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3 451

Donnerstag, 15. November 2018, 13:28

Hallo Johann,

Deine Farbvariationen sehen klasse aus .. in die entsprechende Umgebung gelegt könnte ich wohl keinen Unterschied zwischen Original und Modell erkennen.

Vermutlich warst Du bei Deinen Recherchen auch über die Syren-Seilmaschine gestolpert ... ... im Grunde auch hier die immer gleiche Seilereitechnik wie seit tausenden Jahren ... bei weitem nicht so HighTech wie Deine. Falls nicht könnte im Zuge Deiner Seilexperimente die darin vorkommende Technik eventuell interessant sein ... vielleicht verwendest Du sie auch schon.
https://www.syrenshipmodelcompany.com/ropewalk.php

Auf der Seite gibt es zwei Anweisungssvideos zum Herstellen der Seile ... interessant das zweite Video. Dort zeigt er ab etwa Minute 8 eine Technik, durch die sich das Seil nach einem Schnitt nicht wieder aufdröselt. Er nennt das "harden the rope" .
https://youtu.be/LXAW8qZLELM

Mit Vorsicht setzt er das fertig gedrillte Seil zusätzlich ein Stück weit unter Zug ... befeuchtet es leicht mit Wasser ... behandelt es abschließend kurz mit Bienenwachs.
Die Verwendung von Feuchtigkeit stellt im letzten Stadium der Seilherstellung ganz offensichtlich kein Problem dar.

Erst ab diesem Moment ist es, nach seiner Meinung, ein gutes Seil ... gut für die Weiterverarbeitung ... es rollt sich ganz offensichtlich nicht mehr zusammen ... noch wichtiger ... es dröselt sich beim Schnitt nicht wieder auf .. höchstens ein kleines Bisschen.

Ich muß sagen ich stimme seiner Meinung zu, denn er kann das so behandelte Seil einfach mit dem scharfen Skalpell schneiden ... sogar mehrfach ... ohne, daß es sich wieder aufdröselt ! Cool
Durch den nicht mehr vorhandenen Drall legt es sich und fällt sicher auch realistisch.
Wie weit nach dem Bienenwachs noch eine zusätzliche Färbung möglich ist muß man testen ... ölige, teerige Farben dürften auf jeden Fall funktionieren

( Bei manchen fertig zu kaufenden Seilen ist das nicht möglich und man wird sogar gewarnt das Seil zu schneiden ohne es zuvor mit einem Tropfen Klebstoff gesichert zu haben. Liegt vermutlich auch am verwendeten Material ... bei Kunstfasern geht das vermutlich nicht )
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

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3 452

Freitag, 16. November 2018, 18:37

Hallo Markus,

die Syren-Reeperbahn kenne ich, ebenso das entsprechende Video.
Das Befeuchten werde ich auch mal versuchen, was es damit auf sich hat.
Möglicherweise wird es im Video deswegen gemacht, um das Aufdrehen des Taus zu
verhindern.
Wobei bei richtig geschlagenen Tauen ein Zusammendrehen und Aufdrehen ohenhin nicht
vorkommen sollte, da sich die Kardeele durch die mit der Verdrillung eingebrachte Energie
von selbst in die richtige Lage bringen sollten.

Entscheidend ist, was für ein Ausgangsmaterial für die Tauherstellung verwendet wird.
Wie bereits schon darauf hingewiesen, Polyestergarn ist unproblematisch und führt immer zu guten
bis sehr guten Ergebnissen, Baumwollgarn auch. Das ist einfach mit der feineren Faserstruktur zu
erklären.
Kompliziert und schwierig wird es erst mit Leinengarn, und da ist Feintuning und Üben, Üben angesagt,
um einigermaßen brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Um diese Ergebnisse dann auch noch reproduzierbar
wiederholen zu können sind geeignete Aufzeichnugnen für die verschiedenen Tauarten
unerlässlich.
Wer mal ein gutes Tau aus Leinengarn in Händen gehalten hat, wird von der Haptik und dem realistischen
Erscheinungsbild angetan sein, zumindest war es bei mir so. Damit wurde in mir der Ehrgeiz geweckt, danach zu
streben es für mein Modell entsprechend hinzubekommen.

