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Samstag, 9. April 2011, 13:54

Schleifen von Klarsichtteilen (Cokpit Kanzel)

Am Beispiel einer Cockpitkanzel:

Auf beiden Klarsichtteilen der Cockpithaube waren Gussgrate wiederzufinden, die entfernt werden müssen.
Da das entfernen von Graten und das Feilen an Klarsichtteilen bei Anfängern/Ungeübten für etwas Magenschmerzen sorgen kann,
erlaube ich mir einen kleine Workshop zu machen, quasi von einem Modellbaulaien für Modellbaulaien. Die Profis hier wird das eher
langweilen. Aber es soll ja Menschen geben, die so etwas noch nie gemacht haben bzw.. es in naher Zukunft mal versuchen wollen.

Alles was man braucht sind folgende Materialien und kleine Helferlein:

+ Schleifsticks ( Diese hier bekommt man in jeder Drogerie für 2 € )
+ Pinzetten ( welche ist egal, je nach Vorliebe )
+ Unipol Modellpolierpaste ( sehr gute Paste, alternativ tuts aber auch die gute alte Zahncreme )
+ Mikrofasertuch ( zum nachpolieren, macht keine zusätzlichen Kratzer )
+ Gummihandschuhe ( um nicht unnötige Finger- und Fettabdrücke auf den Klarsichtteilen zu hinterlassen )
+ Plastikgefäße ( Wenn ihr mal beim Chinesen bestellt, bloss nix wegwerfen. Spülen und aufbewahren, kann man immer mal brauchen )
+ Future ( Nur in den USA,GB oder bei US-Streitkräften in DEU erhältlich! Alternativ kann man auch Emsal Fussbodenglänzer verwenden, hab ich aber keine Erfahrung mit. Hab immer nur von Future gelesen, und das soll richtig gut sein. )

Beim Eurofighter liegen als Klarsichtteile bei:
+ Beide Cockpithauben
+ Landescheinwerfer des Hauptfahrwerks
+ Positionslampen
+ HUD

Beide Hauben wurden vom Gussast getrennt, um sie besser verarbeiten zu können.


Hier kann man den Gussgrat sehen, der über die ganze Haube verläuft.


Nun kanns losgehen, Handschuhe an, Feile raus und Feuer frei....
Ich feile mit dem grauen Schleifstick gegen die Laufrichtung des Grates von links nach rechts, bis der Grat im Licht so gut wie nicht mehr zu sehen ist.
Der graue Stick ist für das grobe zuständig. Die Haube sieht danach zwar schlimm aus, aber alles wird gut .... Hoffe ich... :D


Als nächstes, wird mit dem nächst feineren Stick das gleiche gemacht. Zwischendurch kurz den Staub abwaschen und kontrollieren ob der Grat noch zu sehen ist.


Nachdem das Klarsichteil vom Staub befreit wurde, gings mit den Reinigungs Sticks weiter. Bei diesen Sets sind die Feilen nummeriert. Also alles ganz einfach.
Auch hier wieder quer zur Laufrichtung des Grates hin-und her gefeilt.




Der Grat sollte nun gänzlich verschwunden sein. Was natürlich übrig bleibt, sind durch das Schleifen sehr trübe Stellen. Nun ist Zeit für etwas Angstschweiß.
Bekommt man diese trüben Flecken jemals wieder raus???
Es gibt ja noch den Polierstick. Mit dem poliere ich die gröbsten Kratzer heraus. Leider lassen sich damit auch die trüben Stellen nicht ganze wegpolieren, aber sehr gut minimieren.


Und das ist das Ergebnis nach dem ganzen Schleifen und Polieren mit den Sticks.


Jetzt kommt die Polierpaste oder die Zahncreme zum Einsatz.


