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Freitag, 4. Mai 2012, 10:35

Galvanisieren für den Hausgebrauch

Teil 1

Hier möchte ich euch zeigen wie man mit verhältnismäßig geringem Aufwand alle möglichen metallischen und auch nichtmetallische Gegenstände im Hausgebrauch mit einer galvanischen Oberfläche versehen kann, wie z.B. die ersten Schuhe vom Junior vergolden.

Die verwendeten Elektrolyte sind frei erhältlich und bei bestimmungsgemäßen Gebrauch nicht gefährlich. Natürlich sollte man das Zeugs nicht mit dem „Feierabend Bierchen“ verwechseln und auch möglichst nicht in die Augen bekommen (deshalb von Kinder und Lebensmittel fernhalten), bei Hautkontakt mit den aus dem Bad entnommenen Teilen gilt das gleiche wie bei anderen Chemikalien auch, GRÜNDLICH MIT WASSER ABSPÜHLEN.

Da das hier verwendete Elektrolyt frei erhältlich ist hat es natürlich nichts mit dem, welches in Galvaniken eingesetzten wird zu tun (das ist wirklich hochgiftig und kann auch nur von Berechtigten bezogen werden). Daher ist der mit dieser Methode erreichte Überzug auch nicht so strapazierfähig wie ein industriell erzeugter und es gibt auch kein Chrom-Elektrolyt, aber mit Nickel erreicht man nahezu den gleichen Effekt. Es wirkt zwar etwas gelblicher, aber wenn das Teil nicht direkt neben einem verchromten liegt merkt man keinen Unterschied, auch das Glanzzink kommt dem Chrom ziemlich nahe wirkt aber etwas heller.

Wie funktioniert das Galvanisieren?

In der nachfolgenden Skizze seht Ihr den prinzipiellen Aufbau:



Das Elektrolyt enthält unsichtbare Teilchen des jeweiligen Materials z.B. Kupfer. An dem Pluspol einer Gleichstromquelle wird nun die dazugehörige Anode und an dem Werkstück der Minuspol angeschlossen und beide so in das Elektrolyt getaucht das sie sich nicht berühren können.
Schalten wir nun die Stromquelle ein, dann fliest Strom durch das Bad und die z.B. Kupferteilchen des Elektrolyt wandern zu dem Werkstück und schlagen sich auf dessen Oberfläche als sichtbare Kupferschicht nieder. Bei diesem Vorgang werden die dem Elektrolyt entzogenen Materialteilchen über die Anode wieder zugeführt, weshalb sich die Anoden im Lauf der Zeit auch verbrauchen (siehe Foto weiter unten).



Was wird benötigt:

1. Elektrolyt, dieses gibt es für Kupfer, Zink, Nickel, Silber und Gold.




2. Anode, diese bildet den Plus-Pol und ist für Silber und Gold aus Edelstahl, für Nickel, Kupfer und Zink gibt es eigene Anode aus dem jeweiligen Material.


Hier seht Ihr im Bild links oben eine neue und darunter eine schon länger eingesetzte Kupferanode an der man schön erkennen kann wie das Material abgetragen wird. Rechts oben ist eine Nickel- und darunter eine Zinkanode.
Die Anoden sind für den Anschluss mit einer Bohrung versehen durch die normalerweise die Anschlussleitung nur durchgesteckt und verdrillt wird. Ich habe jedoch diese Leitungen verlötet und mit Heißkleber die Lötstellen isoliert damit kein Lötzinn mit dem Elektrolyt in Berührung kommt, dieses würde nämlich durch das Lötzinn verunreinigt und damit unbrauchbar.


3. Graphitspray, damit wird die Leitschicht auf nicht leitenden Werkstücken hergestellt für kleinere Teile oder für Ausbesserungsarbeiten geht auch Leitsilber aber für größere Flächen ist dieses zu teuer.




4. Ein ausreichend großes chemikalienbeständiges Gefäß.

5. Regelbares Netzgerät, die Spannung sollte im Bereich von 1-5V regelbar sein und pro cm² Fläche die galvanisiert wird muss es 35mA Strom liefern können.
Als Beispiel, die zu galvanisierende Oberfläche ist 12 cm² groß, dann muss das Netzgerät 35x12 = 420 mA abgeben können.


Es gibt auch ein Handgalvanisier-Gerät, dies ist für Gegenstände die zu groß für das Tauchbad sind oder dem Aufbringen von Gold- und Silberelektrolyt gedacht, aber dazu komme ich später noch.

