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Sonntag, 14. Oktober 2018, 23:15

Wann wird was lackiert?

Servus zusammen,

Ich will bald mit dem Bau der BISMARK von Trumpeter 1/200 beginnen. Warte noch auf das Holzdeck und die Metallrohre. Wann werden am besten welche Teile lackiert ?
Wenn die Teile verbaut sind muss man viel abkleben und wenn ich sie vor dem verbauen lackiere habe ich etwas bedenken dass die Passgenauigkeit darunter leidet oder der Kleber nicht mehr so richtig hält.
Danke für hilfreiche Tipps.

Gruß

Jan

2

Dienstag, 16. Oktober 2018, 13:07

Das ist eine sehr wichtige, aber äußerst schwer zu beantwortende Frage. Ich glaube, eine generalisierende Antwort kann man überhaupt nicht geben. Manchmal denke ich sogar: Wie man es macht, ist es verkehrt. Klebt man die Teile zuerst zusammen, wird das Lackieren verschiedener Bereiche schwierig. Lackiert man separat, läuft man Gefahr, seine Arbeit beim Zusammensetzen zu ruinieren.
Meine persönliche Rettung war der Übergang zu einer eher naturalistischen Bemalung, also einer, die ein Schiff nicht im Ablieferungszustand zeigt. Hier kann man durch Überzüge zum Beispiel mit verdünnter Ölfarbe Farbtrennkanten sowohl betonen als auch tarnen. Außerdem verwende ich einen Sekundenkleber, der die Farben nicht angreift.
Ich würde raten, bei jedem Teil neu zu erwägen, welches das bessere Verfahren ist, und dann so zu handeln.
Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

Beiträge: 2 015

Realname: Jochen Große-Katthöfer

Wohnort: Gladbeck

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3

Dienstag, 16. Oktober 2018, 14:57

Ich schließe mich da vollumfänglich meinem Vorredner an, insbesondere dem "Wie man es macht, macht man es verkehrt"-Gedanken.
Meine Vorgehensweise bei solchen Zossen mit Holzdeck ist so: Zuerst den Rumpf inclusive Plastikdeck komplett bauen und lackieren, dann das Holzdeck auflegen. Aufbauten und Kleinkram werden soweit wie möglich zusammengebaut, die Passung zum Deck trocken überprüft (auch zwischendurch immer wieder), getrennt lackiert und angebaut. Etwas Farbe auf den Klebestellen ist nicht so dramatisch, trotzdem schabe ich sie, wo gut zugänglich, meist ab. Manchmal vergesse ich das auch, bislang ist aber noch nichts wieder abgefallen..
Ein guter Rat des Vaters an den Sohn:
Halte stets mit allem Maß-mit dem Essen,dem Trinken und dem Arbeiten.Vor allem mit dem Arbeiten.
-Otto von Bismarck

4

Dienstag, 16. Oktober 2018, 19:18

Hallo ihr zwei,

Vielen Dank für eure Antworten. Habe befürchtet dass es in die Richtung geht. Werde mich mal mit einem kleinen Modell rantasten und sehen wie ich zurecht komme.


Gruß

Jan

5

Freitag, 19. Oktober 2018, 09:41

Weder nur vorher oder nachher ... immer nach Erfordernis
die Bemalung erfolgt so früh wie nötig um an später nicht mehr erreichbare und deshalb nicht mehr bemalbare Teile noch Farbe zu bekommen ... und so spät wie möglich um zum Beispiel das Abkleben zu minimieren. Ganz vermeidbar ist es wohl nie. Klebestellen sind vorher vorsichtig von Farbe zu befreien.

Die spätere gute Passung ist wichtiger als jede Bemalung ... die tollste Farbe hilft nichts wenn's von der Passung nicht stimmt.
Nachträgliches Schleifen oder Schneiden sieht gerade bei stählernen Objekten schlecht aus ... egal ob Auto, Flugzeug oder Schiff ... bei kleinteiligeren Objekten, die zum Beispiel Holzplanken darstellen sollen, geht das eher.

Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß Bausätze von Menschen gemacht sind und deshalb grundsätzlich auch fehlerhaft sein können.
Ein sehr großer Teil unserer Bausätze ist zwischen den 1950er und 1980er Jahren entstanden ... fast immer als eine sehr komplizierte Arbeit per Hand ... oft noch in dicke, sehr hochwertige Stahlplatten aus ehemaligen WKII Kriegsschiffen geschnitten.
Das waren echte Künstler, die sehr komplizierte Formen noch ohne jede Hilfe von Computern mit teilweise extrem feinen Details geschnitten haben.
Bei aller Perfektion muß man da grundsätzlich immer mit der einen oder anderen Problemstelle rechnen ... Nobody is Perfect !
Das ist Modellbau und deshalb ist da zwingend die Zusatzarbeit des Modellbauers erforderlich.