Sollte es mir nicht zufriedenstellend gelingen, habe ich immer noch die Option Baumwollgarn zu verwenden.
Polyestergarn ist eher keine Option.

Insofern habe ich noch eine weite Wegstrecke vor mir …. :ok:

3 453

Freitag, 16. November 2018, 20:23

Zitat

Polyestergarn ist eher keine Option.
Das sehe ich auch so! :hand:
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

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3 454

Sonntag, 18. November 2018, 13:33

Fortsetzung: Schlagen von Tauen
Endlich versuchte ich mich mal an einem Kabelschlag. Weil es einfacher war und nur der erste Versuch, verwendete ich dazu 4x3 rechtsgeschlagene Taue aus Leinengarn.
Auf Hinweis von Robert Volk @tarjack habe ich die letzten Taue immer ohne motorisierten Schlaghaken hergestellt. Das dazu von Frank @Frank empfohlene Lager am Schlaghaken ermöglicht diesem sich fast völlig reibungslos frei zu drehen, was das Zusammendrehen der Kardeele wesentlich erleichtert und somit ohne motorisierte Unterstützung erfolgen kann. Das funktionierte auch bei dem linksgeschlagenen Kabel, welches sehr fest, fast steif geworden ist. Die Enden des Kabels müssen nicht verknotet werden, da sie sich nicht mehr aufdrösseln. Die Kardeele liegen somit fest und völlig ohne Spannung aneinander. Ich denke, dass das ein gutes Zeichen ist.


Hier auf dem nächsten Bild noch ein Vergleich des gekauften Ankerkabels, welches am Anker angeschlagen ist, mit dem links daneben liegenden Kabel aus eigener Produktion.



Jetzt geh ich wieder Üben …
Fortsetzung erfolgt …

3 455

Sonntag, 18. November 2018, 15:32

Dein Ankerkabel ist wesentlich feiner verdrillt und macht wirklich einen sehr guten Eindruck :respekt:
Schönen Gruß, Steffen

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3 456

Sonntag, 18. November 2018, 15:34

Genau, und farblich sieht es auch besser aus. :ok:
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

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3 457

Sonntag, 18. November 2018, 17:07

ich muß schon sagen, das ist sehr schön geworden, v.a. die Farbe ist realistischer als das Kaufteil :ok:

3 458

Sonntag, 18. November 2018, 19:23

Gude,

der Unterschied ist schon beeindruckend. Auch das gekaufte Tau sieht, finde ich, sehr gut aus. Aber kein Vergleich mit Deinem selbst hergestellten!
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3 459

Sonntag, 18. November 2018, 19:34

Die Farbe ist momentan noch nicht so entscheidend. Mir geht es in erster Linie darum,
dass das Tau in seiner Struktur möglichst einem Originaltau nahe kommt.
Bei dem von mir geschlagenen Kabel aus ungebleichten Leinengarn ergibt sich die Farbe natürlich von
selbst.
Derzeit recherchiere ich noch, wie ich das stehende und laufende Gut farblich gestalte. Die ersten Versuche
habe ich ja bereits vorgestellt.

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3 460

Samstag, 24. November 2018, 13:44

Fortsetzung: Schlagen von Tauen
Nach wie vor bin ich derzeit noch am Erfahrung sammeln, was das Schlagen von Tauen anbelangt. Nebenbei befasse ich mich mit den Elementen der Takelage der La Crèole. Trotz der relativ genauen Angaben zum Takelwerk für diese Korvette in der Monographie von J. Bourdriot, ergeben sich viele Detailfragen, die es zu klären gilt.
So z. B. habe ich anhand der Fotos vom Originalmodell gesehen, dass das Großstag der La Crèole keine Maus hatte, sowie auch das Fock- und Kreuzmaststag. Diese Feststellung deckt sich mit dem was ich vor einiger Zeit einmal gelesen habe, weiß bloß nicht mehr wo, dass um 1830 die Stagmäuse so nach und nach verschwunden sind. Insofern wurde das Stag mit einem gespleißten oder gezurrten Auge um den Masttop gelegt.
Neben der Theorie habe ich auch gleich versucht, ein Stagtau zu schlagen. Die Stagtaue der La Crèole wurden mittels Kabelschlag, also linksgeschlagen, hergestellt. Ein wenig Erfahrung hierzu konnte ich bereits mit dem Schlagen eines Ankerkabels sammeln.
Auf dem folgenden Bild liegt mittig das linksgeschlagene Stagtau mit ø 1,5 mm aus Leinengarn, bestehend aus NeL 60/2 Bockens Obl (2 x 3 rechtsgeschlagen) x 3 linksgeschlagen. Rechts davon ist das bereits vorgestellte Ankerkabel ø 2,3 mm zu sehen sowie links zwei trossengeschlagene Taue, ebenfalls aus Leinengarn. Ganz rechts liegt ein dünnes Tau aus Baumwollgarn (Gütermann 1 x 3) mit ø 0,4 mm, welches lt. Monographie etwa der Stärke der Webleinen entspricht.


