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3 391

Dienstag, 2. Oktober 2018, 12:30

Zitat

Mit Blick auf die nächsten Bauphasen kann ich nur hoffen, dass ich mit
der gleichen Beharrlichkeit und Ausdauer die sicherlich nicht einfachen
Anforderungen an die Takelage meistern werde.
Das wünsche ich dir, Johann :ok: Und wenn es mal nicht so läuft, dann ist das eben so. In den allermeisten Fällen kehrt die Lust ja nach einer Weile doch wieder zurück, zumal es mir scheint, dass sich die von dir geschilderten Arbeiten ganz gut in "Arbeitseinheiten" teilen lassen, die dann schon wieder leichter zu bewältigen sind...

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3 392

Dienstag, 2. Oktober 2018, 18:57

Hallo Alex,

Danke für die guten Wünsche.
Das werden wir schon wuppen, wie man in Nordrhein-Westfalen zu
sagen pflegt .... :D

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3 393

Mittwoch, 3. Oktober 2018, 15:41

Das Schlagen von Tauen
Entsprechend meiner Ankündigung bin ich bestrebt die Taue für meine französische Korvette selbst herzustellen.
Nach dem ich in unserem Forum den äußerst interessanten Bericht zur Tauherstellung von Tom @archnav mit großem Interesse gelesen habe, ist in mir der Wunsch entstanden die Qualität seiner Taue als Vorbild zu nehmen und nach Möglichkeit diesen Standard auch zu erreichen. Tom bot mir schon vor einiger Zeit die Möglichkeit an seiner Profi-Reeperbahn das Grundprinzip des Tauschlagens auszuprobieren. Dafür möchte ich Ihm bei dieser Gelegenheit nochmals ausdrücklich danken.
Wie im Original verwendet Tom für seine Taue Leinengarn. Die Schwierigkeit dabei ist, geeignetes Garn zu bekommen. Um mich in diese Thematik einarbeiten zu können werde ich auch mit Baumwolle experimentieren.
Mittlerweile habe ich neben einem sehr dünnen Leinengarn (schwedischer Herkunft) auch noch Bauwollgarn (französischer Herkunft), wie es auch Bernard Frölich verwendet, besorgt.


Wie auf der Makroaufnahme sichtbar wird, ist das Leinengarn aus 2 Fäden linksgeschlagen. Wobei ich derzeit noch versuche dünneres und besseres Leinengarn zu bekommen. Wie ich aus dem Internet und auch von einem Kollegen bestätigt bekam, soll irisches Leinengarn die beste Qualität aufweisen. Leider habe ich noch keine entsprechende Bezugsquelle gefunden.


Zwischenzeitlich habe ich nach mehreren Fehlversuchen ( einiges an Garnknäuel entstanden) ein erstes vorzeigbares Ergebnis auf meiner Reeperbahn erzielt. Die Reeperbahn hat mir der Modellbauerkollege Karl Schedlbauer konstruiert und wurde nach seinen Zeichnungen gebaut.


Den hinteren Laufwagen werde ich demnächst noch mit einem Motor ausstatten.
Auf dem nächsten Bild ist mein erster brauchbarer Versuch zur Herstellung der Taue für die La Crèole zu sehen. Das linke Tau ist mein Versuchsergebnis, das rechte ist ein gekauftes Tau.
Für diesen Versuch verwendete ich einfach Polyestergarn, von dem ich zwischenzeitlich einiges besitze. Pro Haken zog ich 6 Garnfäden auf, also 3 x 6.


Wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, sind die Kardeele meines Taues nicht fest genug. Im Weiteren werde ich nun Versuche machen, um auch mit Leinengarn viele Erfahrungen zu sammeln.
Schließlich hatte nach dem ersten brauchbaren Versuch das Gefühl, dass das Taue schlagen vom Grundprinzip her sehr einfach zu verstehen ist, aber das Ergebnis und somit Qualität durch vielerlei Variablen beeinflussbar ist.
Kurzum gesagt, es gibt noch eine Menge zu Lernen und Auszuprobieren.
Bis demnächst, mit hoffentlich dann passablen Ergebnissen …

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3 394

Mittwoch, 3. Oktober 2018, 21:00

mir gefällt dein Versuch schon recht gut :ok:

3 395

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 07:10

Moin Johann,

ich kann mich nur anschließen, dein Tau weiß zu gefallen :ok:

Ansonsten bin ich wieder einmal einfach sprachlos vor Hochachtung. Die Akribie mit der Du an dein Projekt herangehst, die Recherche- und Detailarbeit die Du auch auf "Nebenschauplätzen" wie einer Reeperbahn zeigst schuldet meinen allerhöchsten Respekt :hand:

Ingo
"Kein Kommandant geht fehl, wenn er sein Schiff neben das des Feindes legt"
Lord Nelson


3 396

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 20:05

Vorbehaltlos, wie immer, :love: :love: :love: :sabber: :sabber: :sabber:

LG Heinz
Leute hetzt euch nicht ab, ihr kommt noch früh genug zu spät! ;)


Fertig: Golden Star, Seehexe,

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3 397

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 21:17

Hallo Kollegen,
Danke für euer ungebremstes Interesse.

Momentan führe ich erste Versuche mit Leinengarn durch.
Die ersten Taue sehen schon einigermaßen passabel aus.
Insgesamt gefallen mir die Taue aus Leinengarn vom ganzen Erscheinungsbild her viel besser als aus Polyester oder Baumwolle.

Jedoch ist die Qualität des Leinengarns entscheidend für das Ergebnis. Daher bin ich
immer noch am Suchen. Morgen werde ich mal Bilder von den
ersten Tauen aus Leinen reinstellen.

3 398

Freitag, 5. Oktober 2018, 11:09

Hallo Johann :wink:

Immer wenn ich hier vorbeischaue, wird mir bewusst, dass ich vom Schiffsmodellbau soviel verstehe, wie eine Kuh vom Fallschirmspringen. :pfeif: Tolle Arbeit Johann. :ok: :ok: :ok: :ok: :ok:

LG
Sergio
In der Werft : Revenge 1577
Fertig : Avalon

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3 399

Freitag, 5. Oktober 2018, 21:30

Hallo Sergio,

schön, dass Du mal wieder bei mir reingeschaut hast.

Fortsetzung: Schlagen von Tauen
Zwischendurch konnte ich einige Versuche zum Schlagen von Tauen durchführen, vornehmlich mit Leinengarn. Dabei habe ich auch versucht die Taustärken zu variieren. Festzustellen ist, dass mit jedem Tau neue Erfahrungen gemacht werden; so z. B. ist es sehr wichtig auf eine gleichmäßige Spannung der einzelnen Fäden an den Haken zu achten, ansonsten besteht die große Gefahr, dass sich die Keepen ungleichmäßig bei der Formung des Taues ausbilden.
Das dabei von mir verwendete Leinengarn hat eine Stärke NeL 60/2 ist von der Fa. Bockens, einem schwedischen Hersteller.

Kurz zur Erläuterung: NeL 100 bedeutet 100 x 300 Yard/ 1 UK Pfund = 100 x 0,604772 g/m = 60,04772 g/m, d. h. ca. 60 m von diesem Garn wiegen 1g.
Also je höher die Zahl umso dünner das Garn. Diese Maßzahlen kommen aus dem Englischen. Die Zahl hinter dem Schrägstrich gibt die Anzahl der Fäden im Garn an.
Mit all diesen Angaben können auch die laufenden Meter pro Garnspule errechnet werden.

In meinen Augen sieht das Tauwerk aus Leinengarn nicht nur natürlicher aus, es ist auch weniger lehniger, wie z. B. Tauwerk aus Kunstfasern oder Baumwolle, d. h. insgesamt fester und auch in der haptischen Wahrnehmung, zumindest für mich, realistischer.
Auf der folgenden Musterkarte sind die ersten Versuche festgehalten. Beim unterstem Tau handelt es sich beim Ausgangsmaterial um Polyestergarn.


