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Dienstag, 23. September 2014, 15:02

STS "Kruzenshtern" ex "Padua" 2014

2014 fuhr ich auf der STS "Kruzenshtern" auf einer Fahrt, die von Gdynia (Polen) über Dublin (Irland) nach Santander ( Spanien ) führen sollte.

Verschiedene Gründe führten dazu, dass zuerst Falmouth statt Dublin als Zwischenhafen genannt wurde, dann fiel das weg- und während der Fahrt kam dann die Orderänderung von Santander nach Aviles ( Galizien). Die Besatzung war wegen des insgesamt sehr langen Törnjahres schon ohnehin am Limit- und der Wegfall von Santander ( tolle Stadt, btw- und Weltmeisterschaft im Segeln in den Liegetagen....) und die DEPORTATION nach Aviles (und die dortige Andockung an einer geschlossenen, dreckigen Kohlenpier weit weg vom Stadtzentrum) traf die Stammbesatzung und die mir sehr lieb gewordenen Kadetten tief.

Wenn jemand Fragen zum Schiff etc. hat, werde ich das gern beantworten.

Ich möchte hier in Folge ( wird sich etwas ziehen...) das Schiff und sein Rigg etc. vorstellen.
Wenn jemand Lust hat, mit dem Schiff zu fahren- ich geb gern Tipps und werde selbst wieder - und hoffentlich wieder länger- drauf fahren.





Der Ruderstand vor der Brücke trägt die beiden Namen des Schiffes- aber er ist nur noch Dekor. Das Ruder auf der Brücke ist hydraulisch und mit dem Einbau dieses neuen Systems fiel das alte Rudersystem weg.


Der Heckruderstand - hier ebenfalls 2014- blieb aber in Funktion.




An vielen Stellen atmet die Kruzenshtern noch den alten Windjammer; die Sepia- Bilder zeigen ein Schiff aus den 20er- Jahren. Die alten Spille und die Jarvis- Brasswinschen, die Fallwinden und die Nagelbänke sind noch sehr gut erhalten, ebenso die wesentlichen Teile der Masten- außer der Fockbramstenge, die das Schiff erst vor kurzer Zeit verlor.





Uralte Features sind die Jarvis- Brasswinschen und die Fallwinden. Diese Teile werde ich später komplett besprechen. Hier die Jarvis- Brasswinsch vor dem Großmast, für die Unterrahen des Fockmastes:




Und hier eine der verbliebenen Orginal- Fallwinden der "Padua" (hinter dem Kreuzmast ). Was für ein Gefühl war es, an den Teilen zu arbeiten...





Das Schiff gefällt - trotz der relativ neuen- und wieder ( und effizient!) vergrößerten Brücke- sehr, fährt unter Mars und Bramsegeln und den entsprechenden Stagsegeln auch schon so 14 Knoten. Während unserer Fahrt fuhren wir nie unter vollen Segln- aber es war ja auch keine Regatta. Wer das Photo genau anschaut, dem fallen die abgenommenen Segel der oberen Rahen auf. Das war eine der Arbeiten, die auf dieser Fahrt gemacht wurde. Die oberen Rahen wurden fast komplett abgetakelt ( Segel, Pferde, Gordinge...)- die Segel vom Segelmacher geprüft und gerichtet, das Gut erneuert... viele Arbeiten, die man sonst so gut wie nie sieht.




Bedanken muss ich mich bei "meinen" Kadetten. Es war sehr bewegend, mit diesen Jungs (und Ladies) zu arbeiten. Meine Kerls aus dem weiten Osten haben mir viele schöne Einblicke in ihre Lebenswelt gegeben. Auch den Maten und der gesamten Besatzung danke ich für diese interessante Zeit und die Möglichkeit, intensiv an Bord zu arbeiten und zu leben.



Besser als dies Bild kann man die Begegung von gestern und heute, die auf der Kruzenshtern lebt, kaum darstellen:




In den folgenden Posts werde ich Stück für Stück Deckseinrichtungen etc. vorstellen und die Artikel mit tags markieren, so dass ihr ohne Probleme den Großobermarsniederholer oder das Ankerlager findet...

Bis denne!

Bibi
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2

Dienstag, 23. September 2014, 15:33

Bausätze: Kruzenshtern von Gomix / Fly 1:100 ( Karton) und Passat ( Heller, 1:150)

Von der Kruzenshtern gibt es aktuell ein Kunststoffmodell und ein Kartonmodell in 1:100 von Fly / Gomix.

