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Samstag, 27. Februar 2016, 22:19

3D-Druck im Schiffsmodellbau - sinnvolle Ergänzung oder untolerierbarer Stil- und Traditionsbruch?

Liebe Freunde des historischen Schiffsmodellbaus,

Wie steht ihr zum Phänomen 3D-Druck?
Habt ihr schon Erfahrung mit der Technik gemacht oder wollt ihr es mal ausprobieren?
Oder könnt ihr schon Anschauungsmaterial als Foto posten, um den Neuligen (wie mir) einen Eindruck der Qualität zu bieten?
Oder verweigert ihr euch strikt dem Gedanken, Bauteile am Computer zu entwefern und drucken zu lassen, statt diese selbst aus dem Rohmaterial zu schnitzen/fertigen?

Ich als Vertrer der 1/144 bzw. 1/150er Fraktion stoße gerade technisch an die Grenzen des Machbaren. Die Materialstrukturen und Dimensionen in Kombination mit meinen haptischen Fertigkeiten begrenzen die Anzahl der Details, die ich an meinem Modell zeigen möchte. Da ich jedoch ein wenig Erfahrung in 3D-Konstruktion am PC besitze, möchte ich die Technik des 3D-Drucks ausprobieren.

Konkret handelt es sich um folgende Bauteile:
Der österreichische 30Pfünder auf Walzenrappert wurde von mir zunächst selbst gedrechselt und abgegossen...


Leider ist es kaum möglich, das Rohr exakt rund zu gießen, da schon leichte Drücken um das überschüssige aus der Form zu pressen, scheinbar zu einer leicht ovalen Rohrform führt.
Auch wenn man dies vermutlich kaum sehen wird - schon gar nicht nach erfolgter Lackierung und Positionierung an Deck - so ist der Gedanke präsent, dass das doch besser gehen muss... mit noch mehr Details, exakter...

Also fluggs an den PC gesetzt und folgendes entworfen:




Hier noch als Close Ups:




Und als Draufgabe noch das achteckige Oberlicht...


Wie steht ihr zu 3D-Druck und seinen Möglichkeiten für den (historischen) Modellbau bzw habt ihr schon Erfharungen mit diese Technik gemacht und wenn ja: welche?

Auf zahlreiche Beiträge freut sich
Mathias

2

Samstag, 27. Februar 2016, 23:56

immer her damit !!

ja, ich finde, das 3d-druck eine erhebliche erleichterung für modellbauer ist.
wie letztens der faz zu entnehmen war, konnten mit 3d-druck sogar strukturen geschaffen werden, die man erst unter einem rasterelektronenmikroskop erkennen kann.
diese sind so fein, das bewegt sich da schon im nanobereich.

es wird vor allem dann zu einer erleichterung, wenn man mittels pc, cad und dem entspechenden drucker sich teile anfertigt oder anfertigen kann, für die man selber nicht die entsprechenden maschinen hat.
sei dies nun eine "mini"-drehbank, cnc gestütze fräsen, drehbänke, vorrichtungen um selber ätzteile zu fertigen usw.
die digitalisierung wird oder hat schon im modellbau einzug gehalten, und wird auch noch weitergehen. das lässt sich einfach nicht aufhalten, denn gegen cnc und cad kommt der mensch nicht an.
da sind die heutigen maschienen einfach nicht zu schlagen. die präzision können wir nicht erreichen.
und das wird auch im 3d-druck so werden.
noch sind diese drucker neu und zu teil noch nicht voll ausgereift, das sich da jeder einen zu hause hinstellen kann oder könnte. aber gebt der technik noch 2-3 jahre, dann wird sie es sein, und wir werden dann diese diskusion nicht führen. eben weil diese technik so ungeahnte möglichkeiten bietet.
siehe dein beispiel mit der karonade.
in einem jahr kannst du dir die im dutzend in einer solchen detailfülle drucken lassen, das man sogar das wappen auf der karonade abbilden kann.
und du selber wirst dann deine fragestellung für obsolet halten, eben weil dir die technik die möglichkeiten bietet.

