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  • »Albrecht« ist der Autor dieses Themas

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Realname: Albrecht Baier

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Mittwoch, 26. Oktober 2016, 12:48

Amerikanisches Schlachtschiff BB-63 USS MISSOURI im Maßstab 1:96

Hallo zusammen, ich möchte euch heute mal meine Missouri in 1/96 vorstellen. Hier der erste von 3 Teilen mit Bildern von der Bauphase und der Fertigstellung.

Angefangen hat alles im Sommer 1984.
Nach einigen gebauten RC Modellen wollten wir uns an einem Großmodell von über 2,50 Meter Länge versuchen. In einer Zeit, wo es weder Internet noch Smartphones gab,
wo Modellbau noch ohne großen Maschinenpark ablief, war es schon eine Herausforderung.
Da wir nicht wussten ob wir den Anforderungen gewachsen waren, bauten wir zur Probe erst mal zwei kleine Modelle aus Glasfaser, Messing, Alu etc. um Erfahrungen mit den Materialien zu sammeln.
Es entstanden so 2 Flugzeugträger der Midwayklasse in 1/200. Innerhalb von 12 Monaten, bei täglichem arbeiten, waren die Modelle fertig. Dem Bau der beiden großen Missouris stand nun nichts mehr im Weg.

Durch gute Kontakte zur US-Army, konnten wir Pläne, Blaupausen, Detailzeichnungen und Spantenrisse der BB-63 Missouri aus der Marinewerft in San Diego/Kalifornien bekommen. Im Juni 1985 fiel der Startschuss.

Hier mal ein paar Worte zu der langen Bauzeit:
Älter geworden und nun mit Familie, entsprechenden Pflichten und Verantwortung trafen wir uns zum Bau der Missouris nur 1x pro Woche. Im Schnitt arbeiteten wir dann pro Person 3 Stunden an diesem Abend am Modell.
Wenn man Feiertage, Urlaub etc. abzieht bleiben etwa 40 Wochen im Jahr an denen wir uns trafen.
3 Std. x 40 ergibt 120 Stunden pro Jahr und Person. Diese 120 Stunden mal 24 Jahre sind 2880 Std. pro Person. Wenn ich diese Zeit auf normale Arbeitstage mit 8 Stunden umlege sind das noch nicht einmal 1 ½ Jahre
pro Person zum bau eines Modells. Wirklich nicht viel Zeit für den Eigenbau in dieser Größenordnung. Das unsere Originalbauzeit 24 Jahre betrug, lässt sich auch damit erklären das der Weg für uns das Ziel war.
Zusammen die Probleme am Modell zu lösen, mal ein Bier dabei zutrinken und zu fachsimpeln war für uns immer wichtiger als irgendwelche Rekorde zu brechen. Allerdings hatte keiner mit 24 Jahren gerechnet.
Anfangs waren 3-5 Jahre ein grober Richtwert.