Ich persönlich verwende zur Zeit lieber die Paste. ( ist eigentlich in jedem gut sortieren Modellbauhandel zu bekommen ) Etwas Paste auf das Mikrofasertuch, und dann in kreisenden Bewegungen auf das Klarsichteil aufbringen und verreiben. So wie man es bei eigenen PKW auch machen würde. Ruhig mit etwas Druck arbeiten, ABER VORSICHTIG !
Zum Schluss das Klarsichtteil mit einer sauberen Stelle des Tuchs blank polieren. Auch wieder in kreisenden Bewegungen.
Habe meine Cockpithaube mal gegen das Licht gehalten. Man sieht keine trüben Stellen mehr, die durch das Schleifen verursacht wurden. Stattdessen aber noch ein paar kleine Kratzer.


Damit es diesen Kratzern nun endlich an die Gurgel geht, kommt unsere Geheimwaffe zum Einsatz. Future/Emsal Glänzer.. wie auch immer.
Mit von der Partie auch unsere Schachtel vom Chinesen (kann auch jeder andere Fresslieferant sein ;D )
Die Badewanne ist hergerichtet:


Dann gehts per Flachköpper ins Future Becken

Schön die Teile drin baden, auch diese hier...


Nachdem die Teile nun kurz in Future getunkt waren, kann man diese wieder heraus nehmen und ins "Trockendock" verfrachten.
Dazu dient mir wieder so eine ausgediente Reisschachtel vom China Mann. Etwas Küchenrolle darin ausgelegt, damit die Teile nicht an der
Plastikschale festkleben. Future hat eine leicht klebende Wirkung.

Zum Schluss noch den Deckel drauf, damit alles schön Staubfrei bleibt. Die Klarsichtteile können vor sich hin trocknen. In der Zwischenzeit die Klarsichtteile
nicht berühren, wegen Fingerabdrücken etc...
Das Future härten nun aus, und legt eine Schutzschicht auf das Klarsichtteil. Die Cockpithauben werden damit richtig unempfindlich gegen Kratzer und sorgt
dafür die Teile glänzen als wären sie nie behandelt worden.
Das ganze war bis hierhin ein Arbeitsaufwand von knapp 15 Minuten

Wie das ganze dann aussieht, erfahrt ihr morgen !

Ich hoffe, ich habe es einigermaßen verständlich erklärt. Wie schon erwähnt, zielt dieser kleine Workshop auf Laien wie mich, die ein wenig Skrupel haben, an
Klarsichtteilen zu schleifen, und wie man es mit wenig Aufwand in kurzer Zeit schafft, solche Klarsichteile zu verbessern.
Wenn es den Admins gefällt, kann man es ja sticky machen.

Grüße, Patrick

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Montag, 11. April 2011, 13:27

Hi Patrick,

schön erklärt wie ich finde. Genauso gehe ich bei den Scheiben von Automodellen vor und mache so die "Kratzer" und "Schlieren" oder Reifenabdrücke weg. Nur dass ich am Ende kein Future benutze, da ich es nicht besitze. Ich poliere das dann noch mit dem Revell-Wachs auf. Die Unipol-Paste ist sehr gut und universell einsetzbar, kann ich jedem empfehlen.

Gruß
Gregor
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3

Montag, 11. April 2011, 14:05

Servus Patrick,

auch ich finde Deinen Bericht hoch informativ! (so von Laie zu Laie...)
Herzlichen Dank für die Arbeit, die Du Dir da gemacht hast.
Speziell der Trick mit dem "Future floor finish" war mir neu. Nun wäre es interessant auszuprobieren, ob es alternative Mittelchen hierzulande gibt (Parkettversiegelungen etc.)?

Ich hab früher sehr viel mit Acrylglas gearbeitet ("Plexiglas"). Dort war ein Schlüssel für den Erfolg zum Erzielen glänzender Schnittflächen das akribische stufenweise Schleifen mit unterschiedlichen Körnungen. Am Ende meist 800er Naßschleifpapier unter fließendem Wasser. Gegenüber dem Trockenschliff vermeidet man das erneute Verkratzen der Oberfläche durch das Hin- und Herreiben abgeschliffener Körnchen.
Die höchste Kunst bestand freilich in der Herstellung glänzender Gewindegänge, was mir nie wirklich perfekt gelungen ist.
Als Politur nahm ich ein Mittelchen aus dem Nachlass der Großmutter, allen Ernstes von ca. 1950. Nach meiner Erfahrung geht aber auch jede KFZ-Lackpolitur, selbst Alu-Politur.

