960)

Beiträge: 1 562

Realname: Jochen Große-Katthöfer

Wohnort: Gladbeck

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2

Mittwoch, 4. Januar 2017, 15:24

Mahlzeit!

Dir graut ja vor nix!
Aber ist wirklich ein schönes Modell eines interessanten Vorbildes.
Ein guter Rat des Vaters an den Sohn:
Halte stets mit allem Maß-mit dem Essen,dem Trinken und dem Arbeiten.Vor allem mit dem Arbeiten.
-Otto von Bismarck

Beiträge: 1 553

Realname: Mike

Wohnort: Zwischen WÜ und TBB

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3

Donnerstag, 5. Januar 2017, 00:44

Hi Dirk!

Wieder so ein Hammer RollOut mit tollen Hintergrundinformationen. :ok:
Die Bartini trifft zwar nicht mein Geschmack, aber schon weil man das als Modell selten sieht ist es bemerkenswert genug.
Ich denke aus dem Bausatz hast du wiedermal alles rausgeholt was geht. Echt top!

Gruß Mike

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Montag, 27. März 2017, 19:09

Hallo Jochen und Mike,

dankeschön!

Ich hatte ja noch versprochen, ein paar Außenaufnahmen nachzureichen. Wetter war am Wochenende schön, daher hier noch ein paar Schnappschüsse ohne weitere Kommentare:











Liebe Grüße von nochsonBastler.

"Das erinnert mich an den Mann, der sich splitternackt auszog und in einen Kaktus sprang."
"Warum hat er das getan?"
"Er hielt das damals für eine blendende Idee!"

("Die glorreichen Sieben", Mirisch/Alpha, 1960)

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Samstag, 1. April 2017, 19:04

Nachtrag

Gerade entdeckt: in der aktuellen Flieger Revue X64 ist u.a. Bartini mit der WWA-14 ("Das ungewöhnlichste Flugzeug der Welt") Titelthema:

Liebe Grüße von nochsonBastler.

"Das erinnert mich an den Mann, der sich splitternackt auszog und in einen Kaktus sprang."
"Warum hat er das getan?"
"Er hielt das damals für eine blendende Idee!"

("Die glorreichen Sieben", Mirisch/Alpha, 1960)

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