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dagmar bumper

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Sonntag, 15. April 2018, 12:17

1940 GM Futurliner

Howdy Modelers :wink: ,

ich wage mal einen Abstecher in den Truck Bereich. Natürlich mit einem Gefährt, was in mein Beuteschema passt ( 50ties ). Obwohl Ende der Dreissiger Jahre entworfen und gebaut, sticht es doch deutlich aus der Masse an Trucks heraus, wie ich meine:



Da die Historie der Futurliner nicht unbedingt jedem gerade mal eben geläufig sein könnte ( na so was ), gehe ich “kurz” darauf ein ( ich schrieb diesen Text in mehreren Etappen über einen längeren Zeitraum und habe ihn bewusst nicht Korrektur gelesen. So mag es sein, das sich einige Dinge wiederholen. Ich bitte, dies zu entschuldigen ):

Damals, also ganz damals, als ich auf Recherchereise im www unterwegs war, auf der Suche nach Referenzphotos für . . . weiss nicht mehr, da bin ich auf ein Bild gestoßen, von dem ich nicht so recht wusste, in welche Richtung es meinen Blick lenkte. In die Vergangenheit oder vielleicht doch in die Zukunft.

Es zeigte einen dieser unglaublich schönen Art Deco Dinosaurier, die aus der Zukunft zu kommen schienen, den GM Futurlinern. Future übrigens ohne “e” am Ende, damit sich GM die Namensrechte sichern konnte, aber das nur am Rande.

Damals hatte er mich berührt, dieser Zukunftsdino, aber nicht erreicht. Auf der Suche nach Bildern für ein gänzlich anderes Projekt, stach er mir aber wieder ins Auge, ins Linke glaube ich. Und da war es um mich geschehen, ich hatte einen Gedankenfurz im Kopf und mein persönliches ultimatives Design gefunden.

Wie das so ist mit diesen quälenden Fürzen, begann ich eher oberflächlich mit meiner “Recherche”. Der Plan, der eher wenig konkret in meinem Hirn keimte, hieß, ihn möglicherweise scratch zu bauen, so wie meinen Airstrem Trailer seinerzeit. Dann begab es sich aber, das ich, schon mehr getrieben, als zufällig, in der Bucht landete und auf etwas schier unglaubliches stieß. Einen Resinabguss eben besagten Futurliners. Gesagt, getan. Nach kurzer Nachfrage im Familienfinanzministerium auf “Sofort kaufen” geklickt und . . .

gewartet . . .

. . . 3, 2, 1 yeeeeehaaaaw ( meiner ) ( war ja auch keine Auktion, so what ? )


Der Verbleib der - meisten - Futurliner ist heute klar. Damals hat sich kein Schwein darum Sorgen gemacht ( wie bei den meisten Klassikern ). Jahre später, keiner weiss genau warum, wurde es dann auf einmal interessant. Im Falle der Futurliner war es wohl die horrende Summe von ca. 4,2 mios. US $ bei einer Auktion, die letztlich weltweit für Aufsehen sorgte. Na gut, einer dieser Design Dinos wurde verkauft. So what ? War es der Preis ? War es die Location ? Nope, es war einfach “the Thing”. Ein völlig außergewöhnliches Fahrzeug zu einem völlig außergewöhnlichen Preis, verkauft, bäng. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich bin nicht durch diese Auktion auf diese einzigartigen Fahrzeuge aufmerksam geworden, ich hab ihn auch nicht gekauft ( doppelschwör )

Meine Recherche nach dem - auch außergewöhnlichen - 1950 C.O.E. Ford Truck hat mich zu den Futurlinern gebracht. Als Fan der 50ties US Cars und des Art Deco Styles war ich vom Punkt weg, weg. Hin und weg. Hopelessly devoted, verfallen, süchtig, verliebt.

In mir keimte die Idee, einen Futurliner ( ohne “e” in Future, wegen der vermarktbaren Namensrechte ) scratch zu bauen, wie ich es schon beim Airstream Trailer gemacht hatte. Einzig, der Aufbau und das Design waren, nun ja, schwierig. Aber, worum ging es denn bei einem solchen Projekt ? Na klar, um Aufbau und Design.

Tante “G” und Onkel “E” halfen mir zufällig weiter. Robert Burns, offensichtlich ein begnadeter Formenbauer, bot die Karosserie eines GMF’s ( General Motors Futurliner ) zum Kauf an. Das ersparte mir den Scratchbuild und die damit verbundenen Mühen. Okay, “preiswert” ist irgendwie anders, aber wenn man etwas unbedingt will, wird der Preis relativ. Wenn man dann auch noch über ein familiäres Finanzministerium “verfügt”, welches einem wohl gesonnen ist, kann es passieren, das kleine Wunder geschehen.