Alle benötigten Materialien bekommt Ihr hier beim großen "C".
Man bekommt die Materialien aber auch in Fachgeschäften für Goldschmiedebedarf und das oftmals sogar günstiger.


Vorbehandlung der Teile:


Diese müssen wenn sie hochglänzend werden sollen absolut glatt und riefenfrei sein. Der galvanische Überzug wird nur wenige µ dick und wirkt nicht spaltfüllend. Man kann die Teile nach dem Kupferbad zwar noch einmal leicht mit einem Tuch aufpolieren aber damit bekommt man Fehler die bereits im Grundkörper vorhanden sind nicht weg. Für die nachfolgenden Schritte sollte das Werkstück gründlich entfettet werden.
Das Werkstück wird gleichmäßig mit dem Graphitspray eingesprüht, wichtig ist dabei dass sich eine geschlossene Oberfläche bildet und dass der Draht (falls angeklebt, siehe „kontaktieren“) an den Anschlusspunkten auch mit dem Graphit Verbindung hat (notfalls mit Leitsilber nachhelfen). Es sollte aber auch nicht zu dick aufgetragen werden.



Die Leitfähigkeit des behandelten Werkstücks kann man mit einem Messgerät überprüfen und liegt normalerweise im Bereich von 3-5 KOhm.


Kontaktieren:

Hierzu verwende ich wenn möglich Druck- oder Auflagepunkte die ich, wie im Beispiel gezeigt aus 1,5 mm² Schaltdraht anfertige. Je mehr Anschlusspunkte und je gleichmäßiger diese verteilt sind, um so besser wird auch das Ergebnis.
Es ist auch möglich den/die Anschlussdrähte direkt mit Sekundenkleber an dem Teil zu befestigen, dies sollte dann aber vor dem Auftragen des Leitlackes erfolgen und es muss sichergestellt sein das zwischen Draht und Leitlack eine Verbindung besteht. Notfalls mit Leitsilber nacharbeiten.
Diese Verbindungsart hinterlässt jedoch nach dem Galvanisieren Spuren und sollte deshalb an einer später nicht mehr sichtbaren Stelle erfolgen.

Der Draht sollte nur an den Kontaktstellen blank und mit dem Leitlack verbunden sein da sonst auch dieser mit galvanisiert wird, was das Elektrolyt unnötig belastet und auch die Zeit für den Vorgang verlängert.



Anschlussdraht für das Nachfolgende Beispielteil. Es sind nur die Kontaktflächen blank, die nicht am Werstück anliegenden Bereiche und der Übergang zur Isolierung wurde mit weiblichen Tuningteilen (Nagellack) abgedeckt.


Das war’s fürs erste, im zweiten Teil gehts dann mit einem Beispiel weiter.

Robert :wink:

2

Freitag, 4. Mai 2012, 12:27

Das ist schon mal eine tolle Einleitung :ok: !

Ich hoffe, Du hängts den praktischen Teil hier mit an und machst nicht einen 2ten Thread ;) Das würde meines Erachtens unübersichtlich sein ;)

3

Freitag, 4. Mai 2012, 12:39

Hallo Christian,

keine Angst ich mache schon hier weiter, es waren nur zu viele Zeichen so dass ich es nicht als ganzes hochladen konnte. Aber jetzt muss ich erst noch den zweiten Teil "umbauen" damit es wieder passt.

Gruß Robert

4

Freitag, 4. Mai 2012, 13:50

Hallo Robert,

riesigen Dank für diesen Thread - ich habe mir auf der Suche nach einer vergleichbaren Anleitung
schon mehrmals einen Wolf gegoogelt, nun ist das Problem gelöst. Suuupieeee! :thumbup:

Grüße,
Martin

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5

Freitag, 4. Mai 2012, 16:41

Da ist er ja, dein Bericht :ok:

Das schaut auf jeden Fall schon mal super aus, recht einfach und ziemlich günstig.
Ich werde auf jeden Fall dran bleiben, mal sehen ob ich das mir auch mal zulege ;)
The "Earth" without "Art" is just "Eh".

6

Freitag, 4. Mai 2012, 20:38

Hallo Robert,

ich habe an anderer Stelle von deinem angedrohten Bericht gelesen und sehnsüchtig drauf gewartet. In der Schule habe ich zwar Chemie früh abgewählt, aber ich glaube, hier könnte man noch einmal einen "Versuch" starten.