Aber auch in modernen CNC-unterstützt gefertigten Kits sitzen Menschen am Computer ... irren ist menschlich ... auch bei den modernsten Kits muß man mit Fehlern rechnen.
Auch in unserer "echten" 1:1 Welt gibt es wohl kein Haus, Schiff, Flugzeug oder Auto bei dem im Produktionsprozess nicht Anpassungs-und Verbesserungsarbeiten erforderlich sind .

Was hilft es beispielsweise bei einem historischen "hölzernen "Schiff einen Heckspiegel mit goldenen Verzierungen noch am Gießast bis in die kleinsten Einzelheiten perfekt zu bemalen wenn ich erst nachher feststelle, daß er nur mit diversen Anpassungsarbeiten zwischen die Rumpfhälften paßt ?
Das ist dann nur teilweise Schuld des Herstellers sondern auch Versagen des Modellbauers ... da hätte er sich zeitig drum kümmern sollen ... wer nur Teilchen zusammenpappen möchte ist vielleicht mit Lego besser dran.

Gerade bei solch komplexen dreidimensionalen Objekten muß man bei jedem Hersteller ausnahmslos immer davon ausgehen, daß Nacharbeiten erforderlich sind und diese deshalb sehr frühzeitig selbst vornehmen .
Im Holzmodellbau kommt man niemals drum herum und auch im Plastikmodell ist die Prüfung auf Passung eine Aufgabe des Modellbauers.
Ich baue, wenn es geht, immer in zusammengehörigen Baugruppen ... auch wenn das bedeutet Teile aus späteren Baustufen schon früher zu integrieren.
Oft erfordert das eine sehr weitgehende Vorausplanung und Prüfung der Teile ... manchmal eine fast schon eine komplette virtuelle Montage im Kopf.

Das ist oft auch nötig weil viele Bauanleitung nach der "Schritt für Schritt-Methode" nicht immer ganz schlüssig sind und schon mal das eine oder andere Teil vergessen ... oder viel zu spät einbauen. Die wenigsten sind perfekt ... ist ganz einfach so ... damit muß ich als Modellbauer einfach rechnen.
Und dann gibt's noch andere Anleitungen, die nicht viel mehr als eine bessere Explosionszeichnung sind ... ( zB. ältere Airfix und Heller) ... da muß man sowieso ohne jede Hilfe selbständig sehr gut und weit vorausplanen.

So kann ich noch im unbemalten Zustand diese Baugruppen aufeinander abstimmen und schon sehr frühzeitig Korrekturen durch Schleifen und Schneiden vornehmen.

Auch in sich komplette Einzelteile würde ich immer zuerst auf Passung prüfen und nach Erfordernis bearbeiten ... sie dann aber getrennt bemalen weil es leichter geht und in der Regel viel sauberer aussieht ... erst dann montieren.

Manchmal trenne ich sogar bausatzseitige Bauteilkonglomerate in ihre größeren Bauteile sinngemäß auf um sie leichter bemalen zu können.
Bei einem Autobausatz kann das beispielsweise bedeuten die Multipiece-Karosserieteile anders und frühzeitig zu zerschneiden und zusammenzusetzen um eine bessere Lackierung zu ermöglichen.
Bei einem Schiff zerschneide ich schon mal komplette Deckseinsätze in Wand- und Bodenelemente um sie getrennt bemalen und montieren zu können.

Im Grunde muß man das bei jedem Kit ein wenig anders machen ... Keiner ist gleich ... es sind einfach Erfahrungswerte aus Jahrzehnten
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

6

Sonntag, 21. Oktober 2018, 11:48

Hallo Markus,

Danke für deine ausführliche Antwort!


Gruß

Jan

7

Dienstag, 23. Oktober 2018, 12:03

Ich unterschreibe jedes Wort von Markus doppelt und dreifach.
Besonders in den älteren Bausätzen findet man Bauanleitungen, in denen die Hersteller vor ihrem eigenen Produkt fast schon warnen. D.h. sie beschwören die Käufer, sich vor Baubeginn mit allen Teilen und dem Bauvorgang vertraut zu machen. Da hört man noch die Stimmen der Konstrukteure, die am besten wussten, dass sie nur Halbfertigmaterialien herstellten und das erst der Erbauer darüber entschied, ob daraus ein Museumsmodell oder ein wackliges Spielzeug wird. Späterhin hat der Plastikmodellbau leider angefangen, so zu tun, als sei er quasi Lego-ähnlich – bis hin zu solchen klebstofffreien Varianten wie der kleinen Black Pearl.
Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

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