An dieser Stelle meinen tief empfundenen Dank an meine wundervolle Anny für ihr - fast unerschöpfliches und fast unendliches - Verständnis für mein Hobby ( und die Freigabe finanzieller Ressourcen )

Als er endlich eintraf - nach vier schier uuunendlichen Wochen - , kann ich ehrlich gar nicht genau sagen, wie es war. Es war irgendwie unwirklich, fast weihnachtlich.

Ich realisierte, was mir eigentlich vorher schon klar war: ich konnte auf das Scratchbuilding . . . getrost verzichten. Aber, ich schweife vollends ab, zurück zur Historie:



Am 27. März 1933 öffnete die Chicagoer Weltausstellung ihre Pforten: “ A Century of Progress Exposition” zwischen 12th und 39th Strasse am Lake Michigan. Themen waren Wissenschaft und Technik und zog bis 1934 48 Millionen Besucher an.

Der Erfolg dieser Ausstellung brachte Charles F. Kettering, Entwicklungschef bei General Motors, auf die Idee, den Menschen in Amerika den technischen Fortschritt ( GM Produkte, Naturwissenschaften und Unterhaltung ) bis vor die Haustür zu bringen. Zu diesem Zweck entwickelte er die Idee von der “Parade of Progress“, der “Parade des Fortschritts”.

... to be continued

Matze

dagmar bumper

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Sonntag, 15. April 2018, 12:19

“This Truck Matters”

Vorab sei gesagt, dass mir keine Bilder im Original vorlagen. Deshalb bitte ich die Qualität zu entschuldigen. Alle Bilder veröffentliche ich hier mit der freundlichen Genehmigung von Don Mayton, Restaurationsleiter an Futurliner #10 ( www.futurliner.com )
Diese Fahrzeug befindet sich heute im NATMUS National Auto & Truck Museum in Auburn, Indiana ( www.natmus.org )



Don Mayton







Die erste Parade of Progress startete am 11. Februar 1936 in Lakeland, FL. Sie legte über 1 Millionen Meilen zurück, besuchte 251 Städte in Canada, USA, Mexico und Cuba und wurde von 12,5 Millionen Besuchern bestaunt. Erwähnenswert ist die Tatsache, das kein Eintrittsgeld verlangt wurde. Die Shows waren “for free”

Dabei waren acht Fahrzeuge, die sog. Streamliner







Die zweite Parade of Progress sollte 1941 losgehen. WWII kam dazwischen. Deutlich sieht man, dass die Futurliner ein komplettes Glasdach hatten ( Clear Top ) und komplett rot lackiert waren



Endgültig starten konnte sie ( im Prinzip die dritte PoP ) dann am 15. April 1953 in Lexington, KY.
Hier waren dann die modifizierten Futurliner am Start. Am auffälligsten war natürlich die Lackierung. Sie waren nicht mehr einheitlich rot, wie 1941 vorgesehen, sondern weiss / rot / alu ( siehe oben, 1. Bild ).









Das Highlight jeder “Messe” war die Einfahrt in Kolonne in die Stadt. Ein Anblick, der mir allein von den Photos her einen Schauer über den Rücken jagt.

Für die Fahrer dieser Liner war nach der Ankunft in den jeweiligen Städten und Gemeinden nur eine kurze Verschnaufpause vorgesehen. Nach dem Frischmachen und Umziehen waren sie für den Aufbau und die Präsentation zuständig.
Futuristisch anmutende Fahrzeuge im Design des begnadeten Harley Earl brachten den Menschen den Fortschritt in jeden Winkel der Vereinigten Staaten. Ähnlich der heutigen Messen und Ausstellungen ( Trade Fairs ) wurden auf den jeweiligen Geländen in den Städten und Gemeinden binnen kürzester Zeit mit Hilfe der zwölf Futurliner und etlicher zusätzlicher PKWs und Versorgungsfahrzeugen sog. Exhibit Areas aufgestellt. Mit dabei war u.a. ein Zelt für ca. 1.500 Personen, das sog. “GM Aer-O-Dome“.