Bin gespannt, wie es weitergeht.

Viele Grüße

Thorsten

7

Samstag, 5. Mai 2012, 23:43

Hallo Robert,
Klasse Einleitung.
Bitte geh auch auf die Abfolge der verschiedenen Untergrund-Schichten bei Vergoldung und Versilberung ein.
Für viele Anfänger im Galvanisieren liegt ja auch her ein Hauptproblem.
(Vergoldung geht ja bei falschem Vorgehen mit Sicherheit schief).

Das Galvanisieren ist ja nicht nur für toll aussehende Metalloberflächen gut,
sondern auch als Korrosionsschutz nahezu unschlagbar!
- Bei Einsatz im Salzwasser die einzige brauchbare Möglichkeit...

Ich lese hier auf jeden Fall auch weiter eifrig mit.

lg,
Frank
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8

Sonntag, 6. Mai 2012, 11:29

Wann geht es denn weiter?
Ich kann es kaum abwarten ;)
The "Earth" without "Art" is just "Eh".

9

Sonntag, 6. Mai 2012, 15:15

Hallo Clemens, :wink:

ois mid da Ruah, :prost: ich bin gerade dabei eine neue Fotoreihe für den 2. Teil zu machen da ich erst auf den Fotos bemerkte das was mit dem Leitlack schief gelaufen ist.

Ich hatte Dir ja in der PN geschrieben, dass ich noch auf eine Lieferung warte und diese auch erhalten habe. Aber dieses neue Graphitspray ist wohl in seiner Zusammensetzung anders aufgebaut, wie das welches ich bisher benutzte, was sich am nächsten Tag mit dem Effekt einer wunderbaren „Schrumpflack“ Oberfläche bemerkbar machte, :bang: was natürlich für mein Vorhaben absolut unbrauchbar war.

Ich hatte bisher immer einen „Haftvermittler“ (Primer) eingesetzt um eine stabile Verbindung des Graphitsprays mit dem Kunststoffbauteil zu erreichen und gerade dies scheint nun mit dem neuen Spray zu kollidieren.

Nach mehrmaligem abschleifen und neubeschichten sieht es jetzt aber gut aus und ich mach eine neue Fotoreihe, daher die Zeitverzögerung.

Gruß Robert

10

Dienstag, 8. Mai 2012, 01:04

Galvanisieren für den Hausgebrauch Teil 2

So jetzt geht’s weiter mit dem 2. Teil.

Wie ich ja vorher schon geschrieben habe hatte ich ein kleines Problem mit dem neuen Graphitspray in Kombination mit dem von mir verwendeten Kunststoffprimer.


Hier kann man schön den „Reißlack-Effekt“ erkennen, er ist erst über Nacht aufgetreten obwohl das Graphitspray eigentlich sofort nach dem Auftragen trocknet.
Daher meine Empfehlung erst an einem Musterteil mit dem vorgesehenen Untergrundaufbau das Graphitspray testen und über Nacht abwarten.


Was kann ich galvanisieren?

Prinzipiell kann man mit diesem Verfahren alle leitfähigen Oberflächen und Materialien veredeln, die einzige Ausnahme ist eloxiertes Aluminium, hier funktioniert diese Technik nicht und auch bei Edelstahl kann es zu Problemen kommen aber in den meisten Fällen funktioniert es wenn man hier als erstes eine Haftschicht mit Nickel aufträgt.
Auch die verchromten Teile von Bausätzen können mit einer anderen, z.B. Goldoberfläche auf diese Weise versehen werden und da die Chromschicht leitfähig ist sind hier auch keine besonderen Vorarbeiten erforderlich, außer dem Ausbessern von Angüssen mit Leitlack .

Hier nun das Beispielteil, es handelt sich um den Kreiskolben eines Modell-Wankelmotors.


Ursprungsteil



und nach der Behandlung mit dem Graphitspray (jetzt ohne Reißlackeffekt).

Die Graphitbeschichtung kann sehr leicht mit einem weichen Tuch aufpoliert werden, wodurch der Glanzgrad der späteren Oberfläche noch erhöht wird. Man muss dabei nur an Kanten und hervorstehenden Teilen aufpassen dass man an diesen Stellen nicht auf den Untergrund durchpoliert.

Hier ist das vorbereitete Werkstück mit dem im 1. Teil beschriebenen Kontaktdraht an meiner Drehvorrichtung angebracht und für das Galvanikbad vorbereitet.


