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Donnerstag, 5. März 2015, 23:07

Zeesboot im Maßstab 1:20 um 1920

Hallo zusammen,

seit dem 03.03.2015 bin ich Mitglied in diesem Forum.
Meine Modellbauleidenschaft gilt dem historischen Schiffsmodellbau und vorzugsweise eben der hölzernen Bauart.
Begonnen habe ich vor vielen Jahren mit der Galeone "San Francisco" von Artesania Latina in 1:90 – sozusagen als Einsteiger. Als dieses Schiff, welches natürlich einen Ehrenplatz bei mir hat, "fertig" war, fühlte ich mich bereit für eine Steigerung. Die HMS Victory wurde, auch aufgrund der verfügbaren Realaufnahmen, der Nachfolger. Warum es ausgerechnet so ein Dickschiff sein sollte kann ich heute nicht mehr sagen, es war halt so und ich fand das Schiff auch irgendwie beeindruckend. Also, Bausatz bestellt, erhalten, gefreut und los ging`s.

Nach einiger Zeit merkte ich schon, was ich mir da an Land gezogen hatte. Nachdem ich dann in einigen Foren gesehen habe, was eigentlich möglich ist und auch selbst erhebliche Verbesserungen realisiert habe, wurde die Vic ins Trockendock geschoben und ein kleineres Boot angefangen, welches ich Euch hier vorstellen möchte.

Bei diesem Projekt handelt es sich um ein „ Zeesboot“ im Maßstab 1:20 aus der Zeit um 1920. Ein relativ einfach gebautes Fischerboot aus der Boddenregion der Ostsee. Drauf gekommen bin ich eigentlich durch Zufall.Der Bau soll für mich rein der Übung verschiedener Techniken, dem Umgang mit diversen Materialien dienen. Nach einer kurzen geschichtlichen Beschreibung stelle ich hier in ein paar Etappen den Bauablauf inclusive aller bitteren Rückschläge bis zum aktuellen Stand ein.



Quelle: www.braune-segel.de

Zur Geschichte

Es ist verhältnismäßig wenig überliefert. Das liegt sicher auch daran, dass es ein recht einfaches Fischerboot bzw. Arbeitsboot ist. Was an verfügbarer Literatur derzeit für mich greifbar war habe ich gelesen. Seinen Ursprung hat das Zeesboot in der Haff- und Boddenfischerei der Slawen im 9. und 10. Jahrhundert. Durch technologischen Transfer der Zuwanderer im Gebiet der Ostsee im 13. Jh. entstand der ursprüngliche Zeeskahn, welcher um 15. Jh. erwähnt wird. Da der Fischereibetrieb vornehmlich durch das sogenannte Fischeramt reguliert wurde, gab es, politisch bedingt, regional auch einige Hoch- und Tiefphasen im technischen Schiff- und Bootsbau. Mit Einführung der Gewerbefreiheit um 1848 durch die preußische Herrschaft (1815 kam Stralsund und schwedisch Vorpommern zu Preußen) und dem Ende des Leibeigentum, erfuhr der Fischereibetrieb und der Bootsbau wohl einen Aufschwung. Um 1880 gab es wieder ca. 110 Zeesfahrzeuge unter Segeln.

Die ursprünglichen Zeeskähne waren 2mastig, mit Seitenschwert und Luggersegel getakelt und wurden mit 4 Mann gefahren. Zeesboote hingegen anfänglich 1mastig von 2 Mann gefahren. Die Zeese, eine besondere Fischereimethode der Slawen, ist ein Schleppnetz mit zwei Flügeln, welches über den Boden gezogen wird. Die Zeese ist am Lang- und Driftbaum des ZeesKahn/bootes befestigt



Das Zeesboot, welches beim Fischen vor dem Wind driftet, erlangte gegenüber den Zeeskähnen den Vorteil, dass es nicht auf einem Kiel sondern auf einer Bodenplanke aufgebaut ist und somit bessere Drifteigenschaften besitzt. Die notwendige Stabilität in der Fahreigenschaft wird durch ein absenkbares Mittelschwert (ab 1870) gewährleistet. Die Beplankung wurde geklinkert aber auch kraweel ausgeführt. Mit der Einführung des Schwertes wurde weniger geklinkert gebaut. Heute gibt es nur noch vereinzelt Zeesboote, welche für den gewerblichen Fischfang genutzt werden. Die meisten Boote sind Freizeitseegler, welche von ihren Eignern zum größten Teil sehr liebevoll erhalten werden. Den individuellen Bedürfnissen folgend wurden zahlreiche Umbauten vorgenommen, so dass es heute nur einzelne Boote gibt, die annähernd dem „Original“ entsprechen. Im Stralsunder Nautineum kann man u.a. eines bewundern. Neben dem gängigen spitzgatten gibt es auch den rundgatten Rumpf. Die ober- und Unterdecksbauten entstanden den gewünschten Eigenschaften entsprechend. Das älteste noch fahrtüchtige Schiff ist um 1870 gebaut. Heute gibt es noch ca. 80 Zeesboote unter Segeln, viele davon zwischenzeitlich motorunterstützt. Soweit verfügbar werde ich Einzelheiten in die jeweiligen Bauabschnitte einarbeiten.Gebaut wird also ein Zeesboot.

Gebaut wird also ein Zeesboot.

Vielen ist es vielleicht bekannt aber in Modellbaukreisen nicht sonderlich verbreitet. Auf der Seite www.GK-Modellbau.de wird ein Spantmodell angeboten, welches mir jedoch nicht gefallen hat. Ich verwende hier Pläne im Maßstab 1:20, welche ich von Herrn Werner Möller aus Hagenow bezogen habe. Ich möchte hier diesen Link www.modell.zeesenboot.com zu seiner Website empfehlen. Weitere zahlreiche Informationen zu diesem Boot und seiner Geschichte sind u.a. auf der Web-Site www.braune-segel.de liebevoll zusammengestellt.

