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61

Dienstag, 24. April 2018, 13:36

Zitat

Was meint Ihr, wie Rahen und Segel während einer längeren Aufenthaltsphase in der Neuen Welt (also son paar Tage) ausgesehen haben?

Nachdem sie im Grunde nur auf den Karibikinseln landeten würde ich mich fragen wie Holz und vor allem Segel/Stoffe unter der intensiven Sonne nah am Äquator aussehen ... vielleicht noch ein wenig abhängig ob Regenzeit oder nicht ... tendiere insgesamt eher zu ausgeblichen

Bei Schiffen mit Webleinen wäre für mich gerefft eher wahrscheinlich ...
da Du aber die ebenso wahrscheinliche Variante ohne Webleinen gewählt hast und ich mir vorstelle, daß die alle über die schmale Leiter nach oben kraxeln müssen .... hm ... da halte ich es für recht wahrscheinlich, daß die Rahen heruntergelassen wurden und zusätzlich die Segel geborgen ...
zumindest sieht man im von der Epoche etwa passenden portugiesischen Livro de Lisuarte immer wieder Schiffe mit runtergelassenen Rahen
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

"When all else fails ... Read the instructions" ( LINDBERG 1965 )

Youth, talent, hard work, and enthusiasm are no match for old age and treachery !
( In memoriam Prof. John A. Tilley, † 20.07.2017 )

62

Dienstag, 24. April 2018, 14:38

Um Markus' Antwort zu ergänzen:

In der Dokumentation zur Replika der Nao Vicotria bzw. zu Magellans Versuch der Weltumsegelung, gibt es eine Szene, wo das Großsegel geborgen wird und dort haben sie die Großrah auch abgefiert bis auf das Schanzkleid. Dabei hat die Nao Victoria durchaus Webleinen. Das scheint also nicht das Argument zu sein, ob zum Bergen der Untersegel die Unterrah abgefiert wird oder nicht.

Auf die Schnelle habe ich die Szene jetzt nicht gefunden, aber hier der 1. Teil der 4. teiligen Doku.

Auf diesem Bild ist sieht man die Replika der Santa mit halb abgefierten Rahen und geborgenen Segeln.

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass die Entscheidung, ob die Rah abgefiert wurde oder die Männers auf die Rah klettern durften eher davon abhing, was einfacher und weniger anstrengend war. So könnte ich mit vorstellen, dass auf kleinen Schiffen, wie die Victoria oder Santa Maria, die Rah abgefiert wurde, wohin gegen bei großen Linienschiffen/Mehrdeckern es ein deutlich größerer Aufwand gewesen ist die Rah wieder hoch zu bringen, im Gegensatz dazu die Männer einfach auf/an der Rah entlang hangeln zu lassen.
Das ist allerdings nur eine Vermutung ohne Belege evtl. weiß jemand anderes was genaueres dazu.

Grüße,

Dany

63

Dienstag, 24. April 2018, 17:28

Gutes Argument ... ich denke es kommen noch mehr unbekannte Faktoren dazu .. einfach weil es eine technische Umbruchzeitzeit war in der verschiedenen Takelagelösungen möglich waren und keine davon für die Santa Maria schriftlich belegt ist ... deswegen so viele extrem unterschiedlich Modelle und Nachbildungen.

Schon die Frage ob die Rahen abgefiert sind stellt sich doch bei der hier vorliegenden Interpretation nur für den Großmast ... vorne und hinten gibts in diesem Fall ja nur die Möglichkeit des Runterlassens, Segel bergen, unten lassen oder eben wieder hochziehen.
Hat man das, wie Du schon sagst mit oder ohne Webleinen sowieso gemacht ... ? (wenn ich sehe wie die noch ein Vierteljahrhundert später höchst waghalsig auf den Rahen der Santa Catharina rumturnen.)
Auf anderen Interpretationen der Santa Maria mit Marsen vorne und hinten und Webleinen wäre die Frage wieder anders denkbar.

Wie sieht es dann auf den kleineren Schiffen der Kolumbusflotte aus die zu Beginn der Fahrt von Lateiner auf Rah umgetakelt wurden ?
Mit oder ohne Webleinen ... die bei Lateinersegeln mit großer Wahrscheinlichkeit unnötig waren ?
Waren diese Wanten an der Bordwand befestigt oder geben manche neueren Forschungsergebnisse einen Anlaß zur Möglichkeit von Rüstbrettern ? Also einer ganz anderen technischen Lösung ?
War man zu dieser Zeit überhaupt sehr viel experimentierfreudiger und auch pragmatischer eingestellt ? ... und wechselte je nach Anforderung einfach mal zu einer für die Reise passenden Takelung ?