Um mit etwas Systematik an die Sache ranzugehen, stellte ich das stehende Gut der französischen Korvette in einer Excel-Tabelle zusammen. Wie auf dem folgenden Ausschnitt dieser Tabelle zu sehen ist, ergeben sich eine Menge unterschiedlichster Taudurchmesser sowie auch unterschiedliche Tauarten (Trossenschlag, Kabelschlag, gekleidete bzw. gewurmte Taue). Nicht jeder kleine Durchmesserunterschied kann im Maßstab 1:48 umgesetzt werden. Hier müssen kleine Zugeständnisse gemacht werden. Hierzu empfiehl J. Boudriot, dass man im Zweifelsfall immer zum kleineren Durchmesser tendieren sollte.
In dieser Excel-Tabelle werde ich noch die ungefähren Längen und die Anzahl der einzelnen Taue z. Wanten eintragen. Über eine Formel und die Summenbildung kann ich dann die erforderlich Gesamtmenge des Tauwerks ermitteln, die ich dann letztlich an meiner Reeperbahn selbst herstellen werde.


Ebenso beschäftigt mich wohl noch einige Zeit, eine ausgewogene und einigermaßen realistische Farbgebung für das Takelwerk zu finden. Auch die Frage der Konservierung der Taue ist noch nicht abgeschlossen.
Für Anregungen und Hinweise bin ich aufgeschlossen und wäre sehr dankbar.
Bis demnächst …

3 461

Samstag, 24. November 2018, 14:18

:respekt:
Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

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3 462

Samstag, 24. November 2018, 14:32

Mann o Mann; akribischer geht nicht, ^^ ich glaube allerdings nicht, daß irgendjemand den Unterschied zwischen z.B. 0,54 und 0,46 mm erkennt :whistling:

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3 463

Samstag, 24. November 2018, 16:56

Hallo Hans Juergen,

ich gebe zu, es ist äußerst schwierig zu unterscheiden … :ok:
Wie bereits gesagt werde ich da schon Kompromisse eingehen.

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3 464

Samstag, 24. November 2018, 17:15

Hallo Johann
Da hast du aber eine gewaltige latte abzuarbeiten ,das nötigt wohl allen die das hier Verfolgen högschten :respekt: ab.
Bitte Weitermachen
Gruß Steffen
DAS KANNSTE

SCHON SO MACHEN

ABER DANN ISSES HALT

KACKE

Im Bau : Peregrine Galley /Sergal

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3 465

Samstag, 24. November 2018, 21:49

Hallo Johann, geht es Dir bei der Konservierung der Taue um die Farbgebung oder um eine tatsächliche Konservierung? Für die Farbgebung habe ich so einige Ideen, bei einer Konservierung müsste man zunächst etwas über die klimatischen Bedingungen erfahren, wo das Modell später mal gezeigt werden soll (Licht, Feuchte u.ä.), um geeignete Methoden zu erarbeiten.
Schönen Gruß, Steffen

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3 466

Montag, 26. November 2018, 18:44

Hallo Steffen,

mir geht es zum einen um einen einfachen Schutz der Taue gegen äußere Einflüsse, da es sich beim Ausgangmaterial
um Flachsfasern handelt, also ein Naturprodukt. Die klimatischen Umgebungsbedingungen dazu im Detail festzulegen,
ginge mir allerdings zu weit.

Zum anderen natürlich um die Farbgebung, wie schon geschrieben. Mit wasserlöslichen Pulverbeizen habe ich bereits positive
Erfahrungen gemacht. Über den Farbton selbst herrscht noch Unklarheit, auch hinsichtlich der Abstufung laufendes Gut und stehendes
Gut.