Das hier entstehende Modell stellt ein 2mastiges Zeesboot mit Groß- und Besanmast (auch Bullmast) dar. Es hat einen spitzgatten Rumpf, welcher im Original folgende Hauptabmessungen hat: Länge über Steven: 11,50 m, Breite über alles: 3,65 m, Tiefgang (Heck) 1,0 m, Segelfläche 90 – 100 m², Masse: ca. 9-10 t. Da diese Boote grundsätzlich keinem „strengen“ Baumuster folgen und einiger Interpretationsspielraum vorhanden ist, kommt mir das sehr entgegen, so dass ich mich wenig auf historische Korrektheit sondern hauptsächlich auf die pure Bautechnik konzentrieren muss. Trotzdem werde ich versuchen am Original zu bleiben.

Der Rumpf

Die Beplankung des Rumpfes erfolgt in Klinkerbauweise. Diese Art Beplankung ist für mich Neuland und daher sehr spannend. Die originale Beplankung sowie das übrige Zimmerwerk wurde in Eichenholz ausgeführt . Ich werde jedoch Birnbaumholz verwenden, da das Eichenholz doch sehr speziell ist. Wie gesagt soll das ja ein Übungsstück werden und da ist Klinkern für mich schon ausreichend anspruchsvoll.

Um den geklinkerten Rumpf herzustellen nehme ich jeden 2. Spant als Bauspant. Diese Bauspanten (2,4,6,8,10, 12 und 14) werden vom Plan auf 6 mm Pappelsperrholz mit Blaupapier übertragen.



Die sogenannten Mallenspanten werden auf dem Hellingbrett mit entsprechenden Abstandsklötzchen verleimt und bilden eine stabile Form. Der Bau der Malle war schon etwas aufwendig, wenn man bedenkt, dass diese nachher „übrig“ ist.



Nachdem nun die Malle im Groben erstellt worden war, ging es daran die Bodenplanke mit Vor- und Achtersteven zu bauen. Diese Teile habe ich aus Birne in der Stärke (5 mm) hergestellt. Ursprünglich nahm man dazu ein Stück/Stamm Eiche und bearbeitete diesen mit sogenannten Dechseln bis auf das gewünschte Maß.
Im Mittelbereich ist die Bodenplanke 20 mm und an den Enden entsprechend der Steven 5 mm breit. Die Sponung in den Steven gelang mir mit dem Feinbohrschleifer. Da meine MF70
nur im 90° Winkel arbeitet, habe ich für den FBS einen kleinen Frästisch angefertigt. Dieser kann sicher noch zu einem Multitool (Drechsel- und Schleifbank) erweitert werden – aber das vielleicht später.

Der FBS samt Universalhalter sitzt auf einem kleinen Board, welches an den Gewindestangen mittels der Rändelmuttern in der Höhe verstellt werden kann. Ob das auf Dauer optimal ist wird sich zeigen. Der Universalhalter ermöglicht zumindest fast jede Winkeleinstellung bis zur Senkrechten. Der Führungsstift, eine 5 mm Niete, (wahlweise auch alte Fräsbohrer) dient auf dem Arbeitstisch als Anschlag und ermöglichen einen gleichmäßigen Verlauf der Sponung, sowohl am Achter- als auch am konvexen Vorsteven und der Bodenplanke.



Ich benötigte hier mehrere Anläufe bis es für mich ok war. Nach vielen Übungsstücken sind dann die nachfolgend abgebildeten Teile entstanden.
„Vorsteven und Knie“, „Achtersteven und Knie“, „Bodenplanke“



Anschließend habe ich noch den Ausschnitt für das Schwert in der Bodenplanke ausgefräst, auf den dann später der Schwertkasten montiert wird.



Die Steven wurden nun auf der Bodenplanke montiert. Ich habe hier (erstmalig) Epoxydharzkleber verwendet um die Spannungen bei der Beplankung besser abzufangen. Ich muss sagen, dass der Kleber super stark ist und ich werde ihn wohl oft gegen Weißleim tauschen. Ein kleiner Nachteil ist die Aushärtungszeit aber damit muss man halt leben. Ein Vorteil ggü. Weißleim; Kleberreste lassen sich aufgrund der ausgehärteten Klebemasse besser wegschleifen als der „gummihafte“ Weißleim – und – was damit einmal geklebt ist, ist auch geklebt und sehr stabil.



Anschließend habe ich den Übergang der Sponung von den Steven zur Bodenplanke mit dem Skalpell nachgearbeitet.



Die Malle habe ich nun fest auf dem "Hellingbrett" montiert. Die Abstandsklötzchen bringen dem Ganzen die notwendige Stabilität beim Aufbringen der Planken. Die fertige Kiel-Steven-Konstruktion wurde dann in die Malle eingepasst.



Vor- und Achtersteven werden zusätzlich durch längsverklebte Sperrholzbrettchen in gleicher Stärke geführt. Hierdurch wird ein Verziehen beim Beplanken vermieden.



So, dass soll für heute erstmal genügen. Morgen gehts weiter.
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
Fertig: Galeone SAN FRANCISCO 16. Jh. 1:90

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2

Donnerstag, 5. März 2015, 23:48

Erst einmal ein herzliches Willkommen von meiner Seite
Falls Du die Vic von Caldercraft meinst, dann haben wir das selbe Schiff in der Warteschleife. Ebenfalls selbige Gründe das es dort verweilt.
Dein jetziges Projekt finde ich sehr interessant und werde es gern weiter verfolgen.
Was hat der arme Horatio verbrochen dass ihr ihn, diesen Hänfling zur See schicken wollt? Suckling 1771

3

Freitag, 6. März 2015, 07:19

Hallo Victory,
Deine "wissenschaftliche" Arbeitsweise begeistert mich. Ich bin mir sicher, daß das ein grandioses Modell werden wird. Probleme lösen durch Bau von Vorrichtungen ist ja quasi meine Leidenschaft, und ich freue mich immer über verwandte Seelen hier. Sei Dir sicher, daß Du unter schärfster Beobachtung hier stehst.
Viele Grüße vom Dr TOOLittle,
Matthias
PS.: Ein Name für die Anrede wäre noch schön.