ich denke, wir modellbauer leben davon, das sich die technik immer weiter entwickelt, und wir stellen ja selber die ansprüche an die hersteller immer besser,detailierter, und noch präzieser zu werden.
wir sind mit ein teil dieser art von fortschritt, auch wenn die nostalgiker das vielleicht nicht gerne lesen, aber den zug können wir nicht aufhalten. und im grunde wollen wir es ja auch nicht, eben weil uns unsere betailverliebtheit, oder besser noch versessenheit dazu bringt, immer noch mehr noch feiner, noch filigraner zu werden.
und selbst wenn wir noch die kleinste pore in einer 1/1250 kleinen figur sehen könnten, würden wir noch meckern, wenn eine nicht genau dem orginal enspricht.

wo das mal aufhört ?
ich vermute niemals

gruß
hauke
Meister sei wer etwas kann. Schüler bleibt doch jedermann.

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Sonntag, 28. Februar 2016, 00:33

Zu jeder Zeit hat wohl (fast) jeder Modellbauer alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Materialien genutzt.
Ist doch nur eine weitere Variante von Multimedia die schon seit vielen Jahren in vielen Bereichen des Modellbaus dazu gehört.

Wir werfen ja auch nicht alle modernen Feinstbohrer, Sägen, Klebstoffe, Photoätz , Kompressoren, Farben usw aus dem Fenster blos weils das früher mal nicht gab.
Der Schiffsbau hat auch nicht beim Einbaum Halt gemacht.

Hier im Forum findest Du bereits Bauteile dieser Technik ... Bauteile zu Schaufelrädern hab ich schon gebaut und vorgestellt..
im großen Maßstab sieht es fürs Auge überzeugend aus.
Schaufelräder aus Metall extrem brüchig, wie ersetzen ?

Mein Eindruck ist Anfang 2016 noch immer , daß diese Technik gut für große Maßstäbe ist.
Das liegt an der noch immer nicht wirklich feinen Oberflächenstruktur durch die einzelnen Druckschichten
Großen Bauteilen kann man mit Schleifmitteln eine glatte Oberfläche verpassen ...
Bei sehr kleinen Bauteilen ist das ein verhältnismäßig hoher Aufwand

Schau Dir mal aus dieser aktuellen ebay-Auktion die Bilder auf der Fingerspitze an.
http://www.ebay.com/itm/NEW-1-700-Junker…wgAAOSwUuFWv0db
Das ist eine vergleichbare Größenordnung zu dem was Du vor hast ... vielleicht sind Deine Kanonen sogar noch kleiner.
Siehst Du die leicht wellige Oberflächenstruktur ?
Im Gegensatz dazu haben die Bauteile aus frühen 1950er Plastikkits eine saubere Oberfläche.

Hier sehe ich derzeit noch immer die normalen Plastikteile oder Metallteile im Vorteil weil sie glatte Oberflächen haben können.
Die einzelnen Schichten des Drucks kommen noch nicht an Guß aus polierten Formen ran.

Im großen Maßstab bleibt die Druckstruktur im Rahmen einer Mikrotextur.
Im kleinen Maßstab hat die gleiche Struktur aber schon die Größenordnung eines Details und wirkt damit störend.

Die von Dir gegossene Kanone wirkt mit hoher Wahrscheinlichkeit feiner als ein Druckmodell.
In 1/24 oder 1/30 wäre sie wahrscheinlich auch jetzt schon im Druck gut anzusehen.

Das kann sich aber mit der nächsten, schon oben angesprochenen, Generation 3D-Drucker (hoffentlich) ändern.
Die dürften aber bei den meisten Dienstleistern noch nicht zur Verfügung stehen und privat fast unbezahlbar sein.

Wenn Du aber mit der derzeitigen Mikrostruktur leben kannst dann steht Dir schon jetzt eine neue Welt offen in der Du Bauteile gestalten kannst die es sonst noch nirgendwo gibt ...
Probier das doch einfach aus ... Ich finde es ist den Versuch wert ...
die Datei kannst Du später mit moderneren Druckern weiter verwenden .
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

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( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

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4

Sonntag, 28. Februar 2016, 02:57

Ich glaube schon, dass für bestimmte Teile der 3D-Druck Vorteile bringt (z.B. weniger komplexe oder sichtbare Serienteile) und ich würde ihn wohl auch nutzen, wenn ich irgendwann einmal die Möglichkeit dazu hätte.