Anhand der Pläne waren die Rümpfe ohne Probleme zu bauen. Schlimm war das schleifen der Glasfaseroberfläche. Viel Feinstaub und ohne Atemschutz nicht zu machen. Es folgte der Innenausbau mit Aluminiumplatten,
einem doppelten Boden zum verschrauben alle eingebauten Teile.
Der Rumpf wurde innen gespachtelt und lackiert um das ganze qualitativ besser aussehen zu lassen. Fahrversuche mit 4 Wellen und entsprechenden Motoren brachten kein besseres Fahrergebnis als nur wenn nur die beiden
äußeren Wellen angetrieben wurden. Somit wurden die beiden innen liegenden Wellen nur blind eingebaut und nicht angetrieben. Die beiden äußeren laufen jede über einen wassergekühlten Motor mit 12 Volt.
Als Energiequelle für alle Funktionen sollten ursprünglich 2 Auto Batterien dienen, die aber durch 2 E-Akkus ersetzt wurden. Das Hauptdeck aus Aluminium wurde mit ca. 3mm breiten und ca. 10cm langen Balsahölzchen beplankt.
Heute würden wir diesen Arbeitsschritt wesentlich genauer ausführen und auch einen Klarlack nehmen der im lauf der Jahrzehnte nicht so stark gilbt. Aber wer wusste das damals schon?
Die Barbetten der drei großen Geschütztürme, wurden als einziges außer Haus, von einer Maschinenfabrik aus Stahl gedreht. Hier musste sehr genau gearbeitet werden, damit sich die Türme später gut drehen lassen.
Die je neun 40,6cm Geschützrohre, sind aus Aluminium.
Die Türme sind nun alle drehbar und laufen auf Kugellagern in den Barbetten, verfügen in der Drehbewegung über Endschalter und die Rohre sind auch stufenlos anzuheben.
Die Turmgehäuse aus Messing sind von uns hergestellt und wie auf den Bildern zusehen, abnehmbar um eventuelle Wartungsarbeiten ausführen zu können. Die Aufbauten bestehen größtenteils aus Glasfaser, Messing, Aluminium und Kupferblech.
Im inneren sind pro Modell etwa 300 Meter Kabel verlegt.
Sehr viele Kleinteile sind aus Messing gebaut worden. Andere wiederum mit einem einzelnen gebauten Werkstück in Kautschuk/Silikonformen zigfach gegossen, was den Zeitaufwand unheimlich verringerte.
Der Kran am Heck des Schiffs besteht aus gerecktem Kupferdraht. Eine Wahnsinnsarbeit bis alles verlötet war. Lackiert sieht er einfach klasse aus. Er ist über Motoren drehbar und kann Lasten ablassen und wieder aufnehmen.
Die beiden Curtiss Seahawk Bordflugzeuge wurden mit Motoren bestückt um die Propeller drehbar darzustellen. Wechselblinker am Rumpf und über einen Lautsprecher ein entsprechendes Flugzeugmotorengeräusch vervollständigen das ganze.
Damit der Start auch optisch passt, ist der Katapult über Motoren ausschwenkbar gebaut.
Zwischen dem hinterem Geschützturm und dem Kran ist ein großes Stück Deck abnehmbar um an Motoren, Wellen und Ruder Wartungsarbeiten vornehmen zu können.
Die vielen Kleinteile mit denen das Schiff bestückt ist, erforderten sehr viel Zeit in der Herstellung. Um das ganze nicht ausufern zu lassen, sind auch Fertigteile mit verbaut. Poller, diverse Luken, Türen usw.
Über selbstgebaute Geräuschplatinen für Kriegschiffalarm, Nebelhorn, startendes Flugzeug etc. verfügen die Modelle noch über eine komplette Beleuchtung für Nachtfahrten, schwenkbarer und funktionsfähiger Kran / Katapult.
Drehbare Türme der Hauptartillerie, höhenverstellbare Rohre.
Die Technik im inneren umfasst stufenlosen Fahrtregler (Eigenbau) für Vorwärts und Rückwärtsfahrt. Über eine Pumpe und Temperaturwächter wassergekühlte Motoren,
elektronischer Wassermelder, der rechtzeitig Wassereinbrüche anzeigt sowie der ein oder andere Gimmick zusätzlich.
Abschließend nach 24 Jahren Bauzeit müssen wir sagen, dass vieles was wir in den 80er und 90er Jahren am Modell gebaut haben, heute von uns mit einer besseren Qualität erstellt werden könnte.
Unsere Fähigkeiten sind an diesem Großprojekt in all den Jahren gewachsen.
Die beiden Missouris wurden als Fahrmodelle und nicht als Vitrinenmodelle geplant. Bei Fahrmodellen ist nicht ganz soviel Detailverliebtheit wie bei einem Vitrinenmodell.
Es entstehen im lauf der Zeit Schäden durch Fahrbetrieb, Transport und Umwelteinflüsse. Auch hatten wir nicht das Werkzeuglager wie vielleicht ein Museum.
Unser Feilensatz ist auch nicht größer als bei den meisten Heimwerkern. Auch hatten wir keine HiTech Werkstatt mit den neuesten elektrischen Spielereien.
Aber wir hatten den Willen diese Modelle zu bauen. Wir haben das mit unseren Händen geschafft was auf den Fotos zu sehen ist.
Und wenn nicht alles zu der 100 % Zufriedenheit gebaut wurde, ist es trotzdem ein schönes Gefühl so ein Modell aus einem Plan entstehen zu lassen.
Gruß Albrecht

Hier ein paar Bilder von Bauphasen:

Platinen und Fahrtregler



Motoren mit Wasserkühlung



Antrieb für Ruder, Kran, Katapult



Die Back



Innenleben der Türme






Aufbauten etc.










Kran aus Kupferdraht



40mm Wannen aus Messing



Brückenrohbau aus Messing



und bereits weiter verbaut

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