4

Freitag, 6. März 2015, 07:41

Hallo Victory,

schön Deinen Bau auch hier verfolgen zu können.
Gruß Christian

in der Werft: HM Sloop Fly, 1776 - Maßstab 1/32, HM Cutter Cheerful, 1806 - Maßstab 1/48
auf dem Zeichenbrett: HM Cutter Alert, 1777 - Maßstab 1/32


"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

5

Freitag, 6. März 2015, 07:43

Moin :ahoi: .....ohh hier werde ich gelegentlich reinschauen...ein tolles Projekt.
Ich bin letztes Jahr mit einem mitgesegelt, das war auch von 1920. Ein tolles Erlebnis für mich und ein schönes Boot.
Schöne grüße Alex :wink:

6

Freitag, 6. März 2015, 09:38

Hallo Victory,

ein interessantes Projekt. Bin auf deine weitere Umsetzung gespannt.
Ich bleibe dabei.

M.f.G.
Jürgen
Im Bau:
Billing Boats Titanic 1:144
Abo Modellbahnanlage Spur N, 1:160 von DeAgostini
Fertig:
H0 Anlage, kleine Gebirgslandschaft

Dicker63

unregistriert

7

Freitag, 6. März 2015, 11:39

Sieht alles sehr professionell aus, ich glaube, hier kann man was lernen. Bin dabei! :ok:

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8

Freitag, 6. März 2015, 12:28

Kannst Du vielleicht die Funktion Deines FBS näher erklären? Ich verstehe es nicht ganz. Kann ich es mir als eine Art Oberfräse vorstellen?
Was hat der arme Horatio verbrochen dass ihr ihn, diesen Hänfling zur See schicken wollt? Suckling 1771

9

Freitag, 6. März 2015, 18:57

Guten Abend,

vielen Dank Euch allen für die nette Begrüßung und dass es gefällt.

Die nächste Etappe des Berichts kommt heute noch.

Kannst Du vielleicht die Funktion Deines FBS näher erklären? Ich verstehe es nicht ganz. Kann ich es mir als eine Art Oberfräse vorstellen?
@Sweaty
Der Baukasten der Victory ist von Sergal und ich würde ihn heute nicht mehr kaufen .... wahrscheinlich auch keinen anderen, denn die verwendeten Materialien sind meist nicht zufriedenstellend.
Nußbaum-Holz ist für den Maßstab einfach zu grob und von den Gußteilen hätte ich keins verwendet.

Die Geschichte mit dem Frästisch mach ich mal separat und mit mehr Bildchen.
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
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10

Freitag, 6. März 2015, 20:37

Hallo und guten Abend. Hier nun der zweite Teil meins Bauberichts. Viel Spaß beim Lesen.

Verbolzen der Steven

Die Steven wurden mit den Knien und dann mit der Bodenplanke verbolzt. Ich ging anhand von Bildern und meinen Unterlagen davon aus, dass hier Bolzen in Schlüsselweite M 20,00 mm verwendet werden/wurden, da diese auch in der Symmetrie passen. Das bedeutet für das Modell: Bolzen in Ø 1,0 mm, Scheiben in Ø 1,85 mm und Muttern in Ø 1,5 mm. Dank dieses Anbieters http://knupfer.info/shop/ musste ich die Bolzen und Muttern in nicht selbst herstellen. Die Gewindestäbe habe ich also zuerst auf ca. Länge geschnitten. Die 1,0 mm Bohrungen im Holz hergestellt und an den Außenseiten der Steven auf 2,4 mm aufgebohrt. Dort verschwinden dann die Kontermuttern und werden mit einem Holzpfropfen verschlossen.



Die Scheiben waren mir mit Konfektionsgröße Ø 3,0 mm etwas zu groß und daher wurden sie auf 2,0 mm „abgedrehschleift“.



Vor dem Einsetzen der Bolzen wurde auf die gesamte Steven-Bodenplanken-Konstruktion Ballenmattierung aufgetragen und diese nach dem Trocknen mit Stahlwolle 0000 poliert. Diese Behandlung versiegelt das Holz und gibt ihm ein sehr edles Aussehen.

Im nächsten Schritt habe ich dann die Bolzen exakt eingepasst. Da in meinem Schlüsselsatz vom Auto kein 1,5 mm Gabelschlüssel zu finden war, wurde dieser aus einer alten Skalpellklinge hergestellt.



Mit diesem Schlüsselchen wurde dann alles binnenboard`s verschraubt.



Im Anschluss wurden die äußeren Bohrlöcher mit Holzdübeln verschlossen. Diese Dübel habe ich aus einem 3,0 mm Rundholz (Birne) hergestellt. Der Stab wurde auf das Lochmaß konisch abgeschliffen und dann ein kleines Stück abgetrennt,



eingeklebt und verschliffen



Aufgrund der feinen Gewindegänge, welche sich schon beim bloßen in der Hand halten mit Hautpartikeln zusetzten und den Lauf der Mutter verhinderten, habe ich die Bolzen im eingebauten Zustand brüniert. Das machte mir etwas Sorge, da ich ein Einfärben des Holzes befürchtete. Nach einem Probestück gelang es mir mit einem sehr feinen Pinsel recht gut das Mittel aufzutragen.
Zum Schluss habe ich auf die brünierten Bolzen zum Schutz wiederBallenmattierung aufgetupft.

Das Ergebnis seht Ihr hier




Beplankung in Klinkerbauweise


In Vorbereitung der Beplankung waren die Mallenspanten zu straken. Für das Straken wurde eine Kopie des Bauplanes geopfert um vier „Strakpappen“ herzustellen. Mit diesen habe ich dann die ersten Abschrägungen für die Plankenverläufe abgedudelt.