Das Kartonmodell habe ich gekauft und kann den Bogen- wenn gewollt- komplett besprechen. Kurz hier ein paar Anmerkungen:

Der Fly- Bogen gibt einen RELATIV aktuellen Bauzustand der Kruzenshtern wieder- bevor die Brücke vergrößert wurde. Wie alle Bögen des Verlags die ich kenne, ist auch dieser VORDERGRÜNDIG hoch detailliert.
Spätestens wenn man aber an Bord war, fallen die Mängel doch sehr auf:

Sie betreffen das komplette Rigg. Die Masten sind rudimentärst ausgeführt,
Racks etc, fehlen und die Rahen sind nur schemenhaft. Die Ausstattung mit den doppelten Jackstagen etc. fehlt...

Die Jarvis- Winschen sind ebenfalls sehr schwach.
Das Layout des Decks des Modells: Es hat sich im Vergleich zu heute um Einiges geändert, aber das Modell hat an ein paar Stellen KEINE Luken die heute sehr wohl vorhanden sind- und die wohl doch schon älter sind. Wenn also jemand das Fly- modell bauen will, könnten die Bilder zu erheblicher Umbauarbeit motivieren.

Ebenso habe ich mit eine "Passat" von Heller gekauft. Eine Idee war, dass ich sehen wollte, wie die Teile bei Heller aussehen... eine andere, vielleicht eben das Schiff zu bauen. Meine Bilder könnten in der einen oder anderen Frage auch zu Pamir/ Passat helfen.

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3

Dienstag, 23. September 2014, 15:52

Eine Zeitreise.... zeitlose Bilder vom Rigg und vom Schiff

Eine ganze Reihe von Aufnahmen machte ich dezidiert um den zeitlosen Charakter dieses Schiffes einzufangen
Ich möchte ein paar davon den Fachbildern voranstellen:

Der Besanmast



Das Welldeck:



Der Kreuzmast:



Der Großmast:










Hier ein Blick auf die Anlagen für die Ankerketten....



Und übers Vorschiff:



Wie gesagt: Alle diese Aufnahmen sind 2014 von mir gemacht. Die Fahrt auf der Kruzenshtern war in gewissem Sinn eine Zeitreise- denkt ihr nicht auch?

Bis denne!

Bibi
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BP_Dirk

unregistriert

4

Dienstag, 23. September 2014, 18:58

Hi Bibi,

sehr interessanter und aufschlussreicher Bericht den Du uns da vorstellst. :respekt:

Auch die zugehörige Dokumentation an Hand der vielen tollen Bilder finde ich sehr ansprechend. :ok:

Nur eine Frage stellt sich mir immer wieder:

Warum hast Du den Namen des Schiffes so geschrieben: "Kruzenshtern"???? ?( ?(

Da ich Ex-DDR-ler "Zwangsrussisch"- Unterricht hatte, kann ich sehr gut russisch lesen ... Und auf dem Schiff selbst sowie an dem alten Steuerad steht klar und deutlich (auf russisch) "Krusenstern" :nixweis: , und unter diesem Namen ist sie ja auch (als Schulschiff) nach der Padua bekannt geworden.

MfG Dirk

5

Mittwoch, 24. September 2014, 13:28

Der Name "Krusenstern" / "Kruzenshtern"

Lieber Dirk!

Danke für die Anfrage. Real gibts da mehrere Möglichkeiten- auch die Deine ist richtig. Ich verwende bei meiner Schreibweise die internationale Umschrift, bei der ein stimmhaftes "s" mit "z" umgeschrieben wird- Bazar, Tanzania- und eben "Kruzenshtern"... so stehts auch in den internationalen Papieren. Auch in der Selbstbenennung - siehe Rettungsringe- steht "Kruzenshtern".



Yours

Bibi
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6

Mittwoch, 24. September 2014, 14:41

Rumpfansichten der STS "Kruzenshtern"

Bei einer Aktion in der Biskaya hatte ich die Gelegenheit, das Schiff von außen zu fotografieren.
Zuerst seht ihr den Rumpf nach vorne, den Bugbereich und am Ende das Heck mit Ruderdetails:






Die Brücke der "Kruzenshtern" trägt den Namen- siehe vorangegangenen Post- und - allgegenwärtig: die modernen Überwachungskameras.






Hier sieht man auf den zwei Bildern die Gangway; sie ist nur steuerbord.