Mit jedem weiteren Versuch wird das Ergebnis ein wenig besser. Jedoch ist beim Leinengarn festzustellen, da es sich um eine Naturfaser handelt, dass Unregelmäßigkeiten im Faden teilweise auch am fertigen Tau unangenehm auffallen. Ich hoffe, dass dies mit den mittlerweile bei der Fa. Goldschild bestelltem und noch dünnerem Leinengarn in den Stärken NeL 120/2 bzw. 100/3 weniger sichtbar wird.
Fortsetzung folgt …

3 400

Samstag, 6. Oktober 2018, 12:53

Hallo Johann,

ich finde das Tauwerk, genau wie deine vorherigen Arbeiten, echt klasse. :ok: :ok: :ok:
Die von dir beschriebenen Unregelmäßigkeiten kann ich auf dem Bild aber nicht erkennen.
Da du aber mit so einer Perfektion an deinem Modell arbeitest, kann ich natürlich verstehen, das
auch das Tauwerk perfekt werden muss.
Es ist immer wieder ein Genuss, deine Baukünste hier sehen zu können.

Mit freundlichem Glückauf
Jürgen
Im Bau:
Billing Boats Titanic 1:144
Mare Nostrum 1:35, Artesania Latina
Abo Modellbahnanlage Spur N, 1:160 von DeAgostini
Fertig:
H0 Anlage, kleine Gebirgslandschaft

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3 401

Samstag, 6. Oktober 2018, 13:30

Hallo Jürgen,

vielen Dank für das Lob.

Die Unregelmäßigkeiten sind natürlich nicht zu sehen, weil ich sie nicht fotografiert habe … :D

Aber im Ernst, das Naturprodukt Leinengarn hat in den Fäden teilweise kleine Verdickungen die beim Spinnen
der Fäden wohl schwerlich zu vermeiden sind.
Dagegen lassen sich Monofilamente, aus denen Kunstfasergarne gesponnen werden, in nahezu beliebiger Länge und
Gleichmäßigkeit herstellen.

3 402

Samstag, 6. Oktober 2018, 18:06

Mich würde mit Blick auf die spätere Optik des Modells besonders interessieren, ob und wie die Taue durchhängen. Ich finde Modelltakelagen, bei denen jedes Tau so stark wie möglich gespannt ist, ein bisschen unelegant. Andererseits scheut man sich natürlich mit Recht davor, die Taue ihre Spiralen schlagen zu lassen und der Erdanziehungskraft Hohn zu lachen. Hast du dir darüber schon Gedanken gemacht?
Ansonsten natürlich alles wieder fabelhaft.
Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

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3 403

Samstag, 6. Oktober 2018, 20:09

Ehrlich gesagt, dazu habe ich mir noch nicht viel Gedanken gemacht.
Sicherlich ein sehr interessantes Thema, mit dem man sich zu gegebener Zeit
unbedingt befassen sollte.

In diesem Zusammenhang muss ich an den phantastischen Modellbauer Philip Reed denken,
der es schafft, seinen Modellen eine Takelage zu verleihen, die an Realismus nichts missen
lässt; so z. B. an seiner HMS Majestic im Maßstab 1:144. An diesem Modell ist ein elegantes
Durchhängen von Tauen zu sehen. Er geht dabei sogar so weit, dass er die Webleinen einzeln
formt, um ein möglichst realistisches Erscheinungsbild der Wanten zu erzeugen. Da er bei diesen kleinen
Maßstäben beim Tauwerk viel mit dünnsten Drähten arbeitet, ist das jedoch einfacher zu realisieren.

Bei der Verwendung von natürlichen Materalien für die Takelage, wie z. B. Leinen- oder Baumwollgarn,
welche sich je nach Luftfeuchtigkeit verkürzen bzw. verlängern, erscheint eine Umsetzung bei größeren
Maßstäben wie z. B. 1:48 wesentlich schwieriger. Zudem ist dabei zu beachten, dass die Spannung des
Tauwerks dem vorgenannten so Rechnung tragen muss, nicht dass man bei bestimmten Verhältnissen ein zu starkes
Durchhängen der Takelage als unangenehm und unnatürlich empfindet.