Für den ersten Plankengang, die Sandplanken, habe ich die Kontur der Bodenplanke auf eine 1,5 mm starke Graupappe übertragen. (Die Bezeichnung „Sandplanke“ erklärt sich wohl aus der nahezu waagerechten Position an der Bodenplanke. Ein möglicher Grundkontakt in den flachen Boddengewässern der Ostsee war eben auf Sand.) Parallel zu dieser Kontur wurde in 12,0 mm Abstand die Plankenbreite eingezeichnet. Diese Breite berücksichtigt eine Überlappung von 3,0 mm der darauffolgenden Planke. Diese Schablone habe ich, vorerst in einem Stück, auf der Malle eingepasst und mit Stecknadeln fixiert.



Mit den hergestellten Schablonen aus Pappe wurde nun das erste Paar Planken aus Birnenholzbrettchen Stärke 2,0 mm ausgesägt und in den groben Konturen geschliffen. Planken bzw. Holzteile in dieser Stärke und einer Breite von 12,00 mm hatte ich zuvor noch nicht gebogen. Ich überlegte nun, wie ich das nur machen soll.
Das gute alte Bügeleisen kam nicht in Frage, da die Biegeradien am Vor-und Achtersteven dafür zu stark sind. Der Lötkolben mit Biegespitze bzw. das Biegesystem ist für diese Arbeiten zu schmal um eine gleichmäßige Temperaturverteilung und damit die gewünschte Verwindung zu erreichen.
Ich habe dann mal eine Heißluftpistole ausprobiert. Ich muss sagen,dass das überraschend gut funktioniert hat. Zuerst habe ich die geeignete Temperaturstufe mit einem Abfallstück ausprobiert um ein Verbrennen zu vermeiden. Mit der Stufe 3 ging es ganz gut. Das Holz ist dann an der Oberfläche faserig und etwas heller als im Ursprung. Schleift man es kurz an, kommt die typische Birne wieder zum Vorschein. Ein Zeichen, dass dem Holz nichts passiert ist. Dennoch ist vorsichtiges Arbeiten angesagt. Die Beschreibung des Gerätes benennt nur die Luftmenge in l/min für die jeweiligen Stufen. Ich kann daher keine Angabe zur Temperatur machen. Die Heißluftpistole ist insofern genial, da die Luft alle Bereiche gleichmäßig erreicht. Um die Planke zu biegen habe ich sie vorab ca. 10 min. komplett im Wasser einziehen lassen und dann mit einer Metallklemme verdreht. Das andere Ende war mit einer Zwinge arretiert.



Mit dieser Biegemethode, welche ich mal im weiteren Verlauf an anderen Teilen testen werde, entstanden dann die beiden Plankenrohlinge für den ersten Gang.



Diese wurden dann an den Verlauf der Bodenplanke und die Steven angepasst.





Fortsetzung folgt.
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
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Freitag, 6. März 2015, 20:47

Und weiter geht`s



Um die Planke nicht in die Sponung zu drängeln musste ich ihr am Vorsteven einen Verlauf nach unten gönnen. Dies hatte den Effekt, dass die Plankenhöhe an der Landung des Vorsteven`s nur noch 8,0 mm hatte. Vorgabe waren min. 12,0 mm. Hier sieht man die Verjüngung und den Bogen nach unten.



Also wurden diese Teile nochmal angefertigt. ÜBUNG MACHT DEN MEISTER.

Der zweite Anlauf in der Herstellung des ersten Plankenganges ist vollendet und jetzt passen Sie perfekt. Bevor diese fest eingebaut werden können, müssen noch einige Arbeiten für den nächsten Plankengang (wird sich dann noch 8 mal wiederholen) erfolgen. Da wäre zunächst das Markieren der 3,0 mm Überlappung der zweiten auf der ersten Planke. Diese Linie ist auch die Basis für die nächsten
Schablonen. Zum Markieren nimmt man gewöhnlich ein Streichmaß – wenn man eines hat. Da ich ein Solches, mit der Möglichkeit einen Bleistift oder eine Mine einzuspannen, zu einem annehmbaren Preis nicht gefunden habe, fing ich kurzerhand damit an eines aus Resten herzustellen. Das hält zunächst etwas auf aber man kann das Ding ja immer mal wieder brauchen. Während des Bauen`s kam ich aber darauf, dass es auch ein Zirkel tut. Ich habe dann mit diesem den nächsten Plankenverlauf und die Landung auf die erste Planke übertragen



Anschließend wurde auf der ersten Planke der Einlauf der zweiten Planke vor den Steven ausgearbeitet. Aufgrund der bereits gebogenen Planke war es hier zunächst sehr problematisch eine Maschine einzusetzen. Viele Versuche an Probestücken scheitern. Letztlich hab ich es dann doch frei Hand, einem Anschlag und mit dem FBS hinbekommen.



Ich versuche im Bericht immer gleich das Notwendige zu erklären, bin aber inzwischen betriebsblind. Wenn also irgendwelche Begrifflichkeiten oder Anderes unklar ist – bitte immer fragen.

Morgen mehr....
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
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Realname: Rolf H.

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12

Freitag, 6. März 2015, 21:07

Es ...

... ist schon sehr interessant, zu sehen wie dieses Modell langsam wächst. Ich werde diese Seite öfters besuchen. :respekt:

LG, Rolf
Grüße aus Krefeld, Rolf :ok:


Im Bau/Baubericht: Hachette "HMS Hood"

Im Bau: Hachette "Prinz Eugen" 1:200


13

Freitag, 6. März 2015, 22:16

Ich bin beeindruckt! Ganz ehrlich. Zumal dieser Maßstab so groß ist, dass auch noch Figuren dafür machbar sind.
In 1:20 sind diese aus Fimo sehr gut realisierbar.