3 467

Montag, 26. November 2018, 21:46

...also geht es in erster Linie um die Farbgebung.
Eine Variante wäre Beizen. Die Flachsfasern nehmen bestimmt Holzbeize gut an, da gibt es ja alle möglichen Farbtöne. Beizen kann man auch gut selbst herstellen.
Tests mit ein- oder mehrfachem Tränken ergeben wohl schöne Farbabstufungen. Vorteil ist die gute Lichtechtheit, zumindest wenn das Modell nicht direktem UV-Licht ausgesetzt ist, dann sollte die Farbe auch bestehen bleiben.
Und ist die Beize einmal trocken, hast Du keinen Abrieb. Bei Farbpartikeln hätte ich Bedenken, ob die Pigmente nicht nur von außen am Tau haften und es sich bei den Montage teilweise wieder entfärbt.

Schönen Gruß, Steffen

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3 468

Samstag, 1. Dezember 2018, 20:42

Konservierung der Takelage
Mit großem Interesse verfolge ich die Ausführungen von Peter @Olympic1911, der derzeit die Taue für den Nachbau des Hohenzollernmodells eines holländischen Zweideckers mit Kiefernholzteer behandelt. Vielleicht wäre das auch eine Option für meine Taue, jedoch nur mehr verdünnt. Bei Dictum gibt es z. B. einen Kiefernholzteer, der scheinbar etwas dünner ist:
LINK
Bisher habe ich mit Beizen und Leinöl experimentiert. Heute versuchte ich es ganz spontan mit Schuhcreme, die ich auf ein bereits gefärbtes Tau mit einem Tuch aufgebracht habe. Auf dem folgenden Bild ist von unten nach oben Folgendes zu sehen:
Tau aus Leinengarn ø 1,1 mm mit Fussbodenöl behandelt
Tau aus Leinengarn ø 1,1 mm mit Schuhcreme behandelt
Tau aus Leinengarn ø 1,1 mm mit Leinöl behandelt
Tau aus Leinengarn ø 1,1 mm, unbehandelt


Ehrlich gesagt, bin ich bisher davon überhaupt noch nicht überzeugt. Nach wie vor sehe ich noch keine Klarheit, wie stark ich die Abstufung der Farbgebung vom stehenden zum laufenden Gut bei meinem Modell ausführen will.
Wie auf dem folgenden Bildausschnitt des Pariser Modells zu sehen, ist hier das stehende Gut relativ hell gehalten. Worauf das zurückzuführen ist wäre interessant in Erfahrung zu bringen. Eigentlich besitzen viele zeitgenössische französische Museumsmodelle ein relativ hell gehaltenes stehendes Gut.

Quelle: Musée de la Marine Paris

Fortsetzung folgt …

3 469

Samstag, 1. Dezember 2018, 22:13

... mal folgenden Gedanken, Johann:
Das laufende Gut gleitet jeden Tag mehrmals durch die Hände der Matrosen. Die hatten selten saubere Hände, daher vielleicht eher mit der Zeit dunkler. Das Stehende Gut ist dauernd der Sonne und der Witterung von der selben Seite ausgesetzt, daher vielleicht eher heller. Um diese Logic zu bestätigen sollte man mal auf alten Fotografien nachsehen, ob am stehenden Gut an typischen Griffstellen das Werk auch etwas dunkler ist als an anderen Stellen.

Ist jetzt auf keinerlei historischer Basis gewachsen sondern nur auf den Überlegungen, warum früher in meiner Kinheit manche Stellen an den Kleidern schmutziger (dunkler) waren als andere... ^^

Gruß Stefan
Die Intelligenz auf einem Planeten ist eine Konstante. Nur die Zahl der Bevölkerung wächst!