Jeder der zwölf Liner hatte sein Spezialgebiet ( Displays ). Dazu zählten u.a. Entwicklung der Kleinstädte in der Zukunft, fortschrittliche Produkte und Ideen ( Mikrowellenöfen, anderes technisches Equipment für zu Hause, Düsenstrahltechnik usw. ), die dem interessierten Publikum dargeboten wurden.
In manchen kleinen Städten war die Parade das - einzige - Highlight des Jahres. Auch bei dieser PoP war der Eintritt frei







1954 hatte dieses Konzept fast seinen Höhepunkt erreicht. Zwölf Futurliner, zehn Sattelschlepper, vier LKWs und achtzehn PKWs besiedelten jeweils das Areal.



Immer wieder wurde auf verschiedensten Arealen die Show aufgebaut.
Der 148. und damit letzte Stop der Parade fand dann am 28. Juni 1956 in Spokane, WA statt. Nach Abschluss der Veranstaltung im Franklin Park, rollten die Fahrzeuge am 06. Juli 1956 aus Spokane und erreichten Detroit am 17. Juli.

Die Futurliner hatten sich selber überlebt und waren somit im Grunde Pastliner und wurden außer Dienst gestellt.

Einige Liner wurden weiter verwendet, andere wurden sich selbst überlassen. Der Verbleib von insgesamt 9 Fahrzeugen ist heutzutage klar, die anderen dienten teilweise als Ersatzteillager und wurden höchstwahrscheinlich ausgeschlachtet. In Deutschland befinden sich aktuell zwei, ein restaurierter, aber ungepflegter und einer zur Restauration. Die Eigentümer zeigten sich leider völlig unkooperativ, deshalb greife ich auf die sehr gut dokumentierte Restauration von #10 zurück.



Ein Liner erlitt nach einem Auffahrunfall einen Totalschaden. Ob es sich dabei um exakt diesen hier handelte, oder ob das Photo einen anderen Vorfall dokumentiert, kann ich nicht sagen.



Mein Futurliner wird #10 sein, alleine schon aus Respekt vor den unerschrockenen “Restauratoren“.



Er soll den Zustand im Jahr 1953 darstellen, bevor die Parade losging. Fertig und vorbereitet, um das für ihn vorgesehene Display aufzunehmen. Und damit komme ich endlich zum Bau:

Heute vor 65 Jahren begann die PoP. Deshalb nenne ich den Anfang dieses Bauberichts

“Lexington, KY Update”



Es war mir nicht klar, aber es gibt offensichtlich weisses Resin. Verkleben konnte ich einen Teststreifen weder mit Ethylacetat, noch mit Revell Contacta Professionell. Also muss ich die Sekundenkleber Vorräte plündern



Die Wandstärke liegt seitlich bei ziemlich exakt 7 mm



Im vorderen und hinteren runden Bereich geht es auch gegen 8 mm. Also, ganz, ganz ehrlich ? Ich verzichte auf das Öffnen von Türen usw. Hier im vorderen Bereich werde ich versuchen, die Inneneinrichtung der Fahrerkabine nachzubilden



Hier noch mal die Innenansicht im hinteren Bereich

edit: den bisherigen Text schrieb ich in Vorbereitung auf den Bau während der Recherche im Sommer 2017. Inzwischen hab ich mich durch weitere Recherchen dazu entschlossen zumindest zu versuchen, aufzumachen, was aufzumachen geht. Es wird also wohl sehr interessant





Um eine möglichst gerade Bezugskante für die Fahrzeugsymetrie und die sich später ergebenden Konstrukte zu erhalten, hab ich eine grosse “Richtplatte” hergestellt und die Unterkante der Karosserie glattgeschliffen

. . . to be continued

Matze

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3

Sonntag, 15. April 2018, 13:18

Hallo Matze,

endlich geht's los. Habe lange auf den BB gewartet. (Vielleicht auch deswegen, weil ich etwas dazu beisteuern konnte. ;) )
Bin sehr gespannt was du daraus machst, und auf das Ergebnis.
Mit internettem Gruß
Marcel

Ich kann nichts dafür, ich bin so!

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4

Sonntag, 15. April 2018, 18:33

Wow, genial! Seit ich die Trucks im WWW entdeckt habe, bin ich auch ein großer Fan der Streamliner Futurliner (Was habe ich mir nur gedacht?).

Bin sehr gespannt, wie der nachher ausschaut! Und was Du alles dran machst.