Gruß
Reinhard

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14

Freitag, 6. März 2015, 22:31

Ist jetzt auch nicht gerade Dein erstes Modell? ;)
Was hat der arme Horatio verbrochen dass ihr ihn, diesen Hänfling zur See schicken wollt? Suckling 1771

15

Samstag, 7. März 2015, 08:35

Ich bin einfach fasziniert von Deiner absolut präzisen Arbeit. Deine Vorgehensweise gefällt mir ausgesprochen gut.
Gruß Christian

in der Werft: HM Sloop Fly, 1776 - Maßstab 1/32, HM Cutter Cheerful, 1806 - Maßstab 1/48
auf dem Zeichenbrett: HM Cutter Alert, 1777 - Maßstab 1/32


"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

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Samstag, 7. März 2015, 09:05

...auch ich schau begeistert zu!!! grüsse der roland

17

Samstag, 7. März 2015, 09:27

Vielen Dank für die Blumen.

@Sweaty
Ist jetzt auch nicht gerade Dein erstes Modell? ;)
In der Scratch-Bauweise schon.

Die Vorgänger "San Franisco" und die "HMS Victory" entstammen Baukästen.

Die SF ist fertig.



Dies ist der Stand der VIC



Ich hatte hier zuletzt die Back aus dem Kasten gegen eine selbst gebaute ersetzt. Das sah dann so aus.



An dem Punkt habe ich dann den Bau gestoppt und das Zeesboot angefangen.
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
Fertig: Galeone SAN FRANCISCO 16. Jh. 1:90

18

Samstag, 7. März 2015, 10:20

Moin Matthias,

auch ich bin fasziniert und gucke gespannt zu!

LG :wink:
Marcel

19

Samstag, 7. März 2015, 15:59

Hallo alle zusammen,

da gerade Pause von der harten Gartenarbeit ist, der nächste Teil.

Im nächsten Schritt nahm ich die Anschlusskontur für die Schablone des zweiten Plankenganges mit Transparentpapier von der ersten ab und konnte so die nächste Planke aufzeichnen und schon grob zuschneiden.



Ein weiteres Detail, welches vor dem Festmachen der ersten Planken erledigt werden musste, war die Herstellung der Laschungen an den Stößen der Plankenstücke. Die Lasche, ein Stück Holz in Plankenstärke, wird an dem Stoß zweier Plankenstücke aufgesetzt und vernietet oder verschraubt. Wo sich diese Laschen im Einzelnen genau befinden ist nicht beschrieben und an den Booten auch sehr verschieden zu sehen. Ein System habe ich da nicht erkennen können. Anhand von Foto`s wurde ein Muster entworfen, bei dem ich einerseits auf eine sinnvolle Symetrie (logischer Versatz) und andrerseits auf die Positionierung zwischen den späteren Spanten zu achten hatte. Für das Längenmaß der Lasche habe Ich die doppelte Plankenbreite angesetzt. Dieses Maß bietet rechts und links des Plankenstoßes noch genug Material und es entsteht somit keine Schwäche in der Konstruktion. Die Lasche habe ich mit 5 Bolzen auf jeder Seite des Plankenstoßes versetzt und analog dem gewöhnlichen Plankenverbau befestigt.

Am Modell habe ich an dieser Stelle mal zwei Schritte ggü. der eigentlichen Bauweise getauscht. In die komplett gebogene Planke habe ich zuerst 0,6 mm Löcher für die Bolzen durch Lasche und Planke gebohrt, auf der Außenseite für die Dübel auf 1,30 mm aufgebohrt und anschließend die Lasche aufgeklebt.





Nachdem alles fest war, wurde nur die Planke in der Mitte der Lasche mit einem Fräser 0,30 mm wieder getrennt. Für die Kalfaterung der Plankenstöße habe ich mich für Tonzeichenpapier der Grammatur 220 g/m² mit der entsprechenden Papierstärke von 0,22 mm entschieden und in den Trennschlitz eingeklebt und verschliffen.



Das zweite Bild zeigt auch die abgefaste Plankenkante.

Die Kalfaterung an der Bodenplanke und den Steven beträgt 0,30 mm Papierstärke (Grammatur 300 g/m²). Damit das Papier beim Schleifen nicht fasert und beim Kleben nicht so stark saugt, habe ich es vorher mit Ballenmattierung behandelt.



Nun ging es an das Verbolzen der Laschen. Hier einmal provisorisch eingesetzt.





Auf den Bolzen der Laschungen sitzen binnenboard`s am Original Federscheiben mit einer Spannung ausgleichenden Wirkung. Die Funktion konnte ich leider in 1:20 nicht darstellen, was meiner Meinung nach auch nicht notwendig ist – aber – die Scheiben wollte ich schon haben. Ich hatte hier ein wenig zu grübeln wie ich das umsetze. Die Scheibengröße beträgt außen 1,50 mm und innen eben die 0,30 mm Bolzenstärke. In dieser Größe hatte ich nichts Fertiges am Markt gefunden. Eine anfänglich favorisierte Variante war, die Scheibe farblich anzudeuten. Ein Faserstift wird aber zu sehr aufgesogen und fließt im Holz bzw. wird vom behandelten Holz nicht angenommen. Eine andere Idee war die Verwendung von SENO-Symbolen für gedruckte Schaltungen – speziell für Lötaugen. Die sind schon schwarz, werden
aufgerubbelt und haben sehr gute Haltbarkeitseigenschaften. Leider war das Maß von 1,9 mm außen für meinen Maßstab zu groß.

Ich habe mich dann wieder auf den Karton (220 g/m²…0,22 mm) zurückgezogen und stellte die Scheiben mit einer Drillstanze her. Diese war in der Form und zu einem annehmbaren Preis leider nur in China zu bekommen. Man drückt das Teil einfach nach unten und durch die Drehbewegung schneidet es die Partikel aus. Bei der von mir verwendeten Kartonstärke sind locker 8 Lagen mit einem mal zu durchbohren. Ich habe aber nur 4 genommen.





Diese damit entstehenden Scheibchen haben den Vorteil, dass sie eine Trennung zwischen der zu brünierenden Innenverschraubung (Bolzen und Mutter) und der Planke bilden, so dass das Brüniermittel nicht in das Holz der Lasche eindringen und es verfärben kann. Um die Muttern leichter aufzuschrauben habe ich ein 0,90 mm Loch in einen Zahnstocher gebohrt, welches diese aufnehmen konnte.