Zur Sicherheit überprüfe ich nochmals die Leitfähigkeit des gesamten Aufbaus.

Die Drehvorrichtung ist eine sinnvolle Einrichtung wenn man öfter Teile behandelt, den der Strom im Bad geht immer den kürzesten Weg von der Anode zum Werkstück, was bedeutet das die nächstgelegene Stelle stärker beaufschlagt wird und es sehr lange dauert bis die weitest entfernte vollständig überzogen ist. Deshalb sollten die Teile im Bad immer bewegt werden.

Die Drehvorrichtung habe ich mir aus einigen ABS- und Aluprofilen und einer Motor- Getriebekombination aus einem alten CD-Laufwerk aufgebaut. Es gibt aber auch eine fertige Drehvorrichtung beim großen „C“.


Hier noch eine Detailaufnahme wie die unteren Kontakte am Werkstück anliegen.

Damit sind die Vorbereitungen an dem Werkstück abgeschlossen und jetzt geht es um die Auswahl des richtigen Elektrolyts und dem Oberflächenaufbau.


Prinzipiell gilt, alle mit Leitlack behandelten und weiche oder labile Gegenstände müssen als erstes mit einem „sauren“ Kupfer-Elektrolyten behandelt werden. Es bildet verhältnismäßig schnell eine stabile Schicht und dient als Basis für alle weiteren Galvanikschichten, außerdem lässt sich das Kupfer sehr gut aufpolieren, für Eisen, Stahl, Blei und Zinn ist es jedoch nicht geeignet da die Haftung auf diesen Werkstoffen nicht besonders gut ist. Bei diesen Werkstoffen muss zuerst eine dünne Schicht aus „alkalischem“ Kupfer-Elektrolyt als Haftvermittler aufgebaut werden, danach kann man mit dem sauren Kupfer-Elektrolyt weiter arbeiten.
Es gibt auch ein Kupfer-Glanz-Elektrolyt es entspricht dem „sauren“ nur zusätzlich enthält es Zusätze die schon während des galvanisier eine glänzende Oberfläche erzeugen. Allerdings ist dieses Elektrolyt sehr empfindlich im Bezug auf die richtige Stromstärke und kann sehr schnell an den Kontaktstellen „verbrennen“, dies ist eine sehr raue harte Stelle welche nicht mehr galvanisch weiter verarbeitet werden kann und von dem Werkstückt nur noch mechanisch zu entfernen ist. Trotz dieser Einschränkung verwende ich hauptsächlich dieses Kupfer-Glanz-Elektrolyt da es mit geringerem Aufwand das bessere Ergebnis liefert.


Die zweite wichtige Galvanikschicht ist Nickel, diese ist nicht nur als Chromersatz zu verwenden, sondern sie dient auch als „Sperrschicht“ für Gold- und Silberauflagen damit diese nicht im Grundmetall versinken. Bei Edelstahl dient die Nickelschicht auch als Haftvermittler für nachfolgende Oberflächenbehandlungen.

Nach dieser Vorbehandlung können nun alle anderen galvanischen Oberflächen problemlos aufgebracht werden.

Mit dem Musterteil geht es im 3. Teil weiter.

Grüße Robert :wink:

11

Dienstag, 8. Mai 2012, 16:02

Galvanisieren für den Hausgebrauch Teil 3

3. Teil.

In diesem Teil geht’s jetzt um das eigentliche galvanisieren anhand des Beispielteils.

Als erstes wird die Basisschicht aus Glanz-Kupfer aufgebracht.



Auf diesem Foto seht Ihr wie das Werkstück und die Anoden in der Wanne angeordnet sind.
Ich verwende wenn es der Platz zulässt gerne mehrere parallel geschaltete Anoden dadurch wird der Auftrag noch gleichmäßiger und es geht schneller, aber es funktioniert auch mit nur einer Anode. Wichtig ist nur das das Werkstück in keiner Stellung einen direkten Kontakt mit der/den Anoden bekommt, das würde einen Kurzschluss auslösen und an der Kontaktstelle würde es zu dem im Teil 2 bereits beschriebenem „verbrennen“ kommen.


Nun muss noch die erforderliche Stromstärke für das Werkstück errechnet werden.
Hierzu wird zuerst die Größe der Oberfläche des Werkstücks ermittelt, danach kann man anhand dieser Tabelle den erforderlichen Wert je nach verwendetem Elektrolyt berechnen.