Sehenswert am Rumpf die Plattungen und am Fockmast über der Mars die Ansatzstelle für die Ersatzstenge,




Beachtenswert: Klüsen und Öffungen am Schanzkleid des Welldecks:




Eine der Öffungen im Schanzkleid:



Zwei Bilder vom Bug:







Eine Gesamtansicht des Bugbereichs:



und wichtige Details wie die Klüsenöffnungen und die kleinen Ablauföffnungen für das Wasser unterhalb des Bugsprits:





Details vom Heck:









Und wichtige Details vom Ruder:







Bis denne!

Bibi
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7

Mittwoch, 24. September 2014, 14:50

Weathering

Die "Kruzenshtern" war 14 Monate auf See. Man sieht hier die intensiven Veränderungen durch Bewuchs und Verwitterung:



Noch beeindruckender hier:



Und am Ruder sieht man- neben dem Bewuchs- einen Defekt: Das Wasser strömt durch einen Gap im Ruderblatt.



Bis denne!

Bibi
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BP_Dirk

unregistriert

8

Mittwoch, 24. September 2014, 16:00

Hallo Bibi,

danke für die ausführliche Antwort. :hand:

Man lernt halt nie aus. :roll:

Verstehen muss ich's nicht wirklich oder? Aber egal ... ?(

Grüße Dirk

9

Mittwoch, 24. September 2014, 19:40

Die Krux mit dem Shtern....

Salü, Dirk!

Da gibts nix zu verstehen: Auf Deutsch kann man "Krusenstern" schreiben- aber lautsprachlich korrekt wäre "Krußenstern"- international heißt das Schiff "STS Kruzenshtern" - aber- wg. internationalen Umschriftregeln wird ein "Z" wie "ß" gelesen. "Z" wie "Zulu" ist drum falsch: "Zulu" liest man "ßulu" und nicht "Tsulu". Und drum steht auf den Rettungsringen "Kruzenshtern",

Bibi
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10

Mittwoch, 24. September 2014, 20:43

Die Back

Auf der Back der "Kruzenshtern" finden sich viele Einrichtungen, die vergleichbar bei anderen Seglern der Epoche sind. Nebenbei finden sich Details zum Weathering und zu Fragen der Decksbeplankung. Es wirkt sehr "original"- oder nicht?



Das Ankerlager, bbd:



Die Wassergänge der "Kruzenshtern" sind alle in dem Hellgrün gehalten, der Backbordanker liegt auf den Lagern. Die grünen Taue sind die Schote der Klüversegel; ein Schotblock zeigt den "Scheuerschutz". Man sieht die Fischungen der Planken und das "Weathering" um den Anker.



Achtern vom Ankerlager ist die Nagelbank für die Schoten der Klüversegel und deren Führungen- und das Positionslicht bbd.. Achtern im Hintergrund ist die STS "Sedov"; der Ort ist Gdynia (Gdingen), Aug. 2014.

Hier sieht man den Ankerstock und die Beschläge,

sowie die abnehmbare Reeling im Bereich des Ankerlagers.



Stbd. ist der Anker außenbords; hier sieht man die technischen Einrichtungen zum Fallenlassen des Stbd.- ankers und weitere Details der abnehmbaren Reeling:




Hier ein Detail:




Die Gesamtansicht der Anlage stbd zeigt die Klötze, auf denen der Anker ruht und die Beschläge- und die abnehmbare Reeling komplett.





und hier die komplette Technik:








Der Blick in den Bug zeigt u.a. die Schiffsglocke, auf der auch aktuell die Stunden geschlagen werden.




Der Blick stbd bugwärts:



Die markante, angetriebene Winsch im Zentrum der Plattform- man beachte die Decksbeplankung:



Der Kran für den Anker ist ebenfalls ein prominentes Ausrüstungsteil für Schiffe der Epoche:





Stbd und bbd werden die Takel im Bereich des Wassergangs festgemacht:




Die Basis des Krans- in Schwarz:




Die Nagelbank für die Schoten- wie gesagt - in Grün- und die Führungen, stbd:





Am Bug und achtern sind diese identischen Poller auf Podesten im Wassergang; symetrisch ist immer der zentrale und der "innere" Teil des Pollers beweglich, drehbar.




Die Nagelbank der Schoten und die Stützen:



Die Achterkante der Back mit dem Niedergang und Beschlägen:




Ebenfalls typisch sind die Positionslichter; sie wurden von unten bedient:







Die Steuerung für die angetriebene Winsch:




Und noch eine Übersicht in Sepia vom Großdeck aus:



Das wären im Wesentlichen die Dinge, die man dort sehen kann.

Bis denne!

Bibi
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