Nach einigem Gefummel waren alle 10 Bolzen drin.



Schließlich wurden jetzt noch die Bohrlöcher an der Außenseite der Planken mit Dübeln aus Birnenstäbchen versehen und der innere Teil brüniert.



So, jetzt muss ich wieder - die letzten Sonnenstrahlen genießen.
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



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20

Samstag, 7. März 2015, 21:48

Ich bin beeindruckt! Ganz ehrlich. Zumal dieser Maßstab so groß ist, dass auch noch Figuren dafür machbar sind.
In 1:20 sind diese aus Fimo sehr gut realisierbar.

Gruß
Reinhard
Hallo Reinhard,

an Figuren habe ich noch garnicht gedacht. Ist aber eine gute Idee.
Hast Du Erfahrung mit der Fimo-Masse? Ich denke, wenn diese ausgehärtet ist, lässt sie sich mit dem Fräser gut bearbeiten - oder?
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



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21

Sonntag, 8. März 2015, 09:53

Hallo,

mit Fimo modelliere ich seit 25 Jahren Figuren. Früher fast nur Auftragsarbeiten, jetzt nur noch für mich als Hobby.
Hier der Link zu dem Thread, den ich zuletzt begonnen habe:Im Bau: Fimo Figuren .

Die Figuren werden in mehreren Etappen gebaut, zwischendurch im Backofen gehärtet, da braucht normalerweise nichts gefräst werden. In 1 : 20 habe ich auch schon mal eine Figur modelliert. Prinzipiell wird das genau so gehandhabt wie die Figuren, die ich sonst so mache. Die sind meist zwischen 15 und 19 cm groß, also in etwa 1 : 10 .

Gruß
Reinhard

22

Sonntag, 8. März 2015, 16:19

Hallo Reinhard,

das ist ja grandios, was Du aus dem Material zauberst.

Sehr schön

Ich würde mich eher an`s Schnitzen wagen.
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



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Sonntag, 8. März 2015, 18:32

Hallo und Guten Abend,

nach einem arbeitsreichen Wochenende in der Natur noch ein kleiner Schritt in meinem Baubericht.

Bei dem von mir zum Kalfatern benutzte Karton machte sich zwischenzeitlich ein Nachteil bemerkbar. An den Klebestellen geht dieser, aufgrund seiner Struktur aus Faserschichten, keine kraftschlüssige Verbindung zwischen Planke und Steven bzw. Bodenplanke ein. Daran änderte auch eine Behandlung mit Mattierung und Grundierung nichts.

Eine Alternative zum Karton war zu suchen. Nach einiger Recherche stieß ich auf schwarz gebeiztes Ahornfurnier der Stärke 0,30 mm, welches mir geeignet erschien und offensichtlich zur Veredlung von Musikinstrumenten verwendet wird. Vor der Verarbeitung habe ich natürlich wieder einen Klebetest gemacht. Diesmal ist die Verbindung kraftschlüssig und belastbar. Das Furnier ist voll durchgebeizt, so dass es an den Kanten auch nach dem Schleifen schwarz ist. An dem Probestück ist es ganz gut zu sehen.



Die bereits verklebten Kartonstreifen mussten nun natürlich wieder entfernt werden. Dies stellte sich schwieriger dar als vorab gedacht. Nach einer ziemlich langwierigen Popelei hatte ich das Zeug aus der Sponung wieder raus. Es folgte dann die gleiche Verfahrensweise wie beim Karton. Diesmal nahm ich jedoch einen 1,5 mm Streifen. Das Abschneiden des überstehenden Furnier`s war recht schwierig. Daher habe ich einen halben Millimeter weniger als beim Karton eingeklebt und es nun bündig geschliffen.

Das Furnier ist sehr dicht, so dass der Holzleim nicht durchgetreten ist. Das aus meiner Sicht zufriedenstellendem Ergebnis ist hier zu sehen – der Unterschied kaum.



Nach kleinen Anpassungsarbeiten wurde der erste Plankengang mit Epoxitkleber eingebaut. Nach dem Trocknen habe ich die Klebestellen gesäubert und bin froh, dass ich den Karton durch Furnier ersetzt habe. Beim Überschleifen wäre mir sicher an der einen oder anderen Stelle ein Stückchen rausgefusselt.





Nun wurde noch mit dem Dübeln der Planken an den Steven begonnen.



In dieser Phase macht es Sinn die Herstellung und den Einbau des Schwertkastens vorzubereiten, da sich mit den nächsten Planken der verfügbare Arbeitsraum im Rumpfinneren immer mehr verringert. Dem nächsten Teil widme ich daher dem Mittelschwert und dem Schwertkasten.

Macht`s gut bis später
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
Fertig: Galeone SAN FRANCISCO 16. Jh. 1:90

24

Montag, 9. März 2015, 14:45

Hi Matthias, :wink:

Ich bin gespannt wie es weitergeht! Sieht bis jetzt auch super aus :ok:

Liebe Grüße,
Thomas

25

Montag, 9. März 2015, 20:27

Hi Matthias, :wink:

Ich bin gespannt wie es weitergeht! Sieht bis jetzt auch super aus :ok:

Liebe Grüße,
Thomas

Hi Thomas, na dann mach ich mal schnell weiter.

Absenkbares Mittelschwert

Das Mittelschwert, welches man wohl ab Anfang des 19. Jh. in Amerika nutzte, wurde erst ab ca. 1870 – 1875 bei den Zeesbooten eingeführt. Bis dahin wurde ein Seitenschwert verwendet, welches je nach Einsatz von einer Bordseite zur anderen gehievt wurde. Der dafür benötigte freie Gang von Back- nach Steuerbord verschwand daraufhin bei den meisten Zeesbooten. Das Mittelschwert wird im sogenannten Schwertkasten beherbergt. Dort ist es zum Absenken an einem Bolzen beweglich gelagert und wird über das Jolltau gehalten und bedient.