Auf der anderen Seite finde ich, ein Modell soll das handwerkliche Geschick und die Kunstfertigkeit des Erbauers wiederspiegeln und nicht seine Programmierfähigkeiten. Zumal auch nicht jeder grad mal schnell sowas am Computer entwerfen kann (ich kann es z.B. nicht). Deshalb meine Meinung: 3D-Druck bei Segelschiffmodellen sehr eingeschränkt. Zudem glaube ich nicht, dass man mit den heutigen Geräten schon schwierige Teile in kleinem Maßstab von 1:140 oder 1:150 (z.B. streichholzkopfgroße Gesichter) detailiert genug drucken könnte. Ich persönlich werde wohl größtenteils bei der gutem alten Handarbeit bleiben auch wenn meine Modelle 13 Jahre brauchen, bis sie fertig sind.
Einfach mal machen! Könnte ja gut werden.


Fertig:
H.M.S. Prince 1670 , Millenium Falcon von mpc

Im Bau:
Soleil Royal Holzmodell 1:140

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5

Sonntag, 28. Februar 2016, 09:47

Ja, irgendwie geht da was von der Jahrhunderten alten 'Zunft' verloren.
Was hat der arme Horatio verbrochen dass ihr ihn, diesen Hänfling zur See schicken wollt? Suckling 1771

6

Montag, 29. Februar 2016, 08:22

Auf der anderen Seite finde ich, ein Modell soll das handwerkliche Geschick und die Kunstfertigkeit des Erbauers wiederspiegeln und nicht seine Programmierfähigkeiten. Zumal auch nicht jeder grad mal schnell sowas am Computer entwerfen kann

Aber ist das nicht ein kleiner Widerspruch? Wenn man die Fähigkeit, ein 3D-Modell am Computer zu zeichnen als etwas begreift, was offensichtlich nicht jeder kann bzw. nicht jeder gleich gut, dann ist das doch ebenso eine besondere Fertigkeit, die in das Modell (durch 3D-Druck) einfließt.
Ich sehe den Konflikt eher bei der Verwendung traditioneller Materialien und Fertigungsmethoden. Hiernach dürfte ich aber auch keine Poly-Platten mehr verwenden und ebenso wenig meine kleine elektrische Drechselbank... keinen Dremel, Sekundenkleber etc. ist halt immer irgendwo die Frage, wo Tradition endet und Fortschritt beginnt.

Bin jedenfalls selbst gerade dabei, auszuloten, wo man das beste Ergebnis (bzw. das beste Preis/Leistungsverhältnis) erhält. Bei Shapeways hat mein 20er-Kanonenblock schon einmal grünes Licht bekommen. Jetzt warte ich noch auf Antwort eines Anbieters in Wien.
Hätte jemand Empfehlungen in Bezug auf zentraleuropäische/österreichsiche 3D-Druckshops für mich?

LG,
Mathias

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Montag, 29. Februar 2016, 08:43

Hallo zusammen, :wink:

Auch wenn ich jetzt nicht aus dem Bereich des Schiffsmodellbau komme, finde ich das der 3D Druck im Modellbaubereich durchaus Potenzial hat.
In den verschiedenen Bereichen wird ja schon der 3D Druck erfolgreich angewendet und deshalb hatte ich mich dazu auch entschieden mir einen 3D Drucker zu bauen.

Wer mag kann gerne ein wenig hier über meinen Drucker nachlesen.

@ Mathias,

ich könnte auch dein Teil gerne mal auf meinem Drucker drucken wenn du magst? Diese Woche würde es aber nichts mehr werden, da ich noch mein Wohnzimmer renoviere und mein Drucker noch einen kleinen Umbau bekommt.
Du kannst mir ja einfach mal eine Mail schreiben.

Oder du richtest deine Anfrage mal an Harztec-Modellbau bei ihm habe ich mir schon ein paar Teile Fräsen lassen. Er macht aber auch viel mit dem 3D Druck und hat noch andere verfahren die er da anwendet.

es grüßt Patrick :wink:
Aktuell im Bau: HLF 20/16 Beleuchtet u. Mercedes Benz
Auf der Warteliste: Simba 8x8, TLF 16/25

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