Elektrolyt .............. Spannung ....... Strom pro cm²

Kupfer sauer ............ 1-3 V ........... 30-35 mA
Kupfer alkalisch ....... 2-4 V ........... 20-50 mA

Nickel sauer ............. 2-4 V ........... 10-50 mA
Gold alkalisch .......... 2-3 V ............ 20-50 mA
Silber sauer ............. 1-2 V ............ 10-30 mA
Zink sauer ................ 3-6 V ............ 25-60 mA


Das Musterteil hat eine Oberfläche von ca. 39 cm², und als erstes wird mit Glanz-Kupfer gearbeitet = Kupfer sauer = 35 mA, das ergibt 39 x 35mA = 1365 mA Stromaufnahme die für dieses Werkstück erforderlich ist.
Diese Stromaufnahme soll zu Beginn des Galvanisiervorgangs aber auf ca. 1/3 reduziert werden und erst langsam, wenn sich an den Kontaktpunkten ein sichtbarer Niederschlag zeigt, auf den berechneten Wert eingestellt werden.


Hier nun der gesamte Aufbau.





Hier kann man schon erkennen wie sich von den Kontaktpunkten ausgehend die Schicht aufbaut. Die Schicht sollte sich in einem gleichmäßigen hellrot aufbauen, wenn sich hier dunkelrote bis braune Stellen zeigen, ist die Stromstärke zu hoch eingestellt.



Und so sieht es nach ca. 5 Minuten aus wenn die Stromstärke richtig eingestellt war. Man kann hier auch schön erkennen wie sauber das Glanz-Kupfer aus dem Bad kommt, bei einem normalem Kupfer-Elektrolyt währen die Flächen angelaufen und müssten vor der weiteren Behandlung mit einem anderen Elektrolyt erst noch mit einer Haushaltspolitur aufgearbeitet werden.



Aber hier genügt es wenn nur kurz mit einem weichen Tuch poliert wird.

Als nächstes wird eine Nickelschicht aufgebracht.
Die Vorgehensweise ist dieselbe wie soeben beschrieben, wichtig ist nur, dass die Wanne und das Werkstück peinlich sauber mit Wasser gewaschen werden. Die unterschiedlichen Elektrolyte dürfen auf keinen Fall untereinander vermischt werden, nur geringste Mengen eines Anderen würden das ganze Bad zerstören.



Und hier im Nickelbad.




Und jetzt das fertige Teil.

Auf dieser Nickelschicht kann jetzt problemlos eine wirklich haltbare Gold- oder Silberschicht aufgebaut werden. Nur würde ich die dann mit dem Handgalvanisierer aufbringen da für ein Tauchbad zu viel von dem Elektrolyt benötigt wird (ich hatte bei diesem Beispielen jeweils 300 ml Elektrolyt in der Wanne) was bei den Preisen doch etwas übertrieben ist.

Noch ein Tipp zu verbrauchten oder verunreinigten Elektrolyte, diese lassen sich noch wunderbar zum „abbeizen“ von gescheiterten Galvanikstücken verwenden, hierzu werden nur die Anschlüsse getauscht (das Werkstück wird an Plus angeschlossen) und als Anode genügt ein beliebiger Blechstreifen und schon funktioniert das Ganze in umgekehrter Form. Die Oberfläche wird vom Werkstück abgetragen und schlägt sich auf dem Blech nieder.

So das war’s jetzt mal fürs erste, ich hoffe ich habe euer Interesse geweckt und der eine oder andere probiert das auch mal aus, es ist kein „Hexenwerk“.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich noch einen 4. Teil mit dem Handgalvaniserer hier einstellen.

Grüße Robert :wink:

12

Dienstag, 8. Mai 2012, 17:04

Robert , ein Super beschriebener Bericht über das ganze Galvanisieren hast hier gemacht .
Aber nachdem ich alles durchgelesen habe , denke ich das es für mich nicht in frage kommt .

Die ganzen Sachen zusammensuchen , die Kosten , der Arbeitsaufwand . Und man bedenke Du hast jetzt nur ein Teil beschichtet , ich schicke
ganze Rahmen im Din A4 format weg zum "verchromen" .

Ich glaub da bleib ich auch lieber bei .
Viel glück denjenigen die es Probieren möchten/werden !