In diesem Planausschnitt ist die Rolle aber zu weit unten angeschlagen. Der rote Zugweg wäre besser.



Das Schwert besteht im Original aus mehreren Holzsegmenten der guten Eiche, welche mit Stahlbändern vernietet und so zusammengehalten werden. Es gibt verschiedene Bauarten dieser Schwerter. Dies beruht wohl auf verfügbaren Materialien und praktischen Vorstellungen. Am Modell baute ich das Schwert im Kern aus 3,0 mm Birnenholz. Diese Basis habe ich dann mit Streifen aus 0,5 mm Birnenfurnier beklebt.



Dadurch entsteht der Eindruck der Segmentbauweise (ich hoffe man kann das sehen).



Die Bänder bestehen aus 0,3 mm Messingblech. An der Stelle wo diese Bänder sitzen, habe ich das Birnenfurnier wieder herausgetrennt um die Messingbänder dort einzusetzen.



Im Finish wurde das Schwert nochmals geschliffen, so dass Holz und Metall eine Oberfläche bilden. Dies bewirkte in der Praxis gute Abströmeigenschaften. Später wurden die Bänder verklebt. Als umlaufenden Schutz habe ich aus 0,3 mm Messingblech ein entsprechendes Band gefertigt.



Das Schwert ist nun fast fertiggestellt. Zum Befestigen im Holz habe ich Messingnägelchen verwendet. Dann wurde brüniert und eingeklebt.



Den Kasten selbst fertige ich ebenfalls aus Birnenholz. Heute wird der Schwertkasten entweder aus V4 Stahl oder aus größeren Verbund- oder Holzplatten gebaut. Seinerzeit waren es Holzplanken. Begrenzt wird der Kasten durch zwei Balken, welche in der Aussparung der Bodenplanke sitzen.



Die Planken werden, so steht es geschrieben, bis zur Höhe Oberdeck (Wasserlinie) doppelt verbaut. Bis zu seiner Oberkante ist er in einfacher Plankenstärke ausgeführt. Für die Kalfaterung habe ich anfänglich versucht wieder schwarzen Karton zu verwenden. Aber auch hier brachte er nicht das erwartete Ergebnis. Das Zeug fusselt zu sehr. So kam wieder das schwarze Ahornfurnier zum Einsatz.

Der Schwertkasten ist mit horizontalem Plankenverbau erstellt. Die Planken sind mit 0,6 mm Bolzen am Rahmen befestigt. Die Kalfaterung mit schwarzem 0,3 mm Ahornfurnier. Oberhalb der stärkeren Planken, also über Deck sind die Plankenbefestigungen mit Holzdübeln versehen.



Die Befestigung des Schwertkastens erfolgt in der Öffnung der Bodenplanke. Die Montage des Ganzen erfolgt jedoch zu einem späteren Zeitpunkt.

Das Ergebnisdieses kleinen Bauabschnittes ist hier zu sehen.

trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
Fertig: Galeone SAN FRANCISCO 16. Jh. 1:90

26

Montag, 9. März 2015, 22:32

Immer wieder beeindruckende Bilder. Da sieht man einfach, wie auch ein -im Vergleich zu den sonstigen großen Vorbildern wie Victory usw.- unscheinbares Vorbild die Grundlage für ein außergewöhnliches Modell abgibt.
Gruß Christian

in der Werft: HM Sloop Fly, 1776 - Maßstab 1/32, HM Cutter Cheerful, 1806 - Maßstab 1/48
auf dem Zeichenbrett: HM Cutter Alert, 1777 - Maßstab 1/32


"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

27

Montag, 9. März 2015, 22:54

Alter Schwede :sabber: , ein Traum !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :ok: :love: :love: :love: :love: :love: :love: :love: :love: :love:

LG
Oliver

28

Dienstag, 10. März 2015, 21:53

.........Alter Schwede.............

LG
Oliver
Ganz recht, die Schweden spielten eine nicht unerhebliche Rolle im Raum der heutigen Ostsee.

Jetzt kommt ein Kapitel, welches keiner braucht, aber was soll`s, Niederlagen gehören dazu.


!!!!! WORST CASE !!!!! am 23.10.2014

Nach Fertigstellung des Schwertkastens sollten nun die nächsten Plankengänge folgen.

Mit dem Versuch, die nächsten Schablonen anzupassen offenbarte sich das UNFASSBARE.

Ich hatte mich bei der Herstellung der Bodenplanke, in Unkenntnis der realen Bauweise, auf die Maße im Bauplan verlassen und so die Bodenplanke nur anhand der dargestellten Spanten nachvollzogen/ interpretiert. Dies sollte sich jedoch als Fataler Irrtum herausstellen. Im Bereich des Vor- und Achtersteven war der Verlauf der Bodenplanke zu schmal.



Dies hatte zur Folge, dass der erste Plankengang in der Landung zu steil verlief. Dazu kam, dass die Hilfsspanten (offensichtlich durch mehrmaliges kopieren der Pläne ) asymmetrische Formen angenommen hatten, welche ich so übernommen hatte. Dazu gesellte sich noch die Tatsache, dass die Ausklinkungen der Hilfsspanten der Malle nicht wirklich vorteilhaft waren.

Die Auswirkungen auf die folgenden Plankengänge waren derart desaströs, dass es nur eine Konsequenz gab:

… ALLES - WIRKLICH ALLES - AUF ANFANG UND NOCHMAL VON VORN…

Versuche, Teile der Kiel-Steven-Konstruktion zu retten waren eher bescheiden.

Da ich dieses Projekt ja als Übung deklarierte, wird hier sehr deutlich die Geduld auf die Probe gestellt. Ich sehe das aber sportlich …..grrrrrrrrrrrrr….. :bang:

ZEESBOOT RELOADED

Ich muss zugeben, dass ich nach so einem Erwachen erstmal etwas ausgenockt war.
Die Motivation kam aber zurück. Ein Vorteil – man kann beim Neubau leichte Korrekturen einfließen lassen.