Es bleibt spannend!

3 404

Samstag, 6. Oktober 2018, 22:42

Ich habe gerade auch darüber nachgedacht, wie man das Eigenleben dieser Taue bezwingen kann und hatte da eine Idee aus der Kabelfertigung: Dort werden die Leitungen immer um einen Ziehfaden gewickelt. Das heisst, in der Mitte ist eine Schnur, die je nach Geometrie der Leitungen eine bestimmte Dicke hat.

Jetzt könnte ich mir vorstellen, Johann, dass du in deine Taue ebenfalls so eine "Ziehleine" einarbeiten könntest, diese aus dünnem Kupferlackdraht gefertigt. Dadurch müsste man dann das fertige Tau so legen können, wie man es möchte.

Gruß
Stefan
Die Intelligenz auf einem Planeten ist eine Konstante. Nur die Zahl der Bevölkerung wächst!

Jean-Luc Picard

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3 405

Sonntag, 7. Oktober 2018, 06:39

Grundsätzlich scheint diese Idee umsetzbar. Jedoch ist dabei
zu bedenken, dass Taue mit Seele immer aus vier Kardeelen bestehen
müssen. Dabei wird der "Hohlraum" mit der Seele gefüllt, was auch mit
einem dünnen Kupferdraht möglich wäre. Diese Taue selbst herzustellen
ist im Modellbaumaßstab möglich, aber mit viel Aufwand verbunden, soweit
ich das gehört und gelesen habe.
Insbesondere wäre es bei den ganz dünnen Tauen so um die 0,3 mm besonders
schwierig bis fast nicht machbar.
An sich eine gute Idee, aber wohl eher nicht realisierbar.

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3 406

Sonntag, 7. Oktober 2018, 16:56

Fortsetzung: Schlage von Tauen
Übung macht den Meister – das ist eine Erfahrung, die man sich immer wieder einmal vor Augen führen sollte. Insofern handle ich derzeit nach diesem Motto und übe fleißig mit dem noch vorhandenen Leinengarn, was ich als Muster bestellt habe.
Auf dem Bild sind meine diesbezüglichen Ergebnisse zu sehen. Mittlerweile habe ich versucht noch dünnere Tau aus Leinengarn zu schlagen. Mit dem mir vorliegendem Garn NeL 60/2 ist allerdings bei Durchmesser 0,5 mm Schluss. Ich hoffe, dass mit dem bereits bestellten Leinengarn von Bockens NeL 120/2 und von Goldschild 100/3 noch feinere Tau geschlagen werden können.


Forstsetzung folgt …

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3 407

Sonntag, 7. Oktober 2018, 18:07

das Tauwerk kann sich wirklich sehen lassen.

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3 408

Dienstag, 9. Oktober 2018, 21:00

Fortsetzung: Schlagen von Tauen
Heute erhielt ich das Leinengarn von Bockens NeL 120/2 und Goldschild NeL 100/3 und habe damit sofort jeweils ein Tau mit 2 Fäden pro Haken geschlagen. Das ergab für das Leinengarn von Goldschild NeL 100/3 ein Tau mit ø 0,75 mm (rechts auf dem Bild) und für das Leinengarn von Bockens NeL 120/2 ein Tau mit ø 0,55 mm (links auf dem Bild).


Diese Garne sind um einiges dünner, wie die bereits vorgestellten. Damit können auch die dünnsten Taue, die ich in der Takelage für die La Crèole benötige, hergestellt werden.
Nach wie vor ist natürlich Üben angesagt. Es wird von Tau zu Tau besser; die Erfahrung steigt stetig, und es macht sogar Spaß.