Lg Daniel
Zur Zeit auf dem Tisch :

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VW Jetta2 Ratte



:evil:

Jäger und Sammler .... immer auf der Suche !

keramh

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13

Dienstag, 8. Mai 2012, 19:31

moin,

DANKE für den Bericht, habe schon etwas Literatur zu dem Thema hier aber so klar steht es da leider nicht drinn.

Für mich kommt es schon in Frage da ich öfter viele Kleinteile habe und beim selber machen viel viel Portokosten sparen kann.

Das GlanzKupfer ist ja der Oberhammer, kannte ich bislang nicht.
Da steht diesem Projekt ja nichts mehr im Weg.


14

Dienstag, 8. Mai 2012, 20:02

Da steht diesem Projekt ja nichts mehr im Weg


Da bin ich aber mal gespannt auf die Konstruktion, die Wanne für ca, 1,8 m² Fläche
mal dem Strom, wären etwas 63.000 mA . . .

. . . das will ich sehen :abhau:


Lieber gruß
Dieter
Mann kann über alles reden - nur nicht mit jeder 8o
... einfach tief Luft holen...

15

Dienstag, 8. Mai 2012, 20:07

Hallo Daniel :wink:

Deine Ausführungen mögen für Dich betrachtet schon stimmen und das Angebot welches Du an Land gezogen hast ist auch wirklich in Ordnung ich habe da auch schon einige Teile für die ich es selbst in Anspruch nehmen werde. Aber ich arbeite nicht nur mit Kunststoffen sondern auch mit Metallen und da hat dieses Verfahren den Vorteil das man praktisch alle Werkstoffe damit behandeln kann und ausserdem sind doch Modellbauer im Bezug auf das warten von Teielieferungen eher ungeduldige veranlagt :pfeif:
Das mit den Kosten ist auch nicht so schlimm, ich habe für jeweils 400 ml Kupfer- Nickel- und Zinkelektrolyt incl. jeweils 2 Stck. Anoden ca. € 80,-- ausgegeben und das verwende ich seit mindestens 5 Jahren.

Robert

keramh

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16

Dienstag, 8. Mai 2012, 20:12

ich glaub, wenn ich ein Original hätte, könnte ich mir bestimmt auch einen Galvanik Betrieb leisten.
Für meinen 1:16er ist dieses Verfahren aber genau richtig...

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17

Dienstag, 8. Mai 2012, 20:30

Danke für deine tolle Anleitung :ok:

Mal sehen, wenn ich etwas Geld übrig habe (was man ja als Schüler bei der Fülle an tollen Bausätzen praktisch nie hat :D ), werde ich mir vielleicht auch sowas zulegen.

Ich hätte nur noch zwei Fragen:
1. Wie lange dauert es ungefähr, bis so ein Werkstück fertig galvanisiert ist? Nur so als grobe Richtlinie, ob ich 5 Minuten oder eher 2 Stunden einplanen muss...
2. Kann ich, wenn ich ein Werkstück fertig habe, das Elektrolyt aufbewahren und für das nächste Teil wieder nehmen oder muss ich dann 'frisches' nehmen?
The "Earth" without "Art" is just "Eh".

18

Dienstag, 8. Mai 2012, 20:32

@Marek

sowas ist durchaus machbar und stell Dir mal vor was für ein "sattes Gewicht", wenn als Modell gebaut, das hat. In 1:1 und in D zugelassen ist wahrscheinlich nur eine LKW-Zulassung möglich.

@Dieter

Schwimmingpool mit D=7m, ein kleiner Liebherr als Drehvorrichtung und eine 63A Sicherung......... :hey:
wo siehst Du da ein Problem :party:

Robert

19

Dienstag, 8. Mai 2012, 21:33

@Robert
63A-Sicherung :verrückt: ich hab ja jetzt schon Probleme mit der Nachbarschaft, wenn ich Weihnachten die Beleuchtung anschalte . . . :abhau:

Deine Beschreibung ist mir aber im Moment auch zu umfangreich, da warte ich mal die Handgalvanisierung ab, mal sehn, ob das evtl. was für mich ist.

Lieber gruß
Dieter
Mann kann über alles reden - nur nicht mit jeder 8o
... einfach tief Luft holen...