Wie in den letzten Beiträgen beschrieben, war aufgrund von Fehlern an der Bodenplanke ein Neubeginn nicht abzuwenden. Natürlich war es schade um die investierte Zeit und das Material. Bei diesem Übungsprojekt, und wie auch bei anderen Baumeistern gesehen, kommt das halt vor und es wird wohl auch zukünftig noch kleine Rückschläge geben. Da sich die einzelnen Bauabschnitte bis auf die erkannten Fehler wiederholten, zeige ich die bereits beschriebenen Baustufen nicht alle noch einmal und steige hier in etwa wieder mit dem letzten Baustand ein.

Als Erstes musste ein neues Mallengerüst her, da die Ausklinkungen eher behinderten. Ich habe auch gleich die Plankenverläufe auf den Mallenspanten gekennzeichnet.



Die Kiellegung

Die Bodenplanke habe ich nun aus einem Stück 6,00 mm Birnenholz hergestellt und sie hat nun auch den entsprechenden Sprung erhalten. Das bedeutet, dass die Bodenplanke nicht eben bzw. nicht ideal horizontal verläuft, sondern einen leichten Bogen zum Bug als auch nach Achtern aufweist.



Die Ausarbeitung der Sponung (eine weitere Korrektur) war schon recht anspruchsvoll. Ich wollte das jedoch unbedingt so hinbekommen, wie es auch am Original-Zeesboot gemacht wird/wurde. Anfangs war mir das zu abstrakt oder ich habe es einfach nicht begriffen. Die Sponung gleitet in ihrem Verlauf von der Mitte der Bodenplanke praktisch wie eine Spirale in die Steven. In der Umsetzung habe ich dazu immer an der Position der Mallenspanten eine im Winkel entsprechende Fräsung in der Bodenplanke vorgenommen. Die Übergänge von der einen zur anderen Fräsung wurden dann von Hand ausgearbeitet.



Die Herstellung der Steven und deren Sponungen erfolgte analog der ersten Variante und ging nun sicherer von der Hand.

Auch die Verbolzung der Steven wurde entsprechend gefertigt und montiert. Diesmal wurden die Bolzen, Scheiben und Muttern separat brüniert und dann eingebaut.



Die Steven erhielten hier auch eine Phase. Die Stevenkante wird dann noch ein Metallband, wie auch am Schwert zu sehen, erhalten.



Aus den Fehlern und den Erfahrungen des Vorläufers gelernt, konnte ein aus meiner Sicht akzeptables Ergebnis erzielt werden.



Da ich das Boot nochmal neu begonnen habe, beschreibe ich einige Bauphasen ggf. ein zweites Mal. Das soll jedoch nur ein Zurückblättern ersparen. Wer mag, kann das natürlich gerne tun.

Ich war nun an dem Punkt, wo das erste gute Stück in den Kamin wanderte. Aufgrund der vielen Versuche und Anläufe bei Nr. 1 ging mir praktisch fast alles bei Nr. 2 etwas leichter von der Hand. Der Beplankung stand nun nichts mehr im Wege und ich war guter Hoffnung, dass es dieses Mal gelingt.

Den ersten Plankengang an die Kielplanke anzupassen war wieder eine heftige und langwierige Biege- und Schleiforgie. Ausgehend vom Bootsmittelpunkt an der Kielplanke erfahren die Sandplanken jeweils eine 90° Drehung sowohl zum Achter- als auch zum Vorsteven um dort lotrecht einzulaufen. Der Großteil der Drehung erfolgt kurz vor den Steven. Die Planke aus 2,00 mm Birnenholz in 14,0 mm Breite zeigt an solchen Stellen gerne ihren eigenen Willen.



Nun ging es daran die Landung für die nächste darüber liegende Planke herzustellen. Diese Verjüngung eines 3,00 mm breiten Plankenabschnittes an deren Enden ermöglicht, dass alle Planken bündig in die Steven einlaufen.

Wie ich beim 1. Versuch schon schrieb, hatte ich keine vernünftige Methode gefunden dafür eine Vorrichtung zu bauen, welche mit der bereits gedrehten Planke klarkommt. Auf dem noch plan liegenden Holz wäre das wohl schon möglich aber beim Biegen würde die „Landung“ sehr leiden, da sich das Holz quasi ins Nichts verjüngt. Das beste Ergebnis habe ich folgendermaßen erreicht:

Einen guten Roten aus dem Keller geholt und ein bis zwei Glas genossen. :rot: Mit der so gewonnenen motorischen Gelassenheit und dem frisch bestückten FBS fräst man diese ca. 5,0 cm lange Phase ins Holz, während man einen guten Shanty vor sich her summte :pfeif: .

Das Ergebnis ist aber recht zufriedenstellend – finde ich zumindest.



Die Laschen wurden wie gehabt hergestellt;



Ich muss zugeben, dass mein Übungsboot zwischenzeitlich seine volle Wirkung in Sachen Geduldsprobe entfaltet. Es macht halt mehr Spaß Neues zu bauen anstatt immer wieder zu wiederholen.

Es wird :D .
trinkt aus Piraten joho

Gruß Matthias



Im Bau: Zeesboot 1:20 um 1920 und HMS VICTORY 1:78
Fertig: Galeone SAN FRANCISCO 16. Jh. 1:90

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29

Dienstag, 10. März 2015, 21:57

Ich muss schon sagen, Respekt! Nicht viele hätten einfach wieder angefangen. Vielleicht was Neues, aber das selbe noch einmal. Ganz toll.
Was hat der arme Horatio verbrochen dass ihr ihn, diesen Hänfling zur See schicken wollt? Suckling 1771

30

Dienstag, 10. März 2015, 22:22

Meine Fresse,

das sieht schon alles nicht mehr wie von Hand gemacht aus.
(Soll kein Tadel, sondern Lob sein!)
Fast schon zu perfekt, lass Dich beneiden und ganz ganz viel :respekt: :respekt: :respekt:
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

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