Jean-Luc Picard

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Sonntag, 2. Dezember 2018, 18:45

Hallo Stefan,

vielfach habe ich gehört, dass bei vielen zeitgenössischen Modellen, dass Rigg schon mal ausgetauscht bzw. ergänzt worden ist. Ob dies bei der La Creole auch der Fall war ist mir nicht bekannt, aber durchaus möglich.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Riggs anfangs schon etwas kontrastreicher hinsichtlich des laufendem und stehenden Guts waren. Aber die Konservierung/Farbstoffe, was auch immer das war, könnten sich im Laufe der Jahrzehnte durch
Tageslicht entsprechend aufgehellt bzw. teilweise verflüchtigt (Öle, Wachse etc.) haben. Wenn man die verschiedenen Detailaufnahmen der Modelle im Musée de la Marine Paris genauer betrachtet, entsteht
zumindest bei mir dieser Eindruck.

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3 471

Dienstag, 11. Dezember 2018, 19:01

Fortsetzung: Herstellung von Tauen mit Farbgebung
Nach wie vor bin ich noch unschlüssig hinsichtlich der Farbgestaltung der Takelage für meine französische Korvette. Das Schlagen der Taue übe ich weiterhin und sammle entsprechende Erfahrungen. Mit jedem geschlagenenTau wachsen die Erkenntnisse und es wird zunehmend besser.
Zwischenzeitlich bin ich auch schon dabei gezielt die für mein Modell erforderlichen Taudurchmesser zu erarbeiten (siehe nachfolgende Abbildung ungefärbte Taue oben). Nach Abwägung der Vor- und Nachteile habe ich mich dafür entschieden, dass ich alle Taue > 0,4 aus Leinengarn herstellen werde. Die dünneren Taue werde ich wohl aus Baumwollgarn schlagen.
Ich finde immer mehr Gefallen am Leinengarn. Die sich aus dem natürlichen Material gergebenden kleinen Unregelmäßigkeiten beim fertigen Tau, habe ich gelernt zu akzeptieren. Eine gewisse Analogie zum Holz kann in diesem Zusammenhang ja nicht verleugnet werden.
Grundsätzlich lässt sich Leinen mit Holzbeize nach meinem Dafürhalten sehr gut färben. Meine bisherigen Versuche mit unterschiedlichen Farbtönen gefallen mir grundsätzlich ganz gut. Wobei die Farbtöne immer noch nicht ganz meinen Vorstellungen entsprechen. Also gehen die Versuche weiter. Das gleichmäßige Einfärben der Taue gelingt nicht immer und ist insbesondere bei den dunklen Farbtönen noch verbesserungswürdig. Also gilt auch hier die Devise: weiter machen und weiter versuchen …


Weiterhin herrscht bei mir Unklarheit zur Konservierung der Takelage. In einem französischen Blog habe ich von der Empfehlung gelesen, niemals Wachs für die Takelage zu verwenden, da sich dadurch nur Staub ansetzt. Insofern bin ich immer noch auf der Suche nach entsprechenden Alternativen.

Anregungen und Hinweise zur Konservierung und Färbung von Tauen werden dankbar entgegengenommen.

Auf dem nächsten und letzten Bild ist der Winkel zu sehen, den die Kardeele zur Längsrichtung des Taus bilden. Irgendwo habe ich gelesen, dass dieser Winkel so um die 35° betragen soll.


Offenbar bin ich mit meinen selbst geschlagenen Tauen einigermaßen richtig unterwegs. Was mir noch etwas Schwierigkeiten beim Schlagen der Taue bereitet ist die Tatsache, dass es nicht immer gelingt, eine gleichmäßig verteilte Härte über die gesamte Länge zu erzielen.
Ich gehe davon aus, dass ich demnächst die Wanttaue herstellen kann. Das Bekleiden der Wanttaue, soweit erforderlich, möchte ich mit einer entsprechenden maschinellen Vorrichtung erledigen. Im Internet habe ich dazu schon einige brauchbare Vorrichtungen von Kollegen gesehen. Möglicherweise werde ich mir dann ein entsprechendes Gerät bauen.

Fortsetzung folgt …

3 472

Dienstag, 11. Dezember 2018, 19:24

Hallo Johann, hast Du die Taue schon mal mehrfach gebeizt?
Vielleicht wird der Farbton so ja noch dunkler und auch gleichmäßiger.

Ich habe mal versucht mit schwarzer Farbe (Nachfülltinte für Permanent Marker) Taue zu färben.
Das geht ganz gut, ist schwarz (oder besser anthrazit), färbt aber bei der Handhabung noch etwas ab.