Schätze Du solltest eine zu Deiner derzeitigen Takelung ohne Webleinen sinnvoll passende Lösung wählen ... dann ist das in sich stimmig ... das Gegenteil kann nach dem jetzigen Wissensstand sowieso niemand beweisen.
Du kannst das ja mit Wartungsarbeiten an der Takelage und an den rüsten verbinden ... das war nach der Atlantiküberquerung ebenso sehr wahrscheinlich notwendig wie die wenigstens teilweise Überholung der Rümpfe wegen der Schiffsbohrwürmer ... für ein Dio gibts da noch tausend Möglichkeiten.
Grüße aus dem "Wilden Süd-Westen"
Markus

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64

Mittwoch, 25. April 2018, 21:11

Dank Euch für die Hinweise. Ich hab jetzt begonnen, die Segel an heruntergelassenen Rahen zu reffen. Soll heißen, das Lateinersegel wurde abgelassen und das Segel gerefft, danach haben sie es wieder hochgezogen, damit es nicht im Weg herumliegt.
Schöne Erklärung dafür, dass ich das Lateinersegel mit gerefften Segeln bereits fertig hatte. Hätte vielleicht eher fragen sollen.
Am Großmast ist das Marssegel an der Rah gerefft und die ist auf den Mastkorb herabgelassen. So wie auf dem Bild, das Dany gepostet hat, zu sehen. Auch die anderen Rahen werden jetzt abgelassen montiert, nachdem ich die Segel daran genäht habe.
und ich mir vorstelle, daß die alle über die schmale Leiter nach oben kraxeln müssen
... aber die hatten doch guten Rum dabei.

Fotos schicke ich nach, wenn mein Handy mal wieder aufgeladen ist.

Bis bald
Ralf
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Mittwoch, 2. Mai 2018, 20:33

Da bin ich wieder. Das Großsegel ist gerefft, die Rah abgefiert (heißt das so?).
Den Großfall habe ich mit einer Talje an zwei Knechte gebunden, die laut Mondfeld sicherlich da waren. Wie gefällt es Euch?
Auf dem ersten Bild ist der Kolderstock auch gut zu sehen. Im Ausbau befindet sich hier drüber das Spierendach.










Und das Marssegel ist ebenfalls fertig:

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66

Mittwoch, 2. Mai 2018, 21:08

Sehr schöne bildliche Impressionen :ok:
:ahoi: Eisbergfreie Modellbauzeit wünscht Ray

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67

Donnerstag, 24. Mai 2018, 23:11

Es ist Zeit vergangen,die ich aber nicht untätig war. Ich habe mit der Nina begonnen und auch dort die Rahen abgelassen. Dazu einfach mal ein paar Bilder.


So ist die Rah korrekt aufgelegt, oder?















Was haltet Ihr davon?
Liebe Grüße
Ralf
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68

Freitag, 25. Mai 2018, 08:24

Es könnte sein, dass Spezialisten für nautische Geschichte gegen einige deiner Details Einspruch anmelden könnten; aber lass dich davon nicht irritieren. Du hast bereits einen eigenen "Stil" entwickelt, und der führt zu in sich stimmigen Ergebnissen.
Einzig die Halterung der Wanten bei der Santa Maria solltest du nach Maßgabe der Hinweise aus dem Forum überarbeiten. Das sieht ansonsten doch etwas dysfunktional aus.
Schmidt
Restaurierung eines Werftmodells aus dem Jahre 1912 jetzt als Webseite: http://kaiserfranzjoseph.de/
Über das Bemalen mit Humbrol- und Ölfarben: http://www.wettringer-modellbauforum.de/…9193#post739193

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69

Freitag, 25. Mai 2018, 12:05

Mit kritischen Bemerkungen habe ich keine Probleme, im Gegenteil, habe bisher daraus viel gelernt. Die meisten Details habe ich aus dem Buch von Mondfeld über die Schiffe Columbus‘.

Trotzdem würden mich kritische Details auf jeden Fall interessieren. Die Geschichte mit den Wanten bei der Santa Maria sehe ich ein. Auch wenn Mondfeld mehrmals betont, dass bei Karavellen und Naos die Wanten mitunter mit Blöcken befestigt waren. Trotzdem fehlt mir am Brett jeweils ein Block.

Auch die Verwendung von Knechten habe es, sagt Mondfeld, nur bei Naos, nicht bei den Karavellen gegeben, daher die Fall-Befestigung an einer Mastklampe.

Ein bisschen stolz bin ich auf mein Vorderkastell, danke für die vielen Hinweise dazu.

Am Wochenende muss ich mich einem anderen Modell widmen, mein Bulli braucht „Hilfe“ - Maßstab 1:1.

Bis bald
LIebe Grüße
Ralf
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