Fortsetzung folgt …

3 409

Dienstag, 9. Oktober 2018, 21:10

Zimmern, Schmieden, löten, modellieren und jetzt auch noch Seile herstellen,
es gibt nichts, was unser Johann nicht bis zur Perfektion betreibt :ok: :respekt:
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

3 410

Mittwoch, 10. Oktober 2018, 07:45

Moin Johann,

deine Taue sehen wirklich gut aus, kannst Du mir mal bitte den Link zu deinem Online-Shop senden? Ich würde für meine Modelle gern ein paar hundert Meter bestellen :D :D

und es macht sogar Spaß.

Und das ist, mMn. das Allerwichtigste bei dem Ganzen :). Wo kämen wir den hin, wenn unser Hobby in Stress oder Arbeit ausarten würde, oder man "sich gezwungen sieht" etwas zu machen...

Ingo
"Kein Kommandant geht fehl, wenn er sein Schiff neben das des Feindes legt"
Lord Nelson


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3 411

Mittwoch, 10. Oktober 2018, 18:47

Hallo Ingo,

Du hast eine PN.

3 412

Mittwoch, 10. Oktober 2018, 20:17

Moin Johann,

Danke für den Link, ich werde da bestimmt etwas finden.
Eigentlich hatte ich aber, so als Spaß, an dein fertig geschlagenes Tauwerk gedacht...

Ingo
"Kein Kommandant geht fehl, wenn er sein Schiff neben das des Feindes legt"
Lord Nelson


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3 413

Donnerstag, 11. Oktober 2018, 07:45

Tja Johann
Was.soll man schreiben, wenn einem die Worte fehlen... :sabber: :respekt: :love:
Deine Reeperbahn ist genial, habe sowas schon in Groß für Seilbahnen gesehen ..
Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der
Ausführung die Kunst! Wobei die
Schönheit liegt im Auge des Betrachters…


Im Bau: U-505 Revell 1:72

3 414

Donnerstag, 11. Oktober 2018, 08:50

Guten morgen!

Wunderschön!

Hofi

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3 415

Sonntag, 14. Oktober 2018, 21:20

Fortsetzung: Schlagen von Tauen
Zwischenzeitlich ging es weiter mit den Versuchen zum Taue schlagen. Heute habe ich dazu u. a. ein Baumwollgarn von DMC in zwei verschiedenen Größen Nr. 80 und Nr. 100 verwendet, welches auch der französische Modellbauer Bernard Frölich benutzt. Auch Alterfil Polyestergarn 120 sowie ein Leinengarn von Bockens NeL 120/2 kamen dabei zum Einsatz, um zu sehen wie sich die verschiedenen Ausgangsmaterialien beim Verdrillen und Schlagen verhalten. Festzustellen ist, dass mit jedem weiteren Versuch, neue Erfahrungen gesammelt werden und sich stetig das Gefühl und Verständnis für das Taue schlagen weiterentwickelt.

Mittlerweile habe ich eine ganz wichtige Erkenntnis gewonnen. Je gleichmäßiger das Ausgangsmaterial hergestellt ist, umso besser wird das Ergebnis beim geschlagenen Tau. Im Vergleich zum Leinengarn lässt es sich mit Baumwollgarn, insbesondere auch mit Polyestergarn, sehr gut und leicht arbeiten. Sehr schnell können damit sehr gut brauchbare Taue hergestellt werden.
Das Leinengarn verhält sich dagegen schon viel problematischer, was mit dem Naturprodukt Flachs zusammenhängt. Diese Leinengarne (i. d. R. aus 2 Fäden links gedreht) weisen oft viele Unregelmäßigkeiten auf. Sind die dickeren Taue damit noch relativ einfach zu schlagen, verschärft sich diese Problematik zunehmend je dünner das Tau werden soll. Die dünnsten Taue für die La Crèole haben einen Durchmesser von rd. 0,23 mm. Mit der Qualität von Leinengarnen (Bockens, Goldschild), die ich bisher beschaffen konnte, kann ich diese Vorgabe derzeit noch nicht erfüllen.