Gruß,
Johannes

M.Schröder

unregistriert

4

Montag, 11. April 2011, 18:06

Moin :-)

Als Ersatz kann,man Emsal glänzer nehmen (Blaue Flasche) ist vom aussehen Milchig aber keine angst es trocknet klar aus.

Es gibt auch W5 Boden glänzer http://www.swannysmodels.com/TheCompleteFuture.html

Wen man die Klarsichtteile,mit future behandelt kann man sie auch mit Sekundenkleber verarbeiten ohne angst zuhaben das die dämpfe eine Trübung verursachen.

5

Montag, 11. April 2011, 19:05

Ui.. habe ich ja noch garnicht gesehen, dass das sticky gemacht wurde. Danke !
Schön wenn jemand was damit anfangen kann, ausserdem sind Bauberichte ja auch dafür da, das man voneinander lernen kann.

Wie Michael schon richtig sagte, man kann auch Emsal Bodenglänzer nehmen. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom.
Auch zur Unipol Paste gibts Alternativen. Tamiya Compound z.B. Gibts glaub ich auch in verschiedenen Stärken. Aber jeder hat so sein Mittelchen und seine Vorlieben.
Wenn jemand gute und günstige Alternativen hat, immer her damit.
Future ist jetzt kein Allheilmittel, aber es ist gut :D Leider schwer zu bekommen, zumindest nur über Umwege aus dem Ausland.

Grüße, Patrick

6

Sonntag, 9. August 2015, 15:12

Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Werde es die Tage direkt mal testen :thumbsup:

7

Mittwoch, 14. Oktober 2015, 08:40

Moin moin!

Was gibts denn noch für Mittel um die Cockpit-Hauben schön glänzen zu lassen?

Hab den Emsal Glänzer noch net gefunden.

8

Mittwoch, 14. Oktober 2015, 09:56

Hi,

ALCLAD ALC600

Gruß :wink:
Rainer
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Albert Einstein
:prost:
Fertig:
Porsche Boxter
Lancia Repsol

9

Mittwoch, 14. Oktober 2015, 10:03

Hi,

ALCLAD ALC600

Gruß :wink:
Rainer
und wo kann man das kaufen?

10

Mittwoch, 14. Oktober 2015, 10:42

Gruß, Olaf

Im Bau Zerstörer Mölders 1:100 scratch
Fertig: Hachette U96 1:48, Academy Graf Spee 1:350, VIIc 1:350

11

Mittwoch, 14. Oktober 2015, 10:46

Danke für den Link!

Ist das vergleichbar mit Erdal/Emsal?

12

Donnerstag, 15. Oktober 2015, 08:15

Bekomme bei meinem alten KP-Bausatz leider kein gutes Ergebnis hin.

Die Kanzel sah vorher echt schlimm aus. Nun nach schleifen mit Wasser, 2000er Papier und auch Zahnpasta - noch schlimmer!
»wienerle« hat folgende Bilder angehängt:
  • IMG_20151014_194244.jpg
  • IMG_20151014_194418.jpg

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Donnerstag, 15. Oktober 2015, 09:47

Probier's mal mit Mr Muscle Stahl-fix.
Bekommst du z.b. bei Rossmann oder DM und sicherlich auch woanders.

Ist auf jedenfalls eine gute Zwischenstufe zwischen deinem Sandpapier und der Zahnpasta.

Ich poliere damit jedenfalls nach dem Schleifen die gröberen Kratzer wieder raus und schleife dann evtl noch mal mit etwas feinem (wie deiner Lackpolitur) nach.

Nur mit deiner Zahnpasta schleifst du dich tot, bevor es vernünftig glatt wird.

Verwendete Tags

Schleifen

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