Cheers
Martin

5

Montag, 16. April 2018, 05:05

Hallo Matze,

Ein sehr schönes und besonderes Projekt, auf dem du anfängst.
Ick kenne diese Futureliner, aber ich habe dies noch nicht als Baumodell gesehen.
Viel spaß beim bau und ich schaue über deine schulter mit. :)

Grüß Hermann. :wink:

6

Montag, 16. April 2018, 08:16

Moin Matze,

Na dann willkommen bei den Truckverrückten, ja den Futur kenne ich auch, er sieht aus als wenn er gerade einem Comic entsprungen wäre, zumindest aus heutiger Sicht. Aber für damals muss er schon ein erstaunlicher Anblick gewesen sein, so wie heutzutage ein Colani Laster.

Ich bin da auf jeden Fall auch mit dabei, bin schon gespannt auf das was du im Inneren mit dem Truck anstellst.
Aber auch gleich eine Frage, wie wirst du das Fahrgestell gestalten? Ich kann mir gut vorstellen, das der Resinbody recht schwer ist.


LG Bernd
Faulheit ist die Angewohnheit, sich auszuruhen, bevor man Müde wird. :wink:

Was es sonst noch von mir gibt, findet ihr << Hier >>

dagmar bumper

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7

Dienstag, 17. April 2018, 11:29

Howdy Modelers :wink: ,

freut mich, das ihr dabei seid.


Vielleicht auch deswegen, weil ich etwas dazu beisteuern konnte. ;)

Jo, im Grunde hätte ich den Bau ohne die von Dir gedruckten Buchstaben vergessen können. Auf diesem Weg nochmal ein dickes Dankeschön an Dich


@ Martin und Hermann: nehmt schon mal in der ersten Reihe Platz


Aber auch gleich eine Frage, wie wirst du das Fahrgestell gestalten? Ich kann mir gut vorstellen, das der Resinbody recht schwer ist.

Im Vordergrund werden die Dinge stehen, die man sehen kann. Dazu zählt natürlich auch die Fahrerkabine. Ich hab die Idee, diverse Teile abzuformen und aus Resin nachzugiessen, weil sie nach dem Heraustrennen unrealistisch dick wären. Geplant sind mindestens die Fahrertür, die Displayklappen auf der rechten Seite und die Beleuchtungsanlage auf dem Dach. Ungefähr dahin geht meine Vorstellung:



Das Fahrgestell wird entweder eine ganz einfache Konstruktion werden, oder ich verwende einen vorhandenen LKW Rahmen eines Wreckers, den ich mal vor Urzeiten gebaut habe. Da bin ich mir noch nicht schlüssig.

Gewogen habe ich die Karo nicht, schätze sie aber so auf 500 gr. Ich hol das mal nach

So long

Matze

edit: hab mir mal die Küchenwaage von meiner Frau geliehen. 676 gr hat die Karo !

8

Dienstag, 17. April 2018, 18:09

Hallo Matze,

Ich bin auch schon einige Male über Bilder von diesen Fahrzeugen gestossen und mir haben die schon immer gefallen! Selbst für die heutige Zeit wirkt das Design nicht völlig "abgespaced", sondern hat eine fast schon zeitlose Eleganz. Als bekennender Indiana Jones Fan habe ich sowieso etwas für die Art Deko Epoche übrig.
Auch wenn ich nicht alles kommentiere, werde ich diesen Baubericht gespannt verfolgen :D !!

dagmar bumper

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9

Heute, 14:59

Howdy Modelers :wink: ,






Die Zierleisten sind ziemlich gross, bzw. überdimensioniert geraten. Die Meisten werden im Laufe des Baus weichen müssen



Die Dachluke ist weit weniger, als nur angedeutet. Sie ist fast gar nicht da. Das kann ich ich so nicht lassen



Die “geplanten” Achsaufnahmen sind m.E. nach auch “verbesserungswürdig”



Die Fischhäute stellen noch das kleinste Problem dar



Wenn ich die Zierleisten entferne, muss ich vorher sicherstellen, das ich die genaue Position für die neuen Zierleisten wieder finde. Das wollte ich mit Hilfe eines selbstgebauten Anreisswerkzeugs machen. Der Bleistift hat nur leider keinerlei Spuren hinterlassen



Also musste ein dünner Filzstift herhalten, dem ich die runde Schreibspitze keilförmig angeschrägt hatte



Am Heck half dann Abklebeband. Wie ihr gut sehen könnt, habe ich dann mit einem 1 mm Bohrer die entstandene Linie durchlöchert. Somit bleibt die Position immer erhalten

Heute ist nicht alle Tage, ich mach hier weiter, keine Frage . . .

Matze

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1:25, Futurliner, GM, parade of progress

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