Zum einen fehlt es mir noch an der entsprechenden Erfahrung und dem notwendigen Wissen, zum anderen muss das Ausgangsgarn auch noch dünner, und wie bereits erwähnt von besserer und gleichmäßiger Qualität, sein.
Da ich mich aber nun mal dafür entschieden habe, das Takelwerk der La Crèole aus Leinengarn herzustellen, muss ich mich intensiv mit diesen Problemen auseinandersetzen, und hoffen, dass ich weiterhin mit der Unterstützung von Tom @archnav rechnen kann.

Auf dem folgenden Bild habe ich meine aktuelle Versuchsreihe zur Tauherstellung abgebildet. Von links nach rechts handelt es sich dabei um folgende Garne als Ausgangsmaterial:

DMC Ecru Nr. 100 6 x 3 Taudurchmesser 1,40 mm; Baumwolle
DMC Ecru Nr. 80 6 x 3 Taudurchmesser 1,50 mm; Baumwolle
DMC Ecru Nr. 100 8 x 3 Taudurchmesser 1,65 mm; Baumwolle
DMC Ecru Nr. 100 8 x 3 Taudurchmesser 1,65 mm; Baumwolle
DMC Ecru Nr. 100 1 x 2 Taudurchmesser 0,45 mm; Baumwolle
Alterfil Nr. 120 2 x 3 Taudurchmesser 0,58 mm; Polyester
Bockens Nr. 470 NeL 120/2 8 x 3 Taudurchmesser 1,25 mm; Leinen




Fortsetzung folgt …

3 416

Montag, 15. Oktober 2018, 08:08

Guten Morgen!

Grandios!

Hofi

3 417

Montag, 15. Oktober 2018, 10:29

Moin Johan,
deine geschlagenen Seile sehen echt prima aus. Besonders gut finde ich das du auch beschreibst, wieviele Garnfäden du für die unterschiedlichen Dicken verwendest.
Eine Frage hätte ich aber noch. Von den Farben her ist alles was du bisher gezeigt hast eher laufendes Gut. Hast du auch schon eine Farbauswahl für stehendes Gut getroffen, oder willst du nachträglich einfärben wie es im Prinzip beim Original ja auch war ?
Gruß
Gerald

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3 418

Montag, 15. Oktober 2018, 18:04

Hallo Gerald,

nach wie vor beabsichtige ich mein Tauwerk für die französische Korvette aus Leinen herzustellen.
Nach dem ich damit versuche dem Originaltauwerk möglichst nahe zu kommen, werde ich die Taue
nicht aus eingefärbten Garnen schlagen, sondern dazu ungebleichtes Leinengarn verwenden.

Für die Konservierung der Tau (beim Original Holzkohleteer)
werde ich verschiedene Methoden ausprobieren. Neben der Verwendung von Stockholmteer denke
ich z. B. an Holzöl, das mit geeignetem Farbpulver den gewünschten Farbton erhalten soll.

3 419

Montag, 15. Oktober 2018, 18:49

Ist denn nicht die grundsätzliche Frage ob überhaupt merkbare Unterschiede vorhanden sind ?

Weder auf dem Pariser Museumsmodell http://mnm.webmuseo.com/ws/musee-nationa…ion/record/9670
noch auf dem Gemälde http://i.imgur.com/imXzP8A.jpg lassen sich nennenswerte Unterschiede in der Farbgebung zwischen stehendem und laufendem Gut ausmachen . Selbst wenn man es sehr stark vergrößert scheinen zum Beispiel die Wanten aus genauso hellen Tauen wie diverse Bereiche des laufenden Gutes.

Auf dem pariser Modell sind unter gefühlt hunderten Tauen nur eine Handvoll sehr dicke Taue in dunklerer Färbung erkennbar . Sonst ist alles in einer Vielzahl unterschiedlicher brauner Farbtönungen. Ganz sicher lassen sich Unterschiede ausmachen ... die aber nicht unbedingt nach Funktion getrennt scheinen.
Ich denke da an das von dir eingestellte Bild vom Originalmodell als wir damals nach dem Blitzableiter suchten ...
http://files.homepagemodules.de/b564537/…n2_BnwStmZg.jpg
praktisch alle Taue sind ohne wesentliche Unterschiede in der Farbe. Nur ein paar sehr dünne sind heller ... aber das scheint mehr am Tau als an seiner Funktion zu liegen.