20

Dienstag, 8. Mai 2012, 21:51

Hallo Clemens,


  1. Die erste Schicht (in der Regel Kupfer) bildet die Basis und sollte daher stabiler aufgebaut werden, bei Teilen wie das im Beispiel von mir gezeigte Bausatzteil aus Kunststoff dauert es je nachdem wieviele Kontaktpunkte (im Beispiel 3 Stck. in der Bohrung und 3 Stck. an der unteren Fläche) angebracht sind zwischen 5 und 15 Minuten bis eine vernünftige Schicht aufgebaut ist. Bei "weichen" Teilen wie z.B. einer Blume kann es durchaus Stunden dauern, da diese ja erst mal "hart" werden muss. Alle nachfolgenden Schichten sind in ca. 5 Minuten deckend aufgebaut. Aber mit dieser zweiten Schicht kann man sehr gut "spielen", ich habe z.B. bei dem Musterteil keine 100%ige Deckung mit Nickel aufgebaut, dadurch erreichte ich eine leichte rötlich-silberne Tönung so wie sie auch an Pleuel und anderen im Ölbad laufenden Teien zu finden ist.
  2. Das Elektrolyt kann bei dunkler Lagerung und Raumtemperatur so lange verwendet werden bis sich keine venünftige Schicht mehr aufbaut. Das im Beispiel verwendete setze ich bereits seit ca. 5 Jahren ein wobei ich mindestens 1 mal pro Monat damit arbeite. Wird wie beschrieben das Elektrolyt jedoch mit einem anderen vermischt oder kommt es mit einer anderen Chemikalie in Verbindung (hier genügt in beiden Fällen schon ein kleiner Tropfen) ist es unwiederruflich nur noch zum "abbeizen" zu gebrauchen.

Ich hatte als ich mit dieser Technik angefangen habe auch 2 Flaschen Glanz-Kupfer verbraten (das dient heute noch zum abbeizen) bis ich den "Dreh" heraus hatte, da dies die Basis bildet und am kritischten im Bezug auf den Strom ist. Hier gilt mit gerigerem Strom wie berechnet anfangen und genau beobachten. Aber wie heist es so schön? AUS FEHLERN LERNEN und jetzt klapt es immer auf Anhieb.

Viel Glück wenn Du's probierst :hand:
Robert

21

Dienstag, 8. Mai 2012, 21:59

Hallo Dieter,

was hast Du denn für Nachbarn, ?(

einmal kurz Rolli verkupfern muss doch noch möglich sein :tanz:

Robert

Kammerfeger

unregistriert

22

Dienstag, 8. Mai 2012, 22:46

@Robert

ERstmal DANKE für die super Anleitung.

Hätte da als absoluter Laie allerdings noch ein paar Fragen:

1) welche Geräte benötige ich für den einwandfreien Betrieb?
2) wie kann ich diese Stromstärke bzw. Volt ( mAmp, etc. ) errechnen und erzeugen? ( Trafo , Netzteil ? )
3) wieviel Strom verbrauche ich da in etwa ?

Diese Fragen mögen jetzt vielleicht "dumm" klingen. Ich arbeite ausschliesslich an 1/12 Modellen, da ist alles etwas größer als bei 1/24er. Daher auch höherer Aufwand.

Danke dir schon mal im Voraus .... :wink:

23

Mittwoch, 9. Mai 2012, 00:20

Hallo Kammerfeger,

:hey: im Teil 1 der Beschreibung habe ich genau aufgeführt was alles für diese Technik benötigt wird.

Auch die Berechnung der für die jeweilige Oberflächengröße benötigte Stromstärke findest Du einmal im Teil 1 und auf das Beispiel bezogen mit konkreten Werten in Teil 3.

Die benötigten Werte kann man nicht "pauschalieren" sie sind abhängig von der Oberflächengröße und haben auch nichts mit dem Modellmaßstab zu tun.

Als Beispiel:
Du hast ein Teil eines 1:43 Modells mit den Abmessungen L=50mm, B=20mm und H=10mm, dann ergibt das eine Oberfläche von 34 cm², jetzt hast Du ein Bauteil eines 1:12 Bausatzes mit den gleichen Abmessungen aber die Oberfläche bleibt trotzdem gleich, somit ist es gleichgültig in welchem Maßstab das Modell ausgeführt ist.

Gruß Robert

Kammerfeger

unregistriert

24

Mittwoch, 9. Mai 2012, 09:43

:hey: im Teil 1 der Beschreibung habe ich genau aufgeführt was alles für diese Technik benötigt wird.

Sorry, hatte den kleinen Link zum grossen "C" übersehen.