Falls Du also geteerte Taue darstellen möchtest, wäre das eventuell eine Alternative, vielleicht auch in Verbindung mit bereits gebeizten Tauen.
Schönen Gruß, Steffen

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3 473

Dienstag, 11. Dezember 2018, 22:42

Hallo Johann,

Wahnsinn wie du das Ganze angehst. :respekt: Kan man den heute überhaupt noch ermitteln wie damals Tauwerk aussah? vielleicht mal eine originale Windjammer googeln?

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3 474

Mittwoch, 12. Dezember 2018, 19:38

Hallo Johann, hast Du die Taue schon mal mehrfach gebeizt?
Vielleicht wird der Farbton so ja noch dunkler und auch gleichmäßiger.

Ich habe mal versucht mit schwarzer Farbe (Nachfülltinte für Permanent Marker) Taue zu färben.
Das geht ganz gut, ist schwarz (oder besser anthrazit), färbt aber bei der Handhabung noch etwas ab.

Falls Du also geteerte Taue darstellen möchtest, wäre das eventuell eine Alternative, vielleicht auch in Verbindung mit bereits gebeizten Tauen.



Hallo Steffen,

meines Wissens wurde zur Zeit der La Creole zur Taukonservierung noch Holzkohlenteer verwendet, der eine dunkelbraune Färbung hatte.
Später kam dann Steinkohlenteer bei Takelagen zur Verwendung , der richtig schwarz war.

Daher werde ich eher versuchen das stehende Gut in einem Braunton darzustellen.

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3 475

Freitag, 14. Dezember 2018, 21:50

Mittlerweile habe ich schon mehr als 100 m Taue geschlagen.
Unterschiedliche Materialien in den verschiedensten Stärken.


Übrigens, heute habe ich mir echtes Seidennähgarn von Gütermann besorgt.
Die ersten Versuche sind vielversprechend.
Davon demnächst mehr ….

3 476

Freitag, 14. Dezember 2018, 21:59

Hallo Johann,

Wenn das mit dem Seidengarn hin haut,
dann melde ich mal vorsorglich Bedarf für
Deine 100 m „Ausschussware“ an.
Diese Seile gehen bei mir glatt als 1a Qualität
durch und durften mengenmäßig zur Bestückung
meiner Untermasten allemal reichen ;-)
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

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3 477

Sonntag, 16. Dezember 2018, 18:24

Hallo Ray,

vom Ausschuss kannst Du gerne was abhaben … :ok:

Fortsetzung: Schlagen von Tauen

Übrigens, wie bereits geschrieben, habe ich mir Nähgarn von Gütermann aus echter Seide besorgt. Beim Weihnachtsbummel mit meiner Frau bin ich zufällig im Kaufhof in Ingolstadt darauf gestoßen.
Die ersten Versuche sind vielversprechend. Es handelt sich hier um ein Nähgarn aus 100 % Seide (Schappeseide). Bisher hatte ich dieses Material für die Tauherstellung nicht in Erwägung gezogen, weil unser Forumskollege Thomas Quint @archnav einmal geschrieben hat, dass Seide nicht sehr haltbar ist:

„Hochwertiges Leinengarn ist heute eher zu bekommen als noch vor 200 Jahren. Trotzdem gibt es noch zeitgenössische Modelle aus dem 18. Jahrhundert, die mit Leinengarn getakelt sind. Die meisten Modelle (besonders aus dem 17. Jhdt), sofern sie denn überhaupt getakelt waren (HMS Loyal London 1666 z.B.), wurden mit Tauwerk aus Seide gefertigt. Dies war in sehr dünnen Abmessungen vorhanden und konnte problemarm "geschlagen" und eingefärbt werden.
Leider ist Seide ein tierischer Faserstoff und damit durch Umwelteinflüsse angreif- und zersetzbar. Genau das ist mit den meisten Takelungen aus dieser Zeit
passiert.... sie haben sich aufgelöst, sind abgefallen, ja wahrscheinlich sogar zerbröselt, denn damals verwendete man sehr gerne Schusterpech zur Farbgestaltung und Konservierung. Das wurde auch beim Leinengarn gerne verwendet und dort verhielt es sich auch besser, aber bei Seide umschloss es das Material nur, drang aber nicht hinein.“