Die aus Naturfasern hergestellten originalen Taue waren garantiert auch nicht in klar definierten Farbtönen nach RAL bestellbar sondern hatten bestimmt viele unterschiedliche Tönungen ... vielleicht sogar innerhalb eines Taues.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c…le_img_0354.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c…le_img_0356.jpg

Auch im Gemälde ist es so ... wenn überhaupt dann werden Farbunterschiede nur bedingt durch unterschiedlichen Lichteinfall als künstlerisches Darstellungsmittel verwendet .
So sind auf dem Gemälde Taue des laufenden Gutes durchaus dunkel dargestellt und ebenso wie Teile des stehenden Gutes auch mal sehr hell sind ... und natürlich auch umgekehrt.

Sehr wahrscheinlich machte man sich gar nicht die Mühe bei dem nur sehr beschränkt zur Verfügung stehenden Platz unterschiedliches Tauwerk mitzuführen ... vielleicht waren einfach nur bestimmte Taustärken vorhanden.

Oder es war in Frankreich ganz einfach (noch) nicht üblich da überhaupt einen Unterschied zu machen ... gab es zu diesem historischen Zeitpunkt überhaupt eine Vorschrift diesbezüglich ?
Wenn nein dann ist die weitgehend homogene Farbgebung im Gemälde und Bild nachvollziehbar.
Falls ja muß man sich fragen warum das in Modell und Gemälde (Realität) nicht so umgesetzt wurde ?
Oder vielleicht nicht auf allen Schiffen ?

Schon jetzt sind deine Taue traumhaft schön ... sieht klasse aus !
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

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3 420

Montag, 15. Oktober 2018, 20:57

Hallo Markus,

wie mir ein Experte für Tauwerk von historischen Schiffsmodellen glaubhaft versicherte,
kann man davon ausgehen, dass bei den Originalschiffen die Franzosen ihre Takelage unwesentlich
anders konservierten, wie die z. B. die Briten.
Insofern sollte das stehende Gut entsprechend dem Farbton von Holzkohleteer dunkler gestaltet werden,
als das laufende Gut.

Damit erklärt sich noch lange nicht, dass z. B. beim Pariser Modell der La Creole und auch vielen anderen Modellen im Musée de la
Marine der Kontrast zwischen dem laufenden und dem stehenden Gut sehr gering war.
Erklärbar wäre dies z. B. dadurch, dass bei diesen Modellen Konservierungsmittel mit Farbpigmenten verwendet worden sind, die sich im Laufe der Jahre teilweise
verflüchtigt haben.
Oder es gibt eine andere Begründung.


Fortsetzung: Schlagen von Tauen
Nach dem Motto „Versuch macht kluch“ übte ich heute wieder an der Reeperbahn. Mittlerweile gelingt es mir immer öfter, die Verdrillung auf das Schlagen so abzustimmen, dass sich die Taue gleichmäßiger und fester zusammendrehen. Langsam aber sicher entwickelt sich mein Gefühl, auf diese Vorgänge entsprechend steuernd einwirken zu können, umso das gewollte Ergebnis zu erzielen.
Ich kann es nur jedem empfehlen, sich mit dieser Materie näher zu befassen, aber Vorsicht: Suchtgefahr!
Nein, aber im Ernst, es ist schon ein gutes Gefühl, wenn sich der Hoofd-Wagen von alleine in Bewegung setzt und sich dahinter die Kardeele zu einem Tau zusammendrehen.
Nachstehende Makroaufnahme zeigt meines Erachtens sehr gut den Unterschied zwischen Bauwollgarn und Leinengarn. Genauso zeigt diese Makroaufnahme jedoch die Unregelmäßigkeiten der einzelnen Keepen, die wohl auf eine ungleichmäßige Spannung der einzelnen Fadenstränge zurückzuführen ist. Viele Faktoren sind bei der Tauherstellung zu beachten, die letztlich das Ergebnis beeinflussen.


Fortsetzung folgt …

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