25

Mittwoch, 9. Mai 2012, 10:17

Hallo Robert,
du hast da eine sehr verständliche und gut nachvollziehbare Anleitung geschrieben.
Vielleicht sollte dieser Thread oben "festgemacht" werden, damit er dauerhaft einfach zu finden ist.
:!: An die Admins: Wär das nicht eine gute Idee?
Im Gegensatz zu den meisten anderen Anleitungen schreibst du jedenfalls auch für Laien verständlich.

Eine Anmerkung zu den Elektrolyten hätte ich noch hinzuzufügen.
Das "Verbrauchen" der Elektrolyten geschieht auf zwei verschiedene Arten.
a) Die Elektrolyte für die "unedlen Metalle" altern und verschmutzen, bis sie nicht mehr brauchbar sind.
Das hängt sehr von der Sauberkeit und Sorgfalt des Benutzers ab.
Die Metalle werden ja als Anoden in das Elektrolyt eingehängt.
b) Die "edlen Metalle" - also Gold und Silber kann man im Hobbybereich nur mit im Elektrolyt gelösten Metallionen aufbringen.
Dadurch ist ein Elektrolyt dann "erschöpft", wenn die enthaltene Menge an Metall aufgebraucht ist.
Das ist gerade bei dem Gold-Elektrolyt natürlich sehr schnell geschehen.
Hier ist Roberts Anweisung, auf keinen Fall die Stromstärke zu hoch einzustellen extrem wichtig.
Meist ist es hier sogar besser eine niedrigere Stromstärke zu benutzen, wenn die Flächen größer sind.

lg,
Frank
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26

Mittwoch, 9. Mai 2012, 13:08

Hallo Frank,

ja auf das Verhalten bei den Gold- und Silberelektolyt (Aufbrauch) gehe ich explizit im Teil 4 Handgalvanisierung ein. Ich wollte das nur bei den Tauchverfahren nicht so ausbreiten da es nur zu Verwirrungen führen könnte und ich auch nicht glaube das sich jemand 1/2 L von diesen für ein "Vollbad" kauft.
Aber danke für deinen Hinweis und die Ergänzungen.

Gruß Robert

keramh

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27

Mittwoch, 9. Mai 2012, 13:20

moin,

am besten gefällt mir der Tip mit dem Graphitspray.
Bislang bin ich davon ausgegangen das nur Silberleitlack in Frage kommt.
Und Dieser war mir einfach zu teuer um selbstgebaute Kunsstoffteile zu veredeln.

28

Donnerstag, 10. Mai 2012, 11:02

Netzgerät

Hallo Robert,

ich habe mal bei Conrad gesucht, aber nichts Richtiges in Sachen Netzgerät gefunden. Dann habe ich nach deinem Manson gegoogelt und komme hier auf mindestens € 80 für das günstigste Teil.Richtig? Das scheint mir dann für den Gelegenheitsgalvanisierer doch ziemlich teuer.

Von dem Effekt, den du erzielst, bin ich dennoch total begeistert. Ich werde mir das trotz völliger Talentfreiheit in Sachen Naturwissenschaft (Physik habe ich auch früh abgewählt) mal überlegen.

Vielen Dank für die klasse Anleitung

Thorsten

29

Donnerstag, 10. Mai 2012, 14:16

Hallo Thorsten,

ja der Preis für das Netzgerät stimmt, Du kannst aber auch jedes andere verwenden wie sowas da. Es kommt halt auf die Größe der Teile an die Du bearbeiten möchtest, man kann auch mit Festspannungs-Netzteilen und Widerständen arbeiten, aber da ist gerade bei den ersten Versuchen der Frust vorprogrammiert.

Grüße Robert

30

Samstag, 9. Juni 2012, 01:45

Zwischenschritt, oder auch NE-Metalle galvanisieren

Hallo Funzelgemeinde,

ich möchte hier noch ein Beispiel von, in diesem Fall aus Messing angefertigten Teilen und dem Ergebnis nach dem Vernickeln zeigen.

Die Teile im bereinigten und pollierten Rohzustand


und jetzt an dem (zugegebenermaßen konfusen) Galvanikast nach dem Vernikeln.


jetzt alle vernickelten Teile mit der obligatorischen 1 Cent Münze.


Dies sollte nur Darstellen was mit dieser Technik möglich und auf allen Materalien (Werkstoffen, nach Vorbehandlung) anwendbar ist.

Der Bericht Über das Handgalvanisieren folgt noch.

Robert

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