Daher hatte ich für mich Seide als Ausgangsmaterial zur Tauherstellung zu verwenden nicht im Programm, ohne näher zu wissen, wie gut sich dieses Material eigentlich verarbeiten lässt. Wie es der Zufall so will, befasse ich mich nun doch mit diesem Material, um zumindest zu sehen, wie daraus geschlagene Taue aussehen.
Die letzten Tage habe ich nun Versuche mit dem Seidengarn durchgeführt. Nach den ersten Ergebnissen ist festzustellen, dass das Seidengarn sehr gute, um nicht zu sagen ideale Eigenschaften für die Tauherstellung besitzt, besser noch wie Polyestergarn.
Seide ist sehr zugfest und der Faden besitzt eine sehr gleichmäßig ausgebildete Struktur. Taue können aus Seidenfäden somit sehr gleichmäßig und bei dünnen Stärken auch noch sehr fest geschlagen werden. Allein der optische Eindruck ist für mich schon überzeugend. Die exakte Ausbildung der Kardeele mit den Keepen kommt m. E. einer maßstäblichen Verkleinerung eines Originaltaues sehr nahe. Von allen bisher selbst hergestellten Tauen, sehen die aus Seide geschlagenen mit Abstand am besten aus.
Die Fasern der Seide bestehen fast ausschließlich aus Proteinen. Daher scheint ein großer Nachteil von Seide in der geringen Haltbarkeit zu liegen. Seide reagiert auch sehr empfindlich auf UV-Licht und sonstige Umwelteinflüsse.
Deshalb ist es offensichtlich so, dass viele Museen ihre Schiffmodelle mit einer Takelage aus Leinengarn ausstatten. Wie ich auch gelesen habe, verwendet Ab Hoving, der Chefrestaurator im Rijksmuseum, bei seinen Restaurationsarbeiten an den Takelagen der Modellschiffe auch Leinengarn.
Andererseits schrieb Greg Herbert im MSW, dass es im Museum von Annapolis noch mehrere Navy Board Modelle mit originaler Seidentakelage gibt.




Einerseits wäre Seide ein Option für die Tauherstellung, andererseits spricht die geringe Haltbarkeit erheblich dagegen.
Insofern drängen sich mir in diesem Zusammenhang eine Reihe von Fragen auf:
Warum wird Seide für Taue im historischen Schiffsmodellbau wenig bis überhaupt nicht eingesetzt?
Ist die Haltbarkeit von Seide wesentlich schlechter als die der üblichen Materialien (Leinen, Baumwolle, Polyester) zur Tauherstellung?
Wie schnell sind Veränderungen an der Takelage aus Seide durch UV-Strahlen erkennbar?
Abschließend eine philosophische Frage: Wieviel Generationen soll so ein Modell überdauern?
Fortsetzung folgt …

3 478

Sonntag, 16. Dezember 2018, 18:50

Hallo Johann,
zu Deiner Frage über die Haltbarkeit von Seite: ich weiss nicht wie das bei geschlagenen Tauen ist, aber ich kenne Seidenstoff von früher und hab die Erfahrung gemacht das Seide bei Sonneneinstrahlung "morsch"/brüchig wird.
Deine Seidentaue sehen aber extrem schön aus !!! :ok:
...und wie viele Generationen so ein Modell überleben soll: Dein Modell sollte die Ehwigkeit überstehen :) !!!!
LG
Oliver

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3 479

Montag, 17. Dezember 2018, 19:13

Fortsetzung: Schlagen von Tauen

Im MSW (Model Ship World) befasste sich Greg Herbert in meinem Baubericht zur La Crèole mit der Beständigkeit von echter Seide. Insofern möchte ich euch seinen Beitrag zu dieser Thematik nicht vorenthalten:
LINK

Dem ist neben vielen interessanten Informationen zu entnehmen, wie auch schon Eberhard @wefalck geschrieben und ich aus anderen Quellen soweit in Erfahrung bringen konnte, dass Seide hinsichtlich seiner Beständigkeit nicht ganz unproblematisch ist. Einigkeit herrscht zur Tatsache, dass Seidengarn ein ideales Ausgangsmaterial für das Schlagen von Modelltauen ist und das optische Ergebnis absolut überzeugend ist.

Wohl aber überwiegen die Nachteile.

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